Fidesz-Politiker: „Zsolt Bayer verdient den Madách-Preis“

Es gibt Tage, da wähnt man sich – noch mehr als sonst – wie in einem falschen Film. An einem solchen Tag, dem 19.01.2011, wurde bekannt, dass Zsolt Bayer, umstrittener Publizist der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung „Magyar Hírlap“, auf Vorschlag der Fidesz-Mehrheit in der Komitatsversammlung von Nógrád den „Madách-Preis“ erhalten soll. Es handelt sich um einen Kulturpreis, benannt nach Imre Madách, dem berühmten ungarischen Dramatiker des 19. Jahrhunderts (u.a. „Az ember tragédiája“).

Zsolt Becsó (Fidesz), der Vorsitzende der regionalen Gebietskörperschaft, sprach gegenüber der ungarischen Wochenzeitung HVG davon, Bayer „habe sich den Preis durch sein Lebenswerk verdient“. Worin dieser Verdienst liegen soll, der es als gerechtfertigt erscheinen ließe, Bayer in einem Atemzug mit Imre Madách zu nennen oder ihm auch nur irgendeine öffentliche Ehrung zuteil werden zu lassen, erschließt sich nicht. Der Preisgekrönte fällt nämlich seit Jahren zumeist nicht durch seinen bewundernswerten schriftstellerischen Stil, als durch wüste Beschimpfungen des (von ihm auserkorenen) politischen Gegners auf.

Vor wenigen Tagen publizierte Bayer in der Magyar Hírlap einen Kommentar über die ausländische Kritik am ungarischen Mediengesetz, der, nicht zum ersten Mal, unverkennbare antisemitische Töne enthielt und – im Zusammenhang mit der Auslandskritik – zugleich zum Ausdruck brachte, man habe wohl im Jahr 1919 nicht ausreichend Kommunisten unter die Erde gebracht. Man fühlt sich insoweit in das Jahr 2008 zurückversetzt, als Bayer schon einmal einen Sturm der Empörung auslöste, indem er in einem seiner Zeitungskommentare behauptet hatte, Juden würden den Ungarn „ins Becken rotzen“, sodass deren bloße Existenz Antisemitismus rechtfertige.

Der nur kurz vor der Ankündigung der Preisverleihung im Januar 2011 erschienene neuerliche Beitrag Bayers wurde von Teilen der Auslandspresse  groß aufgemacht, so titelte etwa der schweizerische Tages-Anzeiger „Viktor Orbans Freund diffamiert die Juden.“ Dies begründet sich damit, dass Zsolt Bayer zu den Gründern der (ehemals linksliberalen) heutigen Regierungspartei Fidesz gehörte und – ohne derzeit eine aktive Rolle in der Partei zu bekleiden – ein persönlicher Freund von Ministerpräsident Viktor Orbán ist. Die Forderung, Orbán solle sich von den Aussagen Bayers klar distanzieren, wird seit Jahren – insbesondere aus den Kreisen der Sozialisten und Liberalen – erhoben.

All diejenigen, die bislang die Auffassung „Bayer = Fidesz“ vertreten und behauptet haben, das ostentative Schweigen der Fidesz-Führungsriege zu den publizistischen Ausfällen Bayers in einer regierungsnahen Tageszeitung sei ein Beleg oder jedenfalls ein Indiz für die Zustimmung Viktor Orbáns und der Fidesz-Führungsriege zu dessen Aussagen und Gradmesser der politischen Ausrichtung der Partei, sehen sich durch die Verleihung des Madách-Preises bestätigt. Das Schlimme ist, dass es im Hinblick darauf, dass die Preisverleihung auf Initiative des Fidesz erfolgt, kaum griffige Argumente gibt, sie in diesem Punkt zu widerlegen. Natürlich kann man sich darüber streiten, wer die Beweislast dafür trägt, wenn er seinem politischen Gegner „völkisches Denken“ oder Antisemitismus unterstellt. Jedenfalls dann, wenn er als Beleg (nur) einen Zsolt Bayer präsentieren könnte. Die jetzige Situation lässt eine solche Sichtweise jedoch nicht mehr zu: Wenn sich nämlich eine von zentralisierten Führungsstrukturen bestimmte Partei entscheidet, einen Publizisten auszuzeichnen, der Juden und andere Minderheiten beschimpft und zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt, so kann dies unmöglich als Distanzierung von dessen Ansichten betrachtet werden. Vielmehr müssen Beobachter den Eindruck gewinnen, diese Partei stimme dem Auserkorenen entweder zu oder sehe jedenfalls keinen Grund, ihm eindeutig zu widersprechen.

