Polit-Parodie Munkáspárt: Gyula Thürmer erneut zum Vorsitzenden gewählt

Es gibt sie noch, die echten Relikte aus der – nach Ansicht der Hessischen Heinrich-Böll-Stiftung so „liberalen“ – Kádár-Ära: Die „Magyar Kommunista Munkáspárt“, zu deutsch „Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei„. Das Sammelbecken von Altkommunisten und Kádár-Nostaglikern hat das 21. Jahr nach der Wende er- bzw. überlebt und versammelt sich beständig (seit 1989) unter der Führung von Gyula Thürmer, um den „guten alten Zeiten“ nachzuweinen. Natürlich ohne jeden Protest aus der Westpresse ob der Geschmacklosigkeit der Verharmlosung einer Diktatur. Da nimmt freilich auch niemand zur Kenntnis, dass die Positionen der Munkáspárt bezüglich der vermeintlichen „Macht des bösen ausländischen Kapitals“ wie eine Kopie des Jobbik-Parteiprogramms wirken. Und weil man weltanschaulich so wunderbar unbehelligt von den Mayers, Kirchengasts und Franks schalten und walten darf, gilt der Volksaufstand von 1956 unter den Genossen (unter ihnen auch einige ehemalige Mitglieder der kommunistischen Geheimpolizei ÁVÓ) auch heute noch als faschistische Konterrevolution. Wie liberal man doch war und ist…

Gyula Thürmer wurde nun erneut zum Parteivorsitzenden gewählt. Zwölf Jahre noch, und er wird sein großes Vorbild Kádár bácsi (Onkel Kádár) in Sachen Parteivorsitz eingeholt haben. Bis dahin hat man noch einiges vor, Thürmer sieht sich bereit für den Posten des Ministerpräsidenten.

Auf dem Parteitag waren stilecht Kádár-T-Shirts, Wandplakate und Rote Hemden zu sehen (ledglich Stalin schaffte es nicht aus der Mottenkiste), und auch das der kommunistischen Tradition entsprechende „warme Bier und kalte Würstchen“ wurde gereicht. Der Kuchen war bald aufgezehrt, denn – wie es eine Teilnehmerin berichtete – die „Männer mögen Süßes, wie Sie wissen„. Ja, wir wissen es. So bitter all das auch sein mag.

Und, bevor wir es vergessen: Natürlich gab es, in guter Kádár-Tradition, auch diesmal wieder nur einen Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden. Der (Thürmer) möchte die Partei „radikaler“ und „jünger“ machen. Niemand lebt schließlich ewig, das haben wir schon von Kádár gelernt. Und einen ersten Erfolg muss man der Arbeiterpartei hier neidlos zugestehen: Es gab erstmals auch Sushi.

Hungarian Voice wünscht viel Erfolg bei der Erneuerung!