Zeitreise nach 2008 in Sachen Kulturförderung

Kahlschlag im Kulturbereich. Gleichschaltung. Bevorzugung regierungsnaher Organisationen. Vetternwirtschaft.

So etwa hört es sich an, wenn man oppositionelle Kreise zur Kulturpolitik der Orbán-Regierung befragt oder deutsche bzw. österreichische Publikationen aufschlägt. Hört man ihnen zu oder liest sie, erweckt es den Eindruck, als wäre aus einem Land, in dem in Sachen Kulturförderung Milch und Honig flossen, seit 2010 ein wahres „Death Valley“ geworden.

Gerade in solchen Tagen lohnt sich eine kleine Google-Recherche, wie sie der Leser Kullancs durchgeführt hat (danke hierfür!). Da findet man plötzlich einen Beitrag des Pester Lloyd aus dem Jahr 2008. Ein Interview mit der Direktorin des im Jahr 2000 gegründeten Museums „Terrorhaus“ in Budapest, Maria Schmidt, das zwar keineswegs unumstritten ist (vgl. den Beitrag von Krisztián Ungváry hier), dessen Wert für die Darstellung der Geschichte von Pfeilkreuzler- und kommunistischer Diktatur jedoch letztlich unbestreitbar ist. Wie sich beim Lesen jenes Lloyd-Artikels unweigerlich herausstellt, ist, dass nicht etwa Orbán den „Kulturkampf“ erfunden, sondern auch die gerade weltweit für die ungarische Demokratie und den Kulturpluralismus eintretende MSZP/SZDSZ-Regierung den ihr nahestehenden Einrichtungen im Kultur- und Forschungsbereich den Vorzug gegeben hat. Dies führte dazu, dass das Terrorhaus, gegen dessen Errichtung die MSZP sich wegen der „Überbetonung“ der kommunistischen Diktatur mit Händen und Füßen gewehrt hatte, wirtschaftlich arg kämpfen musste.

Hört, Hört. Was den weniger Informierten in Sachen Ungarn überraschen mag, ist dem Kenner des Landes seit Jahren bekannt: Man gibt (leider) am ehesten den Seinen. Es hat sich somit nur wenig (zum besseren) geändert, nun geht es renommierten Instituten wie dem 1956-er Intézet an den Kragen. So kritikwrdig dies auch sein mag: . Was im Jahr 2008 fehlte, ist das EU-weite Medienecho in den großen Tageszeitungen.Wo waren sie, die Mahner, die heute empört sind und Listen derjeniger Einrichtungen veröffentlichen, die im Hinblick (auch) auf knappe Kassen Einschränkungen im Budget hinzunehmen haben? Sie waren wohl mit anderen Themen beschäftigt. Damals herrschte ja „Demokratie“. Die Erkenntnis ist klar: Kulturkampf nennt man es nur, wenn Orbán regiert.  Denn Kulturkampf setzt Kampf gegen „Kultur“ voraus, und die wird – fragt man bestimmte Leute – ja bekanntlich ohnehin nur von Linken und Liberalen gemacht.

38 Kommentare zu “Zeitreise nach 2008 in Sachen Kulturförderung

  1. So ist es, wenn man Kullancs glauben kann, unter den bösen Sozialisten wurde alles was national und christlich war unterdrückt. Jetzt wo Fidesz herrscht wird die ungarische Kultur blühen.
    Béla Tarr, die Umbesetzungen in den verschiedenen kult. Institutionen und vor allem der Angriff auf ein paar „liberale“ Philosophen zeigt, wie die Kulturpolitik von Fidesz beschaffen ist. Denn es geht ja um mehr als nur um Subventionen, es geht darum Ungarn wieder national und christlich zu machen. Da kann Viktor Orbán als Vorbild dienen hat er sich doch von einem antiklerikalen Liberalen zu einem engstirnigen Politiker entwickelt, der sich weder von der EU noch vom Ausland etwas hereinreden läßt. Ein wahrer Wahlkabinenrevolutionär. Und man wird nach ein paar Jahren der Fideszregierung Ungarn nicht mehr wiedererkennen. Er wird ja binnen zehn Jahren eine Million Arbeitsplätze schaffen und schon deswegen werden viele Politiker nach Ungarn pilgern, um bei Orban Nachhilfestunden zu nehmen.
    Orban und seine Anhänger liefern den Satirikern viel Material und so gesehen leistet auch Fidesz seinen Beitrag zur Kultur.
    Einer der eifrigsten österreichischen Unterstützer von Fidesz, das ÖVP Mitglied des EU Parlaments Ernst Strasser wurde zum Rücktritt gezwungen. Strasser ist ein paar Journalisten, die sich als Lobbysten vorstellten auf den Leim gegangen. Das EU-Betrugsbekämpfungsamt Olaf ermittelt.

  2. Netter Beitrag. Aber was bringt´s? Ihnen den Seelenfrieden, dass Sie recht haben oder stellt es Orbáns Mannen nun in ein besseres Licht, weil sie genauso kulturlos handeln wie ihre unsäglichen Vorgänger? Hilft es den Kultureinrichtungen die heute kaputt gespart, gereinigt oder gegängelt werden? Wird es die westlichen Medien eines Besseren belehren? Wollten Sie der Kultur in Ungarn helfen oder die bolschewistische Weltverschwörung der Sozi-Presse aufdecken? Die Sozis sind wegen ihrer Un-Politik abgewählt worden, die Rechten machen nun so weiter, nur gründlicher und mit mehr System und mehr nationalem Schmuck? Legitimiert sie das Versagen der Anderen? Wollten Sie uns das mit dem Beitrag verdeutlichen? Das glaube ich nicht. Es ist schade, dass dieser Blog immer mehr zu einem PR-Instrument der Nationalkonservativen verkommt, ob gewollt oder nicht, der kindergartenartig mit „der hat aber angefangen“ die Untaten von Heute zu legitimieren sucht.