Schon früher blieben die Reaktionen der Parteiführung, das Phänomen Bayer betreffend, kraftlos. Als der Außenminister János Martonyi im Januar 2011 im ORF-Pressestudio vom Diskussionsteilnehmer Georg Paul Hefty zum Thema Zsolt Bayer befragt wurde, antwortete Martonyi lediglich mit einer allgemeinen Verurteilung von Rassismus und Antisemitismus. Die von Hefty zu Recht geforderte klare Distanzierung von Bayer blieb aus.

Wäre Bayer ein rüpelhafter Einzelgänger, so bestünde für die ungarische Politik in der Tat kein Grund, sich fortwährend von seinen Aussagen zu distanzieren. Jeder ist primär für seinen eigenen Worte verantwortlich. Auch das gilt jedoch nicht unbeschränkt: Wenn nämlich Ungarns Ministerpräsident und seine Partei bei ihrer Rechtfertigung des in die Kritik geratenen Mediengesetzes den Willen in den Vordergrund stellen, durch die stärkere Regulierung antisemitische und rassistische Äußerungen zu bekämpfen, so fehlt dieser Aussage das notwendige Maß an Glaubwürdigkeit, wenn ein dem eigenen politischen Lager zugehöriger „Wiederholungstäter“ von just dieser Partei für einen Kulturpreis nominiert wird. Selbst der Umstand, dass bei der Medienbehörde wegen des o.g. Artikels gegen Bayer Anzeige erstattet wurde, hielt Fidesz nicht davon ab, ihn in positivem Licht zu präsentieren.

Der hilfslose Reflex von Zsolt Becsó, die Preisverleihung sei seit über einem Monat beschlossene Sache, kann das schon jetzt verursachte Desaster nicht mehr relativieren: Bayer ist seit Jahren für seinen gleichbleibend unterirdischen Stil in Magyar Hírlap und dem Fernsehsender EchoTV bekannt. Eine Partei hat insoweit die Pflicht, die Gesamteignung eines Preisträgers zu bewerten und darf nicht – wie es in der ungarischen Politik üblich zu sein scheint – nur das herausfiltern, was man „für gut erachtet“. Möglicher Weise in der Sache zutreffende Kritik Bayers hier und da kann und darf nicht dazu führen, dass über das „Gesamtkunstwerk Bayer“ Zweifel entstehen.

Die Preisverleihung wird von der Opposition des Komitats Nógrád, namentlich den Sozialisten und selbst von der rechtsextremen Jobbik, boykottiert. Letztere hat betont, die Auszeichnung für einen „Parteisoldaten“ des Fidesz sei für sie nicht tragbar.

