Die Teppich-Story: Darf es noch ein Skandälchen sein?

Manchmal muss man einfach lachen.

Ungarn hat einen neuen Eklat. Wenn ich die Verkleinerungsform wüsste, hätte ich die verwendet. Nach der ernsthaften, wenn auch nach Ansicht einiger etwas überhitzten Debatte um das Mediengesetz sucht man in der einen oder anderen Redaktion offenbar nach Themen, um das gerade entstehende Ungarnbild am Kochen zu halten. Und man wird, als guter Trüffelsuchhund, ja auch fündig. Voilà! Wie die Presse heute aufdeckte, liegt eine Provokation sondersgleichen im Ratsgebäude zu Brüssel, ein 202 Quadratmeter großer Ausdruck ungarischen Revisionismus, Größenwahns und Großmachtstrebens. Nein, es sind nicht die ausgebreiteten napoleonischen Pläne der ungarischen Regierung auf Gebietserweiterung.

Es ist?…ein Teppich!

Ein Stück Stoff also, das – so steht es hier – die Geschichte Ungarns in Bildern darstellen möchte. Neben der Kettenbrücke (über die wir wohl alle schon gegangen sind), dem Esterházy-Schloss und der Kaiserin Sissi befindet sich darunter eine Landkarte des ungarischen Königreiches in seinen Grenzen von 1848. Laut der österreichischen Tageszeitung Presse ein Affront! Und eine Provokation Europas.

Die Zeitung teilt uns den historischen Hintergrund wie folgt mit:

Der 202 Quadratmeter große Teppich besteht aus zahlreichen Motiven, darunter auch die Karte von 1848, einem Jahr, als Ungarn Kriege gegen Nicht-Magyaren in ihrem Königreich führten. Damals wurden sowohl Russen, Kroaten, Rumänien, Slowaken als auch österreichische Truppen angegriffen. In Folge führte dies zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Österreich, Russland und Kroatien. Letztlich endete dies im österreichisch-ungarischen Ausgleich.“

Historiker drehen sich im Grabe um. Die Ungarn führten im Jahr 1848 Kriege gegen Nichtmagyaren…und griffen Österreich an? Passt das zur Debatte um das Mediengesetz? Der jahrhundertealte Konsens und die Freundschaft zwischen Ungarn und Österreichern, auch die gute Erinnerung an die liebe Kaiserin Sissi, scheinen vergessen. Nun ist nicht mehr von einem (in allen Geschichtsbüchern, auch bei Lendvai, so bezeichneten) Freiheitskampf der Ungarn gegen die Habsburger die Rede, sondern wird auf blutrünstige Rassisten angespielt, die gegen „Nichtmagyaren“ kämpften.

Freilich liest man nicht, dass es sich um einen Freiheitskampf gegen die Habsburger handelte (der österreichische Kaiser hatte im Oktober 1848 den ungarischen Reichstag aufgelöst, da er die Bestrebungen für eine unabhängige Republik nicht tolerierte). Auch nicht, dass die Habsburger Buda und Pest mit ihren Truppen besetzten (Lesart der Presse: „Ungarn griff Österreich an“…). Und ebenfalls nicht, dass der Aufstand nach zwischenzeitlichen Erfolgen (es kämpften mit den Ungarn übrigens auch Nichtmagyaren, z.B. Polen) mit Hilfe des russischen Zaren Nikolaus blutig niedergeschlagen wurde. Feldzeugmeister von Haynau wird zum Friedensbotschafter? Und Deák, Kossuth, Batthyány, Széchenyi und Andrássy, plötzlich Menschen, die alles „nichtmagyarische“ bekämpften? Und war der ungarische Freiheitsdichter Sándor Petöfi, eigentlich geboren als Alexander Petrovics und damit Slowake, am Ende auch ein identitätsverirrter Faschist? Ganz zu schweigen von den Juden (die nirgends in Europa besser assimiliert waren als in Ungarn, Bevölkerungsanteil ca. 14%) und anderen Minderheiten, die für ihr Land kämpften?

