Stalin nicht mehr Ehrenbürger von Budapest

Ja, Sie lesen richtig. Josef Stalin war bis Donnerstag, den 24. März 2011, Ehrenbürger der ungarischen Hauptstadt.

Der Budapester Stadtrat beschloss am Freitag, dem hohen Herrn die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Das Schicksal Stalins teilen Josip Jelačić, der die kroatische Armee im Jahr 1848 gegen Budapest führte, Feldmarschall Alfred Fürst zu Windisch-Grätz, der Anführer der österreichischen Truppen gegen den Freiheitskampf von 1848, sein Nachfolger Julius Freiherr von Haynau (die „Hyäne von Brescia“), der für die gnadenlose Abrechnung mit den Freiheitskämpfern und die Hinrichtung der 13 Märtyrer von Arad verantwortiche Feldzeugmeister, der für die Restauration tätige Alexander von Bach sowie Ivan Paskiewicz, der russische General, der den Habsburgern auf Geheiß des Zaren militärische Hilfe leistete.

Die ungarische Hauptstadt war seit der Wende von einer Koalition aus Liberalen und Sozialisten regiert worden. Erst seit den Kommunalwahlen 2010 stellt Fidesz-KDNP die Mehrheit in der Bürgerversammlung. Der Fraktionsvorsitzende der MSZP im Stadtat, Csaba Horváth, sprach in seinem Redebeitrag davon, Stalin sei nie Ehrenbürger der Hauptstadt gewesen. Oberbürgermeister István Tarlós verlas daraufhin einen Beschluss einen Stadtratsbeschluss vom 7. November 1947, durch den Stalin zum Ehrenbürger gemacht worden und der nie förmlich aufgehoben worden war. Einer der Unterzeichner des Beschlusses war  János Kádár.

Die Stadtratsmehrheit hatte im Jahre 2004 war einen symbolischen Beschluss gefasst, demzufolge Stalin „nicht als Ehrenbürger betrachtet“ würde, ein Vorschlag der damaligen Fidesz-Opposition, Stalin von der Liste zu streichen, wurde jedoch abgelehnt.

Zwei weitere „historische Gestalten“ sollen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Mátyás Rákosi ist bis heute Ehrenbürger von Szeged und Gyula Gömbös, einer der ungarischen Ministerpräsidenten unter Reichsverweser Miklós Horthy, Ehrenbürger von Orosháza.

Ein Kommentar zu “Stalin nicht mehr Ehrenbürger von Budapest

  1. Zu ergänzen wäre, dass im Falle von Orosháza die MSZP Gömbös die Ehrenbürgerschaft berechtigterweise aberkannt hatte, die aktuelle lokale FIDESZ-Regierung seinen Ehrenstatus aber wieder hergestellt hat.
    Die Bereinigung der Ehrenbürgerlisten ist eine nette symbolische Sache, wenn es um alte Leichen (im wahrsten Sinne des Wortes) wie Windisch-Grätz oder Bach geht. Stalin ist zugegebenermaßen ein anderes Kaliber.
    Werden nun auch die O-Busse alle neue Nummern erhalten? Schließlich wurde die Linie 70 anlässlich Stalins 70. Geburtstags eingeweiht… Oder geht das dann selbst Tarlos zu weit, inmitten von Szt. László híd und Presley tér?

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