Kleine Übersetzungsschule mit Ágnes Heller: „To shoot at“ und „to shoot“

Ágnes Heller, ehemalige ungarische Dissidentin und weltweit angesehene Philosophin, befindet sich seit Januar 2011 im Kreuzfeuer der konservativen ungarischen Presse. Ihr wird vorgeworfen, Finanzmittel im Rahmen ihrer Forschungsarbeit an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) zweckentfremdet genutzt zu haben. Heller bestreitet die Vorwürfe, bis heute wurde weder Anklage erhoben noch ein Urteil ausgesprochen. Derzeit laufen Ermittlungen, deren Ausgang völlig offen ist.

Die bekennende „liberale Intellektuelle“ Heller ist seit Beginn der Anschuldigungen gegen ihre Person zu einer (noch) beliebteren Interviewpartnerin im oppositionsnahen Fernsehen und in der Presse geworden. Auch international zählt man auf die Meinung der Gelehrten, die aus ihrer Abneigung gegen die aktuelle ungarische Regierung und ihre Sorge um demokratische Grundwerte in Ungarn keinen Hehl macht und als Gallionsfigur der Orbán-kritischen Intellektuellen in Ungarn gilt. Namhafte Philosophen (unter ihnen Julian Nida-Rümelin und Jürgen Habermas) ergriffen für Heller Partei und bemängelten nicht nur das Ende der Rechtsstaatlichkeit, sondern auch antisemitische Motive: „Liberal“ bedeute „jüdisch“. Auf Einladung der Grünen im EU-Parlament erschien Heller am 01.03.2011 in Brüssel und gab ihre Sichtweise der ungarischen Situation in Ungarn kund.

Die Rede Hellers – die sich zu Beginn selbst als „liberale Intellektuelle“ vorstellte, ist hier abrufbar (in englisch): http://www.greenmediabox.eu/archive/2011/03/01/agnesheller/

Dieser Beitrag möchte sich mit einem einzelnen, nicht zur Tagespolitik zählenden Detail in der anschließenden Diskussion mit Heller befassen.

Die EU-Abgeordnete der rechtsradikalen Partei Jobbik, Krisztina Morvai, meldete sich im Hinblick auf Hellers Aussage, die „Ungarn hätten eine Tendenz, der Regierung zu sehr zu gehorchen„, zu Wort und führt aus:

Thank you very much. Professor Heller, you said that Hungarians have a tendency to follow their governments unconditionally. With all due respect, I don´t think that´s the worlds experience with Hungarians in 1956. And let me ask you, if Hungarians follow the power and their government unconditionally, then why did the liberal socialist coalition had to shoot at Hungarians in 2006, on the 50th anniversary of the 1956 revolution? Why did they have to cause serious injury to hundreds of people, why did they put hundreds of people in prison and torture them in prison? (…) Where were you, Professor Heller, during all those years, where were all your european liberal friends during all those years, why didn´t this group get together during all those years when anti-government protestors were in prison and they were tortured and they were beaten and they lost their eyes because they were shot at by the communist socialist liberal government? (…)

Hintergrund für diese Frage sind Beispiele von nachweisbarer Polizeibrutalität während der Anti-Regierungs-Proteste des Jahres 2006.

Ágnes Heller antwortete mit folgenden Worten (ab ca. 37:00):

You presented another fiction in form of a question. No one was shot. Show me a fact. No one was shot, no one was tortured. Show me a fact about anyone being shot or anyone being tortured. Dear, I need a fact, because that is not even Fidesz that claims that anyone would have been shot, what they claim is not this, they claim something else which is also very problematic, but never claimed that anyone had been shot. Never clamed that people were tortured. I´m sorry. That´s your story, that´s your fiction. I don´t want to talk about 2006, because it would take us too far away, but I repeat that no one was shot, no one was tortured (…)

Wir halten fest: Heller bezeichnet Morvais Aussage, es sei auf Menschen geschossen worden (people were shot at), Menschen seien gequält und verprügelt worden (people were tortured and beaten) und eine Person habe ein Auge verloren (lost their eyes), als „Fiktion“ in Form einer Frage.

Im Lauf der weiteren Debatte meldeten sich auch Politiker des Fidesz zu Wort und kritisieren Heller für Ihre Aussage zu den Vorkommnissen im Jahre 2006. Es entspricht nämlich nicht nur den Tatsachen, dass rechtsradikale Gruppen in Budapest auf Verwüstungsfeldzug gingen, sondern auch, dass die Polizei teilweise brutal gegen unbeteiligte Demonstranten vorging und unverhältnismäßige Gewalt anwandte. Mehrere Personen wurden durch Polizisten – am Boden liegend – geschlagen, ein Demonstrant verlor ein Auge durch ein Gummigeschoss, es gab Vorfälle, in denen gefesselten Personen die Finger gebrochen wurden. Dies in Abrede zu stellen, ist eine glatte Lüge.

Die Partei Jobbik im allgemeinen und Morvai im besonderen erhebt sich seit ihrer Wahl in das EU-Parlament (2009) zur Vertreterin der Opfer der Polizeigewalt im Jahre 2006, ohne freilich ein einziges Wort zu den rechtsradikalen Angriffen auf das Ungarische Fernsehen und die nächtelangen Ausschreitungen zu verlieren. Dieses Bild kann und darf nicht darüber hinwegtäuschen, welche undemokratischen Ziele diese Partei verfolgt. Auch ohne jede Sympathie für Morvai und ihre Ziele bleibt jedoch die Frage berechtigt, warum Heller – die um die Demokratie so sehr besorgte „liberale Philosophin“  – sich im Jahre 2006 nicht zu Wort gemeldet hatte, um die Vorgänge zu kritiseren. Ausschreitungen geben der Polizei nicht das Recht, unbeteiligte Demonstranten zu verprügeln, wie es auch auf o.g. Video zu sehen ist. Amnesty International kritisierte die ungarischen Behörden in dem Jahresbericht für 2006, mahnende Worte aus den Reihen liberaler Intellektueller hielten sich – im Gegensatz zum heutigen Aufruhr – sehr stark in Grenzen.

Morvai sprach in ihrer Frage ausdrücklich davon, dass

auf Leute geschossen worden sei („people were shot at“),
– jemand das Augenlicht verloren habe („lost their eyes“) und
– Menschen in das Gefängnis geworfen worden und gequält worden seien („put into prison“, „were tortured“).

Wie der Antwort von Heller entnommen werden kann, bestritt sie, dass „Menschen erschossen worden“ und „Menschen gefoltert worden“ seien, ging jedoch nicht auf die Frage Morvais ein. Die Jobbik-Abgeordnete hatte nie behauptet, es seien Menschen zu Tode gekommen. Eine interessante Art, eine Frage, deren unangenehme Antwort man sehr wohl kennt, zu umschiffen. Natürlich kannte Heller die Antwort. Die Darstellung von Morvai in diesem Punkt war korrekt. Hierauf wiesen auch weitere Fragesteller im Nachgang hin.

Nach dem Auftritt Hellers nahm die rechte bis rechtsradikale Presse in Ungarn – kaum überraschend – die Antwort Hellers zum Anlass, sie heftig unter Beschuss zu nehmen als Person, die die Vorgänge des Jahres 2006 nicht zur Kenntnis nehmen wolle.