Wir können wohl lange darüber nachdenken, was Die Presse dazu bewegt, uns mit derartigen pseudo-historischen Ergüssen zu beglücken und sogar von Provokation zu sprechen. Im letzten Absatz des Beitrags dann der Ansatz einer Antwort: Trianon, doppelte Staatsbürgerschaft. Dass mit 1848 eine längst verdaute kriegerische Auseinandersetzung zu einem Krieg der Ungarn gegen Nichtmagyaren karikiert wird, die zwischen Österreich und Ungarn, geschweige denn den anderen Nachbarländern, heute kein Thema mehr ist, ist nicht einmal mehr bedauerlich, sondern nur noch lächerlich. Weil aus einem Nichts ein Elefant gemacht wird. Aus einem…Teppich.

Es kommt noch besser:

Der Teppich spiegelt die derzeitige Fidesz-Politik wider, die Träume von Großungarn aufleben lässt“, kritisiert die grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek.

Aha. Das wollten wir „politisch Korrekte“ doch alle hören. Ein historischer Teppich, der u.a. Sissi abbildet, eignet sich als als Symbol des Großmachtstrebens. Offenbar gibt es Politiker, die sich für keinen noch so blödoiden Kommentar zu schade sind. Mal unterstellt, die ungarische Regierung hätte tiefere symbolische Absichten verfolgt: Ist ein Teppich, auf dem sich Menschen die Füße abwischen, hierfür wirklich geeignet?

Zum Corpus delicti:

http://www.eu2011.hu/de/ungarische-kulturgeschichte-auf-einen-teppich-getraeumt

http://www.eu2011.hu/news/cultural-history-hungary-carpet

Ergänzung vom 15.01.2011, 10:40Uhr:

Auch der Spiegel , die Frankfurter Rundschau, das Hamburger Abendblatt und sogar die BILD bringen den „Teppich-Skandal“.. Spitzfindig auch der Titel: „Großungarn“-Teppich provoziert Brüssel (Echt? Ganz Brüssel?). Interessant wäre zu erfahren, wer die in Mehrzahl genannten „Kritiker“ sein sollen. Gibt es neben Frau Lunacek noch weitere, deren größtes Problem dieser böse, böse Teppich ist? Wäre interessant zu erfahren, denn die nächsten Wahlen zum EU-Parlament kommen bestimmt.

Es ist natürlich (auch diesmal) reiner Zufall, dass Gregor Mayer, Budapester Korrespondent der dpa (diese wird von o.g. Blättern als Quelle für den „Teppich-Skandal“ angegeben), in seinem Facebook-Auftritt Folgendes zum Besten gibt:

Der „Ungarn-Teppich“ in der Eingangshalle des Brüsseler EU-Ratsgebäudes sorgt für Konsternierung. Kernstück dieses anlässlich der ungarischen Ratspräsidentschaft ausgelegten Bodenschmucks ist die Landkarte des Habsburger-Reiches aus dem Revolutionsjahr 1848. Es ist codierte Irredenta. Ein eigenständiges Ungarn gibt es …erst seit dem Ausgleich von 1867 (wieder) – eine Karte aus jenem Jahr hätte in der Tat Groß-Ungarn gezeigt, und das wäre nun im Herz der EU wirklich nicht gegangen. Aber was hat 1848 im Jahr 2011 zu suchen?“

Ja, die Agenturarbeit ist wirklich sehr objektiv. Ein isoliertes Stück eines Teppichs, der u.a. auch Sissi abbildet, als codierte Irredenta? Manch einer ist in seiner Welt offenbar so gefangen, dass er alles nur noch durch eine Brille wahrnimmt. Womöglich glaubt Mayer wirklich, dass Hinweise eines kleinen, den Europäern weitestgehend unbekannten Landes auf die eigene Geschichte verboten sind, nur weil die Lunaceks dieser Welt sich davon in ihrer selbstdefinierten „political correctness“ angegriffen fühlen könnten. Könnte es sich nicht nur um eine Darstellung der Geschichte handeln?

Ich zweifle daran, dass ohne die o.g. Beiträge sich irgend jemand an diesem Stück Stoff gestört hätte. Aber dafür brauchen wir ja die „Übersetzer“, die uns mitteilen, was wirklich gemeint war, nicht wahr?

