„Mr. S8“ János Lázár und sein Bild von der ungarischen Gesellschaft – Orbán, übernehmen Sie (endlich)!

Es gibt sie immer wieder. Momente, in denen man wegen des Verhaltens und des Weltbildes ungarischer Politiker des Regierungslagers nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann.

Der Protagonist dieses Kommentars ist bekannt. Es ist János Lázár, Vorsitzender der Fidesz-Fraktion im ungarischen Parlament. Bekannt und beliebt nicht nur durch seinen unsäglichen Angriff auf das ungarische Verfassungsgericht, sondern auch dadurch, dass er sich auf Staatskosten eine Luxuslimousine des Typs Audi S8 „gegönnt“ hatte – das 400 PS-Gefährt gab er nach Protesten aus den Reihen der Opposition und kritischen Presseberichten zurück.

Doch Lázár ist – bildlich gesprochen – wie eine Speckschwarte, die im Wasser immer wieder oben aufschwimmt. Und von „Charakterspeck“ kann man nicht sprechen: Wie Index.hu berichtet, hat Lázár, der neben seiner Parlamentsfunktion auch Bürgermeister von Hódmezövásárhely ist, in einer durchaus interessanten Rede vor dem Gemeinderat sein Bild von Hilfebedürftigen und weniger Erfolgreichen kundgetan:

Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich dafür, was ich mein eigen nenne, hart arbeite. Ich bin in einem Milieu aufgewachsen, in dem Arbeit nicht als Schande galt, und man musste sich auch nicht für die Früchte seiner Arbeit schämen. Der Mensch soll sich etwas ansammeln, Stein auf Stein bauen. Wer dazu nicht fähig ist, wer nichts hat, ist meines Erachtens auch genau so viel wert, jedenfalls ist das meine Meinung.  Wer es in seinem Leben zu nichts gebracht hat, der ist auch nicht mehr wert, das kann ich sagen. Sein Leben ist eben auch nicht mehr wert. So ist meine Auffassung.“

Man glaubt, sich verhört zu haben. Der Parlamentsvorsitzende einer mit 2/3-Mehrheit regierenden Partei, die gerade mit einer neuen Verfassung das Land auf eine „neue moralische Grundlage“ stellen möchte (dort steht u.a., dass man dem „Befehl gehorcht, sich um Hilfsbedürftige zu kümmern“), die Menschenwürde betont und zu verhindern sucht, dass in Auslandswährung finanzierte Wohnung wegen der Überschuldung ihrer Eigentümer zwangsweise geräumt werden, spricht über eben diese Hilfsbedürftigen, als wären sie Müll. Nicht einmal der geschmackloseste Neoliberale hat sich in der Öffentlichkeit jemals zu so einer Aussage verstiegen. Dass in diese Gruppe vermeintlicher „Versager“ viele Millionen Menschen passen, liegt auf der Hand. So redet wohl kein seriöser Politiker über das Volk, dessen Interessen zu vertreten er mit seinem Eid gelobt hat.

Die Tatsache, dass man in einer freien Wirtschaft auch ohne eigene Schuld in schwierige finanzielle oder sonstige Situationen kommen kann, scheint dem Juristen Lázár fremd zu sein. Wenig verwunderlich, er selbst war bislang nur Politiker und Bediensteter im öffentlichen Bereich und bezieht seinen Lebensunterhalt und (ehemals) auch sein Luxusauto von eben jenen Bürgern, die Steuern zahlen, ohne in Saus und Braus zu leben. Wir dürfen hoffen, dass wir in Lázárs Aussagen kein Menetekel der für das Jahr 2014 geplanten Wahlslogans des Fidesz gesehen haben:

„Jedem, der etwas wert ist, geht es besser als vor vier Jahren. Für mehr Eigenverantwortung. Fidesz“.