    • Verehrter Stammleser,
      eines der hiesigen Themen ist die Doppelmoral, mit der Teile der Presse im Bezug auf Ungarn operieren. Bei Orbán wird das verteufelt, was bei den MSZP/SZDSZ-Regierungen geduldet wurde. Bis heute habe ich keine befriedigende Antwort darauf erhalten, warum dies so ist. Und bei Hinweisen auf diese Doppelmoral wird dann allzu oft gekontert, man handle „kindergartenartig“ oder ähnliches. Auch von einer bolschewistischen Weltverschwörung habe ich zu keinem Zeitpunkt gesprochen.

      Dass Sie den Blog als PR-Instrument der Nationalkonservativen empfinden, bedauere ich, gerade weil ich versuche, auch Fehlentwicklungen in der Regierungsarbeit aufzuzeigen. Gleichwohl danke für Ihre Kritik.

    • @Stammleser,

      *der kindergartenartig mit „der hat aber angefangen“ die Untaten von Heute zu legitimieren sucht.*
      Ach ja?

      Na, dann sollte man aber in jeder Richtung bei den „Untaten“ von JETZT bleiben.
      oder hab ich da was falsch verstanden??

  3. Hungarian Voice für Ihren Versuch Fehlentwicklungen aufzuzeigen werden Sie – glaube ich – keinen Dank von Orbán erhalten und auch so wird sich der Niedergang von Fidesz nicht stoppen lassen. Denn schon jetzt nach fast einem Jahr des Machtantritts kann festgestellt werden, dass viele Fideszwähler enttäuscht sind.
    Vielleicht ist Orbán auch beratungsresistent. D.h. wer irgendwelche Kritik übt, wird bald als „Feind“ qualifiziert.
    Sicher kein Zufall, dass am 15. März 1,2 Millionen Forint Steuergelder an Studenten bezahlt wurde, damit sie dem Chef Beifall liefern. Man stelle sich die Entrüstung vor, wenn Gyurcsány so gehandelt hätte.

    • Ich bin mir sogar ganz sicher, dass ich keinen Dank von Fidesz und V. Orbán erhalten werde. Es hält mich trotzdem nicht davon ab, meine Meinung zu äußern. Ich strebe keine politische Karriere an. Auch wenn ich hierfür den Preis zahlen muss, nicht mit einem Audi S8 auf Staatskosten herumgefahren zu werden 🙂

  4. Ich bin wahrlich kein Freund von Orbán & Co und nicht immer einverstanden mit Herrn Hungarianvoices Meinungen. Aber als FIDESZ-PR-Instrument kann man diesen Blog wirklich nicht bezeichnen. Die kritischen Kommentare der letzten Tage beweisen das und auch, dass hier Orbán- und FIDESZ-kritische Beiträge ohne Probleme gepostet und diskutiert werden können! Für die gegenseitige Sicht gibt es genug andere Blogs. Allerdings finde ich auch das Lamento „Aber die Sozialisten wurden dafür nicht kritisiert“ auch etwas befremdlich und als Argument weder weiterführend noch überzeugend. Die Sozialisten wurden von rechts kritisiert, FIDESZ v.a. von links. Dass ein „fidesz-naher“ Autor auch öffentlich Kritik an den Zuständen in Ungarn äußert, die FIDESZ und Konsorten zu verantworten haben, ehrt ihn, deswegen lese ich diesen Blog und setze mich, soweit nötig, mit Meinungen auseinander, die ich nicht teile. Aber was die MSZSP-Zeit angeht: Kaum jemand wird die korrupten Praktiken der „sozialistischen“ Wendegewinner verteidigen. But it is time to move on! Es passiert genug beunruhigendes in Ungarn, aus dem „Return to Europe“ wird gerade der „Marsch nach Osten“.

  5. „eines der hiesigen Themen ist die Doppelmoral, mit der Teile der Presse im Bezug auf Ungarn operieren. “

    Dafür gibt es doch jetzt wieder ein schönes Beispiel, da muss man garnicht in die vergangenen Jahre zurückblicken.

    Wie genüsslich hat man sich in den Medien auf die von kuruc.info verbreitete Nachricht über Lázár gestürzt.
    Kuruc.info? aber hallo, ist das nicht das Blatt, welches rechts ist ,wie es rechter nicht mehr geht?
    Wo man,würde man selber von dort irgend eine Aussage die ein Minister in der Vergangenheit machte zitieren, in Grund und Boden gestampft würde?
    Na, wenn das keine Doppelmoral ist??
    Na , dann….. Danke!

    • Zeigt, wie Fidesz (d.h. die Gesamtpartei) über die Armen denkt? Welche Fakten haben Sie zu dieser intellektuellen Hocherkenntnis gebracht? Etwa die Banken- oder die anderen Sondersteuern?

    • @ Herrn Pfeifer:

      Die Rede erschien am 19.03.2011 um 13:16 auf kuruc.

      Um 15:01 erschien ein Artikel auf Hírszerzô (welche wohl alles andere als rechts ist!).
      Auf Hírszerzô wird kuruc als Quelle angegeben.

      Weiters wird die Rede – ohne jegliche faktische Grundlage – als aktuell bezeichnet. (journalistische Recherche???)

      Von hier aus verbreitete sich die Rede sodann weiter.

      Es stellt sich die Frage, warum die absolut links eingestellte Hírszerzô kuruc einerseits als Nazi-Portal bezeichnet, andererseits aber bei Kritik an Fidesz plötzlich als seriöse Quelle behandelt.

      Das Video, das Sie hier anführen, stammt anscheinend vom 20.03.2011, sodass dieses Video sowieso erst einen Tag später erschienen ist.
      Ihr Video ändert somit nichts an der Tatsache, dass kuruc die ursprüngliche Quelle ist. Ihre Aussage ist somit vollkommen sinnlos. („Kullancs nicht nur kurc hat darüber informiert. Origo hat die Rede ins Netz gesetzt.“)

      Weiter Informationen hiezu:
      http://mandiner.blog.hu/2011/03/20/a_hirszerzo_kalandja_a_kuruc_infoval

    • Nebenbei bemerkt:

      Das Video, das Sie hier anführen, ist in dem ursprünglichen kuruc Artikel schon vorhanden. Origo hat es somit einen Tag später von dort übernommen.

