TAZ-Blog: Ágnes Hellers „Objektivität“ hatte fatale Konsequenzen…

Der Blog der TAZ berichtet über eine Veranstaltung im „Haus der Kulturen der Welt“, bei der auch Ágnes Heller, weltweit bekannte ungarische Philosophin und Orbán-Kritikerin, sprach.

http://blogs.taz.de/hausblog/2011/04/09/niemand_wurde_erschossen_niemand_wurde_gefoltert/

In dem Blog-Beitrag wird erwähnt, dass einige Menschen am Haus der Kulturen anwesend waren, um mit Transparenten ihren Unmut über Ágnes Hellers Aussagen zu den Unruhen in Budapest im Herbst 2006 zum Ausdruck zu bringen.

Was war geschehen? Heller hatte auf Einladung der Grünen im EU-Parlament zur Situation in Ungarn aus ihrer Sicht gesprochen und Demokratie angemahnt. Auf die Frage einer EU-Abgeordneten (Krisztina Morvai von der rechtsradikalen Partei Jobbik), warum sie sich nicht zu Wort gemeldet habe, als 2006 – unter der Regierung von Sozialisten (MSZP) und Liberalen (SZDSZ) – die Polizei auf Demonstranten geschossen und Menschen gequält bzw. gefoltert worden seien, antwortete Heller, dass Krisztina Morvai „lediglich eine Fiktion präsentiere, nicht die Wahrheit“. Niemand sei erschossen, niemand sei gefoltert worden. Weitere Fragen zu diesem Thema, etwa der Fidesz-Abgeordneten Ágnes Hankiss, beantwortete Heller nicht, obgleich Hankiss darauf verwies, dass im Jahr 2006 zahlreiche friedliche Demonstranten zu Schaden gekommen waren.

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/20/kleine-ubersetzungsschule-mit-agnes-heller-to-shoot-at-und-to-shoot/

Tatsächlich hat Heller die Frage von Morvai ganz bewusst nicht beantwortet, allerdings sehr wohl dazu Stellung bezogen, nämlich mit der Aussage, das, was Morvai sage, sei eine „Fiktion“. Leider war es jedoch keine Fiktion, wie man hier und auf zahllosen weiteren Videos auf You Tube sehen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=H2pMVPk3j7w

Mehrere Menschen verloren durch Treffer von Gummigeschossen ein Auge, am Boden liegende Personen wurden mit Knüppeln malträtiert, Finger bereits fixierter Menschen wurden gebrochen, Verdächtige mussten auf der Polizeiwache stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen und sich beschimpfen lassen. Im Nachgang zu den Ereignissen wurde – ohne die Ermittlungen und die Aufklärung der Vorfälle abzuwarten – der Budapester Polizeipräsident vom Oberbürgermeister Gábor Demszky (SZDSZ) mit einem Orden ausgezeichnet. Das war sie, die Demokratie in 2006, zu der Ágnes Heller und viele andere seinerzeit schwiegen.

In Ungarn wurde die eindeutig verharmlosende Aussage Hellers in der rechten Presse zum Anlass für heftige (teils auch überzogene) Kritik genommen. Heller leugne die Vorfälle von 2006. Diese Bewertung ist im Hinblick auf die Behauptung Hellers, es handle sich um bloße „Fiktionen“ des rechten Spektrums, im Grundsatz korrekt. Im ungarischen Fernsehen rechtfertigte sich Heller damit: Wenn sie sich auf die Diskussion eingelassen hätte, wäre wohl der Eindruck entstanden, Ungarn sei wie Libyen. Jeder möge sich seinen Teil hierzu denken.

Was macht der TAZ-Blog aus dieser Chronologie?

Zunächst schreibt der Blog:

„Heller äußerte sich vor der Kommission in nur einem Satz zu diesen Ereignissen: „Niemand wurde erschossen, niemand wurde gefoltert.“

(…)

Doch was hat es mit der Aussage Hellers zu den Demonstrationen von 2006 auf sich? „Als mich die ungarische Abgeordnete vor der EU-Kommission mit der Frage nach den Ereignissen von 2006 provozieren wollte, war ich nicht bereit, mich auf diese Diskussion einzulassen. Ich war da, um über das Mediengesetz zu sprechen. Und außerdem bin ich im Oktober 2006 gar nicht in Budapest, sondern in den USA gewesen. Ich habe nicht mit eigenen Augen gesehen, was passierte.“ Sie leugnet die brutale Gewalt gegen die Demonstranten nicht, sie will nur nicht Dinge kommentieren, die sie nicht beurteilen kann. Ihre Objektivität hatte fatale Konsequenzen, denn in der ungarischen Presse wurde jener Satz falsch übersetzt. Aus ihrer Aussage, es sei niemand erschossen worden, machten die Zeitungen: Auf niemanden wurde geschossen. Aus ihrer Aussage, dass niemand gefoltert wurde, machten die Zeitungen: Niemand wurde verprügelt. Ihre Aussage wurde also verfälscht, so dass sie als Lügnerin dastand.

Zunächst einmal ist es einer Erwähnung wert, dass Heller nicht „vor der EU-Kommission“, sondern auf Einladung der Grünen im EU-Parlament erschienen, um vor interessierten Abgeordneten über die Situation in Ungarn zu sprechen. Sie äußerte sich auch nicht – wie der TAZ-Blog ausführt – in nur einem Satz zu den Vorkommnissen. Vielmehr sagt sie, der Vorhalt Morvais sei eine „Fiktion in Form einer Frage“. Sprich: Morvai erfinde etwas, was gar nicht stattgefunden habe.

Wurde wirklich falsch übersetzt, um die „objektive“ Frau Heller als Lügnerin darstellen zu können? Nicht wirklich. Denn Heller, die der damals noch in Regierungsverantwortung befindlichen SZDSZ nahestand, hat die Aussagen von Morvai tatsächlich als „Fiktion“ und damit unwahr bezeichnet. Dass jemand „erschossen“ worden sei, hatte niemand – auch nicht Morvai – behauptet.

Das Fazit Hellers verwundert nicht: Bei den Demonstranten vor dem Kulturhaus handele es sich „um ein paar Irre“. Und natürlich sei es die rechte Presse, die gelogen habe, um Heller als Verräterin darstellen zu können. Wie auch die Kritik an ihrer Person im Zusammenhang mit angeblich zweckwidriger Verwendung von Forschungsgeldern als Kritik „neidischer kleiner Philosophen“ abgebügelt wurde.

