Kósa 2.0: Matolcsy kommentiert „Euro-Schwäche“

Es gibt Momente, in denen sollten amtierende Ratspräsidenten wissen, was man sagt – und was nicht. György Matolcsy, derzeit Vorsitzender im Rat der EU-Finanzminister, meldete sich heute im Kreise seiner Kollegen zu Wort: Die Hauptaufgabe der nächsten sechs Monate sei die Stärkung des Euro und die Verbesserung der Finanzstabilität. So weit, so gut. Immerhin ist Ungarn nicht Mitglied der Euro-Zone, was das Land im Hinblick auf die Euro-Rettung gewiss nicht zum „Berufenen“ werden lässt. Umso wichtiger ist da Gespür für Marktpsychologie und die Bedeutung von Worten.

Matolcsy ließ jedoch kurz nach seinem o.g. Statement die Bombe platzen: Man sehe für weitere zehn Jahre die Gefahr einer Euro-Schwäche. Man denkt, man habe sich verhört. Matolcsy ist schließlich nicht unabhängiger Finanzanalyst, der seinen Anlegern zu Spekulationen für oder gegen den Euro rät, sondern spricht für den Rat der Finanzminister – und sollte bei seiner Wortwahl darauf achten, die ohnehin nervösen Märkte nicht noch weiter zu beunruhigen. Die Lage ist – nicht zuletzt wegen Ländern wie Griechenland, Irland und auch Ungarn – ohnehin nicht „überstabil“. Kann man durch derartige Verlautbarungen das notwendige Marktvertrauen stärken? Fragen über Fragen. Man fühlt sich an die Zeiten des Lajos Kósa und Péter Szíjjártó erinnert, als – kurz nach der Wahl 2010 – in Pressemitteilungen die ungarische Staatspleite heraufbeschworen und das Land mit Griechenland verglichen wurde. Der Forint ging prompt für mehrere Wochen auf Talfahrt. Offenbar will Matolcsy nun testen, ob er mit dem Euro das Gleiche bewirken kann wie seine Parteifreunde mit dem Forint.

Herr Matolcsy, so stärkt man gewiss nicht das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Das mag ein Land, welches nicht Teil des Währungsraumes ist, ein wenig geringer betreffen. Dennoch, kein guter Stil. Oder einfach fehlende Professionalität. Beides ist schlecht.

http://www.news.at/articles/1103/30/286669/ungarischer-finanzminister-euro-jahrzehnt

9 Kommentare zu “Kósa 2.0: Matolcsy kommentiert „Euro-Schwäche“

  1. Das Problem lieber Hungarian Voice ist, diese Leute sind beratungsresistent und sie denken nur daran, wie das bei ihrem Publikum ankommt.
    Und tatsächlich wer eine Wahlkabinenrevolution durchführte und wer einen Freiheitskampf führt, der kann ja auch voraussagen, was mit dem Euro in den nächsten zehn Jahren geschehen wird.
    Nun vergleichen Sie immer die frühere Regierungsgarnitur mnit der jetzigen. Ich kann mich nicht erinnern, dass Gordon Bajnai oder sein Finanzminister sich als Elefanten im Porzellanladen benommen hätten.
    Nun könnten ja die Ungarn ihren Forint stärken, indem sie alle ihre Euros gegen Forint eintauschen. Raten würde ich ihnen dies nicht. Aber logisch wäre es, wenn man diesem o.g. Herrn Vertrauen einschenkt.
    Heike hat andernorts sich darüber beklagt, dass die Ungarn ihren weltbekannten Humor verlieren. Bei dieser Regierung nimmt es nicht Wunder.

  2. Der ungarische Finanzminister hat seine Meinung darüber kundgetan, daß „die Stärkung des Euro und die Verbesserung der Finanzstabilität“ Vorrang haben müssen, weil der Euro noch ein weiteres Jahrzehnt zu kämpfen haben wird ..
    Und die Welt zuckt zusammen …
    Da kann man mal sehen, welche Wertigkeit die Meinung .Matolcsy´s hat!

    „ … Matolcsy ließ jedoch kurz nach seinem o.g. Statement die Bombe platzen … „
    Diese Feststellung wurde in dem sachlichen Bericht der „News.at“ im Gegensatz zu dem hier erstellten Kommentar zu dem Bericht nicht erwähnt …
    auch wurde im Kommentar zu dem Bericht nicht erwähnt, daß ein EU-Ratsvorsitz die verdammte Pflicht habe die Probleme aufzuzeigen und Lösungen anzustreben. Aber, was er auch gesagt hätte anstatt der Wahrheit, allen kann man´s nicht recht machen … , hier habe ich den Eindruck, wäre ihm sowieso die Professionalität abgesprochen worden.

    Daß die als Gefahr erkannte Behauptung zumindest keinerlei Auswirkungen auf den Euro hat, kann anhand des angehangenen Euro / USD Charts nachgewiesen werden. Der zeigt nämlich auf, daß der Euro am, und nach Datum dieser Aussage weder geschwächelt hat, oder gar daraufhin abgestürzt ist, sondern mit einem Anstieg begann. (welcher zeitweilige Anstieg gegenüber dem USD, der noch mehr belastet als der Euro ist, auch nicht viel zu bedeuten hat .. )

    http://www.deutscheskonto.org/charts/euro-dollar.php

  3. @ Magor:

    Ich teile Ihre Auffassung nicht.

