FTD: Etwas mehr Vertrauen in die junge ungarische Demokratie!

In einem Kommentar vom 4.1.11 reagiert auch die Financial Times Deutschland auf das ungarische Mediengesetz. Nach Auffassung des Kommentators gebe es mit dem Medienrecht beunruhigende Tendenzen, die dem Hang Viktor Orbáns, die Kontrolle zu übernehmen“, entsprächen. Jedoch sieht der Kommentar die teilweise schrillen Töne deutlich über das Ziel hinausschießen und plädiert für ein wenig „mehr Vertrauen“ in die junge ungarische Demokratie.

Als einen dieser schrillen Töne kann man getrost den Chefredakteur des öffentlich-rechtlich finanzierten ZDF ansehen. Peter Frey gab vor einigen Tagen im Heute-Journal einen sehr scharf formulierten Kommentar zur Lage in Ungarn ab. Frey bezeichnet den Geist des Mediengesetzes als „Bazillus“, dem Europa widerstehen solle. Orbán sei ein Zensor, mit dem sich die europäischen Staatschefs nicht gemeinsam ablichten lassen sollten. Auch weist Frey darauf hin, dass man als EU Glaubwürdigkeit verliere, wenn man einerseits Ungarn gewähren lasse und auf der anderen Seite die Verfolgung von Journalisten andernorts kritisiere. Der im Kern zutreffende Hinweis auf die Glaubwürdigkeitsfrage hinkt indessen an einem Punkt: Dass Ungarn keine Journalisten verfolgt und das Internet abschaltet, weiß auch Frey. Und er weiß auch, dass ein endgültiges Urteil am Ende einer sorgfältigen Prüfung erfolgen sollte. Jedenfalls dann, wenn es so formuliert wird.

Zudem wird die Frage erlaubt sein, warum das ZDF erst jetzt auf das von seinem Chefredakteur so scharf kritisierte Gesetz reagiert: Wäre eine frühere Berichterstattung nicht sinnvoller gewesen mit dem Ziel, die Öffentlichkeit und die Politik zu informieren und so einen Teil dazu  beizutragen, dass das Gesetz gar nicht erst in Kraft tritt? Zweierlei scheint klar: Fidesz ist mit seinem Plan, das Gesetz still und leise in Kraft treten zu lassen, gescheitert. Und das ZDF mit seinen hohen Maßstäben muss sich fragen lassen, warum es so lange geschlafen hat.

9 Kommentare zu “FTD: Etwas mehr Vertrauen in die junge ungarische Demokratie!

  1. Das begründet die wohl Motivation Freys, persönliche Eindrücke aus Ungarn (Kommentar Nr. 343 zu einem Artikel von Zsolt Bayer (Übersetzung ins Englische von Hungarian Spectrum Kommentar))

    Aber gegen die für halbwegs normal denkende schier unglaublichen Auslassungen von Zsolt Bayer wird natürlich nicht vorgegangen… Gelebte selektive Medienfreiheit unter der weltoffenen Regierung von Herrn Orbán. Schön, dass es das gibt. Gut für Ungarn jedenfalls. Und da wundert sich hier jemand, dass Herr Frey dann mit einem nicht allzu positiven Bild aus Ungarn abreist. Und jetzt müssen sie kommen und Herr Frey mangelnde Professionalität vorwerfen.

    „343. rugach has surprised me. Peter Frey director of ZDF (second German state TV) has critizised the new Hungarian media law. rugach has premonition that the name Peter Frey is not German but Jewish.
    Reminds me of a real story. A German friend of mine who works in Brussels with EU told me a few years ago, that he has to go to Budapest to give lectures about joining the EU. I told him at the time, about widespread antisemitism and he asked me what would happen if he asked at the end of the lecture about that. I told him, somebody will ask him if he is Jewish. He did not believe it. When he came back from Budapest he told me, that my premonition turned out to be right. One lady in the audience asked him if he is a „real German“. My friend asked the lady why does she believe him not to be a real German. To which the lady replied „because you don’t look like one“. My friend has dark blond hair, blue eyes and has no Jewish blood (His Grandparents had to have a document during Nazi time certifying this)“
    Zitiert von: http://esbalogh.typepad.com/hungarianspectrum/2011/01/the-day-after-the-protest-is-not-subsiding.html?cid=6a00e009865ae588330148c74f423f970c

    • @Klingler:

      1. Auf Grundlage welcher Fakten sind Sie davon überzeugt, Herr Frey habe sich einen persönlichen Eindruck gemacht („abreist“)?

