SPIEGEL-Interview mit Magdalena Marsovszky: „Völkisches Denken hat gesiegt“

Die ungarische Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky berichtet im SPIEGEL-Interview über den „Sieg völkischen Denkens“ in Ungarn und das umstrittene Mediengesetz:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,738861,00.html

 

11 Kommentare zu “SPIEGEL-Interview mit Magdalena Marsovszky: „Völkisches Denken hat gesiegt“

    • Ich „antworte“ mir selber, einfach um nochmals den Text von Zilahy Péter zu bewerben. Daran könnte man sich wunderbar reiben… Manche Absätze lassen den einen schmunzeln, den anderen gewiss grollen…

      Eine Kostprobe sei erlaubt: „An dieser Stelle sollte ich die komplexe und spezifische Realität der heutigen ungarischen Politik vielleicht mit ein paar Worten skizzieren. Die neue ungarische Rechte besteht aus hochsensiblen Menschen, die in einer feindseligen Umgebung nicht arbeiten können. Sie brauchen die Liebe und Unterstützung der Presse, sonst machen sie unbeabsichtigt Fehler bei der Berechnung des Staatshaushalts, erlassen in ihrer Zerstreutheit neue Steuern oder kassieren geistesabwesend ein paar unwesentliche Grundrechte.“

  1. Diese Tage besuchte der stellvertretende amerikanische Staatssekretär Phil Gordon Ungarn und hielt im Ungarischen Institut für internationale Angelegenheiten in Budapest einen Vortrag. Eine der an ihn gerichteten Fragen lautete so:
    QUESTION: Mr. Secretary. What’s your opinion; the Washington Post published a letter at first day of this year, full of dirty slanders like racism and anti-Semitism, chauvinism against Hungary. The letter was written by Hungarian pianist from Italy. But in the letter was no facts, no proof, of course. And what do you think, what is the purpose of the campaign that has been carrying on by the Washington Post, New York Times, the [inaudible] Zeitung and papers in Britain and Canada even, promoting similar dirty slanders for the last decade. Again without any proofs, any facts; what do you think of the purpose of the international slander campaign that has started against the new Hungarian media law? It started before the law was issued even in Hungarian, so of course it is without any reasons and proofs. Thank you for your patience.

    Man bemüht sich sehr in Budapest den Beweis zu erbringen, dass Frau Marsovszky Recht hat. Quod erat demonstrandum.

  2. Hier die Antwort von Phil Gordon:
    ASSISTANT SECRETARY GORDON: Thank you. I have to say I’m not familiar with the letter in the Washington Post that you are referring to so I cannot comment specifically on that. As a general point, I think Hungary’s reputation in the United States and around the world is excellent. I will come to the current debate about the media law, but just as a general issue of perception, Hungary is seen as having been at the vanguard of the spread of democracy throughout Europe, standing up to communist dictatorships and the Soviet Union and the Soviet empire and played a critical role in the ending of the Cold War and the liberation of millions of people throughout Central Europe. In addition to that historical legacy, it is seen as a critical partner of the United States, as a responsible NATO ally, and as a responsible member of the European Union and as a great friend of the United States. So in terms of perceptions or what you defined as slander, I don’t share that assessment and I can tell you that the perception in the United States in general of Hungary is a very positive one.

    You are right that there has been considerable discussion internationally, including in the United States about the media law and I think that reflects a genuine concern of a number of observers that the mechanisms, the elements in the media law could restrain freedom of expression in a way that would be inappropriate for a democracy. And I think it is a reflection of a value that we all, the United States, the members of the European Union, those who are engaged in this debate, place on the importance of free media and expression. And it’s not for me to get into the details of what Hungary’s laws look like, but I think I can say as a friend of Hungary that Hungarians should take this debate seriously . For the United States, free media and free expression is a core part of democracy; it’s an important element of a healthy society and I think that the fact that many Europeans and other friends of Hungary are paying particularly close attention to this should be cause for debate and examination of the situation.

  3. Anständige Antwort von diesem Herrn Gordon, der Kritik auch vernünftig anzubringen weiß. Schade, daß er zu der Art und den möglichen Intentionen verschiedener Presseorgane keine Meinung geäussert hat!

    Heute morgen war ein Bericht in WDR5/Deutschland zu hören, angesichts der morgen stattfindenden Antrittsrede von Orbán im europäischem Parlament.
    Daß seine Rede von der Diskussion über die Mediengesetze überschattet wäre, und er wohl ein Spießrutenlaufen zu erwarten hätte war Thema.
    Hierbei wurde Orbán´s Argumentation erwähnt, nichts anderes im Gesetz verankert zu haben, was nicht bei europäischen Nachbarn auch in den Mediengesetzen steht …
    Der Kommentator erkannte dies wohl an, aaaaber …
    dann hat Ungarn von allen Ländern die schlechtesten Paragraphen zusammengeklaubt …

  4. Die veröffentlichten Antworten von Frau Marsovszky auf „besorgte“ Fragen von „Spiegel Online“ spiegeln die schwarzseherische Meinung einer erklärten Gegnerin von FIDESZ, und von Orbán in Person wieder.
    Natürlich hat sie ein recht auf ihre Meinung, und ich hoffe unrecht mit ihrer Schwarzmalerei!