Wer versucht, diesen Vorgang mit mangelhaften Fingerspitzengefühl zu erklären, dürfte die Situation falsch einschätzen. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, einer demonstrativen „jetzt erst Recht“-Mentalität. Was beweist, dass sich in der ungarischen Politik noch immer keine Trennlinie zwischen dem, was akzeptabel und was inakzeptabel ist, herausgebildet hat, sondern diese Trennlinie nach Parteizugehörigkeit zu verlaufen scheint. So lange Bayer „einer von uns ist“, stehen wir ihm bei. Dies ist im Bezug auf Zsolt Bayer jedoch aus mehreren Gründen unangebracht: Man ehrt eine Person des öffentlichen Lebens, die nicht nur wegen ihrer publizistisch offen dargelegten Ansichten außerhalb dessen steht, was in einem demokratischen Diskurs erträglich ist. Mehr noch: Bayer, der  regelmäßig für „ungarische“ Interessen polemisiert und (verbal) das große patriotische Vorbild mimt, überzeugt auch dort keineswegs mit Taten. So soll er, der nicht nur einmal gegen das Prinzip der Steuervermeidung über ausländische Unternehmen polemisiert hat, selbst Teile seiner Einnahmen über die benachbarte Slowakei erzielen und damit die ungarische Steuer vermeiden. Zudem sei er laut einem Bericht der Tageszeitung Népszava auch insoweit „privilegiert“, als die ungarische Stadt Esztergom die Kosten einiger von ihm geführter Rechtsstreitigkeiten trägt, obwohl Bayer dort kein Träger eines öffentlichen Amtes ist. Von einem  leuchtenden, für sein Lebenswerk auszuzeichnenden Vorbild für die ungarische Gesellschaft kann also keine Rede sein.

Eine demokratisch überwältigend legitimierte Partei wie Fidesz sollte sich von Menschen wie Bayer, die fortwährend den gesitteten Diskurs vorsätzlich verletzen und Feindbilder propagieren, eindeutig und klar distanzieren. Und sie darf keinesfalls durch Preisverleihungen dazu beitragen, derartige Menschen in ihrer Bedeutung aufzuwerten und als „Vorbilder“ zu zementieren. Andernfalls darf man sich nicht wundern, dass Bezüge zwischen dem Ministerpräsidenten und dem „Orbán-Freund“ hergestellt werden. Und dass, wie es die Zeitung HVG jüngst ausdrückte, der gesellschaftliche Dialog weiter verroht. Fidesz und Orbán müssen zur Kenntnis nehmen, dass an der Verbindung „Bayer = Fidesz“ nur Fidesz etwas ändern kann. Die Angst, einige Wähler des äußeren rechten Spektrums zu verlieren, sollte die Partei nicht davon abhalten.

Regierung der „nationalen Einheit“ kann nicht bedeuten, mit allen im Lande vertretenen Auffassungen konform zu gehen oder sie in den eigenen Reihen zu dulden. Mit den Auffassungen der Opposition tut man dies schließlich ebenfalls nicht.

15 Kommentare zu “Fidesz-Politiker: „Zsolt Bayer verdient den Madách-Preis“

  1. „Guilt by association“ wollten Sie ja nicht gelten lassen. Aber immerhin missfällt Ihnen nun auch die offensichtliche und mit der Preisverleihung bestätigte Nähe des Fidesz zu Bayer und seinen Ferkeleien. Das ist – auch wenn Sie sich schwertun – anerkennenswert.

  2. So sehr ich auch versuche, für die schwierige Situation von Ungarn Verständnis zu entwickeln und für die Herkulesaufgabe, die dadurch auf Victor Orban
    wartet – es gelingt mir nicht.

    Ich begreife sehr wohl, dass man das Licht der Wahrheit nicht durch die Menge tragen kann ohne einigen Leuten den Bart zu versengen (Ch.Lichtenberg) aber muss denn Antisemitismus dazugehören?

    Wer nicht verunglimpft werden will sollte selber und zuallererst damit aufhören. Wer nicht will, dass der Staat betrogen wird, sollte ihn nicht selber betrügen.

    Das sind weder Investitionsanreize für Ausländer noch ist es eine Motivation für die eigenen Leute zu mehr Anstand und Ehrlichkeit. Und für die Presse – egal wo – ist es einfach nur „ein gefundenes Fressen …“

    Und Ungarn wird dadurch einfach nur „bä..“ Man ärgert sich, dass man hier lebt …

  3. Persönlich bin ich der Ansicht, dass eine demokratische Partei der Mitte (oder was Fidesz dem Selbstverstädnnis nach heute auch sein mag), die sich u.a. auf christliche Werte beruft, spätestens, allerspätestens nach der ersten Auslassungen Bayers sich hätte in aller Form von ihm distanzieren müssen. Bis hin zum Ausschluss aus der Partei. Das gebietet der moralische Selbstanspruch.

