Zweiter Wahlgang in 57 Wahlkreisen

In 57 (von insgesamt 176) Wahlkreisen wird es einen zweiten Wahlgang geben, da keiner der dort augestellten Kandidaten konnte im ersten Wahlgang mehr als 50% der abgegebenen Simmen auf sich vereinigen.FIdesz liegt in 55 Wahlkreisen an Platz 1, MSZP führt in zwei Wahlkreisen.

Die bislang entschiedenen Wahlkreise gingen ausnahmslos an die Fidesz-Kandidaten.

Durch den zweiten Wahlgang könnte sich das Wahlergebnis von Jobbik noch etwas verschlechtern: Die Wähler tendieren im zweiten Wahlgang eher dazu, den „sicheren“ Kandidaten zu wählen. Wechsler von Jobbik zu Fidesz sind daher wahrscheinlich.

Da der Fidesz noch 52 Mandate zur 2/3-Mehrheit benötigt (258 von 286 Parlamentssitzen), scheint diese durch die Wahlkreise des 2. Wahlgangs gesichert. Die wohl eher zu Gunsten von Fidesz ausfallenden Ausgleichsmandate, die den Wahlsieger begünstigen und über landesweite Listen aufgefüllt werden, sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

MDF-Vorsitzende Ibolya Dávid tritt nach verheerendem Wahlergebnis zurück

Die Vorsitzende des Ungarischen Demokratischen Forums (MDF), Ibolya Dávid, tritt von ihrem Amt zurück. Das MDF hat den Einzug ins Parlament verpasst. Spitzenkandidat des MDF war der frühere sozialistisch einanzminister Lajos Bokros.

Ibolya Dávid war in der Legislaturperiode 1998-2002 Justizministerin in der ersten Orbán-Regierung. Nach 2002 drifteten die Parteien jedoch auseinander und traten 2006 als Konkurrenten auf. MDF war eine der bestimmenden Wendeparteien und stellte den ersten frei gewählten Ministerpräsidenten József Antall.

Viktor Orbán: Stehe vor der größten Herausforderung meines Lebens

In einer kurzen Ansprache auf dem Vörösmarty-Platz bedankte sich der künftige Ministerpräsident Viktor Orbán bei den Wählern. Er teilte u.a. mit, Ungarn sei „erhobenen Hauptes auf die Hauptstraße der Geschichte zurückgekehrt“. Er stehe vor der größten Herausforderung seines Lebens, um sie zu bestehen, benötige er jeden einzelnen Mitbürger. Konkrete Pläne schilderte Orbán nicht.

Der zukünftige Oppositionsführer Attila Mesterházy (MSZP) gratulierte Viktor Orbán und forderte ihn auf, Politik für alle Menschen in Ungarn zu betreiben. Zugleich bat er die Wähler, im zweiten Wahlgang die Opposition zu stärken: Ohne eine starke Opposition sei Demokratie nicht denkbar. Zudem kündigte er an, die MSZP würde sich grundlegend erneuern.

Wahlanalyse: Jobbik vor allem in Ostungarn stark

Die rechtsradikale Partei Jobbik hat in Ostungarn – wie erwartet – stark abgeschnitten. Bei der Listenwahl im OstkomitatSzabolcs-Szatmár-Bereg wurde Jobbik nach Fidesz (53,85%) zweitstärkste Kraft und erreichte 23,67% der Stimmen. Die Sozialisten befinden sich mit 14,81% auf dem dritten Platz.

Ebenfalls Platz zwei erlangte Jobbik in den Komitaten Hajdu-Bihar (18,92%), Borsod-Abauj-Zemplén (27,27%), Heves (25,09%), Nógrád (20,77%) und Jász-Nagykun-Szolnok (24,01%).

Die Ergebnise belegen, dass Jobbik gerade in wirtschaftlich schwachen Regionen mit hohem Roma-Anteil Wähler überzeugen konnte. In West- und Mittelungarn liegt die Partei bei ca. 12-16%.

Wahlanalyse Budapest: LMP schlägt Jobbik

Die junge, grüne Partei LMP (Lehet más a politika = Politik kann anders sein) hat den EInzug in das Parlament geschafft. In der Hauptstadt Budapest konnte die erstmals bei den Europawahlen 2009 aufgetretene Gruppierung die rechtsradikale Partei Jobbik auf den 4. Platz verweisen (Fidesz: 46,24; MSZP: 25,52%; LMP: 12,75%; Jobbik: 10,79%; MDF: 4,70%).

Der aus dem Fernsehen bekannte Jobbik-Politiker Sándor Pörzse, der im I. Bezirk (Burgviertel) als Wahlkreiskandidat angetreten war, konnte lediglich 6,87% der Stimmen erlangen. Fidesz gewann den I. Bezirk souverän mit 53,04% (Dr. Gábor Tamás Nagy). Auch hier erlangte die LMP-Kandidatin fast dreimal so viele Stimmen (16,40%) wie Jobbik.

Der Jobbik-EU-Parlamentsabgeordnete Zoltán Balczó konnte im II. Bezirk ebenfalls nur weniger als 7% der Stimmen auf sich vereinigen. Auch hier lag LMP bei 12,41%.

Jobbik konnte LMP in einigen Stimmkreisen der Außenbezirke sowie in einem Stimmkreis des VIII. Stadtbezirkes schlagen.

Wahlverlierer MSZP spekuliert über potenziellen Wahlbetrug

Die MSZP-Vorsitzende hat auf einer Pressekonferenz um 22.30 Uhr die Möglichkeit eines Wahlbetruges durch Fidesz in den Raum gestellt. Es müsse überprüft werden, warum in bestimmten Wahllokalen eine so große Zahl von auswärtigen Wählern erschienen sei und sich die Stimmabgabe so lange verzögert habe. Die Vorsitzende stellte – ohne Belege – in den Raum, es könne sich hierbei um organisierten Wahlbetrug durch Fidesz gehandelt haben.

Das lange Warten auf die Hochrechnungen

Nach aktuellen Berichten aus Budapest steht die Stimmabgabe in den Wahllokalen im Stadtbezirk Zugló (14. Bezirk) und Ferencváros (9. Bezirk) vor dem Abschluss. Hingegen befinden sich nach aktuellen Berichten in einem Wahllokal des 11. Bezirks noch mehrere Hundert Wartende.

Erste Internetblogs berichten über angebliche Zwischenergebnisse von Auszählungen. Im Hinblick auf die fortdauernde „Kampagnenruhe“ dürfte es sich hierbei aber nur um Spekulationen handeln.