In diesem Gewitter erschien Heller daraufhin vor kurzem im ungarischen Fernsehen und wurde zu ihren Aussagen befragt:

http://premier.mtv.hu/Hirek/2011/03/12/08/Kituntetes_utan_megoszto_nyilatkozat_a_2006_os_esemenyekrol.aspx

Der Moderator konfrontierte Heller mit ihrer damaligen Aussage. Und erneut begann Professor Heller einen bemerkenswerten Husarenritt, diesmal durch die englische Sprache:

1. Zum einen habe sie nie in Zweifel gezogen, dass Menschen gequält worden seien, sie habe nur bestritten, dass „gefoltert“ (wohl im Sinne von Verhörfolter) worden sei. Tatsächlich bedeutet „to torture“ im ungarischen sowohl „Verhörfolter anwenden“ als auch „jemanden quälen“ (valakit kínozni). Heller bestritt dies und behauptete weiterhin, „to torture“ bedeute nicht „jemanden quälen“. Heller wusste und weiß jedoch, worauf Morvai hinaus wollte, differenzierte bei ihrer Antwort jedoch nicht nicht und stellte die Anwendung ungesetzlicher körperlicher Zwangsmaßnahmen, jedenfalls bei ihrem Auftritt in Brüssel, in vollem Umfang in Abrede. Hierüber kann auch die Haarspalterei um die Bedeutung einzelner Worte nicht hinwegtäuschen. Bemerkenswert ist aber, dass Heller am Ende des Interviews mit dem ungarischen Fernsehen  einräumte, dass es diese ungesetzlichen Maßnahmen gegeben hat. Leider hatte sie in Brüssel nicht die Bereitschaft dazu.

2. Ferner beharrte Heller im Interview auf MTV darauf, sie habe nur bestritten, dass jemand „erschossen“ (valakit lelöni) worden sei. Das ist zwar richtig. Nur ergibt sich aus den oben wiedergegebenen englischen Passagen, dass Morvai nie behauptet hatte, jemand sei erschossen worden. Auch hier drückte sich Heller also in Brüssel um eine Stellungnahme zu den Vorfällen im Jahre 2006 und beantwortete die Frage schlichtweg nicht. Sich im ungarischen Fernsehen weiterhin darauf zu beziehen und sich damit zu rechtfertigen, belegt eine gewisse Dreistigkeit. Immerhin gab sie am Ende auch hier zu, dass – wie es den Tatsachen entspricht – eine Person ein Auge verlor und hunderte verletzt worden sind. Traurig, dass Heller nicht den Mut hatte, dies auch in Brüssel offen zu kritisieren.

Am Ende erklärte Heller ihr Verhalten in Brüssel damit, dass, wenn sie die Aussage Morvais stehen gelassen hätte, man gedacht hätte, Ungarn sei Libyen. Im Hinblick auf den Versuch, die ungarische Politik des Jahres 2011 in die Nähe diktatorischer Systeme zu rücken, spricht auch diese Aussage Bände. Geht es darum, die Politik des Jahres 2006 zu verteidigen? Jedenfalls war Hellers Auftritt in Brüssel von bewusster Negierung solcher Fakten geprägt, die die Vorgängerregierungen, die sich heute in Brüssel als Garanten der demokratischen Werte aufspielen, schlecht aussehen lassen.

Ágnes Hankiss, Fidesz-Abgeordnete im EU-Parlament, wies Heller darauf hin und konstatierte, sie sei „sehr traurig über den Vortrag gewesen“, weil Heller all das, was nicht ihrem Weltbild entspreche, schlichtweg nicht zur Kenntnis nehmen wolle. Hiervon bekommen die Zuseher des Grünen-Videos jedoch nichts mit, da die ungarischen (kritischen) Redebeiträge nicht übersetzt werden…

Vielleicht gilt am Ende doch, was Gáspár Miklós Tamás kürzlich auf ATV gesagt hat: „Ágnes Heller hat in politischen Fragen nur selten Recht“ („Heller Ágnesnek politikai dologban ritkán van igaza„).

Werbeanzeigen

34 Kommentare zu “Kleine Übersetzungsschule mit Ágnes Heller: „To shoot at“ und „to shoot“

  1. Ja was die feine ungarische Dame Morvai* vergessen hatte zu erwähnen, ein Mob fing an das Haus des ungarischen Fernsehens abzufackeln, Autos abzufackeln , griff Polizisten an. In dieser Lage schoss die Polizei mit Gummigeschossen. Tatsächlich wurde niemand erschossen und niemand gefoltert. Konnte es da auch zu einem Polizeiübergriff kommen? Zweifelsohne, aber das hat eine andere Qualität als Leute zu erschiessen und zu foltern.
    Aber ich finde es interessant, dass diese Vorgeschichte von Hungarian Voice nicht erwähnt wird. Nun bin ich neugierig, wie die ungarische Polizei unter Pinter reagieren wird, wenn wieder einmal ein Mob versuchen würde eine solche Aktion durchzuführen.

    *Morvai wurde von Fidesz unterstützt, die ungarische Polizei anzuschwärzen, sie hat sich einen Namen als antisemitische Hetzerin geschaffen. Und als “ magyar úrinö“ gab sie jemand den guten Rat „sich lieber mit seinem kleinen beschnittenen Schwänzchen zu spielen“, als sie zu kritisieren.

    Im übrigen könnte ich zig Beispiele geben, wie in Fidesz nahen Redaktionen Texte falsch übersetzt werden.
    Aber jetzt wo sich Fidesz Politiker tagtäglich lächerlich machen kommt ein Text, der versucht Prof. Heller madig zu machen als Ausgleich ganz gut.

    • Sehr geehrter Herr Pfeifer,

      wie ich sehe, haben Sie keinerlei Mitgefühl mit dem ungarischen Volk. Ob das davon kommt, dass Sie selbst ein Polizist, oder ein ordnungsliebender Mensch sind, dass Sie kein Ungar sind und auch KEINERLEI Kontakte zu Ungarn haben und pflegen, oder dass Sie persönlich gegen Frau Morvai bzw. für Frau Heller was haben, das alles interessiert mich nicht. Aber wenn eine Person (i.d. Falle: Frau Heller) , die die Wahrheit verschleiert bzw. in ein falsches Licht rückt, in Schutz genommen wird, dafür habe ich kein Verständnis.

      Nichts für Ungut,
      Der Richter

  2. Mit genau diesem Kommentar habe ich gerechnet. Sie leiden offenbar unter dem Heller-Syndrom, nur das zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen, was Ihr Weltbild bestätigt.

    Anders als Sie behaupten, habe ich die Vorgeschichte in diesem Blog – nicht nur einmal – erwähnt. Lesen Sie mal, was ich oben schrieb:

    „Im Lauf der weiteren Debatte meldeten sich auch Politiker des Fidesz zu Wort und kritisieren Heller für Ihre Aussage zu den Vorkommnissen im Jahre 2006. Es entspricht nämlich nicht nur den Tatsachen, dass rechtsradikale Gruppen in Budapest auf Verwüstungsfeldzug gingen, sondern auch, dass die Polizei teilweise brutal gegen unbeteiligte Demonstranten vorging und unverhältnismäßige Gewalt anwandte.“

    Zusätzlich verlinke ich im Beitrag ausdrücklich auf einen Post, der sich mit 2006 befasst und in dem folgendes geschrieben steht:

    „Wir erinnern uns: Im Herbst 2006, kurz nach Bekanntwerden einer Rede des damaligen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány vor Parteigeossen, in der dieser zugegeben hatte, die Bevölkerung vor der Wahl 2006 systematisch belogen und Zahlen verheimlicht zu haben (die Sozialisten gewannen die Wahl knapp), kam es in Budapest zu Demonstrationen und teilweise gewalttätigen Ausschreitungen. Rechtsradikale Demonstranten griffen das Gebäude des ungarischen Staatsfernsehens an und lieferten sich Gefechte mit der Polizei.“

    Sie unterstellen mir somit – nicht zum ersten Mal – etwas zu Unrecht.

    Was Pintér angeht, so hege ich die Hoffnung, dass er es nicht zulassen würde, dass friedliche Besucher einer Großveranstaltung (wir reden vom 23.010.2006) im Tränengasnebel und mit blutendem Kopf enden. Ach, und nicht zu vergessen: Ich hoffe auch, dass Pintér – anders als Gábor Demszky (SZDSZ) – den verantwortlichen Chef der Polizei hierfür nicht mit einem Orden auszeichnen würde.

  3. Pingback: Ungarische Beiträge zu Ágnes Hellers Auftritt in Brüssel « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

  4. Ich habe mich lediglich auf die Übersetzungsschule bezogen und da haben Sie nicht die Vorgeschichte erwähnt. Wenn Sie das in einem anderen Artikel erwähnt haben, dann habe ich diesen wahrscheinlich nicht gelesen.

