András Hajós: Schauen wir, was passiert

Der ungarische Musiker, Soziologe und ehemalige Berater des Budapester Oberbürgermeisters Gábor Demszky (SZDSZ), András Hajós, hat sich in einem aktuellen Interview mit der Wochenzeitung Heti Válasz zur Thematik des Mediengesetzes geäußert. Die Wochenzeitung HVG hat das Interview in zusammengefasster Form abgedruckt.

András Hajós über das Mediengesetz: „Gehen wir etwas vom Gas, und schauen wir, was passiert“

Interview mit dem Musiker András Hajós, dem ehemaligen Berater von Oberbürgermeister Gábor Demszky, über den dringend notwendigen Generationswechsel bei der Linken, über Fidesz und das Medienesetz.

„Die „Großen Alten“ der Liberalen stehen mir viel näher als die der nationalen Seite, ich denke nicht einmal im Traum daran, sie zu verleugnen, aber eines stimmt: es fehlen die jüngeren Generationen“ – so beantwortete András Hajós im Interview mit der Heti Válasz die Frage, ob es ihn „störe“, dass der Liberalismus auch heute noch durch die Generation um György Konrád vertreten wird“.

Hajós „glaubt nicht, dass mit dem Mediengesetz „alles in Ordnung sei“, jedoch zeige seines Erachtens der um das Gesetz herum ausgebrochene Streit „hervorragend die Geteiltheit der Generationen – auch im liberalen Lager.“ „Die ganz jungen interessiere das Ganze nicht, sie veröffentlichen über Twitter das, was sie gerade wollen. Die Älteren sehen schon das Ende der Welt. Dann gibt es meine Generation, die es so sieht: wir haben zwar schon Krähen auf Holpflöcken sitzen sehen, aber das bedeutet nicht, dass das Ende der Welt gekommen wäre, gehen wir etwas vom Gas, schauen wir, was passiert“ – so Hajós. Über die Reaktion der Linksliberalen sagte er: „das ist selbstverständlich nicht nur rationale Kritik. Sondern eher emotional begründete.“

Hajós: „Allein deshalb, weil ein Politiker nicht nach meinem Geschmack mit seinen Möglichkeiten umgeht, wie es bei Viktor Orbán zweifellos der Fall ist, glaube ich noch nicht, dass er in einer der Hexenküchen im Parlament einen faschistischen Eintopf zusammenköchelt. In dieser Sache wird aber auch unsere Generation bis zu ihrem Lebensende mit den gleichaltrigen Rechten und Konservativen streiten, obwohl wir mit ihnen schon viel besser reden können als unsere direkten Vorfahren.“

„Die Auflösung der Wagenburgen hat begonnen, die am meisten streitige Frage ist aber noch immer, wer für die jetzt entstandene Situation verantwortlich ist“ – fügt Hajós hinzu. Seiner Meinung nach ist es sinnlos, darüber zu streiten, weil es dort „nie ein Ende gibt“, die „tief im Innern sitzende Antipathie“ könne auch er nicht besiegen. „Aber ich habe eines gelernt. Warten. Einen Schritt zurücktreten. Als erster Schritt ist vielleicht auch das schon etwas. Damit akzeptiere ich eines: Die liberale Schnoddrigkeit bedarf einiger Korrekturen“ – brachte der Musiker zum Ausdruck.

Im Zusammenhang mit Fidesz sagte Hajós: „sie haben wohl nicht ganz begriffen, was Zweidrittel bedeuten“. „Sie können sich ganz oben auf die Siegertreppe stellen, die Medaille an ihrem Hals, die Hymne spielt nur für sie, und sie spucken noch immer auf den Drittplatzierten. Nach einer gewissen Zeit ist das komisch“.

Seiner Auffassung nach kann man so keine Politik betreiben, als gutes Gegenbeispiel nannte er István Tarlós (Anm. Hungarianvoice: den Oberbürgermeister von Budapest). „Auch er schwärmt nicht für SZDSZ, trotzdem hat er János Atkári ernannt, da er am meisten von den Finanzen der Hauptstadt versteht“. „Diese Art von Konsenspolitik wird von mir viel besser verstanden und für sympathischer gehalten als das Gerempel auf Landesebene“ – sagte Hajós der Heti Válasz.“

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