Neuer Tiefpunkt: Die WELT über den „Führerstaat Ungarn“

Die EU-weite Kritik am ungarischen Mediengesetz, mag sie nun berechtigt oder zum Teil überzogen sein (wir berichteten), ist in aller Munde. Es gibt aber auch in diesem Bereich immer wieder Stilblüten des Journalismus, verfasst von Menschen, die sich weder mit dem Land noch den Leuten auskennen, aber offenbar das Bedürfnis haben, auf jeden fahrenden Zug aufzuspringen, um sich zu profilieren. Derartige Versuche gehen meist gründlich in die Hose, wenn man die Berichte einer genaueren Betrachtung unterzieht. Dies wollen wir hiermit tun.

Wir stellen Günther Lachmann, Autor der WELT, vor. Der Journalist ist laut öffentlich zugänglichen Informationen 1961 geboren, studierter Volkswirt und Experte für das Thema Islamismus. Er machte bislang eher mit Büchern über „Tödliche Toleranz: Die Muslime und unsere offene Gesellschaft“ von sich reden. Ein „islamkritisches“ Buch, das mit der Aussage beginnt, es sei nicht rechtsradikal. „Tödliche Toleranz“? Sarazzin („Deutschland schafft sich ab“) lässt grüßen.

Unser Protagonist hat sich nun Ungarn vorgenommen. Sein am 23.12.2010 erschienener WELT-Online-Artikel trägt den Titel „Neues Mediengesetz: Der Führerstaat Ungarn gefährdet die EU.“

Das Best of des hier abrufbaren Artikels:

„Gerade erst hatte die rechts-konservative ungarische Regierung die privaten Rentenversicherungen zwangsverstaatlicht, und nun hob sie die Presse- und Meinungsfreiheit im Land auf. Niemanden würde es wundern, verabschiedete das Parlament demnächst ein Ermächtigungsgesetz, mit dem es die gesamte Staatsgewalt an die Regierung Viktor Orbáns abträte.“

Hört sich schrecklich an. Wenn es zuträfe. Jedoch wurde weder wird die „Presse- und Meinungsfreiheit „aufgehoben“, noch ist irgend eine Tendenz zu einem Ermächtigungsgesetz auch nur zu vermuten. Ohne das Mediengesetz auch nur im Ansatz gut zu heißen, dürften derartige, verleumderische Falschmeldungen und Nazi-Vergleiche mit der Grund dafür sein, dass sich Ungarns Regierung zu derartigen (im Grundsatz fragwürdigen) Maßnahmen verleiten ließ. Es ist schwer erträglich, sich von Blinden die Farbe erklären und sich von ihnen diffamieren zu lassen. Wie es Dr. Schönfärber in der Münchner Kult-Serie Monaco Franze sinngemäß sagte: „Wenn man schon nichts versteht, dann schweigt man still, und hält sein dummes Maul!“ Gleiches gilt für die Behauptung:

„Ungarns faschistische Tendenzen sind unübersehbar. Möglicherweise ist der Führerstaat kaum noch zu verhindern.“

Flankierend zu dieser ungeheuerlichen Aussage beginnt der Artikel mit der Darstellung der Jobbik-nahen „Ungarischen Garde“, einer Pseudo-Ordnungstruppe, die nach Angaben ihrer Gründer für öffentliche Sicherheit sorgen wollte. Tatsächlich handelt es sich um eine mehrheitlich  rechtsradikale, weil hungaristische, Bewegung. Diese hat mit Fidesz freilich nichts zu tun, sondern war ein Produkt von Jobbik, d.h. einer heutigen Oppositionspartei. Die kommentarlose Verknüpfung des Bildes einer Organisation, die zwischenzeitlich von den Gerichten verboten wurde und nichts mit dem angeblichen Faschismus der ungarischen Regierung zu tun hat, belegt, dass man mit Bildern lügen kann. Der Leser soll den falschen Eindruck bekommen, in Ungarn würde die SA im Auftrag der Regierung marschieren. „Führerstaat“ Ungarn eben…