    Ich habe einige Pressekonferenzen und einige Debatten in meinem Leben erlebt. Die Art, wie sich Frau Morvai ibenommen hat, verdient wirklich kein Lob.
    Frau Morvai hat eine Tonart angewendet, die unüblich unter Parlamentariern ist und sie konnte auch schwer gestoppt werden.

    Ganz anders benahmen sich die beiden Fidesz MEP, die dort zu Wort kamen.
    Wie immer, die Schimpforgien gegen Prof. Heller machen den rechten Medien keine Ehre.

    Wenn ich daran denke, wie schlecht meine Texte von Fidesznahen Medien ins Ungarische übersetzt wurden, dann wundert mich wenig. Einige Scharlatane sind nicht einmal fähig meinen Namen richtig zu schreiben. Hingegen hat MTI nachdem ich sie auf einen Übersetzungsfehler aufmerksam machte, diesen sofort korrigiert.

    Es gibt einen Unterschied zwischen Polizeiübergriffe und Erschiessen bzw. Folter. Aber nun wird ein brandschatzender und plündernder Mob als Opfer hingestellt. Und aus einem Polizeiübergriff, wie er leider nicht nur in Ungarn vorkommt, wird Erschiessen und Folter.

    • Wer den plündernden Mob als Opfer hinstellt, liegt falsch. Ebenso wie derjenige, der von unschuldigen Opfern nichts wissen will und sämtliche Opfer in die Reihen dieses Mobs einzureihen versucht, um sich unangenehme Fragen zu ersparen. Nehmen Sie es zur Kenntnis: Am 23.10.2006 gab es viele unschuldige Opfer. Hören Sie sich Ágnes Hankiss an und fragen Sie Máriusz Révész.

    • Herr Pfeifer,

      wie ich sehe, haben Sie wirklich keine Ahnung, was wirklich in den Tagen und besonders am 26. Oktober 2006 in Budapest geschah. Sie mutmaßen nur, das ist mir jetzt klar geworden. Vielleicht sollte ich Sie ein wenig erleuchten:

      1. Seit 1989, in dem Jahr als die Ungarn die Grenzen nach Österreich öffneten und in Berlin die Mauer gefallen ist, ist der 23. Oktober als nationaler Feiertag eingeführt worden. Seitdem gab es KEINE gewaltsame Auseinandersetzung mit der Polizei an KEINEN der nationalen Feiertagen.

      2. An nationalen Feiertagen gehen in Ungarn Familien mit Kindern auf die Straßen und halten friedliche Feierlichkeiten ab, nicht wie in Berlin am 1. Mai, an dem Geschäfte zerstört und Autos angezündet werden. Man sollte diese Szenarien strikt voneinander trennen.

      3. Nach 1989 gab es in Ungarn keine Trennung von der kommunistischen Elite, Parteifunktionären und Hintermänner und fand auch keine Verteufelung derer statt, wie es in Deutschland mit der SED geschah und noch heute mit der PDS (die Linke) geschieht. Gyurcsány (s.Wikipedia), der ehemalige, ungarische Ministerpräsident, war selbst ein langjähriger Parteivorsitzender der KISZ (Jugendorganisation der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei). Da er, als Ministerpräsident, das ungarische Volk jahrelang belogen hatte, dies aufgedeckt worden war und er trotzdem nicht zurücktreten wollte, kam es zu den besagten Unruhen und Ausschreitungen.

      4. Der 23. Oktober ist ein Gedenkfeiertag an die ’56 Revolution gegen die russisch-kommunistische Besatzungsmacht. Die Revolutionären haben es geschafft die russischen Panzer aus dem Land zu jagen und Ungarn zu befreien. Leider blieb die versprochene westlich-militärische Hilfe aus, da sich die Ereignisse mit der Sueskrise überschnitten, somit konnte Ungarn erneut besetzt werde. Nach der Wiederbesetzung wurde der KISZ ins Leben gerufen.

      5. Am 23. Oktober 2006 hatten die Polizisten KEINE Erkennungszeichen, wie es eigentlich vorgeschrieben ist und war. Deshalb ist die Suche nach den Schuldigen seitens der Polizei überaus schwierig. Da wirft sich die Frage auf, ob es selbst unter den Polizisten nicht irgendwelche „Geheimakteure“ gab, die das Ganze zum Eskalieren brachten.

      6. Es gibt tausende Zeugenberichte, die die Übergriffe der nicht-gekennzeichneten Polizisten auf friedliche Demonstranten bestätigt. Die ungarische Bevölkerung steht geschlossen dahinter. Die Neuwahlen sprechen Bände.

      7. Bei den Demonstrationen „Stuttgart 21“ wurde einem Mann mit einem Wasserwerfer so in die Augen geschossen, dass er erblindete. Die Zeitungen berichteten mit völligem entsetzen darüber. Da würde jetzt jemand aus Ungarn sagen: „Ja, aber keiner wurde erschossen oder gefoltert!“ oder „Ein brandschatzender und plündernder Mob wird als Opfer hingestellt.“ Ich hoffe Sie merken den Unterschied Herr Pfeifer.

  5. danachgerichtet,
    natürlich fand eine radikale Kritik der Kádárherrschaft durch SZDSZ 1989 statt, die deswegen zur zweiten Partei wurde.
    und ob die ganze ungarische Gesellschaft heute hinter der Regierung steht, daran darf wohl gezweifelt werden. Wenn dann Herr Orbán eine Reihe ehemaliger kommunistischer Funktionäre zu seinen engen Mitarbeitern macht, wenn er sogar ehemalige III/III und III/II Spitzel anstellt, dann klingen die antikommunistischen Phrasen etwas hohl.

    Auch wenn Sie versuchen die Geschichte umzuschreiben, ein enthemmter Mob trieb sein Unwesen auf der Strasse und versuchte eine Parodie des 23.10.1956 zu veranstalten. Dazu gehörte der Angriff auf das Haus des Fernsehens, die Abfackelung von Autos. Das ist wohl dokujmkehntiert.
    Fakt ist niemand wurde von der Polizei erschossen oder gefoltert. Und der polizeiliche Übergriff wurde auch von liberalen Menschenrechtlern – wie z.B. Ferenc Köszeg – verurteilt.

    • Herr Pfeifer,

      Fakt ist außerdem, dass Sie ein unverbesserlicher Besserwisser sind. Kein Zentimeter weichen Sie von Ihrem Standpunkt ab, alles was Sie sagen, ist unfehlbar und richtig. Wegen dieser Art von Politikern und Politik erstickt das Land, Ungarn genauso wie Deutschland. Leider haben die Politiker immernoch nicht verstanden, dass sie dem Wohle des Volkes und nicht des Eigenen Wohles dienen sollten.

      FIDESZ sind die Bösen, Orban, der Teufel höchst persönlich und Gyurcsány, der Lügner, sowie seine unterstützende Partei, muss verziehen werden, denn vergeben ist göttlich und er ist ja an sich ein guter Mensch nicht wahr. Sie gehören zu den knapp 20% in Ungarn, denen es immernoch darum geht, dass Sie recht hatten und nicht was gut für das ungarische Volk ist, was die Wahrheit ist, also was nicht gelogen ist.

      Wenn Sie weiterhin Leute wie Heller mit Ihren Kommentaren unterstützen, die die Geschehnisse schön reden wollen, habe ich leider nur Mitleid mit Ihnen, da wenn Sie es bis jetzt nicht verstanden haben sich wie ein Mensch zu Verhalten, ist es leider schon zu spät, dann bleiben Sie halt ein sturrer „Politiker“.

    • Sehr geehrter Herr Pfeifer,

      1.
      Jetzt haben Sie zig mal monoton wiederholt, dass niemand ERschossen wurde, obwohl nie jemand von ERschießen geredet hat, außer Prof. Heller. Nicht mal Morvai Krisztina hat das gefragt.
      Genau darum geht es ja in dem Artikel von hungarianvoice.