Lázár hat sich durch seine Aussagen nicht zum ersten Mal als Aushängeschild der Fraktion disqualifiziert und politische Aussagen des Fidesz diskreditiert. In Deutschland würde ein Politiker dieses Schlages von seiner Partei unverzüglich zum Rücktritt gezwungen. Auch Ungarn im allgemeinen und Fidesz im besonderen braucht keine arroganten Emporkömmlinge, die als Berufspolitiker an die Fleischtöpfe herangerückt und darauf auch mächtig stolz sind, sondern verantwortungsbewusste Männer und Frauen, die die Realitäten des ungarischen Lebens kennen. Und zu dieser – zum Teil bitteren – Realität gehört eine große Zahl von Menschen, die nicht nur wegen ihres eigenen Verschuldens, sondern auch aufgrund verfehlter Politik der vergangenen Jahre um ihre Chancen und (nicht selten) um ihre Ersparnisse gebracht worden sind. Das, lieber Herr Lázár, war jedenfalls die Aussage Ihrer Partei im Wahlkampf.

Eine klare Aussage aus der Fidesz-Parteiführung und der Fraktion ist längst überfällig. Ansonsten könnte der Hochmut Einzelner den Fall vieler anderer bedeuten.

Weitere Quellen:

http://www.boon.hu/engine.aspx/lmp-szeg-233-nynek-lenni-bun/t/page/boon-article-detail-page/cn/haon-news-charlotteInform-20110319-0611086278/dc/im%3Aall%3Anews_special-hungary/ag/im-fuggetlen

http://www.origo.hu/itthon/20110319-lazar-janos-szerint-akinek-nincs-semmije-az-annyit-is-er.html

21 Kommentare zu “„Mr. S8“ János Lázár und sein Bild von der ungarischen Gesellschaft – Orbán, übernehmen Sie (endlich)!

  1. Sicherlich hat sich Herr Orbán mit Händen und Füssen dagegen gewehrt, dass dieser Emporkömmling emporkommt. Wie gehabt, ist das wahrscheinlich auch wieder ohne Wissen und Wollen des Fidesz-Anführers geschehen. Oder vielleicht spricht er ja erst seit heute so.

    Jetzt vielleicht doch ein bisschen „guilt by association“? Im Fall Bayer haben Sie das ja noch weit von sich gewiesen. (Orbán hat sich bis heute nicht von diesem Ferkel distanziert.)

    Ich bin ja gespannt, wann auch Hungarian Voice erkennt, wie der Hase läuft. Spätestens 2012 the sh** hits the fan, das ist völlig unvermeidlich. Dann gibt es ungeahnte Zwangsmassnahmen.

      • Seien Sie doch nicht so ungeduldig. Herr Orbán gehört zu den wenigen Politikern, die genau das tun, was sie angekündigt haben, egal wie fürchterlich. Und zwar pünktlich, wenn nicht gerade der „Volkswirtschaftsminister“ um Aufschub bitten muss.

        Aber auf den eigentlichen Problempunkt, nämlich mit welchem Personal sich Orbán umgibt, möchten Sie wohl nicht eingehen. Stattdessen:

        Die Stimme vom „sozialen Brennpunkt Lago Maggiore“. Wie putzig!

      • Ich befasse mich nicht mit dem Personal? Sie haben wohl den Beitrag nicht gelesen, Sie Schlaumeier. Stattdessen machen Sie hier den destruktiven Meckeronkel, wie es nicht einmal Herrn Pfeifer bislang gelungen ist. Zur Sache haben Sie bislang noch nichts beigetragen. Das einzige, was ich über Ihre Auffassungen zur Situation in Ungarn weiß, ist Folgendes: Sie mögen Fidesz nicht. Und Hungarian Voice gefällt Ihnen auch nicht: Wenn ich nicht kritisiere, stänkern Sie. Wenn ich kritisiere, stänkern Sie auch. Ich empfehle Ihnen den Wechsel des Forums. Es würde uns beiden viel wertvolle Zeit sparen.

    • „So schauen Orbans Parteisoldaten aus. Wer Fidesz gewählt hat, der kann sich nicht darüber beschweren, dass Orban genau das macht, was er versprochen hat.“

      Ich bitte um Erläuterung. Insbesondere, was Ihre Aussage mit dem Beitrag zu tun hat.

      • Was die Aussage mit dem Beitrag zu tun hätte ? Ich glaube nur sein Hass gegen FIDESZ und seine verbale Zwänge.