      Sie publizieren hier somit indirekt ein Video von kurucinfo und werben dafür.
      😉

      • @Danke Rudolf,
        ich hatte mich nicht getraut dies zu erwähnen, denn ich möchte mich mal als „gebranntes Kind“ bezeichnen.

  6. Also wenn Gyurcsány eine Rede in Mai hielt und diese im September publiziert wurde, so war das eine aktuelle Rede.

    Hingegen ist die Rede von Lázár nicht zu bringen, denn so Ihre Logik: kuruc war die erste Quelle und die Rede wurde schon vor ca. drei Jahren gehalten.

    Ich denke, dass beide Reden zu veröffentlichen waren. Die Frage ist doch ob die Fakten stimmen und wenn die stimmen, dann kann auch publiziert werden. Und anscheinend hat Hirszerzö die Fakten überprüft und wie Sie schreiben sogar die Quelle genannt. Das ist korrekt.

    Hungarian Voice, Sie meinen also Fidesz sei doch auf der Seite der Armen, nun aber bleibt dank Fidesz Steuergesetz denjenigen, die weniger als 300.000 Ft verdienen, und das sind sehr viele, weniger in der Lohntüte. Und während der 11 Monate Fidesz Regierung ist ja die Anzahl der Arbeitslosen um 90.000 gestiegen und was soll man über die vielen Ungarn sagen, die nicht ihre Wohnungskredite zurückzahlen können und dies z.T. Fideszpolitikern zu verdanken haben.
    Ich denke, die zynischen Reden des Herrn Lázár lassen sich durch nichts rechtfertigen, auch nicht wenn der Mann auf den Audi verzichtet und seiner Fraktion „droht“ nur Bürgermeister sein zu wollen.

    • Ich habe nie gesagt, die Rede von Lázár soll nicht veröffentlicht werden. Das ist jetzt einfach eine Unterstellung von Ihnen, Sie versuchen mir etwas in den Mund zu legen.

      Zu meinen Argumenten haben Sie – wieder einmal – nichts gesagt.

      Lesen Sie meinen Beitrag noch einmal:

      „Weiters wird die Rede – ohne jegliche faktische Grundlage – als aktuell bezeichnet. (journalistische Recherche???)

      Von hier aus verbreitete sich die Rede sodann weiter.

      Es stellt sich die Frage, warum die absolut links eingestellte Hírszerzô kuruc einerseits als Nazi-Portal bezeichnet, andererseits aber bei Kritik an Fidesz plötzlich als seriöse Quelle behandelt.“

      Eine Quelle, die für ungenaue Recherche und (rassistische) Propaganda bekannt ist, wird von Hírszerzô plötzlich als seriös behandelt. Warum?

      Sie schreiben:
      „Und anscheinend hat Hirszerzö die Fakten überprüft und wie Sie schreiben sogar die Quelle genannt. Das ist korrekt.“

      😀
      Lesen Sie meinen Beitrag noch einmal:
      „Weiters wird die Rede – ohne jegliche faktische Grundlage – als aktuell bezeichnet.“

      Also die Fakten überprüft?

      Mittlerweile ist anscheinend das gesamte Protokoll der damaligen Sitzung verfügbar. Inwiefern die bisherige Berichterstattung der Wahrheit entspricht, kann man dort überprüfen. Ich mache mir aber keine Hoffnungen, dass Sie das tun werden. Es ist sicher angenehmer, Lázár so wie Martonyi einfach zu verurteilen, ohne genauer nachzuschauen.

      „Also wenn Gyurcsány eine Rede in Mai hielt und diese im September publiziert wurde, so war das eine aktuelle Rede.“

      Bitte führen Sie an, wer wo behauptet hat, dass das eine aktuelle Rede war.
      Und bitte erklären Sie, was das mit meinen oben gestellten Fragen zu tun hat.

      Wie auch immer: Lázár finde ich trotzdem sehr peinlich.

      Schließlich:
      Ein wenig Populismus schadet nicht, hmm? Jetzt sind Fidesz Politiker schon daran schuld, dass irgendwer seinen Wohnungskredit nicht zurückzahlen kann?

  7. Gut unter dem Strich bleibt, Lázar finden Sie peinlich. Die Rede ist korrekt wiedergegeben und Lázár korrekt zitiert.
    Die Ungarn die weniger als 300.000 Ft verdienen finden weniger Lohn in ihrer Abrechnung, 90.000 mehr Arbeitslose seit Regierungsantritt von Fidesz.

    • „Die Rede ist korrekt wiedergegeben und Lázár korrekt zitiert.“

      Quelle? Beweis? Oder nur wieder einfach eine Pfeifersche Behauptung, wie „Martonyi hat die Unwahrheit gesagt“?

  8. Rudolf, wenn die Rede nicht korrekt berichtet wurde, warum hat sich dann Lázár entschuldigt?
    Ich bin schon zufrieden, dass Sie mich nicht beschuldigen, ich hätte die Tatsachen, dass diejenigen, die unter 300.000 Ft verdienen nun weniger in ihren Lohntüten finden und die 90.000 Arbeitslose, aus meinen Fingern gesogen.

    Wohnungskredite und Hypotheken:

    Ich schrieb: „die nicht ihre Wohnungskredite zurückzahlen können und dies z.T. Fideszpolitikern zu verdanken haben.“

    Auch das ist ein Grund für Sie um zu polemisieren. z.T. heißt zum Teil. Gut zu wissen, dass Sie Rudolf der Meinung sind, meine Behauptung stimmt nicht und Fidesz Politiker tragen keine Verantwortung.

  9. 1.
    „Rudolf, wenn die Rede nicht korrekt berichtet wurde, warum hat sich dann Lázár entschuldigt?“

    Er hat sich nicht für das entschuldigt, was ihm unterstellt wurde. Das wissen Sie jedoch auch selber, wenn Sie seine Entschuldigung angehört oder gelesen haben.

    Sie mischen schon wieder verschiedenste Sachen zusammen, wie auch bzgl. 2006 (werfen aber mir vor, dass ich Ihr „zum Teil“ übersehen habe).