      Hat es einen Sinn, darauf zu bestehen, dass niemand ERschossen wurde, wenn das sowieso außer Frage steht?

      2.
      Der „Sturm“ auf den Sitz des MTI (Ungarisches/r Fernsehen/Rundfunk) hat nichts mit dem Thema zu tun.

      Dieser Angriff auf das Rundfunksgebäude hat am 22. September 2006 stattgefunden und nicht am 23. Oktober 2006.

      Sie sollten bitte genauer recherchieren.

      3.
      Sie machen genau dasselbe, wie die Polizei am 23. Oktober 2006:
      Sie behandeln ganz verschiedene Ereignisse (22. September und 23. Oktober) und ganz verschiedene Menschen (rechtsradikale Randalierer und friedliche Demonstranten bzw. Besucher der Fidesz Kundgebung) als ein einziges Ereignis bzw. als eine homogene Gruppe, die es zu verhaften und zu verprügeln gilt.

      Menschen, die gerade von der friedlichen Fidesz Kundgebung nach Hause gehen wollten, sind von der Polizei ebenso behandelt worden, wie Rechtsradikale und wurde auf diese Menschen geschossen und wurden diese Menschen zusammengeschlagen.

      Die Polizei hat nur eine Minute nach dem Ende der Fidesz Kundgebung die Menschenmenge am Deák Platz angegriffen und diese Menge in Richtung Astoria (Ort der Fidesz Kundgebung) geschoben. Besucher der Kundgebung wurden so mit den Demonstranten zusammengemischt und ist die Polizei sodann gegen alle Anwesenden gleichermaßen brutal vorgegangen.

      Davon nehmen Sie keine Notiz. Das ist mehr als nur traurig.

      4.
      Wenn auf dem Boden liegende und bereits mit Handschellen fixierte, bewegungsunfähige, wehrlose Menschen mit illegalen (!!!) Schlagstöcken und Tritten attackiert werden, wenn solchen, gefesselten und wehrlosen Menschen Finger gebrochen werden, ist dies sehr wohl Folter.
      Würden Sie, wenn Ihnen das passieren würde, nicht als Folter empfinden?

      Ich frage mich, wie Sie eigentlich noch überhaupt irgendeine Kritik bzw. irgendeine Befürchtung um den Rechtsstaat und um die Demokratie äußern können, wenn Sie bei solchen Fällen überhaupt keine Besorgnis um den Rechtsstaat haben.

      • Richtig, Teleskopschlagstöcke waren auch ein Thema. Einige Polizisten benutzten diese Dinger aus Metall, die wegen ihrer Form (Metallkugel an der Spite) besonders schwere Verletzungen hervorrufen können. Der Budapester Polizeipräsident Gergényi (bedauerlicher Weise ein guter Freund des heutigen Innenministers Sándor Pintér) stellte trotz nachweisbarer Verwendung dieser verbotenen „Vipern“ deren Verwendung vor aller Öffentlichkeit in Abrede. Was wieder einmal bewies, mit wem wir es damals zu tun hatten.

        Hier übrigens ein nettes Video eines Polizisten, der – in seltener Dreistigkeit – bestreitet, einen solchen Schlagstock bei sich zu haben, wobwohl man es auf dem Video eindeutig sieht. Ja, das sind sie, die „Freunde und Helfer“ des Jahres 2006. Man kann ja von Glück sagen, dass keine flexiblen Stahlruten mehr produziert wurden…

  6. Am 23. Oktober lieber Rudolf fand die Parodie eines Mobs statt, die glaubten den 23. Okober 1956 wiederaufführen zu können.
    Ich glaube diese Parodie in einem meiner Postings erwähnt zu haben.
    Wenn dieser Mob die Polizei nicht vorher mit Steinen beworfen hätte dann wäre es wahrscheinlich auch nicht zu Übergriffen der Polizei gekommen.
    Und wer die Leute auf die Straße bringt, ohne für klare Distanz zu einem rechtsextremen Mob zu sorgen, der sollte sich selbst an der Nase nehmen und nicht die Verantwortung versuchen auf andere zu schieben.
    Das gleiche gilt natürlich, die Frau Morvai unterstützt haben, sich als Verteidigerin der Menschenrechte in Brüssel zu stilisieren.

    • @ Herrn Pfeifer:

      Okay, also wie üblich haben Sie, sehr geehrter Herr Pfeifer, keinerlei Antwort auf mein Posting gegeben und nehmen von bestimmten Tatsachen (22. September vs. 23. Oktober) keine Notiz.

      Herrlich ist diese Aussage von Ihnen:
      „Und wer die Leute auf die Straße bringt, ohne für klare Distanz zu einem rechtsextremen Mob zu sorgen, der sollte sich selbst an der Nase nehmen und nicht die Verantwortung versuchen auf andere zu schieben.“

      Wir halten also fest:
      Wenn bestimmte Bürger von ihrem verfassungsrechtlich garantiertem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch machen, die Polizei solchen Menschen Knochen bricht, sie verprügelt, dabei illegale Schlagstöcke verwendet, etc. ist das gemäß Herrn Karl Pfeifer vollkommen in Ordnung.

      Diese Menschen sind selber schuld, warum haben sie sich in ihrem Tagesplan nicht nach den Rechtsradikalen gerichtet und warum haben sie sich nach der Ausübung ihrer Versammlungsfreiheit nicht sofort in Luft aufgelöst. Warum haben sie überhaupt ihr Versammlungsrecht ausgeübt? Das sollten sie lassen.

      Natürlich nehmen Sie auch davon keine Kenntnis, dass sich diese Menschen bei der Astoria befanden, die Rechtsradikalen jedoch beim Deák Platz. Trotzdem sind diese Menschen schuld. Warum sind sie so dreist und laufen in Budapest rum? Warum sind sie so dreist und halten sich beim Astoria auf? Wenn doch woanders – beim Deák Platz – Rechtsradikale rumlaufen! Wären sie nicht beim Astoria gewesen, dann hätte die Polizei nur eine Minute nach der Versammlung ohne Probleme die Rechtsradikalen in Richtung Astoria schieben können.

      Warum waren diese Menschen überhaupt in Budapest? Oder in Ungarn! Wären sie doch alle weggegangen, dann hätte es null Probleme gegeben.
      Man sieht, sie sind alle selber schuld. Wenn sie nicht aus Budapest oder von der Astoria innerhalb von ein paar Minuten verschwinden, sind sie selber schuld, wenn man ihnen ein paar Finger bricht. Das passt schon.

      Gemäß Herrn Pfeifer muss ich somit ab jetzt meine Versammlungs- und Bewegungsfreiheit danach ausrichten, wo sich Rechtsradikale aufhalten, sonst bin ich selber schuld, wenn ich gefesselt werde und mir danach noch ein paar Knochen gebrochen werden.
      Das ist derselbe Karl Pfeifer, der ansonsten ein großer Verteidiger vom Rechtsstaat, von der Verfassung und deren Grundrechten ist. Nur gelten halt diese Werte dann doch nicht für alle gleichermaßen, hmm? All animals are equal, but some are more equal than others.

    • Aja:

      „Wenn dieser Mob die Polizei nicht vorher mit Steinen beworfen hätte dann wäre es wahrscheinlich auch nicht zu Übergriffen der Polizei gekommen.“

      Das ist der Witz schlechthin. In einem Rechtsstaat sind polizeiliche Übergriffe nie gerechtfertigt. Gemäß Ihnen kann ein Polizist tun und lassen, was er will und sich dann damit rechtfertigen, dass die Kriminellen ja auch soooo bööööse sind! „Wenn sie nicht soooo bööööse wären, würde ich nie meine Befugnisse überschreiten.“

      Das ist ja die Rechtfertigung von jeglichem Terror und jeglicher Gesetzwidrigkeit!