        Der Grammatiklehrer schreibt : „Karl Pfeifer

        Aha, in Ungarn ist der Antisemitismus nicht schlimmer als anderswo sagt der Präsident, den viele Ungarn für einen Parteisoldaten halten, der wenn man den Berichten glauben kann auf Kriegsfuß mit der ungarischen Sprache steht.
        Nun gibt es noch in Europa ein Gericht, das in einem Urteil festlegen würde, dass der berüchtigtigte Nazi-Hetzfilm „Jud Süß“ wedper ideogisch noch politisch sei?

  2. Das es sich hier um eine menschenverachtetende Aussage handelt daran besteht kein Zweifel.
    Allerdings interessant ist die Einleitung
    „A Kuruc.info.hu-n közzétett felvétel szerint“
    Wer bedient sich denn da der Informationen von kuruc.info ? So ist dann auch erklärlich wie die 1000 Zugriffe täglich zustande kommen.
    Es würde hier dann auch Erklärungsbedarf bestehen !?

    Nachtrag:
    Mir muss Schmitt Pál nicht sympathisch sein um anzumerken:Hatte nicht auch Einstein Schwierigkeiten mit dem Schriftlichen? (und beim Lesen, aber das nur als Ergänzung)

  3. terrier, ein Posting beckmesserisch zu zitieren ist lächerlich.
    Postings werden schnell geschrieben.

    Und ich finde die Personalauswahl durch Orbán gut, denn wie der Herr so … Die Wahlkabinenrevolution bringt doch was zustande.

  4. Lázár entschuldigt sich, allerdings habe man seine Aussagen falsch verstanden. Die Aufnahme sei manipuliert, er habe nicht von den Bedürftigen, sondern von Politikern gesprochen, die nur in der Politik sind, um daraus ihren Lebensunterhalt zu bestreiten (ung. „megélhetési politikusok“). Ob Lázár, der außer dem Halten politischer Ämter bislang nur wenig auf die Beine gestellt hat, sich selbst gemeint hat?

    Als Antwort gibt es schon eine Facebook-Gruppe:

    http://www.facebook.com/lazarjanoshuzzon

    (Facebook/LazarJanossollverschwinden)

  5. Sehr geehrter Hungarianvoice! Als Katholik kann ich Ihrer Kritik inhaltlich nur zustimmen. Ich muss aber schon die Frage in den Raum stellen: „WEN WUNDERTS?“
    Lázárs Auffassung hat nichts mit Fidesz zu tun- sie finden so ein überblümtes Denken auch bei ideologisch tatsächlich liberalen Politikern; vielmehr ist es eine Urcalvinistische Denkweise, die er halt als Pastor von Hódmezövásárhely von kleinauf so gelernt hat und bloß weiter gibt. Von der Kanzel predigt er wahrscheinlich genau dasselbe und meint es wohl gar nicht böse. Lázár hat mein Mitgefühl.
    Calvin zufolge erkennt man Gottes Gnade uA am wirtschaftlichen Erfolg des Gläubigen. Diese protestantische Ethik (vgl auch die Analyse und die Kritik von Max Weber) ist seit jeher die Ursache dafür, dass Liberalkapitalismus und Geldgier wesentliche Faktoren in Großbritannien und den USA sind; dass die ersten Arbeitslager moderner Prägung im protestantischen Holland entstanden sind („Es kann ja nicht sein, dass diese faulen, gottverlassenen Menschen nicht arbeiten wollen“).
    Im Übrigen ist ein anderer Ausfluss des Protestantismus der (überzogene) Nationalismus. Es ist bemerkenswert, dass sowohl in der früheren MIÉP, in der heutigen Jobbik, aber auch andernorts in der FPÖ/ FPK überdurchschnittlich viele Politiker Protestanten sind. Selbst wenn man sich die Wahlerfolge der NSDAP ansieht, wird man feststellen, dass sie in katholisch dominierten Gebieten wie etwa Österreich oder Bayern wie schlechtere Ergebnisse erzielt haben als im „hohen Norden“. Mir wäre auch heute in Bayern oder Baden-Wüttenberg oder im Rheinland keine relevante Neonaziszene aufgefallen.