    Da Sie ansonsten stolz darauf sind, als Journalist genau zu recherchieren, verstehe ich nicht, warum es so schwierig ist, diese Seite herauszusuchen und sich das Protokoll anzuschauen oder die Rede anzuhören:
    http://www.fidesz.hu/index.php?Cikk=160403

    Das hat jetzt gerade mal 3 Minuten gedauert.

    So viel zu Mr. Lézer János.

    2.
    Ich bin meistens der Meinung, dass jeder selber entscheiden kann, welche Form der Mittelbeschaffung er für sich selbst als nützlich erachtet und welche Risikobereitschaft er dabei an den Tag legt. Ich bin auch der Meinung, dass erwachsene Menschen ausrechnen können, wie viel sie verdienen, was für Kredite sie sich dabei leisten können und wie hoch ihr Spielraum dabei ist. Versteh nicht ganz, was Fidesz Politiker damit (zum Teil) zu tun haben.

    • @ Rudolf: Hinzuzufügen ist jedoch, dass die maßlose Vergabe von Fremdwährungskrediten in den Jahren 2003-2008 stattfand. Wer damals regierte und wer die Notenbak führte und diesem Treiben tatenlos zugesehen hat, muss nicht weiter erwähnt werden, denke ich. Natürlich tragen die Menschen für ihre wirtschaftlichen Entscheidungen selbst Verantwortung – wie man jetzt sieht. Durch eine intelligende Regulierung hätte man jedoch die Entwicklung erkennen und auch verhindern müssen. Ich selbst kenne einige Leute, die durch ihre Hausbank in diese Währungsspekulation getrieben wurden, die wenigsten werden gewusst haben, was auf sie zukommt. Nochmals: Eigenverantwortung JA, aber im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Folgen in einem kleinen Land wie Ungarn Regulierung auch JA. Der Devisen-Schuldenberg lässt eine Abwertung des Forint, die im Hinblick auf das Wachstum dringend nötig und im Hinblick auf die Zahlen auch gerechtfertigt wäre, nicht zu. Nochmals Danke an Gyurcsány, Bajnai und auch an Simor. Nicht nur die Staatsverschuldung von ca. 55% des BIP auf etwa 80% treiben, sondern auch zusehen, wie die private Verschuldung der Haushalte explodiert. Echte Genies.

      In der Tat hat Fidesz mit diesen Währungskrediten nichts zu tun, diesen Müllberg haben sie geerbt. Und bevor es gleich wieder aufgeworfen wird: Die dämlichen Aussagen von Szíjjártó und Kósa von Juni 2010 sind längst verpufft.

      • @ hungarianvoice:

        In all diesen Sachen bin ich vollkommen mit Ihnen einverstanden.

        Der einzige Grund, warum ich das alles nicht erwähnt habe und mich nur auf die Eigenverantwortung bezogen habe, war jener, dass Herr Pfeifer seine Aussage nicht einmal spezifisch auf die Fremdwährungskredite bezogen hat, sondern lediglich über Wohnungskredite (welcher Art auch immer) geredet hat. Ich ging und gehe davon aus, dass Herr Pfeifer nun behaupten wird, dass es ihm gar nicht um die Fremdwährungskredite ging, sondern darum, dass die Menschen aufgrund der Flat Tax nun weniger Geld haben und deswegen ihre Kredite nicht zahlen können und somit ihre Wohnungen nur aufgrund der bösen Machenschaften von Fidesz verlieren werden. (Vielleicht habe ich ihm jetzt auch eine Idee gegeben! 😉 )

        In dieser Hinsicht denke ich aber, dass zukünftige Gehaltsschwankungen zumindest in einem bestimmten Rahmen bei der Aufnahme von Krediten eigenverantwortlich einkalkuliert werden müssen und man nicht von einer Regierung erwarten kann, sie soll die Steuergesetze niemals ändern, weil man damit einhergehende Gehaltsschwankungen nicht berechnet hat. Wie gesagt, das alles gilt in einem bestimmten Rahmen.

        Darin, dass die Eigenverantwortung hinsichtlich der massiven Vergabe und Aufnahme von Fremdwährungskrediten Grenzen hat und diese Menschen zum Teil unverschuldet in einer Schuldenfalle gelandet sind, sind wir eh einer Meinung. Das betrifft auch Ihre Ausführungen zur Regulierung und zur Wirtschafts- und Währungspolitik der letzten Jahre.

  10. Rudolf: Ich bin zwar Journalist, aber hier poste ich und da man in der Regel von Postern nicht verlangt, sie sollen recherchieren, sollten Sie das auch nicht von mir verlangen.
    Sollte ich aber in einem Artikel etwas nicht richtig recherchiert zu haben, dann ist das eine ganz andere Sache. Ich bin im Gegensatz zum Papst nicht unfehlbar und habe auch nie diese Behauptung aufgestellt.

    Hier erhält man manchmal den Eindruck, als ob alle ungarischen Probleme in den Jahren 2002 bis April 2010 entstanden wären. Bald wird es ein Jahr sein, dass die Fidesz-KDNP regiert und das Ausreden auf die Linken, die vorher regierten wird langsam unglaubwürdig.

    Und da ich Fidesz kritisiert habe, will ich jetzt ein großes Lob aussprechen. Die Tatsache, dass der Flughafen Budapest-Ferihegy nach Franz Liszt benannt wurde, halte ich für eine freundliche Geste gegenüber Österreich. Denn Franz Liszt war ein ungarischer Bürger deutscher Muttersprache, er lernte noch Französisch, eine Sprache, die er gerne sprach, aber Ungarisch hat er nie beherrscht, obwohl er sich als „Magyar“ verstand.
    Wahrscheinlich spielte bei dieser Namensgebung eine Rolle, dass Liszt als 53 oder 54 jähriger zum katholischen Priester geweiht wurde.
    Mich hätte es mehr gefreut, wenn man den Flughafen nach Béla Bartók genannt hätte aber de gustibus non est disputandum. Unlängst hörte ich das Junge Deutsche Philharmonieorchester in Meran den seltsamen Mandarin von Bartók spielen, den ich immer wieder gerne höre.