Und selbst der Volkswirt Lachmann scheint dem Journalisten Lachmann auf den Leim gegangen zu sein:

„Überrascht von dieser Entwicklung dürfte eigentlich niemand sein, der Ungarn in den vergangenen Jahren nicht ganz aus den Augen verloren hat. Denn dort ist nach dem Zusammenbruch des Ostblocks so ziemlich alles falsch gemacht worden, was falsch gemacht werden konnte. Nach der Wende stand das Land mit 17,5 Milliarden Euro Auslandsschulden da, und das bei einem Staatshaushalt von nur 20 Milliarden Euro. Doch statt die Schulden zu tilgen, machten die Ungarn weitere Schulden, sowohl die Bevölkerung als auch der Staat. Daran waren die Banken und große Unternehmen aus den westlichen EU-Staaten nicht ganz unschuldig. Die Banken machten den Ungarn leichtfertige Kreditzusagen. VW und Audi schufen zwar große Fabriken, die dort erzielten Gewinne aber flossen nach Deutschland ab.“

Ungarn habe also „ziemlich alles falsch gemacht“. Und das erschließe sich natürlich, so Lachmann, jedem, der das Land „in den vergangenen Jahren“ nicht aus dem Auge verloren habe. Ein nettes Stilmittel, das eigene Kompetenz suggerieren soll.

Anders als Lachmann haben die meisten Ungarn-Beobachter freilich die ersten Jahre nach dem Systemwechsel als gute Jahre beschrieben. Ein paar Fakten: Die sozialistisch-liberale Regierung Horn hat in den Jahren 1994-1998 massive Privatisierungen zur Schuldentilgung durchgeführt, die den heute hohen Anteil ausländischen Kapitals an der ungarischen Wirtschaft begründet haben. Die Aktionen damals waren von harter Kritik aus der Bevölkerung begleitet, das sog. „Bokros-Sparpaket“, benannt nach dem damaligen Finanzminister, ist bis heute ein Reizwort und führte zum Regierungswechsel 1998, als Viktor Orbán die Regierung erstmals übernahm. Die Bokros-Maßnahmen waren im Hinblick auf die Verschuldung erfolgreich, sie sank von 1995 bis 1998 von 85% auf knapp 60% des BIP. Alles falsch gemacht? Auch die Jahre 1998-2002 unter dem (Lachmann) „Führer“ Orbán waren von einem soliden Wachstum und dem Abbau von Staatsschulden geprägt, die Staatsverschuldung betrug 2001 noch 52% des BIP (und lag damit unter der von Deutschland).

Das neue Problem Ungarns war die große Abhängigkeit vom ausländischen Kapital, gerade in den Branchen Strom- und Gaswirtschaft. 80% des Börsenkapitals befinden sich in ausländischer Hand. Die Investitionspolitik des Landes war aus diesem Grund (zu) stark an den Interessen der „Multis“ orientiert, ein starker Mittelstand – der in Deutschland für 80% der Arbeitsplätze verantwortlich zeichnet – existiert nicht. Wer die Zahlen betrachtet, wird sehen, dass die Staatsverschuldung erst ab 2002 -2009 wieder anstieg, von 55% (Ende der ersten Regierung Orbán) bis auf 78% (Ende der sozialliberalen Regierungen Gyurcsány/Bajnai). Es ist also schlichtweg journalistische Faulheit, Unfähigkeit oder gar Böswilligkeit, wenn man als Volkswirt nicht in der Lage ist, die vergangenen beiden Jahrzehnte differenziert zu betrachten.