      • In der Tat, Rudolf. So rechtfertigen totalitäre Systeme ihr Verhalten: Nur interessiert es eben Herrn Pfeifer nicht, wenn der Fidesz-Sympathisant auf die Mütze kriegt. Hätte ja zu Hause bleiben können. Ganz anders fiele das Testat natürlich heute aus. Gewöhnen wir uns daran: Opfer ist nur, wer auf der richtigen politischen Seite steht. Und die bestimmen Herr Pfeifer und – wie wir seit Brüssel wissen – auch Frau Heller. Ein großer Beitrag zur Versöhnung…

  7. Dann nehmen wir eben den Amnesty International Bericht:

    „Excessive use of force and ill-treatment

    Police officers reportedly used excessive force on peaceful demonstrations that later turned violent in the capital, Budapest, during the night of 20 to 21 September and again on 23 October. Rubber bullets, water cannon and tear gas were said to have been used indiscriminately and without warning against both peaceful and violent protesters. Police officers were reportedly masked and not wearing badges of identification, such as identity numbers. There were also allegations that police beat protesters taken into custody, held under-18s together with adult detainees, and fabricated some of the charges. Some detainees were denied immediate access to a lawyer, including during questioning.

    On 24 October, Budapest chief of police Péter Gergényi was reported as saying that police „acted lawfully, professionally and proportionately“.

    On 27 October, the European Commission requested an explanation from the Hungarian authorities on the alleged excessive use of force. In November the Prime Minister set up a committee „to explore the social, economical and political causes which led to the riots and the response thereto“. The committee would not deal with individual complaints. “

    http://www.amnesty.org/en/region/hungary/report-2007

    Wieder, Herr Pfeifer, differenzieren Sie, der große Verteidiger der Grundrechte (zu denen auch die Versammlungsfreiheit gehört!), nicht zwischen friedlichen Demonstranten und dem gewalttätigen Mob…tröstet es einen friedlichen Besucher einer Kundgebung, der von der Polizei zusammengedroschen wird, dass zuvor jemand anderes die Polizei mit Steinen beworfen hat? Oder macht es die Vorgehensweise der Polizei akzeptabler?

    Sie bringen es nicht fertig, mit den unschuldigen Opfern des Jahres 2006 Mitleid zu empfinden oder jedenfalls dieses auszudrücken. Ihre empörten Artikel und Kommentare sind für andere Sachverhalte reserviert…

  8. Wie wäre es wenn Sie dazu Stellung nehmen könnten, dass die Fidesz Organisatoren nicht dafür gesorgt haben, dass ihre Leute nicht mit dem die Polizei attackierenden Mob in Berührung kommt?
    Nirgendwo habe ich polizeiliche Übergriffe gerechtfertigt. Nur ist mir die gute Zusammenarbeit zwischen K. Morvai und Fidesz verdächtig und natürlich auch, wenn sich eine Abgeordnete der Fidesz dafür hergab die ominöse „Ungarische Garde“ in den Himmel zu loben.

    • Der Antwort von hungarianvoice kann ich nur Folgendes hinzufügen:

      Es ist in einem Rechtsstaat im Prinzip vollkommen egal, ob bestimmte Menschen mit gewalttätigen Demonstranten in Berührung kommen oder nicht, solange sie selbst nicht gesetzeswidrig handeln.
      Die Polizei darf nur in einem bestimmten, durch Gesetze vorgegebenen Bereich agieren.
      Egal, wie viele Steine ein Mann, der neben mir steht, durch die Gegend wirft, darf die Polizei mich nicht verhaften, geschweige denn mir Verletzungen zufügen, wenn ich nichts mit diesem Mann zu tun habe und einfach auf meinem Weg nach Hause bin. Fertig. Daran gibt es nichts zu rütteln.

      Und selbst gegen diesen Mann darf die Polizei nur im Rahmen ihrer Befugnisse behördlichen Zwangsgewalt anwenden, wozu das Verprügeln eines bereits überwältigten Verdächtigten, der keine Gegenwehr mehr leistet, mit Sicherheit nicht gehört.

      Ich darf mich auch grundsätzlich dort aufhalten, wo ich will. Es ist mein Recht. Mein Grundrecht. Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Egal, wo ich bin, egal, was ich mache – so lange ich mich rechtmäßig verhalte, so lange ich nur von meinen garantierten Rechten Gebrauch mache, darf ich hiefür nicht sanktioniert werden.

      Wenn die Polizei mich trotzdem verhaftet, verprügelt, etc., dann ist dafür einzig und allein die Polizei zur Verantwortung zu ziehen.

      Sie versuchen sehr wohl polizeiliche Übergriffe zu rechtfertigen, Sie versuchen die Verantwortung für diese Übergriffe auf Fidesz abzuwälzen, Sie sind nicht bereit, offensichtliche Rechtsverletzungen zuzugeben und zu verurteilen, Sie sind nicht bereit, verfassungsrechtliche Rechte solchen Menschen zuzuerkennen, die nicht Ihre politische Einstellung teilen. Das ist vollkommen totalitäres Gedankengut.

      Stattdessen kommen Sie wieder mit der Ungarischen Garde, die aber absolut nichts mit dem Thema zu tun hat und in keinster Weise das Vorgehen der Polizei legitimiert.

  9. Gerne nehme ich dazu Stellung.

    Wie hätte das aussehen sollen, Herr Pfeifer? Eine Menge von vielen tausend Menschen versammelt sich am Hotel Astoria und hört den Reden von Orbán und Pöttering zu. Eine genehmigte Veranstaltung. Die Veranstaltung geht zu Ende, die Menschen machen sich auf den Heimweg. Was bei einer größeren Menschenmenge ein wenig dauert. Die geniale ungarische Polizei unter Führung des noch genialeren Péter Gergényi will die am Deák-Platz wütenden Rechtsradikalen verfolgen und drängt sie – vom Bajcsy-Zsilinszky-út kommend – vom Deák-Platz genau in Richtung Astoria. So dass der getriebene Mob sich auch schön mit Frauen und Kindern vermengen kann. Ich nehme an, Sie kennen die Örtlichkeiten und wissen, dass das einfach schiefgehen musste.

    Schuld ist natürlich wieder Fidesz: Offenbar hätte Orbán die Menschen persönlich nach Hause tragen sollen, um den Verdacht des Putschversuches (Éva Balogh) zu vermeiden. Ich glaube, die Menschen wussten gar nicht, was passiert, als die Polizei plötzlich mit ihrem „Komplettprogramm“ loslegte. Interviewen Sie mal die Abgeordneten Ágnes Hankiss und Máriusz Révész, die beide dort waren. Letzterer musste sich vom damaligen SZDSZ-Abgeordneten Gábor Kuncze dafür, dass er übelst verprügelt wurde, auch noch verspotten lassen. Wer solche Liberalen wie Kuncze hat, braucht wahrlich keine Antidemokraten mehr.

    Wäre ein Interview mit Révész kein lohnendes Zusatzprogramm für Ihren nächsten Besuch in Budapest bei Prof. Radnóti? 😉

    Die Organisatoren für Umstände verantwortlich zu machen, die allein dem Komplettversagen der Ordnungskräfte zu verdanken sind, überzeugt mich jedenfalls nicht.

  10. Hungarian Voice
    ich habe zwar mit der ungarischen demokratischen Opposition vor der Wende zusammengearbeitet, war aber auch in Lakitelek bei der Gründung von MDF dabei und nach der Wende, werden Sie keinen Text von mir finden, in dem ich SZDSZ lobe, ich habe aber SZDSZ oft genug kritisiert. Übrigens auch MSZP. Ich kann wirklich nichts dafür, was Kuncze sagte oder tat.

    In der Regel frage ich die Medien, ob Sie ein Interview wünschen. Wenn also Interesse besteht, dann würde ich eher mit Staatssekretär Balog über die Massnahmen sprechen, die Probleme der Roma zu lösen. So sehr ich mich auch für Geschichte interessiere, diese Frage wie Fidesz diese Probleme in unmittelbarer Zukunft angehen wird, interessiert mich sehr.

