MSZP umwirbt LMP: Schon vier MSZP-Kandidaten sagen Teilnahme am 2. Wahlgang ab

Die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) umgarnt den Newcomer der diesjährigen Parlamentswahl, die grün-alternative LMP („Politik kann anders sein“). Die in Budapest im ersten Wahlgang auf Platz drei – und damit vor die rechtsradikale Jobbik – aufgerückte, erst ca. ein Jahr alte Gruppierung kann mit der Unterstützung einiger sozialistischer Abgeordneter im zweiten Wahlgang rechnen.

Die MSZP-Abgeordneten Dezső Avarkeszi, Csaba Hatvani, Gergely Bárándy und Zoltán Szabó sagten ihre Teilnahme am 2. Wahlgang (25.4.2010) ab und forderten ihre Wähler auf, die dortigen LMP-Kandidaten zu unterstützen.

Der Rücktritt von Stimmkreiskandidaten vor dem 2. Wahlgang ist nichts außergewöhnliches. In den Stimmkreisen gewinnt derjenige Kandidat bereits im 1. Wahlgang, der mehr als 50% der Stimmen auf sich vereint. Bislang sind 119 Stimmkreise entschieden, 57 unentschieden, in 52 davon führt der Fidesz-Kandidat. Schätzt ein Kandidat seine Chancen, im 2. Wahlgang das Blatt zu drehen und zu gewinnen, nicht gut ein, besteht die Möglichkeit, zurück zu treten und durch entsprechende Wahlaufforderung einen anderen Kandidaten zu unterstützen.

Alle vier MSZP-Rückzügler standen in ihrem Stimmkreisen auf Platz zwei (nach Fidesz). Der Sieg im Stimmkreis wäre unwahrscheinlich, da ein Wählerwechsel von Fidesz/Jobbik zu MSZP kaum stattfindet. Durch die Untersützung der ökologischen Gruppierung LMP malt sich die MSZP offenbar größere Chancen aus, den Wahlkreis der führenden Fidesz zu entreißen. Es geht den Sozialisten nach dem eindeutigen Wahlverlust nun  erklärter Maßen darum, die 2/3-Mehrheit des Fidesz zu verhindern. Hier muss die Zahl der an Fidesz gehenden Stimmkreise im 2. Wahlgang verringert werden.

Die Geste der MSZP ist für die LMP nicht ungefährlich: Die junge Partei hat sich dem Wähler als Gegensatz zu den etablierten Großparteien vorgestellt. Sollte LMP im Gegenzug Stimmkreise für den MSZP-Kandidaten „frei machen“, würde die kleine Fraktion unverzüglich als Anhängsel der Sozialisten wahrgenommen werden. Dass „Politik anders sein kann“, scheint in der Tat nicht mit der Zusammenarbeit mit der MSZP unter Beweis gestellt werden zu können.

Anmerkung, 22.27 Uhr: Wer glaubt, die MSZP-Kandidaten würden freiwillig auf ihren eigenen Parlamentsposten verzichten, irrt. Zoltán Szabó hat seinen Sitz über die Landesliste bereits jetzt ebenso sicher wie Gergely Bárándy. Die beiden anderen Pechvögel wurden im Hinblick auf ihr mageres Abschneiden in Budapest (Avarkeszi errang im klassischen Arbeiterviertel Csepel nur den 2. Platz) geopfert – an Freiwilligkeit zu glauben, fällt hier durchaus schwer.

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