23 Kommentare zu “Die Teppich-Story: Darf es noch ein Skandälchen sein?

  1. Ungarns Mediengesetz: Online-Aktivisten trommeln zur Demo
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/15/0,3672,8190735,00.html

    Ungarns Premierminister Viktor Orbán hat zwar vergangene Woche signalisiert, er würde das Gesetz ändern, wenn die EU das verlangt. Aber „Onkel Orbán“, wie er in den ungarischen Foren genannt wird, trauen viele nicht. „Wir müssen die Pressefreiheit schützen und zwar nicht vor den Rechten oder vor den Linken – sondern vor der Macht“, schreibt Sándor Sz. auf Facebook. Und die Anspannung in der Hauptstadt steigt.

    Da dürfte heute nun ja ein illustrer Haufen zusammenkommen:
    – Sozialisten
    – Grüne
    – Jobbik

    Bundespräsident Christian Wulff würde wohl von „bunt“ sprechen …

    Oder sollte man hier vielleicht eher Nina Hagen bemühen?

    Ich glotz‘ von Ost nach West, 2, 5, 4
    Ich kann mich doch gar nicht entscheiden,
    Ist alles so schön bunt hier!
    Ich glotz‘ TV (sie glotzt TV)
    Ich glotz‘ TV (sie glotzt TV)

  2. Also ein Eklättchen …
    Aber, warum verniedlichen, wenn schon die Zeitung einen Pups zum Donnerschlag stilisieren mag? Sie weiß vielleicht gar warum … Läst sich von der Teppich-Geschichte nicht irgendetwas dem Orbán persönlich, oder zumindest der FIDESZ anhängen ??? Hatten die irgendwie heimlich gar mitgeknüpft an dem Teppich … , wer weiß, wer weiß … ???

    Ich glaube zwar, daß die allerwenigsten wissen, was sie dort beim verschlafenen Durchmarsch mit ihren Füßen treten …
    Aber um dem Aufschrei ob solcher heute ja nicht (mehr)bestehenden Grenzziehungen eine Rechtfertigung zu geben, sollte vielleicht doch an dem Teppich etwas nachgearbeitet werden … nämlich die Kontur des verbliebenen Ungarns sollte deutlich sichtbar in Feuerwehrrot hineingestickt werden, um aufzuzeigen, was diesem Land angetan wurde!
    Dann passte es doch, sogar das mit den Füßen getreten werden.

    Wie doch das Denken sich im Winde dreht … Wind of Change …
    Wurde nicht gerade in Deutschland eine „kleine ungarische Welt“ in Form eines Gymnasiums / Internates von einer Vielzahl von „freien“ nicht kommunistischen Ländern gefördert, um gerade diese Ideologie, das Glauben und die Hoffnung an ein wieder-vereinigtes Ungarn hochzuhalten? Das war derzeit sehr gewollt, um damit als Stachel im Hintern der kommunistischen Syteme zu wühlen. Heute ist es, jetzt gerade mal seit 30 Jahren, nicht mehr opportun! Es ist nicht opportun den Mitgliedern der neuen „Wertegemeinschaft“ ihre gestrigen Taten oder Fehlentscheidungen vor Augen zu halten. Kurzum, die Schule wurde auch geschlossen, solches Gedankengut war plötzlich irgendwie störend, nun auf einmal …
    Ist das nicht Opportunismus … Vergängliches .. ?
    Muß man immer danach gehen, was gerade opportun ist, oder gibt es auch ethische Grundwerte, die nicht nach dem, woher sich der Wind gerade weht ausgerichtet werden dürften? In Deutschland war es auch bis vor Kurzem verpönt eine eine Wiedervereinigung mit der damaligen DDR laut nachzudenken! Zumindest leben in der westlichen Welt heute noch so einige gut ausgebildete Ungarn, die ihre Prägezeit Wort-wörtlich unter der Ungarn-Karte vom 1000-jährigem Ungarn verbrachten, und diesen in ihrem Herzen tragen.