    Ich habe keine Berührungsängste, vor vielen Jahren führte ich auch ein Interview mit Jörg Haider und ich habe vor der Wende auch mit István Csurka ein Interview geführt, der beteuerte nichts mit Antisemitismus zu tun haben wollen.

    Ich bin eingeladen in die USA und werde wahrscheinlich vor Ende Mai nicht in Ungarn sein, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und ich werde vielleicht auch auf Ihre Idee zurückkommen. Denn ich könnte ohne weiteres vielleicht auch ein Interview mit einem Fidesz-Politiker publizieren.

    Und jetzt ein wenig Werbung für mich selbst.
    Mein erstes großes Interview finden Sie in ungarischer Sprache in „Magyar Füzetek“ 6, da führte ich unter dem Namen Koroly Péter ein Gespräch mit András Hegedüs, Tamás Földvári und Zoltán Zsille. Das wurde in Paris, 1980 publiziert. Tempi passati.

    • Man, man, man, wie weit es ein ignoranter und aroganter Mensch bringen kann, ist immer wieder erstaunlich. Ich sehe da nur einen Grund: Er hat wohl keine Freunde und stürzt sich somit in die Arbeit. Da findet er dann auf die Interessen-Menschen, bei denen er dann auch keine Freunde findet, nur Interessen und weitere Interessen. Diese Arbeit füllt ihn aus, beschäftigt ihn, aber lenkt an sich nur von Leere in sich selbst ab.
      „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ Schon man was davon gehört Herr Pfeifer? „Sei selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst.“ Praktizieren Sie dieses auch? Interessant finde ich noch dieses Zitat eines Indianers, der wohl noch zum Thema passt: „Ich traf Menschen die waren so arm, sie hatten nichts anderes als Geld.“ Doch am passendsten finde ich dieses Zitat: „Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern.“(Konfuzius)
      Was ist denn Ihr Ziel Herr Pfeifer?

  11. danachgerichtet: vielen Dank für Ihre Belehrungen. Ich bin Journalist und kein Politiker, und postuliere keine Ziele, keine Ideologie.

    • Sher geehrter Herr Pfeifer,
      Als Journalist sollten Sie aber genauso pro, wie kontra betrachten. Sie aber haben immer wieder dieselbe Platte am laufen: Sie ignorieren das Pro und reden nur stets Kontra. Kritik üben, heißt aber nicht überall die Fehler zu suchen, sondern auch das gut Gemachte und das WAHRE hervorzuheben. Wenn man mal falsche Schlussfolgerungen gezogen hatte, kann man auch das Wort „Entschuldigung“ benutzten und sich rechtfertigen, Sachen einsehen. Man ist ja nicht unfehlbar, nicht wahr. Bei Ihnen solche Tendenzen zu sehen, ist leider nicht erkennbar.
      Außerdem habe ich mir ihre Seite im Intenet anguckt, in dem berichtet wird, dass sie ein Kenner der rechtsradikalen Szene in Ungarn sind. Wie ich mir Ihre Berichterstattung hier angucke, ist es eher Einbildung. Entschuldigen Sie, aber man muss mal der Wahrheit ins Auge sehen. Ich weiß zwar, dass Sie nicht auf Fragen von meiner Einer eingehen, jedoch versuche ich es nochmal: Leben Sie überhaupt in Ungarn? Waren Sie überhaupt bei den Ausschreitungen dabei? Haben Sie sich mit vielen Ungarn aus der Bevölkerung (also keine Presseorgane) unterhalten? Sprechen Sie überhaupt ungarisch?
      In Hoffnung auf eine Antwort.
      Der Richter

  12. Ich denke mit Herrn Herr Pfeiffer zu reden ist aussichtslos, der Mann ist einfach nur starrsinnig und ideologisch verbohrt. Er meint er sei als Journalist immmun dagegen- selten so gelacht. Dass die meisten Journalisten bei Springer und und Co „Pro CDU“ ergo konservativ und die meisten bei Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und Mitteldeutscher Zeitung „Pro SPD“ ergo links sind ist wohl kein Geheimnis. Hat oft auch mit den Besitzverhältnissen zu tun: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Und wer will schon als Linker unter Konservativen arbeiten und umgekehrt? Für welche „neutralen“ Medien arbeiten Sie denn, Herr Pfeiffer?

    Übrigens hier ein kleiner Zusammenschnitt einiger Übergriffe der Polizei in Budapest am 23.10.2006. Fängt harmlos an, wird aber immer extremer. Es sind in den gezeigten Aufzeichnungen scheinbar keine „Rechtsextremen Gewalttäter“ die Opfer, zumindest enspricht in allen Fällen weder Kleidung noch Frisur, in vielen Fällen auch Alter und Geschlecht nicht dem gängigen Muster. Wer Ungarisch kann, kann mich gerne eines besseren belehren.

  13. Das war ein denkwürdiger Tag. Ich war dabei, wohne am Déak tér… Es war aber bei allem Drama auch eine Farce, auf beiden Seiten. Es war aber schon ein Schock, in meiner eigenen Haustür stehend Polizisten direkt vor mir auf Menschen zielen und schiessen zu sehen. Zwar „nur“ Gummigeschosse aber der Effekt war nicht weniger schockierend. Viele hatten nicht mal komplette Uniformen, da war der letzte Bodensatz zusammengekratzt worden. Panikreaktion eines überrumpelten Staates. Niemand im Westen kann mitfühlen was viele Ungarn da empfanden, 17 Jahre nach der Wende von Postkommunisten zusammengeschossen zu werden.

    • @ Kálnoky:

      Nicht zu vergessen die Budapester Führung unter Gábor Demszky (SZDSZ), die dem Polizeichef Gergényi postwendend einen Orden für den Polizeieinsatz verlieh. Politisch verantwortungsvolles Handeln? Fehlanzeige.

      So viel zur „Freiheitspartei“ SZDSZ, deren wenige verbliebene namhafte Anhänger heute einerseits über rechtsstaatliche und demokratische Normen dozieren (János Kis, György Dalos u.v.a.), es aber andererseits wagen, Opfer von (nachträglich durch Ordenvergabe legitimierter) Polizeigewalt öffentlich zu leugnen (Ágnes Heller). Für mich sind solche Positionen unhaltbar und Grund genug, die Kritik dieser Akteure an der heutigen ungarischen Politik zu hinterfragen. Wem die Demokratie nämlich immer nur dann am Herzen liegt, wenn die jeweils andere politische Richtung regiert, ist mir suspekt. Es geht – trotz aller berechtigter Kritik an Ungarns aktueller Regierung – um nichts anderes als Glaubwürdigkeit.

      Wer ein Beispiel hanebüchener ideologischer Verblendetheit auf Seiten der Orbán-Gegner gewinnen möchte, der führe sich zu Gemüt, was Hungarian Spectrum über einen angeblichen „Putschversuch“ Orbáns in 2006 zusammenphantasiert hat:

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/05/hungarian-spectrum-suggeriert-putschversuch-orbans-im-jahre-2006-wo-sind-die-beweise/

  14. Pingback: Ankündigung des Sonntagsinterviews in der TAZ: Ágnes Heller, die Furchtlose « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

    • Ich finde es amüsant…
      Weil ich ihre Aussagen kritisierte, werde ich von Frau Heller, folgendermaßen in der Zeitung beschrieben:

      1. Irre
      (Ich bin Mitglied von MinD, was das heißt soll jeder selbst rausfinden, alles andere klänge hier nur arrogant)

      2. Rechts
      (das rechteste was ich in 5 Wahlen gewählt habe ist FDP!)

      3. Exilant
      (Ok, ich bin in der DDR geboren, aber da zählt ein Leben in Deutschland wohl nicht als Exil.)

      4. Orban-Unterstützer
      (Ich stehen Fidesz skeptisch gegenüber, halte MSZP aber angesichts ihres Vorgehens 2006 nicht für besser)

      Außerdem wird uns Demonstranten angedichtet, wegen uns sei Polizei angefordert worden. Ist ja auch nötig bei den drei Leuten die ins Gebäude rein gingen: Einem grauhaarigen alten Kameramann, einer älteren Dame mit Behindertenausweis und einem übergewichtigen Schwulen in gebügeltem blauen Hemd und Anzughose, der kurz zuvor noch ein Plakat mit der gewaltverherrlichenden Aufschrift „Gewalt ächten – Demokratie leben“ mit sich rumschleppte. Ja, da fühlt man sich ohne bewaffnete Sicherheitskräfte unsicher. Heller-Kritiker sind ja alles „irre Rechte“, da weiß man ja nie, ob die nicht im Gepäck eine Ladung Gewehre versteckt haben und plötzlich in die Menge feuern, wie anno 2006 die Polizei…

      Frau Hellers Rede war für jeden, der die Situation in Ungarn etwas kennt eine Farce.

