Harry´s Place: Ein Falschzitat macht sich selbstständig

Die FAZ-Online-Ausgabe vom 19.01.2011 befasste sich mit der am selben Tag abgehaltenen Debatte im EU-Parlament. Ungarns Ministerpräsident Orbán stellte das Programm der Ratspräsidentschaft vor, die Abgeordneten nutzten die Sitzung für eine deutliche Kritik am ungarischen Mediengesetz. Der Worte darüber wurden genug gewechselt, nun soll es um die „Feinheiten“ der Berichte und die Folgen gehen.

In dem Beitrag von Nikolaus Busse wird ein Teil der Rede Orbáns wie folgt wiedergegeben:

Orbán begann seine Rede mit einer Erinnerung an die historische Rolle seines Landes bei der Überwindung des Ostblocks. „Wir haben den ersten Stein aus der Mauer des Kommunismus geschlagen“, sagte er, „wir haben viel dafür getan, dass Europa wiedervereinigt wurde“. Die Ungarn hätten im Zweiten Weltkrieg und auch danach das „meiste Blut und die meisten Menschen“ für die Demokratie geopfert.“

Dass Ungarn nach dem 2. Weltkrieg – in Form des Ungarnaufstands – Blut für die Freiheit des Landes vergossen hat, dürfte außer Frage stehen. Ob der Superlativ gerechtfertigt ist, wäre eine Frage für Historiker. Viel wichtiger aber ist: Hat Orbán im EU-Parlament tatsächlich behauptet, dass Ungarn schon im zweiten Weltkrieg, d.h. an der Seite Hitler-Deutschlands, Blut für die Demokratie vergossen habe?

Hier der Wortlaut (ab 3:20 min):

Szeretném emlékeztetni Önöket arra, hogy a második világháborut követöen Magyarország adta a legtöbb emberéletet és vért a szabadságért és a demokráciáért. Mind a forradalom során, 1956-ban, mind az azt követö megtorlások során.“

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Ungarn nach dem 2. Weltkrieg die meisten Menschenleben und das meiste Blut für die Freiheit und die Demokratie geopfert hat. Sowohl während des Volksaufstands on 1956, als auch im Rahmen der anschließenden Vergeltungsaktionen.“

Wie der Videoauschnitt unmissverständlich belegt, hat Orbán die ihm von der FAZ unterstellte Aussage, Ungarn habe „während“ des 2. Weltkriegs für die Freiheit und Demokratie gekämpft, überhaupt nicht getätigt. Welche Folgen ein solcher Fehler in der aufgeheizten Debatte haben kann, zeigt ein weiterer, aktueller Beitrag des auf diesem Blog sehr aktiven Kommentators Karl Pfeifer.

Herr Pfeifer verfasste auf dem Internetportal Harry´s Place am 21.01.2011 einen Gastbeitrag unter dem Titel „Hungary: Reward for antisemitic incitement„. In diesem befasst sich der Autor mit der Verleihung eines Kulturpreises an den umstrittenen Publizisten Zsolt Bayer. Die Verleihung fand am 21. Januar auf Vorschlag des Fidesz statt. Dies ist schlimm genug. Weil das jedoch nicht auszureichen scheint, garniert Pfeifer seinen Beitrag mit folgendem Einsteig:

According to the conservative Frankfurter Allgemeine Zeitung, Hungary’s prime minister Viktor Orbán told the European Parliament in Strasbourg on January 19th that the Hungarians had “payed the greatest sacrifice for democracy in blood and population during and after the Second World War.” (Die Ungarn hätten im Zweiten Weltkrieg und auch danach das “meiste Blut und die meisten Menschen” für die Demokratie geopfert.)

Who sacrificed whom? The mass deportations of 450,000 provincial Jews to Auschwitz-Birkenau, which took place in only seven weeks from May 15th 1944 to July 6th 1944 after the German occupation, was implemented by the Hungarian Ministry of the Interior and the Hungarian Gendarmerie, who brutalized the ghetto inhabitants cruelly before herding them into cattle cars. The same Gendarmerie is now honoured with a commemorative plaque in the Military History Museum of Budapest.“