    Hier gibt es, hier darf es kein Zaudern, kein Wenn und Aber geben. Leute wie Bayer gehören klar ausgegrenzt, da sie sich selbst von der Ebene eines akzeptablen Diskurses verabschiedet haben.

    Orbán hat das vermutlich aus taktischen Gründen nicht gemacht. Mir persönlich würde dies allein ausreichen, um seine Partei nicht wählen zu können. Aber das muss jeder mit sich selber und seinem Gewissen ausmachen.

  4. Hungarian Voice, meinen Respekt haben sie. Ich denke, diese Preisverleihung ist nur ein Symptom dafür, was in der ungarischen Gesellschaft und in Fidesz vorgeht. Sie können und wollen nicht den Geist, den sie aus der Flasche gelassen haben, dorthin zurückdrängen.
    Die ausländischen Verteidiger von Fidesz sollten darauf aufmerksam gemacht werden, wen sie verteidigen. Eine völkische Partei, deren Lippenbekenntnisse zu christlichen Werten täglich Lügen gestraft werden.
    Andererseits, tragen diejenigen, die von 2002 bis 2010 die Regierung stellten, volle Mitverantwortung dafür, was jetzt in Ungarn geschieht.
    Zu glauben, dass man im Inland einen antisemitischen „Journalisten“ von der Leine lassen und im Ausland gleichzeitig die Leute überzeugen kann, Fidesz sei eine Partei wie die CDU/CSU eine ist, das ist Verkennung der europäischen Realität.
    Orban ist natürlich nicht gleichzusetzen mit Ungarn, aber den Schaden, den er seiner Heimat verursacht, der ist unbestreitbar.
    Und auf die Gefahr wieder etwas zu schreiben, was ich schon erwähnte, möchte ich allen ungarisch Lesenden das 2009 publizierte Buch „Arcmás“ von József Debreczeni empfehlen. Er hat das meiste was jetzt geschieht vorausgesagt.

    • Der Kommentar meiner Kollegin Pusztaranger an anderer Stelle zu diesem Thema (er wurde abgegeben, bevor der Post online gestellt wurde), soll den Lesern hier nicht vorenthalten werden:

      Bin schon gespannt, wie oft unser Mike wieder das Wort „bedauerlich“ verwendet. A la „Die Erteilung des Madách-Preises an den antisemitischen Publizisten Zsolt Bayer durch das Komitat Nograd – vorgeschlagen von Fidesz-Abgeordneten, abgesegnet vom Ministerium für Nationale Ressourcen – ist bedauerlich. Aber…“ Und dann wieder mit irgendwas relativieren.
      Bitte enttäuschen Sie mich, Mike.
      Wenn mir Ihr Post gefällt, werde ich ihn gerne zitieren-verlinken, statt selbst was dazu zu machen (Esztergom)
      .“

  5. So, jetzt sind wir also Kolleginnen geworden? Na wie Sie meinen.
    Ist schon erstaunlich, wie Sie diesen intellektuellen Spagat immer hinkriegen, aber bravo Mike, der Post ist gut geworden. Und ich lobe Sie immer, wenn ich Anlaß sehe, die zwei Mal im Jahr. Ansonsten schließe ich mich Karl Pfeifer und Peter Klingler an. Schönen Abend!

  6. Was dabei auffällt, wie still die historischen christlichen Kirchen Ungarns sind, wenn es um Antisemitismus und Rassismus geht. Wahrscheinlich weil sie sich nicht mehr als moralische Institutionen begreifen.
    Kein Wunder waren sie doch während der kommunistischen Zeit mit Spitzeln durchsetzt und die höchsten Würdenträger leisteten auch solche Dienste.

    ich denke, dass es doch auch unter denen die Orban und Fidesz irregeführt hat auch Menschen gibt, die begreifen werden welchen Schaden diese Leute, Ungarn zufügen.