Zudem muss jedem, der Ungarn nicht aus dem Auge verloren hat, klar sein, dass die massive Aufnahme von Konsumentenkrediten und Hypothekendarlehen in ausländischer Währung erst nach 2002 begonnen hat und somit weder mit Orbán, noch mit der kommunistischen Hinterlassenschaft der 90er-Jahre, d.h. mit der damaligen Auslandsverschuldung, etwas zu tun hat. Abermals zeichnet die sozialliberale Ära bis 2010 und die Notenbank dafür verantwortlich, dass eine derart hohe Privatverschuldung in Devisen (v.a. in Schweizer Franken) möglich war und damit die Fragilität der ungarischen Wirtschaft weiter bestärkt wurde. Eine Beschränkung des Anteils ausländischer Hypothekendarlehen wäre EU-rechtlich zulässig und wirtschaftlich sinnvoll gewesen. Genau dieses Dilemma sorgt heute dafür, dass Ungarn die Zinsen nicht senken kann, um die (Export-)Wirtschaft zu befeuern, da andernfalls das sinkende Zinsniveau zu einem weiteren Verfall des Forint führen und die Schuldenlast der Haushalte weiter anwachsen ließe. All das ist Volkswirtschaft für Erstsemester.

„Auch die einst liberale Partei Fidesz rückte immer weiter nach rechts. Ihr Spitzemann Orbán, der von 1998 bis 2002 als Ministerpräsident eine Koalition mit dem Demokratischen Forum und der Kleinlandwirtepartei geführt hatte und als lupenreiner Liberaler galt, war nicht wiederzuerkennen.“

Orbán war in den Wendejahren bis 1994 liberal, bereits vor 1998 jedoch Mitglied des konservativen Lagers. Dass Orbán also in den Jahren 1998-2002 als lupenreiner Liberaler galt, ist falsch und zeugt von Unkenntnis.

Ferner ist eine Bilderserie von „Ungarns mächtigen Rechtspopulisten“ zu sehen.

An Nummer 1 und Nummer 2 stehen die beiden Jobbik-Politiker Gábor Vona und Krisztina Morvai. Die beiden sind Mitglieder einer rechtsradikalen Oppositionspartei mit einem Stimmenanteil von 16% bei den letzten Wahlen: „Mächtige Rechtspopulisten“?

An Nummer 3 Viktor Orbán.

An Nummer 4 Zsolt Semjén, nach Lachmann-Lesart Vorsitzender der katholisch-fundamentalistischen KDNP (Christlich-Demokratische Volspartei). Er soll 2007 durch antisemitische Hetze im Parlament aufgefallen sein. Belege? Fehlanzeige. Ein schwerer Vorwurf, den man besser mit Beweisen unterfüttern sollte.

An Nummer 5: Oszkár Molnár, unabhängiger Parlamentsabgeordneter und Bürgermeister von Edelény. Laut Lachmann, dem Experten, „Orbáns Parteifreund„. Molnár war in der Tat Mitglied von Fidesz, wurde jedoch nach antisemitischen und romafeindlichen Bemerkungen im Jahr 2009 nicht mehr als Kandidat aufgestellt und aus der Partei ausgeschlossen. Eine glatte Fehlmeldung also. Nicht nur, dass Molnár kein „mächtiger Rechtspopulist“ ist, er ist auch kein Parteifreund Orbáns. Offenbar gefällt sich Lachmann jedoch darin, unbedeutende Provinzpolitiker zu Giganten zu stilisieren.

Lachmanns Kommentar ist ein wirklicher Tiefpunkt in der Berichterstattung. Da wundert es keinen, dass die eingefügte Online-Umfrage ergab, dass (24.12.2010, 10:45 Uhr) 64% der Leser zum Ergebnis kam, Ungarn habe keinen Platz mehr in der EU. Dem Autor Lachmann und auch den Lesern der Welt sei hier für die Hocherkenntnis gratuliert, dass ein Land, das maßgeblich am Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands beteiligt war, heute keinen Platz mehr in der EU haben soll…man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte!