Karl Pfeifer hat sich wohl auf die richtige Zitierung durch die FAZ verlassen, deren Inhalt ungeprüft übernommen und seine dann konsequente und verständliche Empörung über Orbáns vermeintliche Aussage zum Ausdruck gebracht. Die These, Ungarn habe als Satellitenstaat Hitler-Deutschlands, in dem ab März 1944 Deportationen in die Vernichtungslager stattfanden, für die Demokratie und Freiheit gekämpft, wäre in der Tat skandalös. Im Hinblick darauf, dass Orbán derartiges jedoch nicht gesagt hat (was innerhalb von etwa 5 Minuten überprüfbar gewesen wäre), wird der Beitrag in diesem Punkt zu einer Phantomdebatte. Bedauerlicher Weise noch dazu eine, die sich – nach dem Prinzip Flüsterpost – verselbständigt. Besteht nicht die Gefahr, dass einige der Leser von Pfeifers Artikel davon ausgehen, der Autor habe den Wahrheitsgehalt des FAZ-Artikels als langjähriger Journalist selbst überprüft, bevor er ihn zum Einstieg seines Beitrags machte? Werden Leser die Zitate Pfeifers eigenständig auf Wahrheitsehalt prüfen? Besteht nicht die Gefahr, dass sich ein falscher Eindruck weiter verbreitet?

Die beiden Artikel zeigen, dass journalistische Sorglosigkeit, gemeinhin als „einer schreibt vom anderen ab“ bezeichnet, zur Verbreitung von Falschmeldungen führen kann. Hieran ändert wohl auch die exakte und daher nicht zu beanstandende Zitierung Pfeifers „According to the conservative Frankfurter Allgemeine Zeitung, Hungary’s prime minister Viktor Orbán told the European Parliament (…)“ nichts. Kern der journalistischen Arbeit ist Recherche, die Überprüfung der Authentizität von Quellen daher Grundvoraussetzung seriöser Arbeit. Gerade dann, wenn es um den Vorwurf geht, ein führender Politiker würde Ungarns Agieren auf Seiten Deutschlands als „Freiheitskampf“ bezeichnen. Wer hier nach dem Motto „ich habe gelesen/gehört, dass“ verfährt und Hörensagen zur Grundlage seiner Beiträge macht, handelt fahrlässig. Das ist selbst dann ungut, wenn die Person, der man die Aussage zuschreibt, „sonst genug am Kerbholz hat. Gerade wenn man der Politik vorwirft, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, sollte man umso exakter arbeiten.

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30 Kommentare zu “Harry´s Place: Ein Falschzitat macht sich selbstständig

  1. Herr Pfeiffer hat seine Aussage korrekt als Zitat bezeichnet und sich auf die im Normalfall verlässliche FAZ bezogen. Insofern finde ich es etwas übertrieben, seinen Beitrag als Paradefall darzustellen, der einen ganzen Blogpost nötig macht.

    In der Grundtendenz stimme ich Ihnen aber zu. Wir schaden uns als Kritiker Orbáns, wenn wir nicht peinlich darauf achten, dass alle Kritikpunkte auch fundiert sind. Die Politik von FIDESZ im Allgemeinen und Orbán im Besonderen bietet für Kritik wahrlich genug Anlass. Alles andere füttert nur die Verschwörungstheoretiker und entfremdet diejenigen, die auch innerhalb der FIDESZ umzudenken bereit sind.

    • Hallo Herr Boulanger,
      Ihre Empfindung respektiere ich. In der Tat ging es mir um genau das, was Sie im zweiten Absatz ansprechen. Es geschah hier das, was schon beim Thema „Mediengesetz: Strafen für unausgewogene Berichte“ geschah. Wenn Sie sich die Kommentare unter

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/09/martonyi-stellt-klar-es-gibt-keine-geldbusen-bei-verletzung-des-gebots-der-ausgewogenheit/

      ansehen, sehen Sie, warum mir das in diesem Fall einen Post wert war. Beachten Sie den Kommentar, der Mártonyi postwendend als Lügner bezeichnete (weil die FAZ was anderes schrieb) und den, in dem blumig davon geschrieben wird, ich würde „das Evangelium“ überbringen. Man sieht, wie wacker sich Falschmeldungen in den Köpfen halten. Herr Pfeifer spricht ungarisch, hätte sich also leicht überzeugen können.

      Im übrigen stimme ich Ihnen voll und ganz zu.