Was die Ereignisse von 2006 betrifft, versucht der TAZ-Blog ein wenig die Quadratur des Kreises: Die Übergriffe der Polizei von 2006 werden völlig zu Recht kritisiert, die verharmlosende Aussage Hellers hierzu aber irgendwie gerechtfertigt. Ob die Erklärung überzeugt, muss jeder Leser selbst beurteilen.

Weiterführend:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/20/ungarische-beitrage-zu-agnes-hellers-auftritt-in-brussel/

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/02/19/agnes-heller-im-interview-mit-dem-stern-kleine-philosophen-sind-eifersuchtig/

58 Kommentare zu “TAZ-Blog: Ágnes Hellers „Objektivität“ hatte fatale Konsequenzen…

    • @ Karl Pfeifer: Im Englischen heißt „to torture“ sowohl „foltern“, als auch „quälen“. Ich denke, dass das Brechen von Fingern bei einem Menschen, der am Boden liegt, darunter subsumiert werden kann. Auch wenn Sie, wie auch Frau Heller, das nicht wahrhaben wollen und gegen die Wahrheit ankämpfen, wie Sie uns seit Monaten hier vorexerzieren. Man kann nicht von „Fiktion“ sprechen, wenn es um Menschen geht, denen mit Gummigeschossen die Augen herausgeschossen werden. So ekelhaft die Person Morvai auch sein mag, in diesem Punkt hat Frau Heller schlichtweg Unrecht.

  1. Und können Sie auch berichten über die Störung einer Veranstaltung des schwedischen Pen-Klubs, weil dort György Bolgár sprach und über den Bericht des ungarischen Fernsehens darüber, das extra ein Team nach Stockholm geschickt hat, um darüber zu berichten.

  2. Meine Güte…
    Hier fanden Gespräche in englischer Sprache statt.

    Fragen wir Frau Heller ob sie die Tatsachen von 2006 leugnen will. Die Antwort wird „nein“ lauten.

    Ich halte diese fettgedruckte Morvai-Kritik durch „hungarianvoice“ für recht populistisch. Dann auch Frau Heller in einem Satz mit zu verwenden, für fahrlässig und respektlos. Frau Morvai ist eine „grosse“ Menschenfeindin.
    Man sollte „gerade hier“ unbedingt eine eigene Meinung besitzen.

    Fakten:
    1. Frau Heller ist über die Ereignisse 2006 informiert.
    2. Frau Heller hatte sicher nicht die Absicht Tatsachen zu verschweigen. Frau Morvai und die „Partei“ möchten dies bei vielen Dinge gerne.
    3. Frau Heller hat keinen Grund zu lügen. Sie sagte im EP zudem, dass sie keine Politikerin sei. Würde dies Frau Heller etwa helfen ihre Bücher zu verkaufen? Nein!

    • *Hier fanden Gespräche in englischer Sprache statt. *
      eben, und da würde man von jemanden der seit xyz Jahren (auch) im englischsprachigen Ausland lebt und unterrichtet ja erwarten, dass er die kleinen sprachlichen Unterschiede kennt.
      Besonders dann, wenn er von anderen behauptet sie könnten nicht mal das Wort Nietzsche aussprechen.

  3. @ kullancs: unwichtig. Sie hat keinen Grund etwas zu leugnen. Fragen wir sie erneut zu dieser Frage. Sie ist übrigens am 27.04. in Bremen. Ich frage sie dort. Ich werde alles aufnehmen. Ich hoffe wir werden von keinem Faschisten oder regierungsnahen Beamten hierbei gehindert.

    Letztendlich geht es hier um unseren Kampf für unsere Menschenrechte. Dies beinhaltet auch die freien Medien und eine ordentliche Gesetzgebung ohne „Glanz und Gloria“ vergangener Zeiten. Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

    SO sieht die Welt aus ! Nationalisten und Faschisten belagern die Menschen.

    „Agnes Heller hat es geschafft. Doch in ihrer Heimat hat sie trotzdem Probleme. Die ungarische Philosophin ist derzeit einer Hetzkampagne der regierungsnahen Presse ausgesetzt. Bei einem Weißwein sitzt die 81-Jährige im Garten. Als ihr Gegenüber sich eine Zigarre anzünden will, sagt sie: „Warte, Gaszi, ich hab etwas für dich.“ Sie holt eine Schachtel Streichhölzer aus der Tasche. „Die habe ich im Hotel geklaut. Jetzt gibt es etwas, was mir die ungarische Presse berechtigt vorwerfen kann.“ Sie lacht. In ihrer Heimat wird ihr vorgeworfen, Forschungsgelder veruntreut zu haben. Kurz darauf stören 15 ungarische Nationalisten ihre Veranstaltung über Zensur in Ungarn.“ http://www.taz.de/1/leben/taz-medienkongress-2011/artikel/1/revolution-ueberall/

    • Wer entscheidet denn, ob es sich um „15 ungarische Nationalisten“ gehandelt hat? Nach welchen Kriterien vergeben Sie diese Attribute? Waren es vielleicht auch Menschen, die sich einfach an Hellers Aussagen zu 2006 gestört haben? Und was lässt in Ihnen die Sorge aufkommen, in Bremen drohte der Auftritt von „Faschisten“? Sehr gelungen übrigens die Verknüpfung von „Faschisten oder regierungsnahen Beamten“.

    • *Letztendlich geht es hier um unseren Kampf für unsere Menschenrechte*

      um wessen Menschenrechte??
      unsere?Wer ist unsere?
      Das ungarische Volk?
      Na, da sollte man die ja erstmal dazu befragen,oder?
      Aber trotzdem schon mal schönen Dank, dass man so ganz uneigennützig für meine ( unsere) Rechte kämpft (Wir sind das Volk!! ) ….da war doch mal was???

      *Nationalisten und Faschisten belagern die Menschen.*
      ??????

      „Warte, Gaszi, ich hab etwas für dich.“ Sie holt eine Schachtel Streichhölzer aus der Tasche. „Die habe ich im Hotel geklaut. Jetzt gibt es etwas, was mir die ungarische Presse berechtigt vorwerfen kann“

      Daran sieht man, dass selbst Philosophen einen Hang zum Kindischsein haben.
      schönen Montag noch!!