    • Es ist egal, ob man im Internet postet, ob man auf der Straße seine Meinung wiedergibt, etc.
      Wenn man harte moralische und auch manchmal auch rechtlich relevante Urteile über andere Menschen fällt, sollte man diese Urteile mit objektiven Fakten untermauern.

      Einfach negative Werturteile über Menschen zu fällen bzw. offensichtliche Tatsachen und auch offensichtliche Grundrechtsverletzungen nicht anzuerkennen und dann zu sagen, man könne sagen, was man will, weil man hier nicht verpflichtet sei, genauer nachzuschauen bzw. zu recherchieren, finde ich etwas… merkwürdig.

  11. Man sagt niemals von sich selbst Herr Pfeifer, dass man unfehlbar ist, man verhält sich so. Das Verhalten erkenne man, indem man bemerke, dass der/diejenige nur auf die Punkte in der Argumentation eingeht, die sein/ihr Standpunkt stärken und die anderen, in denen man die eigenen Fehler und Schwächen wiedererkennt, einfach ignoriert. Deshalb nennt man solche Leute auch als „ignorant“.
    Na dann viel Spaß beim Flugverkehr!

  12. Rudolf, erwarten Sie von mir ein mea culpa weil ich in einem schnell geschriebenen Posting ein oder zwei Mal irrte und mein Irrtum auch eingestand?
    Ich habe seit dem ich hier poste zig Artikel und Interviews über Ungarn publiziert, doch in keinem Fall konnten Sie mir bislang einen Faktenfehler nachweisen.
    Sie fällen ein schnelles Urteil über mich, nur weil ich mir erlaube über die jetzige Regierung kritisch zu schreiben.
    Die Lobhudelei – da bin ich ganz sicher – kann der jetzigen Regierung nicht helfen. Wenn schon jungen Studenten bezahlt werden muss, damit sie am Nationalfeiertag V.O. Beifall spenden, dann hat Fidesz ein Problem.
    Bald wird es ein Jahr, dass V.O. die Zügel in der Hand hält und es fällt schwer irgendetwas positives an seinen Handlungen zu finden.

    • Wann haben Sie Ihr Irrtum eingestanden?
      Bspw.:
      Sie haben sich bis jetzt – trotz aller Argumente und Fakten, die hungarian voice, ich und andere hier gebracht haben – eine klare Stellungnahme zu den Übergriffen der Polizei in 2006 abzugeben.

      Ebenso haben Sie keine Aussage über Heller und dem ANschießen von Menschen getroffen, beharren lediglich darauf, dass niemand ERschossen wurde.

      Sie haben Ihre Aussage bzgl. Martonyi und dem Mediengesetz nicht korrigiert.

      Dass Sie Kritik an der Regierung üben, hat mich nie gestört, die Art und Weise, wie Sie das tun, schon viel eher.

      Sie beziehen sich immer auf Ihre Artikel, die aber anscheinend geheim sind, da Sie sie nur selten hier anführen und wenn man danach fragt, Sie nur antworten, man soll selber nach den Artikeln googeln.

      Abgesehen hievon hat hungarian voice sehr wohl Faktenfehler in Ihren Artikeln aufgefunden: Soweit ich mich erinnere, mal über das Mediengesetz, aber auch hier:
      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/22/harry%C2%B4s-place-ein-falschzitat-macht-sich-selbststandig/

      Wie dem auch sei, ich kann Ihrem Argument „Ich schau hier nicht so genau nach, schreib einfach irgendwas, aber ganz woanders, z.Bsp. in meinem Beruf schreib ich ganz andere Sachen.“ nicht sehr viel abgewinnen.

      Was würden Sie zu mir sagen, wenn ich in einer Diskussion mit Ihnen auf Ihre Argumente nur das Folgende antworten würde: „Zu Ihren Argumenten kann ich jetzt nichts sagen, aber in meinen zwei Berufen argumentiere ich immer viel genauer, als hier.“

      • Soll natürlich heißen:

        „Wann haben Sie Ihren Irrtum eingestanden?
        Bspw.:
        Sie haben sich bis jetzt – trotz aller Argumente und Fakten, die hungarian voice, ich und andere hier gebracht haben –, geweigert, eine klare Stellungnahme zu den Übergriffen der Polizei in 2006 abzugeben.“

  13. Rudolf, sie schreiben: „Sie beziehen sich immer auf Ihre Artikel, die aber anscheinend geheim sind, da Sie sie nur selten hier anführen und wenn man danach fragt, Sie nur antworten, man soll selber nach den Artikeln googeln.“

    Meine Artikel sind nicht wie Sie unterstellen „geheim“:

    ich gebe Ihnen nur 2011 erschienene Texte über Ungarn in print bekannt

    Jungle Word 13.1.2011
    http://jungle-world.com/artikel/2011/02/42405.html

    Allgemeine Juedische Wochenzeitung 3.2.2011
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/print/id/9605

    Die Presse 25. 1. 2011
    http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/627995/Der-geehrte-FaekalAntisemit

    Gespräch mit Sándor Radnóti vom 10.3.2011
    http://jungle-world.com/artikel/2011/10/42763.html

    Gespräch mit Agnes Heller vom 10.3.2011
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/9876

    • Ah, freut mich, danke!

      Jetzt würde es mich nur noch freuen, wenn Sie sowohl auf meine hier gebrachten Argumente eingehen würden, als auch auf jene bei der Diskussion der Ereignisse von 2006 (dort betrifft es auch die Argumente von anderen).

    • Vielleicht hätten Sie bei Ihrem Artikel vom 13.01. bei Jungle World erwähnen sollen, dass die „Zensur“ von Tilos Rádió nur das ALTE Mediengesetz vollzogen hat.

      Vielleicht können Sie den Lesern von „Die Presse“ auch erklären, was eine Karte vom Königreich Ungarn von 1848 mit Trianon zu tun hat.