  2. Also ich zitiere die sonst von Hungarian Voice (HV) in den Himmel gehobene FAZ und bekomme sofort eine Belehrung, die aber nicht an mich, sondern an die FAZ zu richten wäre. Doch das tut HV nicht, denn die FAZ ist in der Regel Fidesz sehr wohl gesinnt, während ich Fidesz kritisiere, ergo werde ich kritisiert.
    Ein paar gute Vorschläge für HV. Im heutigen galamus weist die von mir hochgeschätzte Zsofia Mihancsik nach, dass MTI die offizielle ungarische Nachrichtenagentur einen ausländischen Journalisten zensiert hat. Wie wäre es mal sich mit diesem Skandal zu beschäftigen.
    Darüber den deutschsprachigen Leser aufzuklären wäre eine gute Tat.

  3. Ich habe jetzt meine Anmerkung auf HP gemacht.
    Aber wie kommt es, dass die FAZ keine Korrektur bis heute angebracht hat?
    Für die Abbonenten – und ich nehme an die ungarische Botschaft in Berlin ist auf die FAZ abboniert, war dieser Artikel bereits am Abend des 19. 1. lesbar. Der Artikel von Nikolas Busse erschien am 20.1. Da ich am 21.1. in der Früh keine Berichtigung in der FAZ fand, konnte ich mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass das Zitat korrekt übersetzt wurde.
    Ich hoffe, HV, dass Sie – da Sie sich in Deutschland befinden, die FAZ bitten werden, ihren Irrtum zu korrigieren.
    Im übrigen, können Sie eine Quelle außer youtube nennen, wo die Rede Orbáns lesbar ist? Ungarischk, Deutsch oder Englisch?

    • Gerne, Herr Pfeifer.

      Orbán hat ausweislich des Sitzungsprotokolls vom 19.01.2011, Punkt 5 (Seite 17, Absatz 5) folgendes gesagt:

      „Tisztelt hölgyeim és uraim! Először is szeretném leszögezni, hogy megtiszteltetés számomra, hogy soros elnökként itt ma
      fölszólalhatok. Önöknek természetesen ez féléves rutinmunka, minden félévben látnak itt egy miniszterelnököt, aki éppen
      a soros elnökség programját terjeszti elő. A mi szempontunkból, magyarok szempontjából ez jóval fontosabb, mint féléves
      rutin. A mi számunkra ez egy történelmi igazságtétel, hogy ma itt állhatunk. Szeretném önöket emlékeztetni arra, hogy a
      második világháborút követően Magyarország adta a legtöbb emberi életet és vért a szabadságért és a demokráciáért
      . Mind
      a forradalom során 1956-ban, mind az azt követő megtorlások során. Mi voltunk azok, akik először megbontottuk a
      kommunista rendszert, először szálltunk szembe fegyveresen a szovjet birodalommal és mi bizonyítottuk be a világnak azt,
      hogy a kommunista doktrína az nem egy ártalmatlan ideológia, hanem egy veszedelmes fenyegetés a nyugati civilizációra.
      Kiütöttük az első téglát a kommunizmus falából, és ezen a résen aztán a huzat kivitte az egész kommunista rendszert.“

      Quelle: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML+CRE+20110119+SIT+DOC+PDF+V0//DE&language=DE

  4. Nun hat Viktor Orbán auch die jüdischen Opfer dazugezählt, die bei Pogromen nach der Befreiung Ungarns durch die Rote Armee von Ungarn durgeführt wurden.
    Das blutigste Pogrom ereignete sich in Kunmadaras Mai 1946 und in Miskolc im Juli 1946.
    In Kunmadaras wurde die Bevölkerung mit der Ritualmorbeschuldigung aufgehetzt, und zwar mit einer aktualisierten Version, Juden würden aus christlichen Kindern Wurst machen und dass aus der nahen Stadt Karcag christliche Kinder mysteriöser Weise verschwunden wären. Der aufgehetzte ungarische Pöbel ermordete zwei Juden und verwundete 15.
    Anders war die Situation in Miskolc, eine Industriestadt in denen die Arbeiter litten. Kommunistische Funktionäre hetzten mit Reden gegen den Kapitalismus. Die Miskolcer Kommunisten kannten die antisemitische Stimmung in der Bevölkerung, doch anstatt diese zu bekämpfen, entliessen Parteifunktionäre, die aus der „jüdischen Bourgeoisie“ stammten. Gleich danach brach Gewalt aus. Nachrichten wurden verbreitet, dass man „Spekulanten“ verhaftete und diese in ein Internierungslager außerhalb der Stadt gebracht werden würden. Der Pöbel tötete einen dieser Männer, verwundete einen anderen und liessen einen Nicht-Juden flüchten. Danach hat die Polizei einige derjenigen verhaftet, die an der Lynchung teilgenommen hatten. Der Pöbel sammelte sich attackierte die Polizeistation wo diese Männer gehalten wurden und lynchte einen jüdischen kommunistischen Leutnant. Ich habe jetzt nur zwei Orte erwähnt.

