„Investoren haben überreagiert“

Die recht einhellige Negativbeurteilung Ungarns durch die Finanzmärkte und die Wirtschaftspresse wegen des vorläufigen Endes der Kreditverhandlungen mit dem IWF und der EU scheint ein Ende zu nehmen. Der US-Wirtschaftssender CNBC berichtet davon, die Investoren hätten mit der „Flucht“ aus ungarischen Anleihen und aus der Landeswährung Forint nach Abbruch der Verhandlungen überreagiert und falsch gehandelt. Nach einem kurzzeitigen Verfall des Forint sei dieser seit zwei Monaten stabil. Auch die Nachfrage nach Staatsanleihen sei wieder gestiegen: Die Rendite ungarischer Staatsanleihen ist rückläufig, d.h. die Kosten der neuen Kredite sinken. Die Auktion von Anfang August hatte eine drifache Überzeichnung ergeben.

Damit kehrt wohl wieder Besonnenheit ein. Der Finanzmarkt geht davon aus, die Verhandlungen mit IWF und EU könnten nach den Kommunalwahlen im Herbst wieder aufgenommen werden. Die von vielen als „unnachgiebig“ charaktrisierte Haltung Ungarns, das weitere Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit Kredittranchen des IWF ablehnt und stattdessen auf Steuererleichterungen für Private und Mittelständler setzt, wird als politisches Signal an die eigenen Wähler gedeutet. Zudem halten CNBC und auch der englische ECONOMIST fest, dass Ungarn in der Lage sein dürfte, auch ohne die letzte Kredittranche von IWF/EU den Haushalt zu finanzieren.

Einem Bericht des ungarischen Fernsehsenders ATV zufolge (hier abrufbar) ist von einer „Wende“ in der internationalen Beurteilung Ungarns – zum Positiven hin – auszugehen. Es sei beiläufig erwähnt, dass die politische Ausrichtung des Senders ATV als regierungskritisch bezeichnet werden kann. Von einem „gekauften“ Beitrag ist also nicht auszugehen…

3 Kommentare zu “„Investoren haben überreagiert“

  1. Dann wäre ja alles gut. Der Forint pendelt sich ein 1 €= 280 und nach den Lokalwahlen würde Fidesz seine Versprechen brechen und auf ein Haushaltsdefizit von 3.8% hinarbeiten.
    Natürlich gibt es auch ein anderes Scenario, die Regierung beschließt, die Wahlversprechen zu halten und das Defizit zu vergrößern, das aber würde einen Konflikt mit IMF bedeuten.
    Im Herbst werden wir mehr wissen.

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