17 Kommentare zu “Neuer Tiefpunkt: Die WELT über den „Führerstaat Ungarn“

  1. Soll diese Polemik die konservative Welt erschrecken? Doch ein Kommentar muss nicht alle Behauptungen mit Beweisen unterfüttern. Ich nehme nur ein Beispiel, was Herr Semjén im Parlament über Onkel oder Tante Weiss oder Schwarz gesagt hat – ich bin jetzt nicht bei meinem PC zuhause wo ich das nachschauen und dokumentieren könnte – wurde von manchen als impliziter Antisemitismus verstanden.
    Und es gibt da gewisse ideologische Berührungspunkte zwischen Fidesz und Jobbik.
    Die deutsch-ungarische Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky hat das gestern in einem Radiogespräch auf den Punkt gebracht.
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=38132
    Natürlich kann man auch die deusche Bundeskanzlerin und den deutschen Außenminister ins linksextreme Eck stellen, und mancher Ungar, der keine Fremdsprache beherrscht und nur rechte Medien konsumiert mag das auch glauben, aber gerade mit solchen „Erklärungen“ bestätigt man die Kritik an der Fidesz-Regierung.
    Es ist ein altbekanntes Mittel autoritärer Regierungen, den Spiegel den man ihr vorhält zerschlagen zu wollen. Aber der Spiegel ist nicht verantwortlich dafür, dass man so ausschaut, wie man vom Spiegel wahrgenommen wird.

    • Alles, was Frau Marsovzsky dazu sagte, ist, dass sie nicht wisse, wie sie zwischen Fidesz und Jobbik unterscheiden solle. Sie seien auf einer ideologischen Linie. Auf den Punkt gebracht nenne ich das nicht.

      Jobbik sei (Zitat) eine „Opposition der Opposition von Fidesz“. Was will uns Marsovszky damit wohl sagen?

      Ein Interview, das Frau Marsovszky voll und ganz gerecht wird. Alles wurde runtergespult, was wir aus ihren Vorträgen und Artikeln kennen: Vom „88-seitigen Parteiprogramm“ der Jobbik und dem angeblichen Bezug der Seitenzahl zum Hitlergruß über den (kein Scherz!) Wetterbericht „im ungarischen Fernsehen“, der nicht nur für Ungarn in seinen heutigen Grenzen, sondern für „Großungarn“ gelte…all das auf dem „Freien Sender Kombinat“. Der Name ist Programm.

      Man muss Frau Marsovszky zu Gute halten, dass sie ehrlich genug ist, ihre weit links gerichtete Auffassung, mit der sie uns seit mehr als 10 Jahren beglückt, nicht zu verstecken, sondern sich offen dazu zu bekennen.

  2. Es geht weniger um den „Spiegel“ oder das Mediengesetz, sondern um den Unsinn und zum Teil hanebüchenen Lügen, die der o.g. Artikel seinen deutschen Lesern präsentiert. Selbst Sie wären wohl nicht darauf gekommen, Oszkár Molnár als „mächtigen Rechtspopulisten“ zu bezeichnen 🙂

    Wie zu erwarten, höre ich von Ihnen keinerlei Widerspruch im Bezug auf den Inhalt des WELT-Artikels. Weder im Hinblick auf „faschistische Tendenzen“ noch den pseudo-historischen Exkurs des WELT-Autors über die vergangenen 20 Jahre.

    Hier kann man nur von einem Zerrspiegel sprechen, der auf den Wiener Prater oder das Münchner Oktoberfest gehört.

  3. Es gibt einen Widerspruch. Ich würde nicht von faschistischen Tendenzen schreiben, sondern von völkischen bei Fidesz und nationalsozialistischen bei Jobbik.
    Und ich meinte nicht die Zeitschrift Spiegel, sondern den Spiegel, der nun vor das Gesicht von V.O. und Fidesz gehalten wird, und da besteht die Neigung den Spiegel, der einem vorgehalten wird zu zerschlagen.