    Es besteht ein Unterschied zwischen „Wahrheit sagen“ und Vermutungen äußern. Ob Matolcsy Recht hat oder nicht, werden wir erst sehen. Ich halte es im Hinblick auf die Marktpsychologie jedenfalls nicht für förderlich, die Pferde scheu zu machen. Matolcsy sprach hier zudem nicht für den Währungsraum, aber kann es jedoch verstanden werden.

    Hätte er seine Meinung mit harten Zahlenm untermauert, könnte man das eventuell anders sehen.

  4. Das verwerfliche ist, dass solche Ansprachen in Brüssel, nicht an die dort Anwesenden gerichtet, sondern an die Ungarn.
    Manchmal, wenn ich diese Erklärungen lese, kommt es mir vor, als ob die Zeit für diese Leute stillstehen würde, als ob sie noch immer Wahlkampf betreiben müssten.
    Dabei haben Sie, wie sie sonst nicht müde werden zu deklarieren, die 2/3 Mehrheit.
    Ihre Wähler aber sollten vielleicht nocheinmal die Bibel in die Hand nehmen. Da steht geschrieben:
    „Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?“

  5. @ hungarianvoice
    „Ich teile Ihre Auffassung nicht“
    Das ist mir schon klar, Ihre gegenteilige Meinung haben Sie ja schliesslich offen –ich nehme an zur Diskussion- in den Raum gestellt.
    Ihre Auffassung akzeptiere ich. Ich wollte nur herausstellen, daß es (leider) nicht´s umstößt, wenn ein Vertreter eines finanziell so unbedeutenden Landes noch so wahre Ansichten von sich gibt, selbst, wenn er die Ratsvorsitz der Eu innehat.
    Ich bin aber anderer Meinung, als Sie, daß er feinfühliger, mit Fakten hätte argumentieren müssen, denn, der gute Mann hätte sagen können, was er wollte …., alles wäre ihm in der jetzigen angeheizten Situation um die Ohren gehauen worden!
    Beachten Sie mal, was der Orbán heute für Kommentare bekommen wird … da könnte er selbst mit Engelszungen noch so Wahres sagen, oder was immer er will!

    @ Karl Pfeifer
    „Das verwerfliche ist, dass solche Ansprachen in Brüssel, nicht an die dort Anwesenden gerichtet, sondern an die Ungarn“
    Das kann ich aus dem Zeitungsbericht von „News.at“ nicht erkennen Herr Pfeifer!
    Darin steht eindeutig:
    „Wir haben die europäische Integration gestärkt, aber es kann sein, dass der Euro noch über ein Jahrzehnt hinweg gefährdet ist“, sagte der Minister bei der Vorstellung des Programms der rotierenden ungarischen Präsidentschaft.

    Ich lese und verstehe hierunter, daß er sein Programm dem Brüsseler Gremium, was er schliesslich auch muß, und nicht wie Sie schreiben, mit Reklameabsichten dem ungarischen Volk vorgestellt hat.

    Aber, wie schon geschrieben: Wenn man etwas anders verstehen will … , dann könnte er egal was sagen …
    also kann er doch gleich bei seiner Meinung bleiben!

  6. Also Magor, natürlich hat er das dort in Brüssel gesagt, doch in Richtung Ungarn. D.h. er kann ja nicht so dumm sein, dass er nicht weiß, wie man darauf in Brüssel reagiert. Hingegen in Ungarn wird er – so glaubt er – als ein Held der Wahlkabinenrevolution und des Freiheitskampfes gefeiert.
    Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt. Anscheinend war das nicht der Fall, denn ich musste Ihnen noch erklären, was ich meinte.

  7. Sie hatten Sich nicht missverständlich ausgedrückt Herr Pfeifer, Ihren Beitrag habe ich verstanden. Das war jedoch Ihre subjektive Meinung, zu der ich klarstellte, daß der Berichterstatter es nicht so dargestellt hatte. Und von dem Bericht war ja die Rede, und zwar von dem Finanzminister Matócsy seinen (fehlplatzierten?) Äusserungen.

    Wobei ich jetzt allerdings nicht verstehe, warum er sich dafür (Matócsy) in Ungarn, wie Sie jetzt schreiben:
    „ Hingegen in Ungarn wird er – so glaubt er – als ein Held der Wahlkabinenrevolution und des Freiheitskampfes gefeiert ….
    fühlen würde .. : – ?

    Liegt vielleicht an mir.
    Ich kann nur tippen, Sie meinten Ihren Lieblingsfeind Orbán, der war allerdings nicht dabei …

  8. Die heutige wachsweiche Aussage von Joseph Daul, der den ungarischen Premier: „einen großen Europäer“ nannte, wird Orbans Popularität zuhause eher steigern und seine innerpolitische Fiskalkompetenz anheben.

    So lange das Land solche Summen von der EU überwiesen bekommt, welches dann in die wirklich „unmöglichsten“ Projekte wandert, so lange geht es Ungarn nicht wirklich schlecht.

    Wer hier Geld braucht (ich lebe zeitweise in Ungarn) und nicht auf den Kopf gefallen ist, der überlegt sich nicht, wie er mit Arbeit zu Geld kommt, sondern er bedient sich der wie Pilze aus dem Boden geschossenen Firmen, die „Pályazat“ schreiben, Bewerbungen um Geld aus Brüssel.

    Und diesen recht zahlreichen Ungarn ist es erst mal schnuppe, ob der Euro, der herunterregnet, hart oder weich ist Und ein großer Teil landet eh in schwarzen Taschen.

    Bestes Beispiel: Kulturhauptstadt 2010 in Pécs. 1/3 des Geldes war zum Projektstart noch in der Kasse.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s