      Über solche absolut nicht überprüfbaren Aussagen, wie „Bei vertraulichen Gesprächen hört man von Prominenten, Fidesz könne sich nicht von Bayer distanzieren, denn viele Mitglieder würden ähnlich denken.“ haben wir uns schon unterhalten.

      Was für Gespräche? Welche Prominente? Wer von Fidesz denkt so? Was sind „viele Mitglieder“ bzw. ist das ein Pauschalurteil?
      Wie belegt man solche Urteile?
      Ich weiß, dass Sie behaupten, Journalismus funktioniere eben anders.
      Aber wie kann ein mündiger Leser sich informieren und entscheiden, auf welche Informationen er sich verlassen kann?

      „Der prominente Lehrer des Neffen des Vaters der besten Freundin der Freundin von meinem Freund hat mal gesagt, dass in einer bestimmten Schulklasse die meisten Rassisten waren.“

      • Und vergessen wir nicht den empörten Artikel Herrn Pfeifers, aufgebaut auf einem Artikel der FAZ, die eine niemals getroffene Aussage Orbáns enthielt…(„Ungarn hätte im 2. Weltkrieg und danach viel Blut für die Freiheit vergossen…“). Wenn man – wie Herr Pfeifer – weiß, dass die FAZ Orbáns Aussage falsch wiedergegeben hat, hilft es auch nicht, das Frankfurter Blatt „richtig zu zitieren“. Sonst wird Journalismus zur Flüsterpost.

        Herr Pfeifres Beitrag ist bis heute unverändert auf Hagalil und The Propagandist zu lesen. Der Zweck heiligt offenbar die Mittel.

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/22/harry%C2%B4s-place-ein-falschzitat-macht-sich-selbststandig/

    • Eine Frage hätte ich noch:
      Warum führen Sie Interviews mit bestimmten Leuten an, um zu beweisen, dass Ihnen keine Faktenfehler unterlaufen?

  14. Hungarian Voice.
    Tilos
    Glauben Sie wirklich, dass irgendein deutscher Leser sich für einen Hinweis darauf, dass diese Warnung an Tilos aufgrund von § so und so aus dem Jahr so und so interessiert hätte? Ich schreibe ja keine Dokumentationen, sondern Artikel die lesbar sein sollen. Aus den Rückmeldungen und Einladungen zu Vorträgen und Interviews weiß ich, dass dies der Fall ist.
    FAZ Zitat
    Ich korrespondierte mit dem zuständigen FAZ Redakteur, der mir versicherte, dass dies so bei dieser Sitzung in der deutschen Übersetzung erklungen ist und dass diese von vielen dort Anwesenden gehört wurde. Er versprach die Sache zu klären mit den Zuständigen und mich zu informieren. Bis heute erhielt ich keine Mitteilung.
    Haben denn die ungarischen Behörden dort gegen eine falsche Übersetzung protestiert? Auch das konnte ich nirgendwo sehen.
    „Fäkalien-Antisemit“
    Was meinen Artikel in der Presse anlangt, sah ich diesen Teppich, der genauso aussieht wie die heute schon auf Taxis gemalte Landkarte Ungarns 1918, die ja auch das Burgenland als ungarisches Territorium reklamiert. „Die Presse“ der Sie hoffentlich keine Linkslastigkeit vorwerfen schrieb dazu: „Die Auslegung des „historischen Teppichs“ kann als nationalistischer Akt der nationalkonservativen ungarischen Fidesz-Regierung unter Premier Viktor Orbán gewertet werden – pflegt er doch seit Jahren den Mythos des ehemaligen Großungarns.“ Was schrieb ich? „Aufsehen hat in Brüssel der anlässlich der ungarischen EU-Präsidentschaft aufgelegte Teppich mit einer Darstellung Großungarns ausgelöst. Nicht nur Österreicher sind über die Vehemenz, mit der Ungarn an den 1920 unterzeichneten Friedensvertrag von Trianon erinnert, verwundert. In Ungarn dagegen wird die Geschichte als fortwährender Opfergang wahrgenommen.“
    Wiederum es mag einen ungarischen Leser vielleicht interessieren, dass dort Großungarn 1848 abgebildet war, hat aber keine Bedeutung für den österreichischen Leser zumal Fidesz & Jobbik einen Trianon-Gedenktag im Parlament 2010 abhielten.
    Wer einige Ihrer Einwände unbefangen liest, könnte zum Schluss kommen, dass Sie versuchen mit Beckmesserei meine wesentlichen Aussagen über Ungarn madig zu machen und diese mehr über Sie als über meine Texte aussagt.
    Ich schrieb: „Bei vertraulichen Gesprächen hört man von Prominenten, Fidesz könne sich nicht von Bayer distanzieren, denn viele Mitglieder würden ähnlich denken.“
    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich, wenn mir jemand etwas vertraulich sagt, einen Namen nenne? Wenn jemand um Vertraulichkeit bittet, dann ist das zu respektieren. Das ist eine Grundregel des Journalismus. Das wird Ihnen jeder Journalist, unabhängig von seiner politischen Einstellung, bestätigen.
    Fakt ist, dass V.O. sich nicht vom „Fäkalien-Antisemiten“ distanziert hat, d.h. dass meine Quelle(n) wohl informiert war(en). Darauf habe ich – wenn ich mich richtig erinnere – bereits in der Vergangenheit hier aufmerksam gemacht.
    Rudolf Ihre letzte Frage habe ich nicht verstanden. Sie haben sich darüber beschwert, dass ich das google empfohlen habe, daraufhin habe ich Ihnen eine Liste der URL gesandt von Artikeln die 2011 erschienen sind. Was genau wollen Sie von mir wissen?
    Zu 2006 habe ich klipp und klar gesagt, dass natürlich jeder Polizeiübergriff zu verurteilen ist, wies jedoch hin auf den Kontext und auf die Unterstützung welche die berüchtigte K. Morvai von Fidesz erhielt. Sie geben Frau Morvai Recht, die in einem unerhörten Ton sprach, ich hingegen Prof. Heller. Das ist halt so im Leben, wir werden da nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
    Ich fürchte sehr, dass die ständigen Provokationen der Jobbik-Milizen (die ändern ja auch häufig ihre Namen) eine Tragödie auslösen könnten. Denn verbale Aggressionen führen erfahrungsgemäß zu physischen.
    Und wenn das passiert – was ich nicht hoffe aber sehr fürchte – dann wird es nicht mehr möglich sein dafür Gyurcsány oder Bajnai verantwortlich zu machen.