    Warum sollte, ja wie könnte man auch nicht revisionistisch sein wollen angesichts der von der „neuen Wertegemeinschaft“ willfährig geduldeten Machenschaften, gar Grausamkeiten gegen die in den meisten von Ungarn derzeit abgetrennten Landstrichen lebenden ungarischen Minderheiten?
    Wenn es auch seit dem Umbruch nun auch im „Westen“ nicht mehr opportun ist danach zu fragen, aber dennoch: War das Diktat von Trianon nicht sowieso zur Revision ausgeschrieben???
    Das Sissi-Bild allerdings sollte hoffentlich nicht den Gedanken an ein wieder aufleben der ach so geliebten Habsburger Monarchie suggerieren, sondern nur der ehrenwerten Person gewidmet sein!

    http://www.mommo.hu/kep/popup/227368/4a71ddf124

  3. @ Magor: Nun, von Revisionismus halte ich persönlich trotz der Lage der ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern persönlich nichts. Zweifelhaft, dass man hiermit deren Interessen nutzt. Ich hoffte und hoffe vielmehr auf die Möglichkeit der Ungarn in und außerhalb Ungarns, die sich durch die Europäische Union bieten. Allerdings bin ich der Meinung, dass es legitim ist, sich für die Interessen der AUslandsungarn einzusetzen. Nur sollte das, wie ich meine, unabhängig von Parteizugehörigkeit geschehen. Die Haltung Orbáns gegenüber Hid/Most halte ich daher für verfehlt.

    Aber zurück zum …Teppich. Ungarn hat als einen Schwerpunkt seiner Ratspräsidentschaft die Donau-Strategie auserkoren. Ja, ein wahrlich europafeindlicher Ansatz….

  4. Ich glaube, es geht hierbei um was ganz anderes:

    Durch die Abbildung von Kaiserin Sissi ist es wieder mal klar geworden, dass die Ungarn – allen voran Orbán persönlich und die Fidesz-Führungsriege – immer noch auf der Jagd nach österreichischen Frauen sind und diese verführen wollen – so wie einst Graf Andrássy die Sissi.

    Frau Lunacek hat das auch in diesem Sinne richtig erkannt: „Der Teppich spiegelt die derzeitige Fidesz-Politik wider, die Träume von Großungarn aufleben lässt“.

    Das ist eine Provokation, die in der EU nicht geduldet werden darf.

  5. eigentlich finde ich, ist das Thema sowas von lächerlich, dass es schade ist darüber zu disskutieren.

    Könnte natürlich auch ganz anders sein mit dem Teppich:so nach dem Motto trampelt ruhig `ne Weile auf uns herum ,-)
    @Rudolf
    der Meinung bin ich natürlich auch, dass man das nicht dulden kann.Ich werde sofort alle Antiquariate stürmen und auf Vernichtung der ungarischen Karten drängen, die Grossungarn bzw Österreich-Ungarn zeigen…
    und danach kämpfe ich dagegen die ehemalige DDR Mitteldeutschland zu nennen!!Mitteldeutschland??Wo bitte gehts zu Ostdeutschland?
    und Sudetendeutschelandsmannschaften??
    da überleg ich mir noch was!!

  6. Wohlmöglich wäre ich derselben Ansicht, und würde den Gedanken an Revisionismus weniger ernst, sondern nur rein rhetorisch meinen, wenn die Hoffnung aufgegangen wäre, daß in dem neu sich formierenden Europa die Unterdrückungen unterbunden worden wären.
    Gegenüber Österreich / Burgenland, wo ungarischen Minderheiten mit allen Rechten ausgestattet voll integriert sind hegte ich gar keine solche Gedanken.
    Diese Gedanken hätte ich wohl auch nicht gegenüber manch anderen Ländern wenn in dem Zeitraum der verflossenen 30 Jahre seit der „Öffnung“ die ungarischen Minderheiten nicht ohne jeglichen Schutz durch die „Wertegemeinschaft“ den verschiedensten grobschlächtigen Repressalien ausgeliefert gewesen wären. Namentlich in den Ländern Rumänien, Slowakei und Serbien.

    Durch die Eu-Wertegeinschaft ist das Gegenteil eingetreten! Während unter den kommunistischen Regime sich keiner so recht traute, wurden die Drangsalierungen nach der Öffnung erst recht ungehemmt! Die Zugehörigkeit zu der „Wertegemeinschaft“ schaffte obendrein zu unterbinden, daß selbst ungarische Politiker für ihre eigenen Volkszugehörigen aufbegehrten …
    War auch nicht opportun … alle waren sie mundtot gemacht ..