  4. Nun die Störung einer Veranstaltung in Berlin und die manipulierte Berichterstattung zeigen, dass wir es hier mit einer Kampagne zu tun haben.
    Die Website galamus berichtet darüber im Detail:
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=63514
    Mir scheint das Einschiessen auf Heller ist für Hungarian Voice wichtiger als die Verteidigung der Menschenrechte.
    Hat nicht vor ein paar Jahren Viktor Orbán (V.O.) versprochen, die Ungarische Garde mit zwei Ohrfeigen auseinanderzutreiben?
    Was macht jetzt V.O.? Er weist seinen Innenminister öffentlich an, etwas zu tun. Doch es geschieht gar nichts, die schwarz gekleideten Nationalsozialisten marschieren auf und ab im Land. Davon kann man leicht ablenken, in dem man Heller unsinnige Vorwürfe macht.

    • @ Herrn Pfeifer: Wichtiger als die Verteidigung der Menschenrechte? Ich nenne das eine böswillige Unterstellung. Die Aussagen Hellers im Zusammenhang mit 2006 haben rein gar nichts mit der Verteidigung der Menschenrechte zu tun. Jedenfalls nicht der Menschenrechte derer, die damals zu Schaden kamen. Aber auf die richten Sie Ihr Hauptaugenmerk ja gerade nicht, wie Sie schon mehrfach klargestellt haben. Der Umstand, dass Heller von mir kritisiert wird, dürfte Ihnen – gerade im Hinblick auf Ihre eigenen Aussagen zu 2006 – wohl kaum das Recht geben, Zweifel an meinem „commitment“ auf die Menschenrechte zu hegen. Aber ich habe mich daran gewöhnt.

      Was die Entwicklung mit der „Ungarischen Garde“ und ihrer Derivate angeht, so hätte man mehr tun müssen. Aber auch Sie wissen, dass die Zahl der Aufmärsche seit dem Regierungswechsel deutlich zurückgegangen ist. Ein kleiner Trost, denn jeder Aufmarsch ist einer zu viel.

    • Von einem anderen Teilnehmer habe ich folgendes gelesen:

      „Frau Hellers Rede war für jeden, der die Situation in Ungarn etwas kennt eine Farce.

      Ihre Story begann mit der traurigen Geschichte vom jungen Mädchen, dass wegen Fidesz [sic!] jetzt schon mit 15 aus der Schule kommt und keine Arbeit mehr findet. Ja was soll das arme Kind mit 15 denn tun? Betroffener Blick in die ahnungslosen Reihen der Taz-Gäste, die betroffen zurückblicken.

      Moment! War die Schulpflicht nicht in Ungarn wie in fast allen anderen Ländern der westlichen Welt auch bis 16? Hat irgendwer was von einer Verkürzung der Schulpflicht durch Fidesz gehört? Nein? Lediglich, dass Fidesz erstmalig versucht, die Schulpflicht bei den Roma real durchzusetzen?
      Bravo, Frau Heller, Bravo! Was für ein ergreifendes Märchen. Sie können gerne krititik äußern, wenn es Fidesz mit dem Mediengesetz übertreibt oder anfängt Demonstranten zu verprügeln. Aber so was ist inhaltslose Proaganda.

      Als nächstes werden Kürzungen im Bildungswesen beklagt. Was soll Fidesz angesichts des geerbten Haushaltsdefizits machen? Die Ausgaben steigern und wie Griechenland enden? Sorry, aber nicht jeder glaubt an Keynes.

      Dann meint sie, Orban sei nicht populistisch, weil er ja Entscheidungen GEGEN das Volk treffe und nur die Oligarchie stütze. So was kommt beim taz-Leser an. Beispiele? Fehlanzeige.
      Der vorherige Ministerpräsident war nachweislich ein Oligarch, er gehörte als ehemaliger Funktionär später zu den 50 reichsten Personen Ungarns. Genau genommen blieben viele Ex-Funktionäre in der Sozialistischen Partei. Folglich ist MSZP die Partei der Oligarchen, nicht Fidesz, die zur Wendezeit kaum ökonomische Macht hatte.
      Wenn Fidesz die Oligarchen wirklich stützt (kann ich nicht ausschließen), dann wäre das folglich nicht einmal etwas Neues. Nur hat es Frau Heller bisher nicht interessiert.

      Auf die Frage, ob sie immer noch meine, dass am 23.10.2006 nichts passierte, gab sie vor dem Publikum nicht etwa zu, dass damals unter der Sozialistischen Regierung Polizeigewalt stattfand und ihr Vorwurf, entsprechende Aussagen seien eine „Fiktion“ ein Ausrutscher oder ein fehlerhaftes Englisch(verständnis) ihrerseits war. Sondern sie redet davon, dass sie einer „Hexenjagd“ ausgesetzt sei und nicht darüber sprechen will. Sie stellte dem Publikum die Debatte über ihre Aussage als „Interpretationsfrage“ und absichtlichen Übersetzungsfehler der von Fidesz kontrollierten ungarischen Presse dar. Dabei war ihre Aussage in Brüssel auf Englisch gehalten und hat im Englischen die gleiche Aussage, wie in der ungarischen Übersetzung.

      Als ich sie fragte, ob der autoritäre Führungsstil (sie nannte ihn „bonapartistisch“), den sie in Ungarn erkannt haben will nicht schon 2006 mit dem Niederknüppeln der Demonstranten, die Neuwahlen forderten, begann, druckste sie herum und redete irgend was schwacher Republik und von Nährboden für den Bonapartismus Orbans. Dass dieses Verhalten der Vorgängerregierung eindeutig undemokratisch war, sieht sie nicht ein.

