Online verfügbar: Beitrag „Belastete Orte der Erinnerung“ von Krisztian Ungváry

Allen Lesern, die an den seit vielen Jahren bestehenden Problemen mit der Geschichtsaufarbeitung in Ungarn interessiert sind, empfehle ich den Beitrag von Krisztián Ungváry zur Lektüre. Meines Erachtens einer der besten Aufsätze der vergangenen Jahre. Vielen Dank an die Bundeszentrale für politische Bildung, dass sie ihn online verfügbar gemacht hat.

http://www.bpb.de/publikationen/AUL29H,0,0,Belastete_Orte_der_Erinnerung.html#art0

3 Kommentare zu “Online verfügbar: Beitrag „Belastete Orte der Erinnerung“ von Krisztian Ungváry

  1. Ein lesenswerter Beitrag, da sich der Autor (wie von Ungvary zu erwarten) sich im Ganzen-und-grossen um Objektive Analyse bemüht. Trotzdem zeigt der Beitrag einigen Schwächen:
    1. Der Autor versäumte, tiefer auf die Ursachen der politischen Trennung der ungarischen Gesellschaft einzugehen. Einer der Hauptursachen für die Polarisierung des Landes liegt mE.in der unterschiedlichen Behandlung der jüngeren Vergangenheit. Nach dem 2. Weltkrieg fand eine intensive „Entnazifizierung“ statt, eine „Entkommunistierung“ (mir fällt kein besserer Begriff ein), wurde versäumt. Während, wie Ungvary anführt, nach dem 2. Weltkrieg insgesamt wegen angeblicher oder tatsächlicher NS- oder Kriegsverbrechen und wegen anderer politischer Delikte über 600 000 Personen bestraft worden sind, ist wegen Verbrechen in der Zeit des kommunistischen Regimes kein einzige Person angeklagt, geschweige denn verurteilt worden. Die (meistens kleinen) Scherge der Nazizeit werden gnadenlos verfolgt, jedoch sogar die grossen Scherge der Kommunistenzeit leben wohlversorgt und unbehelligt noch unter uns. Aktuelle Beispiele für das Messen mit zweierlei Mass sind die Fälle Zentai bzw. Biszku.
    Meines Erachtens sollten die gleichen Masstäbe gelten für alle Verbrecher, ob Nazi oder Kommunist.
    2. Ungvary erwähnt die Kosten des Terrorhauses mit 160 Millionen Euro dh, ca. 38 bis 40 Milliarden Forint. Hier dürfte ein Fehler vorliegen. Wenn schon Kosten, dann sollten auch die (mir unbekannten) Kosten des Holocaust-Museums angegeben werden.
    3. Der Vorwurf, dass das Terrorhaus sich im Zentrum, das Holocaust-Museum sich jedoch in einem Randbezirk befindet, ist dem anerkannten Historiker Ungvary nicht würdig. Er lässt, zumindest unterschwellig, eine Interpretation zu, dass dies absichtlich geschehen ist.
    Die Schwächen des Artikels wiegen umso schwerer, da die Publikation in Deutschland erfolgte, in einem Land, wo die Wiedereinführung des Kommunismus sogar öffentlich (Die Linke) überlegt werden kann. Hier wurde eine Gelegenheit zur deutlichen Sprache versäumt. Schade.

  2. Pingback: Zeitreise nach 2008 in Sachen Kulturförderung « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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