    • Was das FAZ-Zitat angeht: Herr Pfeifer, was interessiert denn die Reaktion der ungarischen Behörden? Sie kennen Orbáns Rede, Sie kennen das offizielle Redemanuskript (beides hatte ich auf Ihren WUnsch hier online gestellt) und gleichwohl stellen Sie sich ahnungslos. Was bringt Ihnen so eine Vorgehensweise? Ist ein Zeitungsbericht, in dem steht, dass die Erde eine Scheibe ist, geeignet, die wahre Form der Erde in Frage zu stellen? Wohl nicht. Man kann solche Flüsterpost nur verhindern, indem man sich aus der echten Quelle informiert. Die ignorieren Sie jedoch beharrlich.

      Trotz allem eine geruhsame Nacht ins schöne Wien!

    • ad 1
      Natürlich interessiert die Gesetzesgrundlage. Vor allem dann, wenn Sie über „Zensur“ der Orbán-Regierung im Zusammenhang mit dem NEUEN Mediengesetz reden. Jedoch schön verschweigen, dass das Verfahren gegen Tilos gar nichts mit dem neuen Mediengesetz.

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      Sie übernehmen eine Falschübersetzung, obwohl Sie ungarisch können. Was haben die ungarischen Behörden mit Ihrer Verantwortung zu tun?

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      Wieder erwecken Sie einen falschen Eindruck. Erstens war Ungarns Territorium 1848 nicht ident mit jenem von 1920.
      Zweitens hat das Datum 1848 vor allem in fast ganz Europa mit heute selbstverständlichen, damals erkämpften demokratischen Werten und verfassungsrechtlichen Errungenschaften zu tun. Da dies in Österreich auch so war, ist Ihnen das als Österreicher sicherlich bekannt. Ich darf nur auf das Stabilitätssystem von Metternich im Vormärz, der Revolution in Wien am 13.03., die Pillersdorfsche Verfassung, den Kremsierer Entwurf und sodann die Oktroyierte Märzverfassung und auf die Verfassungsprinzipien Monarchische Legitimität und Volkssouveränität verweisen.
      Wenn Sie also Ungarn 1848 im gleichen Atemzug mit Trianon erwähnen, ist das vollkommen unverständlich und scheint nur wieder eine Möglichkeit zu sein, die Regierung zu kritisieren.

      Der einzige Grund scheint zu sein: Vor Trianon war das Königreich Ungarn „groß“. 1848 war es auch „groß“. Setzen wir es einfach gleich und nehmen 1848 als Anlass, um über das Trianongedenken der ungarischen Regierung zu reden.

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      Nein, ich erwarte nicht, dass Sie vertrauliche Quellen nennen. Das habe ich nie gesagt.
      Ich erwarte mir, dass ein Journalist vertrauliche Informationen als ANLASS nimmt, um nach Fakten zu suchen, die er dann nennen kann, die die vertraulichen Informationen untermauern und die es dem Leser ermöglichen, den Gedankengang nachzuvollziehen und deren Stichhaltigkeit intersubjektiv zu überprüfen.

      Was Sie machen, ist: Sie nennen eine ominöse vertrauliche Quelle. Das Verhältnis dieser Quelle zum Thema, zum Fidesz ist unklar. Prominent ist auch Britney Spears.
      Dann schreiben Sie, was diese Person über die Denkweise von einer Menge von Menschen sagt. Also eine Person, wir wissen nicht, wer sie ist, stellt Mutmaßungen darüber an, wie – nicht nur eine einzige andere Person, sondern – eine ganze Menge von anderen Personen denkt.

      Sie berufen sich darauf, was eine für den Leser unbekannte Person über die Denkweise von einer Menge von Leuten mutmaßt. Vielleicht ist ja diese unbekannte Person der Telepathie fähig, ansonsten ist das alles recht dünn.

      ad 5.
      „Fakt ist, dass V.O. sich nicht vom „Fäkalien-Antisemiten“ distanziert hat, d.h. dass meine Quelle(n) wohl informiert war(en).“

      Das ist die Umdrehung der Unschuldsvermutung.
      Ich stelle mal einfach so auf verschiedensten Foren im Internet 100 Behauptungen über Karl Pfeifer auf und beziehe mich auf eine vertrauliche prominente Quelle. Wenn sich Karl Pfeifer nicht von all diesen Behauptungen distanziert, war meine Quelle wohl informiert und hat die Wahrheit gesagt.

      ad 6.
      Sie haben einmal erwähnt, Sie hätten Polizeiübergriffe nicht gerechtfertigt, um dann gleich abzulenken und über Morvai und Fidesz zu schreiben.
      Ansonsten haben Sie grundlegende Fakten nicht anerkannt.

      Das haben Sie jetzt gerade wieder bestätigt, in dem Sie anführen, dass Sie in der Diskussion Prof. Heller Recht geben und nicht Morvai. Natürlich geben Sie Heller Recht, weil sie gesagt hat, dass niemand ERschossen wurde. Das haben Sie auch oft wiederholt. Ich gebe Prof. Heller auch Recht, es ist niemand ERschossen worden.
      Die Frage von Morvai war aber eine andere. Ich gebe auch Frau Morvai Recht, weil sehr wohl Leute ANgeschossen wurden und sehr wohl Leute gequält wurden.
      Dass Sie diese Tatsachen nicht anerkennen, und nur behaupten, Prof. Heller habe Recht (was auch niemand bestreitet), ist de facto die Rechtfertigung der Polizeibrutalität.