      Am Ende wurde noch von Besuchern jeder aufgeschnappte Müll runtergespult:

      Das Schicksal des armen Senders Tilos (dt.: „Verboten“), der nach dem Senden des Lieder „It’s On“ von Ice T erstes und bisher einziges Opfer des Mediengesetzes wurde. Worum geht es eigentlich in dem Stück? Das arme aus politischen Gründen unterdrückte Lied handelt davon, eine zum Sterben bereite Gang für den Drogenhandel aufzubauen und alle Polizisten abzuknallen, die einem im Weg stehen.
      (Textauszug: „We’ll have to set up our own distribution, manufacturing, run a totally indipendent organization and operation. We still got our connections in Texas, Miami, New York, Chicago, Detroit and soldiers on the street willing to die. I can’t put any cut on the product… I just can’t live like that. But from now on if any cops get in our way… [3 gunshots]„)

      Orban, du verdammtes Fascho-Schwein und deine Zensurbehörde! Ihr unterdrückt nur abweichende politische Meinungen! Jeder hat das Recht, Mord zu propagieren! Wir filtern Ice-Ts Lied doch auch nicht raus. Oder? Kann man das Lied eigentlich in Deutschland im Radio hören? Nein, jugendgefährdend. Kann man das Lied in den USA im Radio hören? Erst nach 22:00, jugendgefährdend. Na wenn das so ist … Böses deutsches Mediengesetz, böse! Unsere Pressefreiheit ist also auch schon am Ende, die Diktatur ist schon lange da.

      Auch der geladene ungarische Journalist hielt das Beispiel für bedeutungslos, in Deutschland und Österreich wurde es aber zum Skandal und Beweis der eliminierten Pressefreiheit hochgekocht.

      Nächster Witz aus dem Publikum:
      Warum sind nur die armen Graswurzelbewegungen aus der Wendezeit in Osteuropa nicht so beachtet wie hier bei uns in Deutschland?

      Ähm… Deutschland: Einzige noch aktive Partei „Bündnis 90 „ist ein keines Anhängsel der Grünen geworden, Kleiner Anteil von 10% der Sitze im Parlament. Ungarn: Graswurzelbewegung „Fidesz“ ist nach rechts konservativ gewandert und hat 68% der Parlamentssitze. Dieser Amateur kennt nicht mal die grobe Geschichte der beiden großen Ungarischen Parteien, aber hat schon eine Meinung zur Situation in Ungarn! Alle Achtung!“

      Auch eine Sichtweise, nicht wahr Herr Pfeifer?

      • @ Richter: Erwähnenswert im Zusammenhang mit Tilos Rádió ist, dass in diesem Fall der „Verstoß“ überhaupt nicht nach dem seit 01.01.2011 geltenden, sondern nach dem alten Mediengesetz – das schon seit 1996 galt und über das sich keiner echauffiert hatte – beurteilt wurde. In einem Blog musste ich dagegen lesen, das Gesetz werde jetzt schon „rückwirkend“ auf alte Sachverhalte angewendet. Eine glatte Fehlinformation.

        Das Verfahren wegen des Ice-T-Songs wurde nach einer Anhörung eingestellt. Was ich als Fan nur befürworten kann 🙂

        Näheres hier https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/14/der-spiegel-ice-t-darf-rappen/ und über „Ice-T“ in der Suchfunktion.

  5. Hungarian Voice woher nehmen Sie Ihre Information, dass die Aufmärsche zurückgegangen sind?

    Hier eine realistische Reportage aus Ungarn:

    http://jungle-world.com/artikel/2011/14/42952.html

    Viktor Orbán versprach vor ein paar Jahren die Ungarische Garde mit zwei Ohrfeigen auseinanderzujagen. Nun ist er fast ein Jahr Ministerpräsident und die Garde marschiert ungestört.

  6. Jedenfalls wurde der Aufmarsch am 15. März auf dem Budapester Hösök tere aufgelöst, wenn auch etwas zaghaft. Es ist traurig für Ungarn was da an Geisteshaltung zu finden ist. Andererseits reicht es eigentlich, einen oder mehrere solche Gardistentreffen zu besuchen, um jegliche Angst davor zu verlieren – es ist eine Farce, wer sich bei der Budapester Garde herumtreibt. Eine schlagkräftige Miliz oder gar eine Gefahr für den Staat sieht anders aus. Ein wenig wird das auch in den Aufnahmen vom 15. März deutlich.

    http://www.fn.hu/belfold/20110315/pofont_kaptak_gardistak/

    Ich habe übrigens einen örtlichen Garde-Chef besucht und kann nicht sagen, dass ich da einem Faschisten begegnet wäre. Es wurden diverse Probleme mit den Zigeunern angesprochen, die größtenteils objektiv stimmten, aber die gesellschaftspolitische Forderung erschöpfte sich eigentlich darin, das Dorf möge einen Polizisten haben. Ich denke, das Garde-Problem lässt sich zumindest halbieren, wenn auf dem Land für mehr Sicherheit gesorgt wird. In Budapest, nebenbei gesagt, ist der antisemitische Ton der Garde ausgeprägter, hier sind die Miép-Erben zentriert. Aber der eigentliche Rückhalt für die Garde ist auf dem Land, da ist Jobbik zum Nachfolger der Kleinlandwirtepartei geworden, und die Themen sind Roma und Kartoffelklau, nicht Juden und Trianon.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article7127480/Was-ist-bloss-mit-den-Ungarn-los.html

  7. Einer der Teilnehmer der Diskussion hat heute ein Resümee in der TAZ veröffentlicht:

    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/eine-handvoll-protest/

    Ágnes Heller betrachtet das Thema „Was geschah 2006“ offenbar für erledigt. Im Beitrag heißt es:

    „Nach der einstündigen Demonstration am Samstag nahmen einige der glühenden ungarischen „Patrioten“ im Konferenzsaal Platz. Als die Zuschauer die Möglichkeit bekamen, Fragen zu stellen, sprangen die Demonstranten auf und fragten, ob Heller zu ihrer Aussage über die Polizeiattacken vor fünf Jahren weiter stehe. Sie antwortete auch in Berlin wie überall schon: sie wäre falsch wiedergeben worden, und damit sei die Sache für sie erledigt.“

    Es bleibt abzuwarten, ob Herr Behrens in Bremen mehr Glück hat.

  8. Sehr geehrter Herr Kálnoky,
    ohne jetzt 1:1 vergleichen zu wollen, gab es auch in der Weimarer Republik Beschwichtiger, die meinten die SA und SS seien ja gar nicht so gefährlich.
    Sicher war die diesbezügliche Politik der Regierungen seit 1990 ein Fehler, aber Orbán hat versprochen die Ungarische Garde mit zwei Ohrfeigen zu zerstreuen. Das macht er nicht, im Gegenteil er sendet Signale aus, die eindeutig sind.
    Zum Beispiel wenn er sich mit dem „Fäkal-Antisemiten“ Zsolt Bayer fotographieren läßt. So geschehen am 30.3.