    Bis auf einen … (nicht dem im kleinen gallischen Dorf 🙂
    Der, der es wagte öffentlich und sachlich (es gab einige andere, deren mangelnde Sachlichkeit leider ihren Argumenten im Wege stand) dagegen aufzubegehren, sich auch mit den besagten Nachbarn nötigenfalls auch anzulegen, das war der hier so viel gescholtene Orbán in seiner ersten Regierungsperiode.
    Auch ohne Androhung von Revisionismus hatte er es hinbekommen, einige humanitäre Erleichterungen für die unterdrückten ungarischen Minderheiten auszuhandeln, zu ertrotzen.
    Die in-Aussichtstellung des ungarischen Passes, für jeden, der es in seinem Land nicht aushält, in welchem er nun ein Fremder ist, war sicherlich eine der Komponenten seiner „Verhandlungs-Strategie“, die im Übrigen, wie anderswo in diesem Forum auch geschrieben steht, nach ungarischem Recht sowieso für jeden mit ungarischer Abstammung zusteht.

    Dieses sich für die eigenen Volkszugehörigen einsetzen, seine Betrachtungsweise, daß es nicht 10, sondern 15 – 16 Millionen Ungarn gibt, die füreinander einstehen sollen, und können, war ein überfälliger und Hoffnungen erweckender Schritt!
    Dieses Thema ist für viele millionen Ungarn im In- und Ausland wichtig, nicht nur für die Stimmlosen, die als Minderheiten unter erduldeten Repressalien leben! Daß er in diesem Thema nicht locker lassen werde, hatte er als Wahlversprechen abgegeben. Daran wird, und soll er sich auch halten, u.A. auch daran wird er bei den nächsten Wahlen gemessen werden!

  7. Da hier die Lage der ungarischen Minderheiten angesprochen wurde, sollte angemerkt werden, dass die Verallgemeinerungen über Ungarn oft ungerecht sind. Die Ungarn in der Slowakei haben mehrheitlich die binationale Most-Hid Partei gewählt, die von Herrn Bugár geführt wird.
    Im slowakischen Parlament sitzen 14 Abg. dieser Partei, sieben Slowaken und sieben Ungarn. Und wenn es um die Rechte der ungarischen Slowaken geht, dann stehen slowakische Abg. auf. Diese Partei wurde auch von vielen Slowaken gewählt, die nicht nationalistisch sind.
    In vieler Hinsicht könnte dem Beispiel Südtirol gefolgt werden.
    Koexistenz nützt beiden Völkern.
    Die ungarische Außenpolitik war bis 2010 darauf ausgerichtet mit den Nachbarn gut zusammenzuarbeiten. Fidesz wäre gut beraten, diese Tradition fortzusetzen und zwar in erster Linie, um die Interessen der ungarischen Minderheiten zu wahren.
    Dazu gehört, nur diejenigen sollen in Ungarn wahlberechtigt sein, die ihren Hauptwohnsitz in Ungarn haben. Wenn eine Ungarin oder Ungarn auswandert und seine Staatsbürgerschaft aufrechterhält, dann soll er/sie das Recht haben in Ungarn zu wählen.
    Wenn aber Leute deren Vorfahren ungarische Staatsbürger waren, die den ung. Pass nur beantragen, weil er ein EU-Pass ist, dann soll ihnen kein Wahlrecht gewährt werden.
    Vor allem soll da nichts unilateral gemacht werden ohne die Nachbarstaaten zu fragen.
    Und noch etwas alle diejenigen, die Ungarn aus der EU herausbringen wollen – aus was für welchen Motiven – müssen die Vorteile Ungarns vor die Augen geführt werden in der EU zu bleiben.

  8. Ihre Darstellungen Herr Pfeifer entsprechen nicht den Realitäten!

    Die Vertreibung der Ungarn (auch der Deutschen) aus der Slowakei ist nach wie vor durch das Benes Dekret legalisiert.

    Die ungarnfeindliche Slowakische Nationalpartei SNS ist zwar stark geschwächt aus den Wahlen hervorgekommen, hat aber trotz ihrer nur noch 9 Mandate nach wie vor erheblichen Einfluss, wo selbst gemäßigtere Parteien 2010 auf Stimmenfang gingen mit anti-ungarischen Parolen.

    Der slowakische Zulauf in Béla Bugár seine Most-Híd Partei, ist (noch) recht bescheiden zu bezeichnen.
    Schlimmer aber ist:
    Bei den Wahlen im Vorjahr konnten sie zwar hoffnungsvolle 14 Mandate erringen, das allerdings voll auf Kosten der ungarischen Minderheiten-Partei, der SMK – MKP ging, aus der sie sich herausgezweigt hat, die damit unter 5% gerutscht und somit keinen Sitz mehr im Parlament innehat
    Ergo: Die ungarische Minderheit wurde dadurch noch weiter geschwächt (heute 14, vorher 20 Sitze)!