    Und dass die Popularität von V.O. und Fidesz laut allen ung. Meinungsforschern sinkt werden Sie doch nicht leugnen wollen.

    Übrigens zählt V.O. das Abschaffen der Steuer of Schnapsbrennen als eine seiner Errungenschaften. Das ist wieder so eine Schnapsidee.

    • Ich sprach ebenfalls nicht von der Zeitschrift Spiegel. Habe Sie schon richtig verstanden.

      Richtig, die Popularität Orbáns sinkt, jedenfalls hat das ATV sofort stolz verkündet. Ich habe damit nicht das geringste Problem. Ungarn braucht nämlich keinen Guru, sondern eine stabile Regierung, die das tut, was wirtschaftlich und sonst notwendig ist. Und nachdem Sie hier regelmäßig lesen, wissen Sie auch, dass ich lange nicht alles gut finde, was Orbán tut und sagt.

  4. Nun hat unlängst in Budapest eine wissenschaftliche Konferenz über Antisemitismus und Weltverschwörung in Ungarn stattgefunden und wer Ungarisch kann, der/die kann den Bericht darüber lesen auf:
    http://www.politicalcapital.hu/blog/?p=1937820#more-1937820

    Und bitte nicht erklären, dass all die Teilnehmer dieser Konferenz Linke sind, die sich die Zahlen aus den Fingern saugen.

    Und wie begründen Sie Ihre Behauptung Frau Marsovszky wäre links? was sind das für schwache Argumente, Menschen die kritisch eingestellt sind als „links“ zu schubladisieren.

    Ich rate, das Interview zu hören und sich selbst eine Meinung zu bilden. Ich höre mir auch Zsolt Bayer an und begnüge mich nicht mit irgendwelchen Artikel über ihn.
    Übrigens finde ich es amüsant, dass dieser ungarische Nationalist, dieser „tiefer Ungar“ seine Honorare in der Slowakei versteuert und sein Autor auch in der Slowakei registrieren läßt.

  5. Natürlich läßt Bayer nicht sein Autor sondern sein Auto in der Slowakei registrieren.
    Wie die Brieftasche beginnt, hört der Nationalismus auf.

  6. Ich komme erst jetzt nach einem opulenten Abendessen und der Geschenverteilung dazu die FAZ anzuschauen und was sehen meine Augen?
    „Schwarzenberg: „Dieses Gesetz ist gefährlich“
    Auch die Vereinigung der Europäischen Nachrichtenagenturen (EANA) sieht in der ungarischen Mediengesetzgebung eine Abwendung von den Grundprinzipien der Pressefreiheit. Die Budapester Regierung werde aufgefordert, die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien zu schützen, heißt es in einem Schreiben an die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Unter den EU-Partnern regt sich seit Tagen heftiger Protest. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg sagte: „So wie dieses Gesetz konzipiert ist, ist es wirklich gefährlich.“
    Die EU müsse „bei der nächsten Möglichkeit“ feststellen, „dass dieses Gesetz den Prinzipien der Europäischen Union widerspricht“. “

    Nun kann man einiges über Fürst Schwarzenberg sagen, aber sicher ist er kein Linker und er ist auch keiner der Sympathien den kommunistischen Regimen entgegengebracht hat.

    Ich denke, man sollte auf solche Stimmen hören.

    Doch es ist zu befürchten, dass V.O. beratungsresistent ist.

    Eva S. Balogh denkt, dass es möglich wäre, dass P. Schmitt dieses Gesetz nicht unterzeichnet. Ich bin Pessimist und traue V.O. zu den Konflikt zu suchen, um sich dann als armes Opfer einer internationalen Verschwörung der Radfahrer und Brillenträger gegen Ungarn darzustellen.

