Ján Slota wütet wieder: Was vom slowakischen Wahlkampf zu erwarten ist

Der Vorsitzende der in der Slowakei mitregierenden Slowakischen Nationalpartei (SNS), Ján Slota, hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Der Politiker ist für seine tiefe Verachtung gegenüber dem Nachbarn Ungarn und die ungarische Minderheit im eigenen Land bekannt. So bezeichnete er die Minderheit in der Südslowakei schon mal als „Krebsgeschwür am slowakischen Volkskörper„, die sozialistische Außenministerin Kinga Göncz war für ihn ein „zerzaustes Weib„. Zudem hätten die Slowaken die „hässlichen, mongoloiden Ungarn zivilisiert„.

Der wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Slota hat auch nichts für die in der Slowakei zahlreiche Roma-Bevölkerung übrig:  Sie seien Kriminelle und Parasiten, die man ausmerzen müsste. Die Hasstiraden gegen alles, was nicht „slowakisch“ ist – was natürlich Slota definiert – kennt faktisch keine Grenzen.

Diesmal griff Slota auf den ersten ungarischen König und Nationalheiligen, Stephan I. (Szent István), zurück, um das Magyarentum anzugreifen: Stephan habe „sich mit den slowakischen Adligen und den fränkischen Rittern verbündet, um diese Mongoloiden auf dem Gebiet des historischen Ungarn zu töten. Möglich, dass einige von ihnen, im Schilf versteckt, überlebt haben„.

Laut Slotas jüngsten Äußerungen war Stephan (aus dem ungarischen Árpáden-Geschlecht) kein Magyare, sondern nur Herrscher über das historische Ungarn, der immerhin besser deutsch als ungarisch sprach.  Bemerkenswert ist, dass derselbe Slota, der dem Staatsgründer Stephan I. nun das Ungarntum abspricht und zum Verbündeten gegen die Magyaren stilisiert, bislang ernsthafte Probleme mit eben dieser Person hatte: Er bezeichnete ihn als „Clown auf einem Pferd“. Dass Stephan – nicht zuletzt aufgrund der Stimmungsmache der SNS – in der Slowakei durchaus als (böser) ungarischer Regent wahrgenommen wird, zeigt übrigens schon die Tatsache, dass Standbilder des Staatsgründers regelmäßig beschmiert und verunstaltet werden. Und im vergangenen Jahr wurde dem ungarischen Staatspräsidenten Sólyom die Einreise zur Einweihung eines Reiterstandbildes St. Stephans untersagt. So viel zur historischen Konsequenz.

Slota weiter:

Die slowakische Nation ist bereits seit 1500 Jahren hier seßhaft. Die mongoloiden ungarischen Stämme, die auf diesen hässlischen, pelzigen Pferden daher kamen, haben erst vor kurzem ihr 1000-jähriges Bestehen gefeiert. Die Hinterlassenschaften dieser nicht seßhaften Nomaden sind auf dem Gebiet Ungarns kaum noch vorhanden.“

Ein letzter Satz zum Geisteszustand Slotas: Er forderte jüngst die slowakische Armee zu erhöhter Alarmbereitschaft auf. Es drohe ein Angriff aus Ungarn. Offenbar hat Slota vor, die ungarische Jobbik in ihren Aussagen noch zu übertrumpfen. Die Slowakei befindet sich im Wahlkampf, das ungarische Blatt kommt bei vielen Slowaken einfach gut an.

Gute Besserung!

http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_I._(Ungarn)

MDF und SZDSZ: Das Ende einer kurzen Zwangsehe

Das Ungarische Demokratische Forum (MDF) und der Bund freier Demokraten (SZDSZ) haben ihre Zusammenarbeit beendet. Beide Parteien waren gemeinsam zur Parlamentswahl angetreten, um ihre Chancen, die 5%-Hürde zu erreichen, zu erhöhen. Die den politischen Prozess in den Jahren der Wende 1989-1990 maßgeblich mitbestimmenden Parteien (MDF stellte den ersten frei gewählten Ministerpräsidenten, József Antall) hatten in den letzten Jahren dramatisch an Bedeutung verloren. Während das MDF – 1998-2002 in einer Regierungskoalition mit Fidesz und den Kleinlandwirten – an der Abrenzung zum Fidesz scheiterte, war der SZDSZ seit 2002 Teil des Regierungsbündnisses und immer wieder in Korruptionsaffären verstrickt.

Die Trennung erfolgte auf den Wunsch des MDF.