    • Grüße Sie, Herr Pfeifer!

      Mich würde interessieren woher sie diese Aussage haben: „Orbán hat versprochen die Ungarische Garde mit zwei Ohrfeigen zu zerstreuen“ Vor allem die zwei Ohrfeigen sind mir ein Dorn im Auge. Kann man das irgendwo nachlesen?

      • Google Suche: „Orbán Viktor“ „két pofon“
        Ungefähr 20.100 Ergebnisse (0,08 Sekunden)

        Suchen Sie sich die passende Quelle von ganz rechts bis ganz links aus.

        Orbán und Fidesz haben diese Nachricht nie dementiert.

  9. In der heutigen Népszava gibt es einen detaillierten Bericht, wie in Berlin bei der TAZ Veranstaltung mit Frau Heller und TGM eine Frau Wabrosch Katalin versuchte die Veranstaltung zu stören und über ihren Spruch an den Echo TV Journalisten Szabó, „jetzt siehst Du von den zehn sind neuneinhalb Juden“
    http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=414225
    Ich denke, mit solchen Kampagnen wird der gute Ruf Ungarns ruiniert und erinnere mich an eine Festveranstaltung in Wien
    2006 wo der Ungarische Staat sich bei Österreich bedankte für die Hilfe und Aufnahme so vieler Ungarn 1956.
    Als der Name Gyurcsány fiel, verliess eine Bande von ein paar Dutzend laut Mutterflüche ausstossender Ungarn den Saal.
    Darüber berichtete der anwesenden NZZ Journalist.
    Solche Kampagnen schaden in erster Linie denen, die sie veranstalten.

    • Auf die Aussage hin „jetzt siehst Du von den zehn sind neuneinhalb Juden“ glaube ich nicht, dass es Beweise gibt. Wenn jedoch ja, sollte man diese darlegen oder die Sache ruhen lassen.
      Gyurcsány flucht selber, was das Zeug hält. (Siehe seine berühmt-berüchtigte Herbstrede) Er ging mit gutem Beispiel voran, jetzt erntet er seine Früchte.

    • 1. Ferenc Gyurcsány würde ich nicht mit einem Apfel geschweige denn mit einer Birne vergleichen. Wenn überhaupt, dann mit einer verfaulten Frucht.
      2. Pusztarangers Blog ist sowas von einseitig in der Berichterstattung und verfangen in seiner Ideologie, dass man es nicht mehr als ausgewogene Berichterstattung, sondern nur noch eine Hetzkampgne nennen kann. Wie auch immer, dort habe ich auch nichts Handfestes über die Aussage finden können. Gibt es eine Aufnahme oder ein namentlich genannten Zeugen, der das angeblich Gesagte von Frau Katalin Wabrosch bestätigen kann?

      • Da bin ich jetzt echt gespannt, was für eine Antwort kommen wird. Ich habe meistens nicht sehr viel Glück, wenn ich nach handfesten Quellen und Beweisen – egal, welcher Art – frage.

  10. Online-Leserbriefe unter Pseudonymen in der regierungnahen Budapester Tageszeitung „Magyar Hírlap“ vom Sonntag, 10. April zum Anlass des Medienkongresses der Taz

    Auszug aus 170 Beiträgen

    Leserbrief von „európa“: Diese zwei Ungeziefer sollten gemeinsam gehenkt werden, vor dem aufhängen jedoch einer genüsslichen Geltung unterwerfen.
    Leserbrief von „kala majka“: „Wenn die doppelte Staatsbürgerschaft dank dem Fidesz gewährt werden kann, dann sollte es möglich sein, diese auch WEGZUNEHMEN! Bitte, tun sie es so mit den beiden ungarnfeindlichen Schmutzfinken. TGM könnte dann wieder Rumäne sein [der Philosoph gehörte der ungarischen Minderheit in Ceausescus Rumänien] und Heller… was sie will: Israelit von Askenazi oder irgendeiner Ostpalestinenser.
    Leserbrief von „kala majka“: Diese Schmutzfinken sollten auf dem Rückweg aus Berlin an der Grenze VERHAFTET WERDEN wegen Ungarns Verunglimpfung (…) offenen und verdeckten Landesverrat. Dann können die Rechtschützer um ihre Freilassung flehen. (…)
    Leserbrief von „Ladár“: Diese aus unserem Geld studierten landesverräterische Schurken nützen ihre internationalen Kontakte aus. Sie versuchen in jeder Weise uns und die von uns gewählte Regierung zu kompromittieren. Jeder Mensch vom guten Gefühl empört ihre ekelhafte Haltung. Man soll ihnen die ungarische Staatsbürgerschaft wegnehmen und sie aus dem Land weisen. Schmutzige Landesverräter.
    Leserbrief von „Bélabá“: Ich weiss nicht, ob der Begriff Landesverrat in der neuen Verfassung erscheinen wird, aber das (…) was Heller und TGM machen, den Begriff des Landesverrats erschöpft und verdient bestraft zu werden.
    Leserbrief von „kobraa“: Warum gehen diese nicht nach Äthiopien zurück, von wo aus sie kommen?
    Leserbrief von „farkas“: Sie sind die Feinde des Landes und gehören in den Knast.
    Leserbrief von „empire“: Zum Guten sind sie unfähig, sie verbreiten Schmutz, na ja, sie leben davon gut, aber wer bezahlt diese Kollaboranten?
    Leserbrief von „klári“: Zwei schmutzige Juden, warum wohnen sie in Ungarn? Sie lebten gut unter der betrügerischen, diebischen Kommunistenregierung! (…) Diese Halunken gehören aus dem Land abgeschoben werden!!! Gehen sie zurück zu ihren Verwandten!
    Leserbrief von „öregbéka“: Sobald sie wieder in Ungarn ihren Fuss setzen, muss man sie verhaften und mit der Anklage Landesverrat zum tatsächlichen Lebenslänglich verurteilen (…)

    Magyar Hírlap erscheint am Wochenende in einer Auflage von 20 Tausend Exemplaren. Tägliche Besucherzahl der Onlineausgabe ist 30 Tausend.