    Das 1995 verabschiedete minderheiten – feindliche Sprachengesetz der Slowakei, welches gezielt der ungarische Minderheit ihrer Rechte beraubt ist trotz aller Proteste in und ausserhalb der Slowakei nach wie vor gültig. Die besagen konkret: wo der Bevölkerungsanteil nicht mehr als 20 % ist, darf ungarisch in öffentlichen Einrichtungen per Gesetz und unter Straßandrohung nicht gesprochen werden.
    Bestrebungen zur Umbenennung ungarischer Orts- und Straßennamen sind allerorts zugange!

    Wie können Sie da schreiben Herr Pfeifer, daß
    „… die ungarische Außenpolitik war bis 2010 darauf ausgerichtet mit den Nachbarn gut zusammenzuarbeiten. Fidesz wäre gut beraten, diese Tradition fortzusetzen … „

    Hier stellt sich nicht die Frage nach der Ausrichtung der ungarischen Außenpolitik, sondern nach dem Schutz der ungarischen Minderheiten in diesem Land, wo deren Rechte unter stillschweigender Zustimmung der Offiziellen unserer „EU-Wertegemeinschaft“ in den Staub getreten werden!

    http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4608586,00.html

    Ich hoffe, Orbán bekommt genügend Unterstützung, gegenüber solch feindlichen Gesinnungen entsprechend auftreten zu können!!!

    Zuletzt noch bekunde ich mein Erstaunen darüber, wo Sie Ihre Grundlagen zu dieser Empfehlung herhaben:
    „ … nur diejenigen sollen in Ungarn wahlberechtigt sein, die ihren Hauptwohnsitz in Ungarn haben
    Das ist in Ungarn nicht wie bei den Deutschen!
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article4263775/Parteien-buhlen-um-wahlmuede-Auslandsdeutsche.html

    Wenn Sie Sich korrekt informieren, werden Sie feststellen:
    Es dürfen nach der geltenden ungarischen Verfassung nur ungarische Staatsbürger wählen, die ihren ständigen Wohnsitz in Ungarn haben!

    Wenn Sie Sich damit allerdings etwas Zeit lassen, dann können Sie vielleicht erleben, daß Sie mit Ihrer heutigen Aussage die wohl mögliche Zukunft vorausgesagt haben:
    http://nol.hu/lap/mo/20101021-a_fidesz_valasztojogot_adna_a_hataron_tuli_magyarsagnak

    • @ Karl Pfeifer: Ein sehr lesenswertes Interview, danke für den Hinweis!

      Fischer, der als Künstler viel für den guten Ruf Ungarns getan hat sagt, er sei ein „Freund der stillen Heimatliebe“, und es brauche diesen demonstrativen Patriotismus und Pathos nicht. Ich stimme ihm zu.

      Aber liegt der heutige „laute“ Nationalismus nicht zumindest auch daran, dass man in 45 Jahren Kommunismus dazu verdammt war, seinen Patriotismus zu unterdrücken, Ungarn ein besetztes Land war (an die große Freundschaft zur UdSSR glauben wir hoffentlich beide nicht) und die Nation von dem „Kolletiv der Arbeiterklasse“ ersetzt war? Und an der wirtschaftlichen Situation (weil der, der mit seiner Situation unzufrieden ist, nur das zelebrieren kann, was er ist)?

      Ein Vergleichsbeispiel: Deutschland. In den letzten 20 Jahren in Ostdeutschland die rechtsradikalen Parteien deutlich mehr Zulauf hatten als in Westdeutschland. Erinnern wir uns nur a die schrecklichen Bilder von brennenden Asylbewerberheimen in Rostock und den Umstand, dass die NPD heute im Dresdener Landtag sitzt.

      Mich würde Ihre Meinung zu folgender These interessieren:
      „Unterdrückter Nationalstolz fördert früher oder später Nationalismus.“

      Ich denke, das heutige Phänomen wird – ebenso wie die Zahl der Kirchgänger… – wieder abnehmen. Fischers Auffassung trifft daher voll zu. Das darf nicht zu einer bloß abwartenden Haltung führen. Aber eventuell trägt diese Hoffnung dazu bei, nicht alles, was heute in Ungarn passiert, überzubewerten.