      Ihre Story begann mit der traurigen Geschichte vom jungen Mädchen, dass wegen Fidesz [sic!] jetzt schon mit 15 aus der Schule kommt und keine Arbeit mehr findet. Ja was soll das arme Kind mit 15 denn tun? Betroffener Blick in die ahnungslosen Reihen der Taz-Gäste, die betroffen zurückblicken.

      Moment! War die Schulpflicht nicht in Ungarn wie in fast allen anderen Ländern der westlichen Welt auch bis 16? Hat irgendwer was von einer Verkürzung der Schulpflicht durch Fidesz gehört? Nein? Lediglich, dass Fidesz erstmalig versucht, die Schulpflicht bei den Roma real durchzusetzen?
      Bravo, Frau Heller, Bravo! Was für ein ergreifendes Märchen. Sie können gerne krititik äußern, wenn es Fidesz mit dem Mediengesetz übertreibt oder anfängt Demonstranten zu verprügeln. Aber so was ist inhaltslose Proaganda.

      Als nächstes werden Kürzungen im Bildungswesen beklagt. Was soll Fidesz angesichts des geerbten Haushaltsdefizits machen? Die Ausgaben steigern und wie Griechenland enden? Sorry, aber nicht jeder glaubt an Keynes.

      Dann meint sie, Orban sei nicht populistisch, weil er ja Entscheidungen GEGEN das Volk treffe und nur die Oligarchie stütze. So was kommt beim taz-Leser an. Beispiele? Fehlanzeige.
      Der vorherige Ministerpräsident war nachweislich ein Oligarch, er gehörte als ehemaliger Funktionär später zu den 50 reichsten Personen Ungarns. Genau genommen blieben viele Ex-Funktionäre in der Sozialistischen Partei. Folglich ist MSZP die Partei der Oligarchen, nicht Fidesz, die zur Wendezeit kaum ökonomische Macht hatte.
      Wenn Fidesz die Oligarchen wirklich stützt (kann ich nicht ausschließen), dann wäre das folglich nicht einmal etwas Neues. Nur hat es Frau Heller bisher nicht interessiert.

      Auf die Frage, ob sie immer noch meine, dass am 23.10.2006 nichts passierte, gab sie vor dem Publikum nicht etwa zu, dass damals unter der Sozialistischen Regierung Polizeigewalt stattfand und ihr Vorwurf, entsprechende Aussagen seien eine „Fiktion“ ein Ausrutscher oder ein fehlerhaftes Englisch(verständnis) ihrerseits war. Sondern sie redet davon, dass sie einer „Hexenjagd“ ausgesetzt sei und nicht darüber sprechen will. Sie stellte dem Publikum die Debatte über ihre Aussage als „Interpretationsfrage“ und absichtlichen Übersetzungsfehler der von Fidesz kontrollierten ungarischen Presse dar. Dabei war ihre Aussage in Brüssel auf Englisch gehalten und hat im Englischen die gleiche Aussage, wie in der ungarischen Übersetzung.

      Als ich sie fragte, ob der autoritäre Führungsstil (sie nannte ihn „bonapartistisch“), den sie in Ungarn erkannt haben will nicht schon 2006 mit dem Niederknüppeln der Demonstranten, die Neuwahlen forderten, begann, druckste sie herum und redete irgend was schwacher Republik und von Nährboden für den Bonapartismus Orbans. Dass dieses Verhalten der Vorgängerregierung eindeutig undemokratisch war, sieht sie nicht ein.

      Am Ende wurde noch von Besuchern jeder aufgeschnappte Müll runtergespult:

      Das Schicksal des armen Senders Tilos (dt.: „Verboten“), der nach dem Senden des Lieder „It’s On“ von Ice T erstes und bisher einziges Opfer des Mediengesetzes wurde. Worum geht es eigentlich in dem Stück? Das arme aus politischen Gründen unterdrückte Lied handelt davon, eine zum Sterben bereite Gang für den Drogenhandel aufzubauen und alle Polizisten abzuknallen, die einem im Weg stehen.
      (Textauszug: „We’ll have to set up our own distribution, manufacturing, run a totally indipendent organization and operation. We still got our connections in Texas, Miami, New York, Chicago, Detroit and soldiers on the street willing to die. I can’t put any cut on the product… I just can’t live like that. But from now on if any cops get in our way… [3 gunshots]“)

      Orban, du verdammtes Fascho-Schwein und deine Zensurbehörde! Ihr unterdrückt nur abweichende politische Meinungen! Jeder hat das Recht, Mord zu propagieren! Wir filtern Ice-Ts Lied doch auch nicht raus. Oder? Kann man das Lied eigentlich in Deutschland im Radio hören? Nein, jugendgefährdend. Kann man das Lied in den USA im Radio hören? Erst nach 22:00, jugendgefährdend. Na wenn das so ist … Böses deutsches Mediengesetz, böse! Unsere Pressefreiheit ist also auch schon am Ende, die Diktatur ist schon lange da.

      Auch der geladene ungarische Journalist hielt das Beispiel für bedeutungslos, in Deutschland und Österreich wurde es aber zum Skandal und Beweis der eliminierten Pressefreiheit hochgekocht.

      Nächster Witz aus dem Publikum:
      Warum sind nur die armen Graswurzelbewegungen aus der Wendezeit in Osteuropa nicht so beachtet wie hier bei uns in Deutschland?

      Ähm… Deutschland: Einzige noch aktive Partei „Bündnis 90 „ist ein keines Anhängsel der Grünen geworden, Kleiner Anteil von 10% der Sitze im Parlament. Ungarn: Graswurzelbewegung „Fidesz“ ist nach rechts konservativ gewandert und hat 68% der Parlamentssitze. Dieser Amateur kennt nicht mal die grobe Geschichte der beiden großen Ungarischen Parteien, aber hat schon eine Meinung zur Situation in Ungarn! Alle Achtung!

      • Sehr geehrter Herr Soyka,

        Ihr Beitrag gefällt mir sehr. Endlich eine gute Zusammenfassung einer Rede. Ich kann leider nicht mehr auf den Taz-Blog zugreifen… Geht es bei Ihrer Beschreibung um den Auftritt von Heller im Haus der Kulturen? Oder wo fand Ihre Beschreibung statt und in welches Gebäude sind Sie rein? War der Zugang denn nicht gestattet, dass man die Polizei holen musste?

        MfG
        Der Richter

  15. Pingback: TAZ-Blog: Ágnes Hellers Objektivität hatte fatale Konsequenzen… « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

  16. Sehr geehrter Herr hungarianvoice,

    bei aller Achtung vor dem „aufklärerischen“ Ziel ihres Blogs und der Genauigkeit Ihrer Beweisführung und der Quellenangaben, finde ich, dass diese ganze Diskussion um Ágnes Heller hier gründlich danebengegangen ist.

    Um einen freien Blick für den Aufhänger Ihres Artikels zu bekommen, sei festgehalten, dass

    a) die Ereignisse um den 23. 10. 06 in keiner Weise zu beschönigen, sondern vielmehr restlos aufzuklären und entsprechend der Beweislage von einem unabhängigen Gericht zu verurteilen sind,

    b) Prof. Heller bei der Veranstaltung am 01.03.11 in Brüssel reichlich unglücklich und missverständlich reagierte, als sie die Ereignisse vom 23.10.06 nicht verurteilte.