      „wies jedoch hin auf den Kontext und auf die Unterstützung welche die berüchtigte K. Morvai von Fidesz erhielt.“

      Der Kontext rechtfertigt das gesetzwidrige Vorgehen der Polizei nicht. Sie versuchen wieder, die Verantwortung zu verwischen. Was die allfällige Zusammenarbeit von Morvai und Fidesz mit konkreten Fällen von 2006 zu tun hat, ist mir unklar.

      ad 7.
      Sie haben öfters erwähnt, dass Frau Morvai in einem „unerhörten Ton“ sprach.
      Was hat das mit dem Wahrheitsgehalt einer Aussage zu tun?
      Wenn Frau Morvai in einem aggressiven, „unerhörten Ton“ behauptet, die Erde sei eine Kugel, Frau Prof. Heller darauf hin aber in einem schönen Stil sagt, die Erde sei eine Scheibe, geben Sie dann auch Prof. Heller Recht?

      ad 8.
      „Sie haben sich darüber beschwert, dass ich das google empfohlen habe, daraufhin habe ich Ihnen eine Liste der URL gesandt von Artikeln die 2011 erschienen sind. Was genau wollen Sie von mir wissen?“

      Sie haben zwei Artikel und zwei Interviews angeführt, um zu beweisen, dass IHNEN keine Faktenfehler unterlaufen sind.
      In den Interviews reden aber die Personen, die Sie interviewen. Wie soll das beweisen, dass IHNEN keine Faktenfehler unterlaufen?

      Das wollte ich wissen. Aber egal, belassen wir’s dabei.

  15. hungarian voice. Sie gehen hart ins Gericht mit mir, weil ich nicht einen alten Artikel, der schon abgelegt ist korrigiert habe und schreiben nicht darüber, dass ich sofort nach Ihrem Bericht in anderen in print publizierten Artikeln diesen Passus herausgelassen habe.
    Ich gebe zu, ich hätte an alle schreiben müssen, die das im Internet gebracht haben, aber ich bin derartig beschäftigt, dass ich das versäumt habe. Ein großes mea culpa. Eins möchte ich doch klarstellen, es liegt mir fern, V.O. etwas in den Mund zu geben, was er nicht gesagt hat.
    Mehrmals publizierte ich z.B. die Aussagen von Prof. Heller, der man keine Voreingenommenheit für V. O. vorwerfen kann, dass V.O. kein Antisemit, kein Rassist ist.
    Ich bin aber zufrieden, dass Sie gegen meine wesentlichen Aussagen nichts einwenden, ja dass Sie in einigen der von Ihnen veröffentlichten Texte diese sogar bestärken und mich nicht, wie das implizit oder explizit in Fidesznahen Publikationen getan wird, unter den Feinden Ungarns einreihen.
    Nach meinem Artikel in der Presse über den „Fäkal-Antisemiten“ Zsolt Bayer wurde mir von Lesern des Magyar Hirlap vorgeworfen, dass doch Ungarn mein Leben 1938 gerettet hätte und ich undankbar wäre. Ein Teil dieser Briefe, habe ich übersetzt und in Pusztaranger publiziert, damit man sieht was alles in moderierten fidesznahen Blogs toleriert wird.
    Tatsache ist, dass mein Vater 1882 in Balatonboglár geboren wurde und während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1916 als Unteroffizier an der russischen Front gekämpft hatte und erst nach einer schweren Erkrankung ins Hinterland kommandiert wurde. Trotz seines hohen Alters mußte er noch 1940 in den Arbeitsdienst.
    Tatsache ist auch dass meine Mutter 1888 in Lepsény geboren wurde und einer ihrer Vorfahren als Honvéd 1848/49 an der Verteidigung Ungarns teilnahm. So dass meine Eltern wohl das Recht hatten einen ungarischen Reisepaß zu erhalten.
    Was mich betrifft, habe ich in einer Glosse im ES beschrieben, wie freundlich ich von einem reformierten Pfarrer 1938 behandeltl wurde und wie traurig ich es empfinde, dass 70 Jahre später ein anderer reformierter Pfarrer eine hysterische antisemitische Hetze betreibt.
    Ich habe Ungarn am 5. Januar 1943 mit einem ungarischen Reisedokument verlassen, in dem hereingestempelt war, dass ich nie wieder in das ungarische Königtum einreisen darf. Mein Leben hat also nicht Ungarn geretettet, sondern dass ich das Land rechtzeitig mit einem Kindertransport verlassen habe.
    Allerdings zählte ich einmal 36 nahe Verwandte zusammen, die während des Holocausts ermordet wurden weil sie Juden waren. Davon wurden 34 von Ungarn aus nach Auschwitz-Birkenau gebracht bzw. als Arbeitsdienstler von ihren ungarischen Bewachern ermordet.
    Was meine Tätigkeit als Journalist während der Kádárzeit betrifft habe ich alle III/III und III/II Papiere, die ich erhalten habe auf der betreffenden Homepage der CEU publizieren lassen.
    Und jetzt verabschiede ich mich für eine Weile, weil ich in die USA fliege, wo ein Film über mein Leben in meinem Beisein gezeigt wird.

    • @ Herr Pfeifer: Ich danke für Ihre Klarstellung bezüglich des besagten Artikels und ausdrücklich auch dafür, dass Sie uns ein wenig an Ihrer Familiengeschichte teilhaben ließen. Trotz unserer Differenzen bei der Bewertung der ungarischen Tagespolitik nehmen Sie mir hoffentlich ab, dass ich es für sehr wichtig halte, dass Überlebende dieser Zeit wie Sie der jüngeren Generation Ihre Erfahrungen kundtun. Irgendwann werden die letzten Zeitzeugen nicht mehr unter uns sein und wir müssen uns auf die Geschichtsbücher verlassen, die – wie Ungarn zeigt – auch nicht immer frei von politischem Denken sind. Was Ihre Ausreise 1943 angeht: Die komplette Verdrehung der Tatsachen, Ungarn hätte „Ihr Leben gerettet“, muss nicht weiter kommentiert werden. Wer in solchen Geschichtsbildern verhaftet ist, dem kann nicht mehr geholfen werden.

      Ich wünsche Ihnen erfolgreiche und/oder erholsame Tage in den USA.

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