    Quelle: Pelle János: Az utolsó vérvádak, Pelikan, Budapest 1995

    Sehr interresant ist auch die Arbeit von Petö Andrea: Népbiróság és vérvád az 1945 utáni Budapesten.
    http://www.polhist.hu/multunk/letoltes/petoa.pdf

    auch das ist Teil der ungarischen Geschichte, nur darauf kann man nicht stolz sein.

    • Sehr geehrter Herr Pfeifer,
      beim googeln finde ich meistens nur olle Kamellen. Heute bin ich auf diesen Aufruf gestoßen: „Solidarität mit Karl Pfeifer!“ Dem Aufruf schließe ich mich an.
      Solange ich denken kann, habe ich mich nämlich immer auf die Seite der Opfer gestellt, jedenfalls mit nur einer Ausnahme. Das war in Berlin. Da ist mir mal ein Mensch begegnet, der dort am ehemaligen am Checkpoint Charlie die Mauerkreuze pflegt. Der Mann heißt … . Er hat Jahre in Gefängnissen verbracht und obwohl er längst auf freiem Fuß ist, so muss er doch lebenslänglich vom Herrgott bekommen haben. Dem unerachtet empfinde ich kein Mitleid mit ihm. Wenn Sie mal in Berlin sind, gehen Sie hin und schauen Sie sich sein Elend an. Es gibt eine Art geistiges Elend, die einfach abschreckend ist.
      Wollte ich Ihnen sagen, nachdem ich heute viel Zeit mit dem Lesen Ihrer Texte verschwendet habe. Ich kann nur hoffen, dass Sie niemand mit Ihren gut gemeinten Zwangsbefürchtungen anstecken.

      • Solange Sie denken können, also. Was für ein „geistiges Elend“. Sie sagen es! Möglicherweise dürfen Sie ja bald auch in Ungarn abstimmen. Orbán zählt auf Sie.

        Jetzt versteht man Churchill erst richtig: „The best argument against democracy is a five-minute conversation with the average voter.“

        But I promised not to feed the trolls anymore.

  5. Die Formulierung aus der „Orbán Viktor-Rede“ vor dem EP:

    „…, hogy a második világháborut követően…“.

    Ich versuche es mit „ziemlich wörtlicher Übersetzer-Anstrengung“… da ja bekanntlich hinter den Wortkonstruktionen jeweilen „die BEDEUTUNG“ steckt!

    Also:
    „…, dass den Zweiten Weltkrieg folgend…“.

    Ungarisch ist eben eine wunderbar-kompakte Sprache! Es bleibt eine Kunst, diese Kompaktheit zu lesen, zu verstehen (vgl. mit OECD-PISA!) und dann – erst recht – in andere Europäische Sprachen zu übersetzen…

    Möglicherweise sitzen ungenügend qualifizierte „tolmács“-(ok) (Übersetzer/Übersetzerinnen) in den Parlamentsdiensten!

    Ich gehe nicht davon aus, dass Nikolas Busse fliessend Ungarisch versteht…! Dennoch darf auch er sei „tägliches Brötchen“, plus die Abzahlrate für seine Hypothek bei der FAZ verdienen…

    Ich persönlich denke, es wird zu wenig „g’studiert“ und viel zu viel geschrieben… KLAR! Bei diesem Tempo der „medialen Präsenz“ muss auch immer wieder „abgeschrieben werden“… um die Brötchen zu sichern:

    Eine zentralisierte „MTI“ formuliert! Der „Rest“ schreibt dann ab! (Soviel – meinerseits – zu Ungarns „Mediengesetz“… Ich arbeite noch mit Sorgfalt an den Verweisen im x-ten Paragraf, und dessen „konkreten Zitaten“ auf andere Paragrafen und deren Absätze…!)