  6. corvinus83 Ihre Theorie, alles Böse käme von den Protestanten ist ein wenig seltsam, denn einige der schlimmsten Nazi wie Adolf Hitler und Joseph Goebbels wurden zweifelsohne katholisch sozialisiert.

  7. Ich sehe die Rolle des Protestantismus in der Menschheitsgeschichte durchaus differenziert. Fehler müssen jedoch auch als Fehler bezeichnet werden dürfen.
    Herr Pfeifer, das, was Sie kritisieren, stammt nicht von mir. (Da ich kein Guttenberg bin, habe ich das auch nie behauptet.) Vielmehr sind die Auswirkungen des Protestantismus auf die Ausformung des Urkapitalismus ebenso wenig bestreitbar wie die überproportionale Verflechtung von Protestanten an nationalistischen Strömungen.
    Die rechte Los-von-Rom Bewegung war antikatholisch; sowohl Hitler als auch Goebbels hatten einen pathologischen Hass auf die Kirche; innerhalb der christlichen Konfessionen gingen die Nazis brutaler und entschiedener gegen die Katholiken vor, als gegen die Evangelischen. Bis heute haben die Evangelischen nicht wirklich aufgearbeitet, dass sie damals ihre jüdischstämmigen Geschwister in Christus aus ihrer Konfession ausgeschlossen haben; im Allgemeinen war Widerstand gegen die Nazis in katholischen Kreisen stärker ausgeprägt als in evangelischen; die ersten Züge in Konzentrationslager waren nicht mit Juden, sondern mit Katholiken „beladen“. Sie können auch nicht leugnen, dass es in den 1930er Jahren in katholisch bewohnten Gebieten des deutschen Kulturkreises weniger Nazi-Zulauf gegeben hat als anderswo.

  8. corvinus83 ich mag nicht über Max Weber und die protestantische Ethik diskutieren. Aber der Kapitalismus brachte der Menschheit einen großen Fortschritt, der nicht wegzuleugnen ist.
    Und bei allem Respekt für die katholische Kirche der Gegenwart, aber auch sie hat einige schlimme braune Flecken in ihrer Geschichte. Hier in Österreich kennen wir den Fall des Bischof Alois Hudal, der noch vor dem „Anschluss“ ein Buch publizierte, in dem er eine Symbiose des Katholizismus mit dem NS vorschlug. Nach dem 2. WK bemühte sich Hudal NS-Täter die Flucht nach Lateinamerika zu ermöglichen und bekennt sich dazu selbst ganz stolz in seinen Memoiren.
    Die Protestanten haben zwar aufgerufen, sich selbst zu helfen und sich selbst zu vervollkommnen, jedoch haben sie nicht die Armen verachtet. Es war ja die katholische Kirche, die Armut als von Gott gegeben den Leuten einreden wollte und die Mehrheit lieber unwissend und analphabetisch hielt. Ohne die Erfindung des Buchdrucks hätten die Thesen Luthers keine Verbreitung gefunden.
    Und es war kein Zufall, dass in den katholischen Ländern im Gegensatz zu den protestantischen der Analphabetismus so verbreitet war.
    Doch kehren wir zurück nach Ungarn. Szálasi ging glaube ich mit den Tröstungen der Kirche versehen zum Galgen.
    Doch kann man ja deswegen nicht die katholische Kirche beschuldigen für seine Verbrechen mitverantwortlich sein.
    Und so ist auch nicht der Protestantismus mitschuld an den unsäglichen Äußerungen dieses Fidesz-Politikers.
    Und die Tatsache, dass Horthy Protestant war, hat nicht den heuchlerisch „christlichen“ Kurs geändert. Die Tatsache, dass Orbán Protestant ist und früher antiklerikal war bis geht nicht mehr, stört doch Fidesz nicht heute einen heuchlerischen klerikalen Kurs zu fahren.

