Leserzuschrift „Der salonfähige Konservative“

Eine Leserzuschrift unseres Diskutanten Rudolf. Vielen Dank dafür.

„Ein nicht ganz ernster Artikel vom Blog konzervatorium.blog.hu für diejenigen, die der ungarischen Sprache mächtig sind:

Der salonfähige Konservative. 😉

http://konzervatorium.blog.hu/2011/02/16/a_szalonkepes_konzervativ

10 Kommentare zu “Leserzuschrift „Der salonfähige Konservative“

  1. Als Satire kommt mir der Text etwas seicht vor.
    Aber die politische Botschaft ist klar, wer sich vor angegriffene Linke bzw. Liberale stellt, der ist kein Konservativer.
    Nun ist es so, Fidesz und sein Anhängsel haben die Wahlen 2010 mit absoluter Mehrheit gewonnen und es ist ganz klar, dass diese Wahlen vorbei sind. Doch nicht für manchen Fideszpolitiker, die glauben die Kampagnen unbedingt weiterführen zu müssen.
    Ich will hier nicht auf die heutigen politischen und moralischen Probleme einer solchen Sicht eingehen.
    Doch in der ungarischen Geschichte gibt es wohl ein Kapitel das gerade für diejenigen, die sich als Konservative sehen, lehrreich sein sollte.
    Ein ungarischer Konservativer wie Bajcsi-Zsilinszky, der noch vor dem ersten Weltkrieg und auch nachher antisemitisch eingestellt war, sah nach 1933 die Gefahr des Nationalsozialismus. Er war kein Linker. Als im ungarisch besetzten Novisad-Ujvidék-Neusatz Ungarn ein schreckliches Pogrom gegen Juden, Serben und Roma veranstalteten, stand er auf im ungarischen Parlament und protestierte.
    Die Horthyregierung sah sich gezwungen eine Untersuchung einzuleiten. (Zur Zeit ist im Haus des Terrors eine Ausstellung zu sehen, über den Mord, den Partisanen an Ungarn begangen haben, nachdem sie die Vojwodina (Vajdaság) befreiten.)
    Andererseits gab es einen linken Dichter, der zu den Pfeilkreuzlern überlief und antisemitische Hetze betrieb. Nach 1945 wurde er von den Kommunisten gefördert.
    Nun sehe ich trotz Rudolfs Begeisterung für diesen Text die ungarische Gesellschaft differenziert. Es gibt konservative Intellektuelle, die es nicht notwendig haben an primitiven politischen Kampagnen teilzunehmen und einige von diesen haben sich auch zu Wort gemeldet.

    Wenn die erste Begeisterung für Orban und Fidesz vorbei ist, und das ist schon im Gange, wie uns die Meinungsforscher zeigen, dann wird auch die Bereitschaft wachsen darauf hinzuweisen, dass der König nackt ist.
    Die jetzige Politik, Linke und Liberale als nicht zum ungarischen Volk gehörig hinzustellen, kann keinen Bestand haben.

    • Möglicher Weise ist die Botschaft auch die, dass sich Linke und Liberale (jedenfalls in Ungarn) anmaßen, allein beurteilen zu dürfen, was eben jene „salonfähige Konservative“ sind. Wer schon mal den Ausführungen von Tamás Mészáros im „Újságíróklub“ (ATV) folgen durfte, weiß möglicher Weise, was ich meine.

      • Ich sehe die Botschaft des Textes auch so.

        Was ich gestern noch hinzuschreiben wollte, dann vergessen habe, aber angesichts dessen, dass ich gemäß Herrn Pfeifer von dem Text „begeistert“ bin, anscheinend hätte doch tun sollen:

        Das ist ein Text, den ich einmal gelesen habe und lustig fand. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin nicht mal ganz mit allen Inhalten einverstanden. Ich glaub auch nicht, dass man den Text jetzt so wahnsinnig ernst nehmen muss.

    • @ Herrn Pfeifer:

      Ich war sehr neugierig, was Sie zu diesem Text sagen, waren doch vor kurzem genau Sie derjenige, der hier voller Freude das Blog „konzervatorium.blog.hu“ genannt hat und auch darauf verwies, dass dieses Blog auch gemäß Frau Balogh ein interessantes Blog junger Leute sei, die konservativ seien, sich jedoch auch kritisch über die Regierung äußern. 😉

      Ich frage Sie nun, wie sich das nun mit Ihrer jetzigen Meinung in Einklang bringen lässt?

      Vielleicht:
      Konzervatórium ist salonfähig konservativ, wenn es Orbán kritisiert, aber wenn es was anderes schreibt, wie z.B. über die Einstellung der Linken und Liberalen, dann nicht?
      😉