    Z.B. das Wort „körte“? (Substantiv! Ohne Homophonie!)
    Zu Deutsch:
    (a) „Birne“ – im Sinne von „Frucht“…
    (b) „Birne“ – im Sinne von „Leuchtkörper“

    Im Sinne von „Kopf“ im Ungarischen NICHT gebräuchlich!

    Trotzdem dürften sowohl ungarische Bürger im „homeland“ – als Europäer – und auch alle übrigen „Europäer“ – „outdoor“ – langsam mal damit beginnen, „die BIRNE einzuschalten“… :

    Mehr denken. Weniger „abschreiben“!

    COITO, ERGO SUM! – klappt ja nicht mehr….
    COGITO, ERGO SUM! – könnte vielleicht noch helfen…
    SCRIBO, ERGO SUM! – bleibt wohl AUSSICHTSLOS!

    Seit rund 2000 Jahren wird ja immer ALLES BESSER!
    (inbegriffen war gar DIE RENAISSANCE).

    Aussicht bleibt,

    „…, hogy a győztes választásokat követően…“
    (=…, dass den siegreichen Wahlen folgend…“)

    Ungarn eine neue Verfassung mit dem HEILIGEN STEFAN bekommen wird… (Frühling 2011).

    Liebe Bloggerinnen und Blogger!
    Das wird nun wirklich „DIE ZWEITE RENAISSANCE“!
    (Újjászületés…)

    Glückauf!
    JÖN A JÖVŐ.
    (ÜbersetzungsHilfe: „Kommt das Kommende“.)

    PS:
    Gelassen erwarte ich meine „Beschimpfung als OBERLEHRER“!!
    (… mein Lebensalter? – fragen Sie? Einfach: „unter HUNDERT“!!…. also ein „UHU“!)
    … Mehr kann ja nicht erwartet werden.

    • Das Verfahren wegen des Massakers dauert in der Tat schon (zu) lange an. Képíró lebt seit 1996 wieder in Ungarn, die ersten 10 Jahre lang völlig unbehelligt. Das Wiesenthal-Center erstattete im Jahre 2006 Anzeige gegen Képíró. Seitdem gibt es ein unsägliches Hin und Her.

      Im Jahre 2007 hat ein Budapester Gericht festgestellt, dass ein gegen Képíró im Jahr 1944 ergangenes Urteil (10 Jahre Freiheitsstrafe) nicht vollstreckbar sei.

      Im gleichen Jahr meldete sich u.a. der international angesehene Historiker Krisztián Ungváry zu Wort. Seiner Ansicht nach seien die Beweise gegen Képíró, auch auf Basis der Akten, ungenügend. Das Urteil von 1944 gründete zudem scheinbar auf dem Vorwurf, Képíró habe seine Untergebenen nicht ausreichend kontrolliert. Auch der Historiker László Karsai hegte Zweifel an den gegen Képíró vorgebrachten Anschuldigungen.

      http://www.mno.hu/portal/397190

      Scheinbar erwähnte die Wiesenthal-Stiftung ein weiteres Urteil aus dem Jahr 1946. Dieses – so die ungarischen Behörden und Gerichte – sei aber nicht bekannt.

      http://index.hu/kulfold/wies125h/

      Seit 2007 wird wegen des Massakers erneut – allerdings gegen unbekannt – ermittelt. 2009 fanden konkrete Ermittlungen gegen Képíró statt, die Staatsanwaltschaft beantragte die Verhängung eines Hausarrests, der Antrag wurde vom Gericht jedoch abgelehnt. Untätigkeit kann ich also nicht unbedingt erkennen.

      So schlimm die lange Verfahrensdauer für die Opfer und ihre Nachkommen ist, so hoffe ich, Sie wollen die Leser mit dieser Verlinkung nur allgemein über die (historisch erwiesene) Beteiligung der ungarischen Behörden an Völkermord und Kriegsverbrechen informieren, nicht aber den Eindruck erwecken, die seit Mai 2010 im Amt befindliche Regierung betreibe „Verzögerung“ eines jahrelangen Kriegsverbrecherverfahrens.

      Der in der Anmoderation von der DW erweckte Eindruck, dass (neben dem Mediengesetz…) dieser Fall „Zweifel daran“ begründe, dass die Regierung wirklich immer den demokratischen Werten in Europa verpflichtet ist – ist meines Erachtens im Moment nicht begründet. Die Nennung von Rechtspopulismus sollte meines Erachtens in so einem Beitrag unterbleiben. Hier wird etwas zusammengerührt, was nicht zusammengehört.