    In Ungarn die Erinnerung an die ungarischen Republiken auszumerzen und sozusagen bei Werböczy anzuschliessen, dafür trägt Fidesz die Verantwortung und das kann man doch nicht dem Protestantismus in die Schuhe zu schieben.
    Und was Werböczy für die Masse der landlosen Ungarn bedeutete muss ich wohl hier nicht erklären.
    Es ist einfach ein Hohn und weit von jeder Realität zu behaupten Europa oder Ungarn wären „christlich“. In Ungarn ist die Unwissenheit was Christentum belangt sagenhaft. Praktizierende Christen sind eine Minderheit, die Mehrheit ist heidnisch. Übrigens führt jetzt Zuglo (der XIV Bezirk in Budapest) die Runenschrift ein, die nicht sehr katholisch ist. (Achtung Ironie!)
    Was Lazar gesagt hat, entspricht der Fidesz-Ideologie und nicht dem Protestantismus von heute, der ja weit gefächert ist.

  9. Herr Pfeifer, wenn Sie permanent ungarische Themen in Richtung NS-Diskussion verreißen, dann sei mir auch die kurze Thematisierung des Protestantismus gestattet. Übrigens wirken solche Glaubensfragen bis in unser heutiges, säkulareres Leben hinein, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.
    Ich finde den Kapitalismus für sehr gut, er braucht jedoch öko-soziale Schranken, die man in seiner Urform nicht kannte und anerkennen wollte.
    Eigentlich habe ich schon erwartet, dass Sie als Kritik an der vermeintlichen Kollaboration der katholischen Kirche mit den Nazis das Innitzer-Beispiel bringen werden. Aber sei’s drum, das Hudal-Beispiel ist auch ok. Während ich von Grundtendenzen des katholischen Widerstandes gesprochen habe, bringen sie die Ausnahmen. Diese bestätigen allerdings nur die von mir behaupteten, historisch nicht leugbaren Grundtendenzen.
    Calvinisten haben in ihrer Urform die Armen sehr wohl verachtet. (Das war ja mein Intial-Statement betreffend Lázár.) Heute sehen sie das natürlich auch differenzierter. Si tacuisses, philosophus mansisses: Ihre Behauptung über den Bildungsauftrag der katholischen Kirche, den sie über die Jahrhunderte wahr genommen hat, richtet sich selbst. Auch die Erfindung des Buchdrucks ist keine theologisch/ideologisch/politische Errungenschaft der Protestanten, sondern eine technische Erneuerung, die sie sich zu zuerst zu nutze gemacht haben.
    Zutiefst unmenschlich wäre es, selbst einem Szálasi pastoralen Beistand vor seinem Tod zu verweigern. Was haben sie für ein totalitäres Menschenbild!
    Nach der Reaktion von Lázár auf die Vorwürfe bin ich mir in der Zwischenzeit nicht mehr wirklich sicher, dass er die Außerungen so getätigt hat, wie ursprünglich kolporitert. Das ändert im Kern allerdings nicht unbedingt etwas an meiner allgemeinen Feststellung.
    Es ist bezeichnend, dass der Protestant Horthy nicht den Katholiken Otto von Habsburg hat den Thron besteigen lassen, als dieser wollte.
    Orbán ist mit einer Katholikin verheiratet; entweder alle seine Kinder oder zumindest die Mehrheit ist katholisch getauft; er hat von der katholischen Kirche bereits mehrfach Auszeichnungen erhalten. Sie werden eingestehen, dass er wegen seiner Frau und seinen Kindern sicherlich keinen pathologischen Hass ggü dem Katholizismus rechtfertigen könnte. Auch hätte er keine Auszeichnungen erhalten, wenn er unversöhnliche Ausdrücke ggü der Kirche gebraucht hätte.
    Heuchlerisch ist, wenn jemand etwas macht, was er nicht glaubt. Ich halte es allerdings insb bei KDNP-Politikern bzw Leuten wie Zoltán Balog für authentisch, dass sie an Jesus Christus und einen Auftrag glauben.
    Wenn in Ungarn die Unwissenheit betreffend Christentum sagenhaft sei, wie schaut es denn mit Österreich oder Deutschland aus? Verglichen damit ist Ungarn noch immer eine Insel der Seeligen.
    Ich mag keine Tendenzen, welche der altungarischen Runenschrift oder vorchristlichen Ungarn einen Götzendienst erweisen. Die eigentliche Geschichte Ungarns beginnt mit 1000 A.D.