  7. Vona und Morvai in eine Bilderserie mit Orbán zu stellen, ist definitiv eine Polemik, die deutsche Leser in die Irre führt. Zum Glück sind diese Menschen doch nicht wirklich auf einer Linie, auch wenn man bei vielen Themenbereichen den Unterschied tatsächlich nicht sieht.

    Wer sich ab und zu das Helyi Téma anschaut, wird an solche irreführenden Bildmontagen inkl. reisserischer Überschriften bereits gewöhnt sein, normalerweise jedoch eher mit MSZP-Politikern. Und ich fürchte, dass der Medienrat auf diesem Auge auch in Zukunft eine gewisse Sehschwäche haben wird.

    Aber die deutsche WELT sollte sich Gedanken darüber machen, ob sie auf einem Niveau sein möchte mit Helyi Téma…

    • Danke für den Tipp mit Helyi Téma, kannte ich noch gar nicht.

      In der Tat werden wir für jedes Blatt, das wie der WELT-Artikel eine falsche oder jedenfalls völlig übertriebene Darstellung der ungarischen Rechten liefert, einen Artikel finden, der von rechts aus in hanebüchener Weise attackiert. Nehmen wir nur Magyar Hírlap oder Demokrata. Das gilt aber nur für die Presse IN Ungarn, über die Grenzen hinaus findet ein derartier Diskurs zwischen den „großen Blättern“ nicht statt.

      Den Unterschied zwischen der WELT und Helyi Téma sehe ich nicht nur in der Zahl der Leser, sondern darin, dass die deutschsprachige Presse sich ganz klar für die Wiedergabe nur einer politischen Meinung über Ungarn entschieden hat. Dies gilt für SZ, WELT, Standard einheitlich: Da hilft es auch nicht, wenn man hämisch darauf hinweist, die WELT sei konservativ (was ATV gerne tut) und das, was dort über Ungarn zu lesen sei, daher eine Schelte von konservativer Seite.

      Tatsächlich fehlt vielen Kommentatoren, wie z.B. dem o.g. Lachmann, wohl das „vollständige“ Ungarn-Bild und auch die ungarischen Sprachkenntnisse, um die auf dem Weg nach Deutschland verlustig gegangenen Themen zu behandeln.

      Verstehen Sie mich nicht falsch: Man darf/soll/muss Orbán kritisieren, wenn er falsch handelt. Ich empfinde es aber so, als ob „die andere Seite“ überhaupt nicht in den Redaktionen ankäme. Alles scheint aus einem Guss zu kommen, der – Sie können sich ein Bild davon machen – zumeist 1:1 in der Népszava zu lesen ist. Alles Zufall?

      Ich führe das darauf zurück (man möge mich dafür der Verschwörungstheorie bezichtigen), dass die deutschen Journalisten faktisch mit immer den gleichen „Quellen“ sprechen. Ich habe in 2009 einen renommierten Autor eines aktuellen Buches über den Mauerfall kennen gelernt, der auch für viele Zeitungen schrieb. Er sagte mir, das Problem des Fidesz liege darin, dass man bislang unfähig war, mit der internationalen Presse angemessen zu kommunizieren. Ich selbst halte das auch für ein Versäumnis Orbáns, der in den Jahren 1998-2002 unliebsame Journalisten auf schwarze Listen gesetzt hat. Von diesen Leuten (v.a. Gregor Mayer) kann Orbán natürlich kein Entgegenkommen erwarten. Abgesehen davon, dass Mayer einer gänzlich anderen politischen Linie angehört und mit der Angst vor den Rechten auch sein Buch verkauft.

      Mich würde Ihre Auffassung interessen, ob das Ungarn-Bild nicht verdächtig oft eine bestimmte politische Richtung in Ungarn abbildet. Und ob Sie das (unabhängig von Ihrer persönlichen Sympathie) für eine gute Art von Journalismus halten.