  6. *Glückauf!
    JÖN A JÖVŐ.
    (ÜbersetzungsHilfe: „Kommt das Kommende“.)*

    Ja, ja ungarisch ist wirklich eine kompakte Sprache, jeder kann sie so auslegen , wie es ihm gerade in den Kram passt.
    Genau so ist es mit der Geschichte.
    Man sollte nicht immer nur Fakten nennen, die einem in sein eigenes Weltbild passen, sondern wenn Geschichte, dann schon bitte alles.
    Wieso wurde Ungarn erst 1944 „einverleibt“ wo doch Ö schon 1938 „angeschlossen“ wurde??
    Mich persönlich würde mal interessieren wovon z.B Horthy nach 1949 in seinem Exil in Portugal lebte, na???
    Gut, man kann sagen, das gehört jetzt nicht hierher aber eigentlich erwarte ich ,dass -wenn man schon in der Geschichte Ungarns gräbt-auch ein wenig näher an der „wahren“ Geschichte bleibt.
    Grüsse aus Recsk
    kulancs

    • @ Karl Pfeifer: In der Tat. Ich habe ihn kürzlich persönlich kennen gelernt. Er ist einer der wenigen, die historische Forschung betreiben, ohne bereits vorher das Ergebnis zu wissen. Ich halte seinen Aufsatz „Belastete Orte der Erinnerung“ für einen der besten der letzten Jahre.

  7. @hungarianvoice

    Vielen DANK! für diesen Artikel und auch im übrigen für ihr Engagement !

    Hier wird an einem Exempel deutlich gemacht woran es den „qualitäts Journalisten“ zu mangeln scheint.
    Sorgfalt bei der Recherche, zum Bleistift und/oder schlichtweg mangelndes Interesse an der Wahrheit 😉

    Man sollte meinen, dass jemand der sich nachweislich geirrt hat seinen Fehler auch im Stande sei zuzugeben, aber wir werden, hier sehr eindrucksvoll, eines besseren belehrt!

    Aber ich bin froh drum, denn die Intensionen besagter Journalisten treten immer klarer ans Licht, und somit kann jeder sehen um was es ihnen wirklich geht.

  8. Nimród. ist Ihnen nicht aufgefallen wie sanft Hungarian Voice mit der FAZ und dessen Journalisten umgeht und wie hart er über mich urteilt, der ich nur den Fehler begangen habe, die am meisten Fideszfreundliche Tageszeitung für zuverlässig zu halten. Ich habe aber sofort meinen Text bei HP berichtigt.
    Daher verstehe ich, dass Sie die FAZ kritisieren, die hoch bezahlte Journalisten beschäftigt.

    • Ich schätze, Nimród nimmt auch auf den von Ihnen verlinkten Bericht der Deutschen Welle Bezug, den hungarianvoice auch faktisch ergänzt und in einen umfassenden und richtigen Kontext gerückt hat.

    • Sehr geehrter Herr Pfeifer,

      da ich diese Seite erst kürzlich entdeckt habe, möchte und kann ich mir kein Urteil bilden, ob HV die FAZ tatsächlich mit „Samthandschuhen“ anfasst.

      Meiner Kritik an der deutschen Journaille im allgemeinen ist jedoch zutreffend.
      Ihnen persönlich werfe ich vor, dass Sie obwohl des ungarischen mächtig, eine ca. 10 minütige Rede des Ministerpräsidenten Orbán Viktor, nicht den tatsachen entsprechend „verwendet“ haben und sich dabei auf die FAZ berufen.

      Bei allem gebührenden Respekt, die Rede war und ist für jeden ohne großen Aufwand abrufbar und zugänglich.
      Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sie besagte Rede nicht angeschaut oder angehört hätten, also müssten Sie ja eigentlich gewusst haben, was der gute Mann OV so spricht.