  10. corvinus83 ich bin fast mit allem einverstanden, was Sie da schreiben.
    Das Beispiel Innitzer habe ich aus mehreren Gründen nicht erwähnt, denn es gab das Beispiel des Sozialisten Karl Renner, der weit darüber hinausging was Innitzer vorgeworfen wird.
    Sie haben Recht, die Unwissenheit beschränkt sich natürlich nicht auf Ungarn.
    Was die christlichen Werte betrifft, kann man die Politiker nur aufgrund ihrer Taten beurteilen und da glaube ich genügt es nicht wenn jemand ein Würdenträger einer Kirche ist.
    Um wieder ein Beispiel zu geben, im ungarischen Parlament erregte Anna Kéthly am 10. März 1939 Aufsehen als sie in der Sitzung des Parlaments eine Rede gegen die Diskriminierung der Juden durch ein Judengesetz hielt. Sie erinnerte an den Friedensvertrag, der Ungarn verpflichtete ausnahmslos alle Staatsbürger gleichzubehandeln und wies darauf hin, daß die Diskriminierung einer Gruppe von Menschen eine gefährliche Präzedenz schafft, da man vielleicht dann auch die ungarische Minderheit in den Nachbarstaaten diskriminieren könnte. In Ungarn errangen die faschistischen Pfeilkreuzler 1939 ihre größten Erfolge und es war gefährlich, solche Reden zu halten. Doch Kethly ließ sich von den Zwischenrufen der Rechtsextremen nicht beeindrucken. Sie sagte u.a: „Ich will auch darauf hinweisen, daß sich vor uns eine Weltkatastrophe entwickelt. Ich weiß, daß sehr viele an das Wunder glauben, im allgemeinen Zusammenbruch werde jede Gemeinheit ersticken. Ich möchte, ich wünsche und erstrebe, daß ein solcher allgemeiner Zusammenbruch nicht komme und wir irgendwie anders all die Fragen lösen können, welche das ungarische Leben vielmehr als die Judenfrage, die angebliche Judenfrage bedrängen.
    Ich glaube, es wäre doch schöner, wenn wir diese Übergangszeit, bis sich irgendetwas in Europa und in der ganzen Welt entwickelt, zum Lindern der wirklichen innenpolitische Probleme aufwenden, und ob für die Welt und in ihr das kleine Ungarn eine bessere oder schlechtere Zeit kommt, daß diese hier eine erstarkte Land- und Stadtbevölkerung findet, die eine Beschäftigung finden konnte und an ihren Arbeitsplätzen Anerkennung, auch materieller Art für ihre Leistung findet.
    Die Linderung der internen Schwierigkeiten kann nicht durch ein Judengesetz erfolgen, sondern durch ein ehrliches, anständiges Wahlgesetz, durch eine ausreichende Sozialpolitik – und als erstes hätte ich es sagen müssen, durch eine wirkliche und gründliche Bodenreform. (Zwischenrufe von links: So ist es! So ist es!)
    Die Gleichgültigkeit mit der die von der Judenfrage besessenen Ignoranten über diese Frage hinweggleiten ist zum Verzweifeln. Ich suche manchmal den Grund dafür. Ich treffe Leute, bei denen sich ein seelischer Defekt bemerkbar macht, sie haben von einem Juden einmal ein Unrecht erlitten und wollen sich deswegen am ganzen Judentum rächen. Wir bemerken die, die ihre Konkurrenten anfeinden, diejenigen, die diesen künstlichen Nebel brauchen, um dahinter ihre Truppen aufmarschieren zu lassen.“
    Diejenigen aber, die hier und heute mit der Deutschen Gefahr argumentieren, und dieser prophylaktisch glauben entgegentreten zu können, indem sie den Übertreibern des Antisemitismus den Wind aus den Segeln nehmen, die warne ich, daß es auf diesem Weg wirklich keinen Halt gibt. Diejenigen, die nicht Barmherzigkeit walten lassen wollen, diejenigen mache ich darauf aufmerksam, daß die Unbarmherzigkeit wirklich der Lieblingsspruch der halben und ganzen Faschisten ist, die diese Barmherzigkeit als Sentimentalismus brandmarken, doch diesen Spruch haben sie vom Bolschewismus übernommen, welcher die Barmherzigkeit als Sentimentalismus verurteilt. Wenn ich mich gegenüber einem anderen Menschen so verhalte, wie ich möchte, daß sich dieser mir gegenüber verhält, dann deklarieren die Bolschewiken das als „bürgerliche Mentalität“.
    Vielleicht wird man lächeln, wenn ich hier meine Überzeugung ausdrücke, daß sich die Verfolgung von Unschuldigen kurz über lang rächen wird, und uns nur das furchtbare Schicksal droht, daß die Rache nicht die geistigen Erzeuger dieses Judengesetzes, sondern die Bevölkerung des Landes und alle arbeitenden Menschen treffen wird und um diese Gefahr abzuwenden protestiere ich gegen die Abstimmung über dieses Gesetz.“