    Wenn ich einen Veganer meine Essgewohnheiten beurteilen lasse, brauchte ich mich nicht zu wundern, wie der mich niedermachen würde!!!
    Ergo, seine einseitige Betrachtungsweise kann nicht der Maßstab, oder gar die alleinige Wahrheit sein ..
    Ebenso auch nicht die von Frau Marsovszky!

    Wäre allerdings eine objektive Berichterstattung nicht eine solche, die auch den angegriffenen zu Worte kommen liesse?
    Ist ein Interview mit FIDESZ / Orbán dazu in der Mache?

  5. Hungarian Voice. Sie vergessen den Unterschied zwischen mir und Mr. Gordon. Er vertritt seine Regierung. Ich vertrete als Journalist nur mich selbst.
    Die Risiken eine stellvertr. Staatssekretärs – wenn er nicht die silbernen Löffel beim Festessen stiehlt – sind gering. Die Risiken eines Journalisten, wenn er Kritik übt sind groß.
    Ich wurde, weil ich eine Rezension 1995 publizierte und der von mir kritisierte Mensch fünf Jahre später Selbstmord beging, von einem der großen Freunde der Wahlkabinenrevolution vermutlich von Herrn Mölzer (von einem anonymen Schreiberling in Mölzers Postille „Zur Zeit“ beschuldigt, den von mir Kritisierten in den Tod getrieben zu haben. Die österreichische Justiz war in diesem Fall blind am rechten Auge und ich mußte mich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wenden, der mir mit am 15.2.2008 rechtskräftig gewordenen Urteil gegendie Republik Österreich Recht gab.

    Nichtdestoweniger lese ich immer gespannt, wenn mich jemand kritisiert, denn ich lerne daraus.

    • @ Herr Pfeifer:

      Natürlich vertreten Sie nur sich selbst. Das ist Ihr gutes Recht. Wie so oft geht es um den Stil, in dem Kritik angebracht wird. Ich bin der Ansicht, dass ein wenig mehr „Diplomatie“ in der Presseberichterstattung nicht schaden würde. Der Tonfall würde sich entspannen, und man könnte zu einer zielführenden Debatte zurückkehren.

      Natürlich muss man sich zuvor die Frage beantworten, ob man eine solche sachliche Diskussion überhaupt will. Wo wir wieder bei der Bayer-Gréczy-Achse wären…

  6. Lieber Kollege Hungarian Voice.
    ich bevorzuge konkrete Kritik. Wenn allgemeine Ermahnungen kommen, man soll doch diplomatischer werden, dann müßten die aber in erster Linie an den Fidesz Dunstkreis bei Magyar Nemzet, Magyar Hirlap, Echo TV und Magyar Demokrata gerichtet werden.

    Als Journalist, der über Ungarn berichtet, ist mein Problem, dass ich jeden Tag neue Eseleien finde, doch nicht jeden Tag dazu schreiben kann.

    Heute lese ich eine FAZ Meldung die so beginnt
    R.O. WIEN, 17. Januar. In Ungarn ist zum Boykott gegen 13 ausländische Unternehmen aufgerufen worden. Ihre Spitzenmanager haben zu Beginn des EU-Vorsitzes Ungarns von der Brüsseler Kommission Sanktionen gegen die Regierung wegen der von ihr eingeführten Sonder- oder Krisensteuer verlangt.

    Deshalb sollten die ungarischen Konsumenten „nicht mehr bei diesen Firmen einkaufen, solange diese nach Brüssel und zu den westlichen Medien laufen, um ihre eigenen finanziellen Interessen zu schützen.“

    Da muss man schon sagen, gut dass Genosse und ehemaqliges ZK-Mitglied Pozsgay jetzt die politischen Geschäfte von Fidesz betreibt, jetzt kann der Genosse voll in die antikapitalistische Schublade greifen. Wirklich schrecklich Unternehmen wollen „ihre eigenen finanziellen Interessen“ schützen. Wie gut war es da in der Kádárzeit, als die Unternehmen dies nicht taten und wie gut wird es sein – so könnte ich schlußfolgern – wenn mich Hungarian Observer nicht ermahnt hätte diplomatischer zu sein – wenn in der von V.O. angeführten ungarischen Volksgemeinschaft die Unternehmen nicht mehr ihre wirtschaftlichen Interessen schützen werden.

    Natürlich behaupte ich so etwas nicht, denn V.O. ist doch nicht für Abschaffung der Marktwirtschaft, er und seine Familie haben ja schon – so József Debreczeni – davon mächtig profitiert.

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