    Wie Sie einleitend ausführen, konzentrieren Sie sich auf ein Detail in der Diskussion mit Frau Heller, nämlich die Verwendung bestimmter Begriffe durch sie. Und obwohl Sie später Ihre Antipathie zu Frau Morvai und den undemokratischen Zielen ihrer Partei ausdrücken, legen Sie jedes ihrer Worte nicht nur in aller Gründlichkeit auf die Waage, sondern folgen ihr auch in ihrem Unterfangen, Frau Heller so gut wie möglich zu deskreditieren, durch Verlagerung und Ablenkung auf einen Nebenschauplatz.

    Frau Heller sprach kritische Worte zu dem Thema, ob die ungarische Demokratie heute in Gefahr sei. Wie sie später selbst zugegeben hat, war sie dabei auf die hasserfüllten Attacken von Frau Morvai zum Thema 23/10/06 nicht vorbereitet, was in der Tat reichlich naiv war, denn Frau Morvai ist nun wirklich einschlägig bekannt. Frau Heller wollte sich offensichtlich nicht in die Ecke drängen lassen, als plötzlich für sie unerwartet Anschuldigungen zu 2006 auf sie zurollten. Eine souveräne Replik misslingt ihr dann völlig.

    Dabei stellt sich schon grundsätzlich die Frage, warum Frau Heller sich als Philosophin (ob liberal oder nicht) in einer Weise überhaupt attackieren lassen muss, als stünde sie als 2006 für den Polizeieinsatz zuständige Politikerin im Kreuzverhör einer Gerichtsbefragung? Weil Sie eine (der rechten Seite unliebsame) persönliche, diskutierbare Meinung zu den heutigen Verhältnissen scharf formuliert? Ist es eine Art, eine Diskussion zu einer Sache durch das Vorhalten der nicht entsprechenden Reaktion in einer damit nicht unmittelbar zusammenhängen anderen Sache zu unterlaufen? (Zumindest besteht keine unmittelbare Kausalität zu den Kritiken an Verfassung und Mediengesetz.)

    Sie schreiben: „Hintergrund für diese Frage sind Beispiele von nachweisbarer Polizeibrutalität während der Anti-Regierungs-Proteste des Jahres 2006.“ Nein, Hintergrund war vor allem, von der unangenehmen Thematik der eigentlichen Situation Ungarns heute durch eine Attacke zu 2006 abzulenken. Stattdessen kehren Sie den Spieß um, und werfen Frau Heller nach ihren Abwehrversuchen vor, es sei eine interessante Art, wie sie eine Frage umschiffe…

    Das alles dient dem Zweck, einer unliebsamen Kritikerin, die es noch dazu wagt, die internationale Bühne zu wählen, um ihre persönlichen kritischen Ansichten vorzutragen, in die Parade zu fahren. Absurd ist dies vor allem deshalb, weil Sie so dankbar nach den weigen trickreich durch Frau Morvai erkämpften Strohalmen greifen, um anhand der Wortwahl und etwaiger Übersetzungen Frau Heller schlussendlich der Lüge bezichtigen zu können.

    Eine weitere Frage wäre, warum Frau Heller die allgemein bekannten Ereignisse des Herbstes 2006 denn überhaupt verleugnen oder beschönigen sollte? Weil sie eine glühende Kommunistin ist, die auf dem linken Auge blind ist, und deren jedwede Kritik auch zu heutigen Verhältnissen keiner inhaltlichen Auseinandersetzung wert zu befinden ist? Oder könnte es nicht eben doch sein, dass sie einfach nicht bereit war, sich vor dem Europäischen Parlament von der aggressiven Frau Morvai in diese Nebendiskussion verstricken zu lassen? Und dass sie im Staatsfernsehen, nicht nur „immerhin“, sondern selbstverständlich wie unter normalen Gesprächsbedingungen die „Tatsachen zugibt“? Gibt ihr Quellenfundus denn weitere Belege her, dass Frau Heller die Ereignisse vom 23.10.06 verleugnet?

    Und die eigentliche Frage, wie es heute um die Demokratie in Ungarn bestellt ist, und um die es Frau Heller ja ursprünglich ging, ist bis hierhin erfreulicherweise längst vom Tisch gefegt, nicht wahr? Frau Morvai und die rechtsradikale Presse dürften mit diesem Ergebnis Ihrer Argumentationsführung und dem Auffahren Ihrer Geschütze recht zufrieden sein. Vielleicht verlinkt Sie ja einer.

    Wie wichtig wäre dagegen, sich mit dem Inhalt des halbstündigen Vortrags auseinanderzusetzen und darüber zu diskutieren.

    Aber vielleicht behandeln Sie ja doch lieber mal die Frage, ob die auf derselben Veranstaltung gemachte Aussage von Frau Heller, Pál Schmitt könne nicht richtig Ungarisch, vielleicht am Ende doch auch eine Lüge ist?

    Nichts für Ungut.

  17. @ Rogo:

    Danke für Ihre ausführlichen Worte. Ich teile Ihre Auffassung nicht, dass die Kritik an Frau Heller pauschal als „Ablenkungsmanöver“ oder Ähnliches disqualifiziert werden sollte. Ich glaube anders als Sie, dass die von Heller angesprochenen Themen bekannt sind und werden diskutiert, auch hier: Mediengesetz, Verfassungsgericht, neue Verfassung, auch die Amtsführung des Präsidenten – all das wurde behandelt. Ein wenig in anderem Licht als das SZ, Standard oder die WELT tun, aber wenn schon. Das ist genau der Meinungspluralismus, den man im Bezug auf Ungarn einfordert.

    Wie Frau Heller mit Kritikern umgeht, durften wir jüngst in Berlin erleben. Da handelt es sich eben um „ein paar Irre“.

    Was Anfang März im deutschsprachigen Raum nicht sonderlich bekannt war, ist die Aussage Hellers. Dass sie eine internationale Bühne wählt, ist ihr gutes Recht. Unzutreffend sind ihre Aussagen zu 2006 und die Reaktion auf Morvai. Dass ich für diese „Dame Morvai“ nichts übrig habe, können Sie den Beiträgen an zahlreichen Stellen entnehmen. Auch auf die Frage von Ágnes Hankiss ging Frau Heller nicht ein. Und Frau Hankiss ist nicht rechtsradikal.

    Was Pál Schmitt und sein Ungarisch angeht: Was hat denn dieses Thema mit der Situation in Ungarn zu tun? Ich denke nichts, gleichwohl nennen Sie es. Ist das nicht der von zahlreichen Medien übernommene Versuch, sich über Schmitt lustig zu machen? Dass man „állam“ mit zwei „l“ schreibt, ist mir, obwohl nicht Muttersprachler, bekannt. Den hohen Ansprüchen an eine Diskussion, welche die wirklichen Probleme aufgreift, werden Sie mit dem Thema „Rechtschreibung“ aber nicht gerecht.

    Ich versichere Ihnen, dass ich den Beifall von Jobbik nicht will und (wohl) auch nicht bekommen werde. Wenn Sie ein wenig suchen, werden Sie – im Gegenteil – einige wenige Kommentare finden, in denen ich von (offenkundig) rechtsextremer Seite als jemand bezeichnet werde, der Ungarn schlecht redet. Kruder Antisemitismus inklusive. Dass Jobbik & Co. mir ihre Zustimmung geben, schließe ich daher aus. Ihre Schlussanmerkung ist mir im Tonfall aus vielen Kritiken bekannt, dass ich Themen vom Tisch wische, weise ich aber zurück. An das immwährende Attribut der Regierungsnähe – meist verwendet, um meine Argumente pauschal zu disqualifizieren – habe ich mich gewöhnt.

    Danke nochmals für Ihre Kritik.

  18. Pingback: SZ: Alex Rühle über „Muskelspiele an der Donau“ « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s