    • Ach Herr Pfeifer, was wollen Sie uns mit diesen unerträglichen Hassbeiträgen beweisen? Dass es Antisemiten und Spinner gibt? Leute, die die Anonymität dazu missbrauchen, ihre Komplexe loszuwerden, Leute, die man auf der Straße nicht einmal nach der Uhrzeit fragen würde? Das wussten wir schon vorher. Es beweist im Hinblick auf die ungarische Gesellschaft gar nichts. Glaube ich zumindest.

  11. Herr Pfeifer wird noch, von den Fäkalien die er ständig im Mund hält, ganz gelbe Zähne und Mundgeruch bekommen.
    Na ja,jedem was er verdient.

  12. Lieber Herr Pfeifer,

    Es ist eine auch auch von anderen ausländischen Kommentatoren als bizarr empfundene deutsche Eigenart, in der gegenwärtigen Ungarndebatte selbstzentriert von Nazi-Ängsten zu schwadronieren. Das mag etwas mit deutschen Psychosen zu tun haben, mit der ungarischen Realität hat es wenig zu tun.

    Zsolt Bayer ist übrigens noch sehr viel fäkaler Anti-Jobbik, wenn Sie seinen Artikeln folgen. Ein Grund warum Jobbik derzeit eher an Rückhalt verliert, und die Garde auch. Das soll ihn nicht entschuldigen – aber seine vielleicht falsche Duldung durch Fidesz ist vor allem in diesem taktischen Licht zu sehen.

    Noch ein Rat zur korrekteren Einschätzung der Lage. Die Nazizeit war in Deutschland, und vor 70-80 Jahren. Sie werden Ungarn erst verstehen, wenn sie an die ungarische und sehr viel jüngere Vergangenehit denken. Die ist auch nicht bewältigt worden, und sehr viel wacher im ungarischen Bewusstsein. Es ist eine Tatsache, dass sowohl zur Zeit der Räterepublik als auch in den ersten Phase des ungarischen Stalin-Kommunismus das kommunistische Führungspersonal sehr sichtbar jüdisch geprägt war. Das zu verstehen, und auch deutlich zu sagen, darf nicht als antisemitisch ausgelegt werden, ebenso muss gesagt werden dürfen, dass die Kun-Kommunisten und Stalinisten eine Bande von Raubmördern waren.

    Sie werden den ungarischen Antisemitismus, so verurteilenswürdig er ist, nur in diesem Licht verstehen können. Das hat sehr viel weniger mit 1944 zu tun als mit 1948 und den Jahren die folgten. Eine erfolgreich klärende Debatte darf nicht von falschen Prämissen ausgehen. Also bitte weniger Nazi-Vergleiche und mehr Kommunismus-Bewältigung.

  13. Hungarian Voice. Was ich damit beweise ist, dass in einer Fidesznahen Zeitung im moderierten Teil solche Ansichten massiv erscheinen. Das zu verharmlosen, es handle sich da um Spinner bleibt Ihnen vorbehalten.
    Solche Ergüsse könnten weder in Deutschland noch in Österreich online in regierungsnahen Blättern publiziert werden.

    Tenderli ich weiß nicht ob Sie etwas von Karl Kraus gelesen haben. Er hat sich lustig gemacht über diejenigen die von Nestbeschmutzung schreiben und reden. Anstatt mich zu loben, dass ich über diese ungustiösen Erscheinungen im Fidesz-Dunstkreis berichte, unterstellen Sie mir unverschämt einiges. Das sagt mehr aus über Sie als über mich.

    Werter Herr Kálnoky, ich publizierte in Élet és Irodalom 2008 eine Glosse darüber das der als Jude geborene Rákosi weniger Ungarn hinrichten liess als der als Katholik geborene Kádár.
    http://www.es.hu/2008-06-23_megoldottak
    Wollen Sie hier suggerieren, dass es
    den Gehängten unter Kádár – unter denen auch ein Auschwitz-Überlebender war – angenehmer war gehängt zu werden, weil doch Kádár als Katholik geboren war?
    Wollen Sie die antisemitische Hetze im Fidesz-Dunstkreis etwa mit dem Fakt entschuldigen, weil doch Rakosi und einige seiner Kumpanen als Juden geboren waren?

    • Lieber Herr Pfeifer,

      Kádár regierte 32 Jahre, Rákosi nur ein paar Jahre, kein Wunder dass da mehr Opfer anfallen, zumal unter Kádár die anfänglichen Repressionen für ’56 fielen. Hier ein „mehr“ und „weniger“ zu behaupten setzt Verhältnismässigkeiten voraus, die Sie hoffentlich beachteten, oder die Èlet és Irodalom hoffentlich beachtete.

      Man kann übrigens nicht katholisch und kommunistisch sein, versuchen Sie es einmal. Kadar wurde ursprünglich nicht katholisch erzogen, was seine tatsächlich katholische Mutter überrascht feststellte – die ihn gegen Bezahlung zu Pflegeeltern gegeben hatte. Bereits in früher Jugend fand er dann zum atheistischen Kommunismus.

      Im übrigen meinte ich mehr den Effekt auf die ungarische Psyche und mehr Ernö Gerö und seine Kumpanen – wer weiss, wäre der „katholische“ Kádár gleich auf Rákosi gefolgt, statt Gerö, vielleicht hätte es ’56 gar nicht gegeben. Vor allem dringe ich aber darauf, von den langweiligen SS und SA-Vergleichen wegzukommen, die Sie Sie so gerne anbringen. Reden wir doch lieber über die Realität. Der gegenwärtige ungarische Antisemitismus is durch die kommunistische Zeit mehr bedingt als durch die faschistische. Das sollte endlich mal erkannt werden.

      Wer mehr hinrichten lässt oder liess, hängt nicht davon ab ob er Katholik oder Jude oder sonstwas ist oder war. Sie scheinen da rassisch oder religiös zu diskriminieren, noch dazu offenbar öffentlich.

      Was zählt ist im gegenwärtigen Zusammenhang der deutschen Berichterstattung, den nie erwähnten Kontext der tatsächlich jüdisch geprägten Führungsriege beider kommunistischer Regime in Ungarn aufzuzeigen, und vor allem dessen Wahrnehmung im Volk, sonst wird man nie verstehen, worum es eigentlich geht.

