Wollte die MAL-Führung die Instabilität des Damms vertuschen?

Nach einem Bericht der ungarischen Tageszeitung Népszabadság soll das Unternehmen MAL bereits Wochen vor dem Unglück Kenntnis von der Instabilität des Schutzwalles gehabt haben. Der Damm eines Rotschlammbeckens im ungarischen Ort Ajka war am 04.10.2010 eingestürzt, mehrere hunderttausend Kubikmeter Schlamm ergossen sich über die umliegenden Ortschaften. Die Zahl der Todesopfer liegt bei acht, es gab über hundert Verletzte (hauptsächlich mit Verätzungen an den Gliedmaßen), die am schlimmsten betroffenen Ortschaften sind laut Beobachtern für lange Zeit ganz oder teilweise unbewohnbar.

Die Zeitung berichtet, dass Mitarbeiter der mittleren und oberen Führungsebene den Leiter des Unternehmens, Zoltán Bakonyi, schwer belastet hätten: Bakonyi habe Mitarbeitern mit Kündigung gedroht, wenn sie den schlechten Zustand des Damms erwähnen. Zudem soll die Zusammensetzung des Rotschlamms nicht den Vorschriften entsprochen haben, sodass er als Gefahrabfall einzustufen gewesen und eine Lagerung unter freiem Himmel unzulässig gewesen wäre. Bakonyi hatte unmittelbar nach der Katastrophe behauptet, der Schlamm sei ungefährlich, man könne ihn mit einem Wasserschlauch problemlos beseitigen „und fertig“. Der Direktor befindet sich in Untersuchungshaft, die Geschäfte des Unternehmens wurden auf Grundlage eines erst am 11.10.2010 im Parlament beschlossenen Gesetzes am 12.10.2010 unter staatliche Aufsicht gestellt, vor allem um Vermögensverschiebungen zu verhindern. Die Steuer- und Finanzaufsicht (APEH) führt eine vollständige Prüfung der Finanzen durch.