  2. Rudolf einige Texte des Hungarian Voice gefallen mir, andere weniger. Und so ist das auch mit diesem Text, der mir etwas seicht vorkommt und nicht gefällt.
    Mit Absicht habe ich auf ein Problem der ungarischen Historiographie hingewiesen, d.h. dass dieses einfache links gut rechts schlecht Konzept nicht die Realität deckte.
    D.h. man soll nicht manichäisch in den Fehler verfallen, alles was Konservative in der Politik unternahmen, zu verurteilen.
    Allerdings sollte man aber auch sehen, dass es während der Horthyzeit Linke gab, wie z.B. Anna Kéthly, über die ich vor ein paar Jahrzehnten einen Artikel publizierte. Kéthly stand auf im ungarischen Parlament und verurteilte im Gegensatz zu vielen „Konservativen“ die Juden diskriminierende Gesetze.
    Nehmen wir eine andere konservative Politikerin Margit Slachta, einerseits befürwortete sie Stockhiebe als Strafe andererseits hat sie, als angeblich staatenlose Juden 1941 von Ungarn an die Waffen SS in Kamenets-Podolsk auslieferte, an den höchsten Stellen interveniert und erreicht, dass diese Aktion gestoppt wurde.
    Tragisch war das Schicksal des konservativen Politikers István Bethlen, der sich während der Horthyzeit um Mässigung bemüht hatte und 1945 von den Sowjets verschleppt wurde und dort auch gestorben ist.
    Wenn nun die Geschichte als Prüfungsgegenstand nicht mehr Pflicht ist bei den ungarischen Maturanten, dann finde ich das gar nicht gut.
    Übrigens gerade heute hat auch Népszabadság einen Artikel über den ehemaligen Kádárverehrer Miklós Kun gebracht.
    http://nol.hu/belfold/kadar_janos_hodoloja_most_papcsak_penzebol_emlekezik_a_kommunizmus_aldozatara

  3. @ hungarianvoice und @ Herrn Pfeifer:

    Ohne hier Schleichwerbung für Konzervatórium machen zu wollen, empfehle ich vor allem auch Herrn Pfeifer die Lektüre dieses Textes, der wieder einmal sich sehr kritisch mit den bisherigen Leistungen der 2. Orbán-Regierung generell und vor allem auch in Bezug auf die Verfassungsgebung auseinandersetzt.

    Angesichts der „Gerüchte“, wie der erste Vorschlag des Normtextes aussehen soll (dieser soll übermorgen, am Donnerstag, präsentiert werden) und natürlich angesichts jener Ereignisse und Kommunikation, die in puncto Verfassung (und sonst auch) bis dato geschehen sind, ist meiner Meinung die in diesem Text geäußerte Kritik in sehr vielen Punkten sehr berechtigt.

    Betonen möchte ich: Nur, weil ich einen Text hier verlinke, heißt es nicht, dass ich mit allem, was in diesem Text drinnen steht, vollkommen, ohne wenn und aber, einverstanden bin. So kann man über bestimmte Punkte dieser Kritik und natürlich auch bestimmte andere Absätze, z. Bsp. über die in diesem Text geäußerten historischen Ansichten lässt sich natürlich, wie immer, streiten.

    Nicht unerwähnt möchte ich natürlich lassen, dass hier wieder einmal ersichtlich ist, dass bestimmte konservative Gemeinschaften und auch Fidesz-Wähler sehr wohl reflektiert über die Ereignisse der Regierung(spartei) nachdenken, sich kritisch äußern und nicht nur einem König nachrennen.

    http://konzervatorium.blog.hu/2011/03/08/az_alkotmanyozasrol

  4. Rudolf, ich bin mit Ihnen einverstanden, aber wenn ich sage, dass es auch in Ungarn durchaus konservative und Fidesznahe Personen gibt, die sich Gedanken machen über die Politik dieser Partei, dann werde ich deswegen kritisiert.
    Sicher gibt es solche Personen, die denken, man könne Fidesz noch dazu bringen, eine konservative oder christlich-soziale Partei zu werden. Das Problem bislang ist, dass es dafür allzuwenig Zeichen gibt.
    Heute veröffentlicht 168óra ein Interview mit dem Kulturstaatssekretär Szöcs. Ich empfehle die Lektüre. Da gibt es einige Bemerkungen, die Problembewußtsein zeigen.
    Die Frage ist nur, wie lange dieser Mann auf seinem Posten bleibt.

    • @ Herrn Pfeifer: Warum sollte es solche Persönlichkeiten denn nicht geben? Ich halte das für gut, richtig und bin auch nicht überrascht. Am Ende zeigen genau solche Beiträge, dass die ungarische Gesellschaft vielschichtiger ist als Sie uns seit einem Jahr hier vorexerzieren möchten. Einerseits den Eindruck erwecken zu wollen, die ungarische Gesellschaft folge Orbán blind, auf der anderen Seite solche Postings zu bringen als Beleg dafür, dass auch Konservative Orbán kritisch sehen, will irgendwie nicht zusammenpassen.

      Nimmt man nur den Aufruhr um das Verfassungsgericht, hat sich bereits damals gezeigt, dass Kritik auch aus dem rechten Lager kam. Am Ende könnte sich herausstellen, dass die europäische Linke eben nicht die moderne Demokratie und den Pluralismus für sich gepachtet hat…:-)

  5. Hungarian Voice nur Sie unterstellen mir die ungarische Gesellschaft als einen Block zu sehen. Ich habe immer differenziert.
    Und ich habe nie behauptet, dass die Linken irgendetwas gepachtet haben.
    Natürlich bin ich froh, dass es ungarische Konservative gibt, die nicht kuschen. Und wenn Sie sich noch erinnern habe ich gerade dies in meinem ersten Beitrag aufgezeigt was Konservative in Ungarn positives geleistet haben.
    Gerade in den letzten Jahren des Kádárregimes haben ungarische Historiker interessante differenzierte Arbeiten über die Zwischenkriegszeit publiziert. Bereits während Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre haben diese darauf hingewiesen, dass man nicht vom Horthyfaschismus reden kann.

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