      • Hallo Herr Kálnoky,

        *Sie werden den ungarischen Antisemitismus, so verurteilenswürdig er ist, nur in diesem Licht verstehen können. Das hat sehr viel weniger mit 1944 zu tun als mit 1948 und den Jahren die folgten. Eine erfolgreich klärende Debatte darf nicht von falschen Prämissen ausgehen. Also bitte weniger Nazi-Vergleiche und mehr Kommunismus-Bewältigung.*

        Ob man das überhaupt hören will??

      • Sehr geehrter Herr Kálnoky,
        dass der gegenwärtige weit verbreitete Antisemitismus zu tun hat mit der kommunistischen Periode habe ich nie geleugnet. Nur – und das schreibe ich wegen Zeitmangel etwas verkürzt und bitte dies zu entschuldigen – anders als man das heute in Ungarn zu hören bekommt.
        Denn Fakt ist, dass die Mehrheit der heutigen Antisemiten und mit Schaum vor den Mund sprechenden „Antikommunisten“ sich sehr gut im Kadar-Regime angepasst haben. Heute es so einzustellen, als ob „die Juden“ unter Kádár geherrscht hätten, ist eine totale Verkennung der damaligen Situation. Im übrigen haben sich viele „echte Ungarn“ während der Räterepubik 1919 auf die Seite von Bela Kun gestellt, weil ja diese versucht hat Ungarn zu verteidigen, während sich Horthy von den Alliierten und den Rumänen die Ungarn zerstückelten hat zur Macht bringen lassen.
        Wenn heute Fidesz den eigenen ehemaligen Kommunisten und III/III und III/II Spitzeln alles verzeiht und die Kommunisten nur bei den Gegnern (oder wie sie verkünden bei ihren zu vernichtenden) Feinden ortet, dann ist das auch ziemlich durchsichtig.

        Rakosi regierte doch nur wenige Jahre, während Kadar sein Pensum an Erhängungen in kürzester Zeit nach Niederschlagung von 1956 erfüllte.
        Meine Schreibe war natürlich ironisch. Zum Glück verstehen das die Leser von ES.
        Was aber auch nachwirkt, ist der Antisemitismus in der Horthy Zeit, der für alles was schief gelaufen ist die Juden verantwortlich machte.

        Der dumpfe Antisemitismus, der heutzutage wieder in Ungarn salonfähig geworden ist, schadet in erster Linie – so denke ich – nicht den wenigen Juden in Ungarn, sondern den Antisemiten – die glauben damit eine Welterklärung zu haben – und Ungarn.
        Die Behauptung Ungarn wäre ein christliches Land beruht auf dem bei vielen Ungarn üblichen Sprachgebrauch, wonach Christ zu sein, nicht die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche oder zur christlichen Ethik bedeutet, sondern ein Synonym für nichtjüdisch zu sein.
        Wenn Fidesz nahe Medien ihre christlichen Werte betonen und gleichzeitig antisemitische Texte bringen, dann stehen sie ideologisch ganz in der Tradition von Bischof Ottokár Prohászka und nicht in der Tradition von Mihály Babits.
        In Österreich hat (sowohl die linke wie die rechte) Elite eingesehen, mit Antisemitismus kann man keine Sympathien in den Demokratien erhalten.
        In Ungarn ist die Fidesz-Elite hingegen anscheinend beratungsresistent. Denn was soll das bringen, ein paar Leutchen in Berlin gegen eine Veranstaltung mit A. Heller und T.G.M. protestieren lassen, am Ende kommen doch all diese Medienmanipulationen wie sie sich in Ungarn jetzt häufen heraus.
        Ich habe schon andernorts über den perversen Versuch eines ung. Staatssekretärs geschrieben die ungarische Geschichte umzuschreiben. Auch das fällt zurück auf diejenigen, die ihn dazu gebracht haben, sich als Historiker-Scharlatan zu betätigen.
        Ich resümiere, nur die allerdümmsten und allergemeinsten Ungarn glauben, dass die Deportation der fast einer halben Million ungarischer Staatsbürger im Frühjahr 1944 mit Zustimmung Horthys und der von ihm eingesetzten Regierung und durchgeführt durch die ungarische Gendarmerie ein Racheakt für die paar Monate Räterepublik war, denn die Rache dafür haben die Sondereinheiten Horthys nach der Niederschlagung 1919 durchgeführt.
        Man wird all das nicht den Pfeilkreuzlern – die genügend eigene Verbrechen begangen haben – in die Schuhe schieben können.

      • Lieber Herr Pfeifer,

        Also „verkürzt“ war das fürwahr nicht. Kurzu dagegen meine Antwort. Natürlich schadet Antisemitismus dem ungarischen Image. Zur Hälfte weil er existiert, zur Hälfte weil er – vor allem in Deutschland – verfälscht dargestellt wird. Das gilt es zu korrigieren, wozu dieser Blog einen dankenswerten Beitrag leistet.

        Fidesz sehe ich eher in der Tradition von Bischof Vilmos Apor und dem katholischen Widerstand der Legitimisten gegen Nazis, Pfeilkreuzler und Holocaust. Ihre Interpretation der Bedeutung von „christlich“ als Identität in Ungarn ist falsch und so krampfhaft argumentiert, dass es sich im Grunde selbst entkräftet.

  14. Sehr geehrter Herr Kálnoky,
    mit Apor und dem Widerstand gegen die Nazi haben diese Rehabilitierer des Horthyregimes wenig am Hut. Lesen Sie doch wie Staatssekretär Gál die Geschichte umschreiben möchte. Zu behaupten, dass Horthy und seine Administration nicht mitverantwortlich sind für die Deportation von ca. 500000 ungarischen Staatsbürgern im Frühjahr 1944 und sich dann brüsten, dass doch Horthy Anfang Juli 1944 die Deportation der Juden und „Juden“ aus Budapest verhindert hat, d.h. zu leugnen, dass derjenige, der verhindern konnte für die Deportation vorher mitverantwortlich ist.
    Die Verharmlosung vom durch Fidesz salonfähig gemachten Antisemitismus in fidesznahen Medien wird zurecht in Deutschland beanstandet. Da glaubt man mit ein paar „Hofjuden“ wie T. Deutsch die Kurve kratzen zu können.
    Die allermeisten Ungarn haben keinerlei Ahnung was Christentum ist, viele benützen das Wort Christ als synonym für Nichtjude und die haßerfüllte Rhetorik der Fideszpolitiker hat nichts mit Christentum zu tun.