  7. @ Hungarian Voice: Danke! Im falschen Film, aber vor allem: noch mehr als sonst. Sonst also auch? Ich glaube nicht, dass der Film so schnell gewechselt werden wird…

    Zu den Ausfällen eines Herrn Bayer fällt mir eigentlich nur ein – dieser Name… süddeutsch… Der kann doch kein reinrassiges ungarisches Blut in seinen Adern haben!! Das ist doch einer dieser Schwaben! Was für eine Schande, dass die nicht alle ausgesiedelt wurden… Ja ich weiss, das ist billig und bringt nichts. Ich hoffe, dass vielleicht wenigstens ein paar frühere Madách-Preisträger auf die Idee kommen werden, ihre Auszeichnung publikumswirksam zurückzugeben, weil sie nicht in dieser Gesellschaft sein wollen. Aber bisher habe ich noch nichts gehört, gesehen oder gelesen.

    Auch wenn das völlig am Thema vorbei geht: Herr Klingler sollte bei Gelegenheit ein paar Flaschen Wein spendieren (natürlich nur positiv bewertete Reben), und dann setzen sich alle Ungarn-BloggerInnen im nichtvirtuellen Raum zusammen und disktutieren bis zum Umfallen! 🙂

  8. Da stimme ich Ihnen 100 Pro zu Peter Klingler.
    Pusztaranger und Hungarian Voice ermöglichen an Ungarn interessierten deutschsprachigen Menschen sich zu informieren.
    Ich kenne zwar erwachsene Menschen die Ungarisch lernen, aber die wenigsten halten durch.
    Was immer in der Politik geschehen mag, Ungarn hat u.a. großartige Musiker und großartige SchriftstellerInnen hervorgebracht.
    Vieles ist natürlich nicht üöersetzt. Aber wer die journalistischen Berichte des bedeutenden Dichters Endre Ady heute liest, der erschrickt, wie aktuell manches noch geblieben ist. Und ein Humorist wie Ephraim Kishon lieh sich einiges bei Zsigmond Móricz aus.

    • @Karl Pfeifer
      Haben Sie heute Kreide gefressen, Herr Pfeifer? Ich habe Móricz in ungarisch und Kishon nur auf englisch oder deutsch gelesen. Viel Móricz habe ich bei ihm aber nicht ausmachen können.

      @ an alle, die nicht ungarische Literatur studieren wollten

      Móricz zählt zu den volkstümlichen Schriftstellern Ungarns. Nachdem es im ungarischen Schriftstellerverband vor Jahren zur Spaltung kam, werden volkstümliche Schriftsteller, zu ihnen zählen u.a. Móricz Zsigmond, Tamási Áron, Németh László, József Attila, Sértő Kálmán, Erdélyi József, Sinka István, Veres Péter, Illyés Gyula, Féja Géza, Kodolányi János von der im Westen sehr angesehenen ungarischen Intelligenzija auch schon mal in die „völkische“ Ecke gestellt und als Wegbereiter des Faschismus, in letzter Konsequenz sogar als Verantwortliche für den Holocaust verunglimpft.

      Als Martin Walser anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels sich die Freiheit nahm und das Wort ‚Auschwitzkeule‘ gebrauchte, wurde er fast selbst gekeult. Péter Esterházy de Galántha war bei seiner Rede in der Paulskirche wortgeschickter. Er packte zwar auch die Lammkeule aus, hatte diese aber vom Fleischer vorsorglich entbeinen lassen. Seine Keule tat niemandem weh, an seinem Rezept nahm niemand anstoß. Weil er seine ungarische Rede auf Deutsch hielt, wurde er aber wahrscheinlich nicht einmal von den Ungarn verstanden. Dessen ungeachtet bekam er großen Beifall. Esterházys Lammkeule ohne Knochen wurde in Deutschland als Friedensbeitrag zur Völkerverständigung dankend angenommen. Soviel ich weiß, steht er als Aristokrat hoch über den ‚Völkischen‘ und den ‚Gebildeten‘.

      (Über die Spaltung des ungarischen Schriftstellerdverbandes gab es einen Artikel von Konrád: Búcsú az Írószövetségtől (Élet és Irodalom 48. 13)

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