      Und ich würde Helyi Téma nicht mit der WELT vergleichen…

      Da ich auf Ihrem Blog „hungaliennation“ leider keine Kommentare hinterlassen kann, auf diesem Wege Gratulation (nachträglich) zum 100. Geburtstag :-).

  8. Hi,
    ich bekomme immer das kalte Grauen, wenn ich die Berichte im Internet über Ungarn lese.Da werden irgendwelche Sachen polemsiert die sich reiserisch verkaufen lassen können.Ich habe noch nie erlebt, das irgendein Thema in der deutschsprachigen Presse total durchleuchtet wurde.
    Mich würde z.B ganz brennend interssieren, wieso noch keiner hinterfragt hat, weshalb der Lendvai sein letztes Werk nicht in ungarischer Sprache verfasst hat.Es soll ja wohl die Ungarn aufrütteln oder sollten doch andere Absichten damit verbunden worden sein?
    Bevor jetzt hier fragen auftauchen:Bin in D geboren und seit 38 Jahren hier in Ungarn ansässig.Zeitweise kann ich ausserdem die Einschränkung der „Pressefreiheit
    verstehen, wenn ich solche Seiten wie antifa-hungary
    ansehe.
    kulancs

  9. @ Kulancs: Das „verspielte Land“ wird in 2011 in ungarischer Sprache erscheinen. Da Lendvai Österreicher ist, liegt Deutsch als Erscheinungssprache ersteinmal nahe. Und pragmatisch gesehen verspricht der deutschsprachige Raum auch eine höhere Auflage als Ungarn, und damit ein höheres Einkommen.
    Antifa-Hungary ist das eine Ende des Spektrums, kurucinfo das andere. Beide sind ärgerlich, aber man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Népszabadság hat vor zwei Wochen das große Problem des Medienrats aufgezeigt: Es kann vorkommen, dass Ankläger und Richter die gleiche Person sind, und das ist nicht korrekt.

    @ Hungarianvoice: Ersteinmal muss man festhalten, dass Ungarn in der deutschen Presse selten vorkommt. Während wir täglich wissen, was Obama gefrühstückt hat, wussten die meisten Deutschen vermutlich bis letzte Woche nicht, wer Orbán ist, und viele wissen es auch heute noch nicht, weil es ihnen herzlich egal ist. Das finde ich schade, und deshalb ist jeder Blog in deutscher (oder englischer) Sprache, der sich mit Ungarn beschäftigt, ein richtiger Schritt. Deshalb will ich die Glückwünsche gerne zurückgeben, 10.000 Besucher sind eine schöne Zahl.

    Den detaillierten Vergleich zwischen Népszava und deutschen Publikationen habe ich noch nie gemacht. Mein Wortschatz ist schlicht zu sehr auf den Alltag ausgerichtet, um viele Artikel in den ernsthafteren Zeitungen und Zeitschriften ohne intensives szótár-Studium im Detail zu verstehen. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass alle gemeinsam auf die Népszava als Quelle zurückgreifen, aber ein eigenes Urteil habe ich hier leider nicht zu bieten. Einzelnen Quellen völlig ungeprüft zu vertrauen und deren Informationen ungefragt zu übernehmen, ist nie ein guter Journalismus. Aber gerade deshalb kann ich mir eine solche Praxis bei den genannten Zeitungen eigentlich nicht vorstellen.

    Der Vergleich von Helyi téma und WELT war natürlich nur halbernst gemeint, die spielen in unterschiedlichen Klassen, sowohl was Verbreitung, Auflage als auch Niveau betrifft. Umso ägerlicher ist es dann aber, die gleichen Tricks der unterschwelligen Desinformation mit Bildern auch in der WELT wiederzufinden.

  10. Hi,
    dies ist die einzigste Seite im Netz, die ich kenne, wo man sich bemüht Ungarn realistisch darzustellen.
    Zumindestens findet man hier auch einige „Hintergrundinformationen“ und nicht nur reisserische Details.
    pk

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