      Mfg

      Nimród

  9. Nimród, danke für Ihr Posting.
    Ihre Kritik ist zum Teil berechtigt. Denn wenn ich für ein Printmedium schreibe und ich ein paar Tage Zeit habe meinen Artikel zu schreiben, dann gehe ich allen Quellen nach.
    In diesem Fall ging ich davon aus, dass FAZ diesen Text nicht am nächsten Tag korrigiert hat, daher zuverlässig zitierbar ist. Ich schrieb den Text ca. 46 Stunden nachdem der FAZ-Text für die Abonnenten im Internet erreichbar war. Ich will doch hoffen, dass die Presseabteilung der ungarischen Botschaft in Berlin die FAZ abonniert und alle Meldungen über Ungarn überprüft.
    Ich gebe zu, dass es ein Fehler war sich darauf zu verlassen.
    Warum also habe ich diesen begangen, sicher auch weil in Ungarn versucht wird, die Geschichte auf die Opferrolle Ungarns zu beschränken. D.h. ich nahm an, wenn die FAZ – die doch die am meisten pro-Fidesz Zeitung ist – dies schreibt, das auch korrekt ist.
    Was aber auch von Hungarian Voice unbestritten bleibt, dass alles andere korrekte Kritik an der skandalösen Fäkalsprache eines der führenden Schreiber aus dem Fidesz Dunstkreis ist, der noch für Dienste, die er Fidesz leistet, mit dem Madáchpreis und mit der Bezahlung seiner Anwaltskosten (bisher 25 Millionen Forint) durch Esztergom belohnt wird.
    Und hier schaut der Pferdefuß heraus. Jubelnd stürzt man sich auf einen von mir sofort korrigierten Fehler und findet harte Worte, mit denen man mich verurteilt, ich hätte nicht genug recherchiert. Jedoch keine solche für FAZ, die doch bezahlte Journalisten beschäftigt.
    Ich hingegen schreibe für HP natürlich ohne jemals einen roten Penny dafür erhalten zu haben.
    Und bei der Beurteilung von Artikeln, wird jeder, der sich auskennt den Unterschied zwischen Printmedium und Website bemerken.
    Hungarian Voice hat leider mit doppeltem Maßstab geurteilt.

  10. Tatsache ist, dass die FAZ bis heute keine Berichtigung publiziert hat. Da wäre ich Hungarian Voice sehr dankbar, wenn er uns wissen lassen könnte, wann er die FAZ auf ihr Irrtum aufmerksam machte.
    Der beanstandete Artikel wurde am 20.1. publiziert, heute schreiben wir den 24.1.

  11. @Peter Herche
    Siehe Lasche „About“ bei HUNGARIANVOICE:
    hungarianvoice[AT]gmx.de

    Vielleicht wird dort die Fragestellung beantwortet.

  12. Rudolf, das hat schon Hungarian Voice getan.

    Ob Sie es glauben oder nicht, ich poste nur so nebenbei und sehr schnell, weil ich als Journalist erher für printmedien schreibe.

  13. Übrigens zurück zum Thema. Die FAZ hat auch heute keine Berichtigung gebracht. Aber Tatsache ist, dass die Simultan-Übersetzung nicht nur vom FAZ Korrespondenten so gehört wurde.

  14. Ich habe die FAZ gerade nochmal auf diesen Fehler hingewiesen:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in diesem Artikel von Nikolaus Busse

    http://www.faz.net/s/Rub99C3EECA60D84C08AD6B3E60C4EA807F/Doc~E505BF9EC98AB4F899ACB3FD3E5E85D83~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    wird die Rede Viktor Orbans vor dem EU-Parlament falsch und wirklich grob entstellend wiedergegeben. Was Orban sagte, war dies:

    „Ich möchte Sie daran erinnern, dass Ungarn nach dem 2. Weltkrieg die meisten Menschenleben und das meiste Blut für die Freiheit und die Demokratie geopfert hat. Sowohl während des Volksaufstands on 1956, als auch im Rahmen der anschließenden Vergeltungsaktionen.“

    Ihr Autor Nikolaus Busse macht daraus das hier:

    „Orbán begann seine Rede mit einer Erinnerung an die historische Rolle seines Landes bei der Überwindung des Ostblocks. „Wir haben den ersten Stein aus der Mauer des Kommunismus geschlagen“, sagte er, „wir haben viel dafür getan, dass Europa wiedervereinigt wurde“. Die Ungarn hätten im Zweiten Weltkrieg und auch danach das „meiste Blut und die meisten Menschen“ für die Demokratie geopfert.“

    Dieser Fehler wurde vom Blog hungarianvoice aufgedeckt:

    https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/22/harry´s-place-ein-falschzitat-macht-sich-selbststandig/

    Wenn dieser Fehler nicht korrigiert wird, nimmt die Glaubwürdigkeit der FAZ Schaden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    XXX

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