      2. In dem o.g. Beitrag findet sich die Behauptung mangelnder Professionalität nicht.

      3. Sind Sie der Meinung, Bayer und seine schwachsinnigen anonymen Kommentatoren sind der Maßstab für die öffentliche Meinung in Ungarn?

      4. Bitte geben Sie zukünftig Zitate als solche zu erkennen. Und zitieren Sie bitte vollständig. Zudem wäre es schön, wenn Sie den Lesern mitteilten, ob Sie Ihre Quellen prüfen, bevor Sie sie verbreiten. Es wäre zudem interessant, was Sie mit der Wiedergabe der Passage beweisen wollen.

      • zu 1. Reine Mustmassung, aber naheliegend, oder? Wer so etwas nicht immer wieder erlebt (wie jemand, der in Ungarn lebt) und als fester Bestandteil der ungarischen Alltagskultur erkennen muss (ich rede von offen gelebtem Antisemitismus), der wird schon kurz schockiert sein.

        Mir war es wichtig, diesen hintergund hinzuzufügen,d a sonst hier niemand darauf verweist. Das ist meiner Meinung nach an sich ein Mehrwert.

        zu 2. „schrill“ = unangemessen, weil nicht diese Sendung passend ergo unprofessionell.

        zu 3. Nein, aber fester Bestandteil eines unguten, nicht wirklich stattfindenden öffentlichen Diskurses, dem niemand auch jetzt Einhalt gebieten möchte, obwohl es längst an der Zeit wäre. Sie tragen auch ihren Teil dazubei, als „Tageszeitung“ in scheinbar normalem journalistischem Gewand. Und damit und nicht nur damit wohlwollend unterstützt vom alten Parteifreund Orbán (Sie sehen so etwas immer „kritisch“, wenn sie weit gehen wollen in einer negativen Bewertung von Fidesz). Was wäre Ihrer Meinung nach das adäquate Pendant im linken Lager?

        zu 4: Das Zitat steht in Anführungszeichen, der Link zur Quelle darunter. Ich habe mit dem Kommentarschreiber nicht persönlich Kontakt gehabt, was verstehen Sie unter Prüfung? „Beweisen wollen“: Siehe 1.

        Kann es sein, dass Sie derzeit etwas nervös sind? Warum denn? Es läuft doch alles am Schnürchen hier vor Ort…

        Darf ich noch auf einen Beitrag in der taz verweisen?
        Die Kommentierung der Inhalte desselben überlassen ich Ihnen.
        http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/das-ungarische-desaster/

  2. @ Peter:

    „zu 4: Das Zitat steht in Anführungszeichen, der Link zur Quelle darunter. Ich habe mit dem Kommentarschreiber nicht persönlich Kontakt gehabt, was verstehen Sie unter Prüfung? „Beweisen wollen“: Siehe 1.“

    Ja. Die Anführungszeichen und der Link sind vorhanden, weil ich sie nachträglich eingefügt habe. In Zukunft zitieren Sie bitte selbst korrekt.

  3. Es ist ja einfach unglaublich was sich Zsolt Bayer in seinem Kommentar leistet. Z.B. ist nicht irgendein Journalist, sondern ein guter Freund von V. Orbán und ein führender „fidesznaher“ Journalist.
    Bayer tut es Leid, dass beim Pogrom in Orgovány im August 1919 nicht noch mehr Juden und „Rote“ umgebracht wurden.
    Tatsächlich wurde Z.Bayer bei der Medienbehörde angezeigt. Und nun bin ich gespannt, ob diese auch in diesem Fall tätig wird.
    Und was die Meinungen, die von M.Hirlap. gebracht worden sind betrifft, kann man daraus schon eine Meinung bilden welches Publikum Z.Bayer bedient.
    Ob Z.Bayer gegen Gesetze verstoßt oder nicht, wird ja die Medienbehörde entscheiden, dass er aber gegen den einfachsten Anstand verstoßt, dass ist klar.
    Es zeigt auch, wie hohl die Parole von Fidesz über ihr angebliches Christentum ist.
    Wirkliche Christen und wirkliche Herren und Damen müssten sich von solchen Journalisten mit Abscheu abwenden. Doch das genau geschieht nicht.

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