    Und nun vergleichen Sie diese christliche Haltung einer Atheistin mit der Haltung der christlichen Kirchenfürsten die diesen Gesetzen damals zustimmten.

  11. sehr geehrte leute,

    warum so viel bla bla bla über ungarische politik. man weis doch längst was da abgeht. erwähnenswert ist und bleibt dass im meinem land ungarn die armut wächst und wir sind im jahr 2011! über eine million ungarn sind nach west gezogen in den letzten 4 jahren und es werden noch mehr… ich sehe die armut wachsen durch die strassen von budapest. ich sehe wie verzweifekt die menschen ihren einkommen zu verbessern versuchen mit verschiedene neben jobs (schwarzarbeit). jeder sieht die sex touristen aus west europa und die prostituierten und strichern in aus ungarn die versuchen sich was dazu u verdienen. ungarn die so arbeiten haben keinen hohen sozialrente erwartungen. do droht doch altersarmut was wir schon jetzt zu genüge sehen. politikern in ungarn stecken sich die entwicklungshilfen aus de westen in ihre eigene taschen. sie schmücken nur die sehenswürdigkeiten in budapest nur als fassade um die realität zu verstecken. das land ist so hoch verschuldet wie grichenland, mit den vorteil dass wir nicht den euro als währung haben und mit abwertungen die „wettbewerbsfähigkeit“ zu kompensieren.
    haben sie gewusst wieviel gehalt ein asistent arzt in ungarn verdient? da verdienen so manche kliniken putzfrauen in deutschland, östereich und schweiz annährend gleich viel!!! und es ist eine riesen lüge das die lebesunterhaltskosten in ungarn niedriger wären. alles lüge! die wohnungen in budapest sind geneuso und manchmal höher (mite) als in so manche gross stadt im westens. wir bezahlen mehr für eine pc oder handy als in westen weil es meist produkte sind die importiert werden. gehen sie doch mal einkaufen (lebensmittel, kleidung) genau so teuer wie in west europa!!! und wir verdiene im schnitt 60% weniger als im west europa!!! das stickt bis zum himmel und hier wollen die leute über politik in ungarn klugscheissen.

  12. Die Aufnahme ist im Herbst 2008 auf der städtischen Versammlung von Hódmezővásárhely, einer ca. 50000 Einwohnerstadt, in der Herr Lázár selbst Bürgermeister ist, aufgenommen worden. Komisch, dass den Leuten erst jetzt aufgefallen ist, was Herr Lázár dort gesagt hatte. Für mich ist es selbstverständlich, dass es erst jetzt rauskommt, da es nur ein aus dem Zusammenhang gerissenenes Aus- und Zusammenschnitt des Gesagten ist. Im Zusammenhang gesehen hat Herr Lázár ausdrücklich die Politiker kritisiert, die wegen des Einkommens, also wegen des Geldes Politiker geworden sind. Das Volk war nicht gemeint, trotsdem hatte er sich nach gut zwei Jahren für diese Aussage entschuldigt.
    Man sollte bei einer Berichterstattung wenigsten die Herkunft und das Datum nennen. Fraglich ist immernoch, wo die ganze Aufnahme der Rede zu hören gibt.
    http://www.privatbankar.hu/cikk/hircentrum/lazar_elnezest_kert_oszodi_beszede_miatt_41911

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