      Natürlich sollten Rassismus und Antisemitismus immer inakzeptabel sein.

  9. Hungarian Voice Siegmund Freud sagte einmal die Stimme der Vernunft ist leise. Dieses laute Fahnenschwingen, dieses ständig andere provozieren ist in erster Linie für Ungarn kontraproduktiv.
    Nehmen wir doch diesen Mißgriff mit dem Teppich der 160000 Euro gekostet haben soll. Was bitte hat diese Karte mit dem Ungarn 1848 zu tun? Prof. Eva Balogh hat auf ihrer Website Hungarian Spectrum darauf aufmerksam gemacht, wie solche Provokationen, die von verblendeten Nationalisten als Heldentat angesehen werden Ungarn schaden.

    Wenn dieser aufgeheizte Nationalismus direkt mit der langen kommunistischen Herrschaft zu tun hat, dann frage ich, wieso das in Polen, in Tschechien und in der Slowakei ein Minderheitenprogramm ist?

    Dieser Nationalismus wurde von V.O. und seiner Partei instrumentalisiert und jetzt läßt sind diese Zauberlehrlinge nicht mehr in der Lage, den Geist, den sie aus der Flasche gelassen haben, wieder dorthin hineinzudrängen. Diese Erklärung scheint mir zutreffender.

    Doch natürlich spielt die lange Kádár-Periode eine Rolle, da haben viele gelernt, dass man zuhause alles sagen kann, jedoch man doch aufpassen soll, was man in der Öffentlichkeit von sich gibt. Und viele meinten Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Und wenn jetzt Rassismus und Antisemitismus lautstark artikuliert werden, dann halten sich leider die meisten Ungarn – die nicht antisemitisch gesinnt sind – an diese „goldene“ Regel.

    • Tatsächlich in den von Ihnen genannten Ländern ein Minderheitenprogramm?

      Die Politik der Kaczynskis in Polen, Meciar und Fico/Slota in der Slowakei, die tschechische Regierung und Ihre Haltung zum Lissaboner Vertrag, der nur unterzeichnet wurde, nachdem es eine Ausnahme für die Benes-Dekrete gab? All diese Personen konnten die Regierung stellen.

      Was den Teppich betrifft, der wirklich so belanglos…aber natürlich nimmt Frau Balogh das ganze auf. Quod erat demonstrandum.

  10. Plumper Eiferer am Werk – und niemand merkt es?

    Die Teppich-Story: Darf es noch ein Skandälchen sein?
    14. Januar 2011 von hungarianvoice
    Der Verfasser mokiert sich über die österreichische „Presse“, die er zitiert ( zumindest habe ich gelernt, dass Anführungsstriche oben/unten eine Wiedergabe einer Äußerung im Originalwortlaut signalisieren).
    So also lese ich bei ihm

    „Die Zeitung teilt uns den historischen Hintergrund wie folgt mit:
    ´Der 202 Quadratmeter große Teppich besteht aus zahlreichen Motiven, darunter auch die Karte von 1848, einem Jahr, als Ungarn Kriege gegen Nicht-Magyaren in ihrem Königreich führten. Damals wurden sowohl Russen, Kroaten, Rumänien, Slowaken als auch österreichische Truppen angegriffen. In Folge führte dies zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Österreich, Russland und Kroatien. Letztlich endete dies im österreichisch-ungarischen Ausgleich.`“

    Original :

    „Der 202 Quadratmeter große „historische Teppich“ besteht aus zahlreichen Motiven. Darunter auch eine Karte – sie zeigt die im Jahr 1848 vom ungarischen Königreich beherrschten Länder: Die Slowakei, Kroatien, Teile Serbiens, Rumäniens und Teile Österreichs gehörten vor dem im Jahr 1920 geschlossenen Trianon-Friedensvertrag zu Großungarn.

    Seitenhieb gegen Österreich

    Insbesondere gegenüber den damals zu Ungarn gehörenden Ländern – Slowakei, Kroatien, Serbien (Vojvodina), Rumänien (Siebenbürgen) und Österreich (Burgenland) ist der Teppich im EU-Ratsgebäude eine offene Provokation. Die Magyaren führten einst gegen die Angehörigen dieser Länder kriegerische Auseinandersetzungen in ihrem Königreich.
    Abgesehen davon erinnert die auf den Teppich befindliche Jahreszahl 1848 an die blutige Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes gegen die Habsburger-Monarchie durch Österreich in den Jahren 1848/49. Letztlich endete dies im österreichisch-ungarischen Ausgleich – von den Magyaren wird das nach wie vor als Schmach gegenüber Ungarn überliefert.“
    Der Verfasser des Artikels entpuppt sich somit – meiner Meinung nach (schützt mich hoffentlich vor juristischen Folgen!!!) – als plumper Fälscher und diskreditiert sich nicht nur in diesem Falle, sondern überhaupt grundsätzlich. Damit entzieht er einer ernsthaften Auseinandersetzung mit seinen Auffassungen jegliche Basis. Erschreckend ist allerdings auch, dass dies nicht weiter aufzufallen scheint.
    (Da bin ich aber gespannt, ob das neue Mediengesetz auch diese Art von Meinungsmache „erfasst“ und verhindert! )

  11. Herr Rudolf (?)

    Tja, da haben Sie nun einfach Recht.
    Zu meiner Entlastung: „Die Presse“ hat zu diesem Thema zwei Artikel veröffentlicht:
    Europa 13.01.2011 | Online
    Eklat um Ungarn-Teppich
    In Brüssel müssen alle Besucher des EU-Ratsgebäudes über einen Großungarn-Teppich marschieren. Ein Sprecher der Ratspräsidentschaft meint, es gehe nicht um „nostalgische Erinnerungen“.
    2. Europa 13.01.2011 | Online
    Ungarn provoziert Europa mit Teppich von Großungarn
    Die ungarische Ratspräsidentschaft hat in der Eingangshalle des EU-Ratsgebäudes einen Teppich von Großungarn 1848 ausgelegt. Vor allem gegen Österreich und die Slowakei stellt dies einen Affront dar.

    Meine Betätigung des „link“ hat mich gestern zum zweiten Artikel geführt, ohne dass ich von dem von Ihnen zitierten ersten Beitrag der Zeitung etwas gewusst oder geahnt hätte. Ist ja eigentlich auch recht ungewöhnlich, zwei im Wortlaut teilweise identische Texte am selben Tage zu veröffentlichen, nicht wahr?
    Dann akzeptieren Sie bitte meine Entschuldigung für den unberechtigten Anwurf.

    R.W.

  12. Was lässt man sich von der Presse zur Manipulierung der Meinungen ohne Überlegung einen Müll überkippen …???
    Wenn es doch gerade mal opportun ist, kann man ja auch ruhig mit Halbwahrheiten und Auslassungen die Geschichte verdrehen, und auf den Ungarn einschreiben …

    Eine Darstellung in „Presse online“ im Artikel „Eklat um Ungarn-Teppich“ ist absoluter Bildzeitung-Stil!:

    „ ….. Der 202 Quadratmeter große Teppich besteht aus zahlreichen Motiven, darunter auch die Karte von 1848, einem Jahr, ALS UNGARN KRIEGE GEGEN NICHT-MAGYAREN IN IHREM KÖNIGREICH FÜHRTEN …. „
    Ja, das sind sie, so waren sie immer schon die bösen Magyaren ….

    Daß diese „Nicht-Magyaren“ um Ungarn zu bekriegen in ihr Land eingefallen sind bedarf keiner Erwähnung, das tut garnichts zur Sache …. Die Ungarn führten ja dann schliesslich tatsächlich Kriege gegen die armen „Nicht – Magyaren …

    http://www.ghkuhlmann.de/1848/Glossar/Z11.html

    Fällt mir in dem Zusammenhang ein uralter ein …:

    Chruschtschow und Kennedy liefen gegeneinander ein Wettrennen.
    Kennedy gewann ..
    Amerikanische Presse: Unser großer Präsident wurde erster ….

    UDSSR Presse:
    In einem heldenhaften Wettrennen wurde unser Genosse Chruschtschow zweiter, der schwächelnde Präsident der Amerikaner jedoch nur vorletzter …

  13. Pingback: WELT: „Fidesz über alles“ « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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