    Antisemitismus ist in erster Linie nicht wegen dem schlechten Image übel, sondern weil es ein falsches Welterklärungsmuster ist. V.O. hat ja erst unlängst bestätigt, dass es keine jüdische Verschwörung gegen Ungarn gibt. Allein das zeigt schon, wie verbreitet der Antisemitismus in Ungarn ist.
    Es besteht kein Grund diesen auf die leichte Schulter zu nehmen.
    Natürlich denke ich nicht, dass Fidesz deswegen scheitert. Eher an ihrer Unfähigkeit das Land vorwärtszubringen. Sie sind nicht weniger korrupt als ihre Vorgänger, nur verärgern sie jetzt viel mehr Ungarn als diese.
    Allerdings ist die Tatsache, dass die Regierung Orban wie ihre Vorgänger nicht auf das Gewaltmonopol des Staates bestehen ein Skandal. Ich habe oft genug seit Gründung der Ungarischen Garde, bei der Fideszabg. Maria Wittner eine Rolle spielte und deren Fahnen von den Klerikern der „historischen Kirchen“ gesegnet wurden, über diesen Skandal geschrieben. Und wenn Sie verehrter Kollege diese Sachverhalte irgendwie wegerklären versuchen, mit dem Hinweis darauf, dass man sich doch in Ungarn an die Rolle von Juden 1919 und nach 1945 erinnert, dann bestätigen Sie voll und ganz damit meine Aussagen über den salonfähigen Antisemitismus in Ungarn.

  15. Lieber Herr Pfeifer,

    Sie „wissen“ was im Innern der „allermeisten Ungarn“ vorgeht, wenn vom Christentum die Rede ist. Respekt! Das kann so leicht kein seriöser Mensch behaupten 😉

    Was Horthy betrifft, stimmt natürlich beides, er machte mit, und dann machte er nicht mehr mit, beides muss beachtet werden und auch der persönliche Druck, unter dem im Frühjahr 1944 er stand, denn wenn ich es richtig erinnere, hatten die Nazis seinen Sohn entführt. Übrigens Herr Pfeifer, rein technisch-rhethorisch gesehen erinnert mich ihr Stil stark an Bayer Zsolt, immer schön übertreiben und jede Nuance ausblenden, dazu ethnisch-religiöse Hetze, in Ihrem Fall gegen Christen und alles was politisch zu einer christlichen Auffassung neigt.

  16. Werter Herr Kálnoky,
    um modernes Heidentum festzustellen, muss man nicht in die Leute hineinschauen. Da gibt es genug Berichte und
    ich habe seinerzeit (80er Jahre) sehr viele Gespräche mit Aktivisten katholischer Gruppen geführt und ich habe engen Kontakt mit ungarischen Christen, die über die weit verbreitete Unwissenheit berichten.
    Das betrifft natürlich nicht nur Ungarn, sondern auch das Gebiet der ehemaligen DDR und Tschechien. Nicht aber Polen.
    Darüber gibt es auch genug Untersuchungen.
    Übrigens kann man das gleiche Phänomen auch in Österreich wahrnehmen.
    Wenn ich bestreite, dass Fidesz sich an christliche Prinzipien hält, hetze ich da gegen Christen? Seit wann ist das Prinzip hasse Deinen Nächsten wenn er nicht 100% an V.O. glaubt ein christliches Prinzip.
    Und Ihre Retourkutsche mit Bayer ist billig und lächerlich. Ich habe über das Schicksal katholischer Waffendienstverweigerer geschrieben, als noch Kardinal Lekai für die unbedingte Verteidigung der sozialistischen Heimat mit der Waffe eintrat.
    Da hat sich dieser Würdenträger unsäglich in Österreich blamiert als er in einem Gespräch mit katholischen Journalisten meinte, Ungarn müssen mit der Waffe in der Hand die sozialistische Heimat verteidigen, auch dann wenn es nur von sozialistischen Staaten und vom neutralen Österreich umgeben ist.
    Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ veröffentlichte am 14.7.1986 folgende Meldung auf der ersten Seite:
    „Österreichischer Journalist aus Ungarn ausgewiesen“
    … und ist freier Mitarbeiter der liberal-katholischen kulturpolitischen Wochenschrift „Die Furche“. Der Journalist hatte in den vergangenen Monaten unter anderem über katholische Wehrdienstverweigerer und die jüdische Friedensguppe Schalom in Ungarn geschrieben.“
    Als das geschah waren noch einige wichtige Politiker der Fidesz Kommunisten.

  17. Lieber Herr Pfeifer,

    Ich wusste nicht dass sie für die Furche schrieben. Ich urteilte anhand ihrer Ausfälle hier, die oft „christlich“ mit „faschistoid“ gleichzustellen scheinen. Ich kann damit, als ungarischer Christ, überhaupt nichts anfangen. Ihr Pauschalurteil ist atemberaubend falsch und, falls irgendwo veröffentlicht, im Grunde Volksverhetzung oder wie man das auf deutsch nennt. Auf keinen Fall diskussionswürdig, und ich werde auf derartige Auswüchse auch nicht mehr mit Replik reagieren.

  18. Werter Herr Boris Kàlnoky,
    sie gehen nicht ein auf meine Argumente, weil Sie keine Gegenargumente haben. Sie wiederholen ohne jeglichen Beweis, ich würde gegen Christen hetzen.
    Im österreichischen StGB gibt es einen Verhetzungsparagraphen. Wenn Sie ernsthaft der Meinung sind, ich würde hetzen, dann steht es Ihnen frei mich bei der Wiener Staatsanwaltschaft anzuzeigen.
    Was Sie hier zeigen ist vollkommene Dialogunfähigkeit die sie – ohne jegliches Substrat – mit Unterstellungen kaschieren. Ich behalte mir vor – wegen Ihren haltlosen Vorwürfen – diese ganze Diskussion zu publizieren.

    • @ Herrn Pfeifer:

      „In meiner Erinnerung taucht eine oft durchlebte Situation aus meiner Volksschulzeit in Baden bei Wien auf: Als einziges jüdisches Kind meiner Klasse musste ich während des katholischen Religionsunterrichtes das Klassenzimmer verlassen. In der auf den Religionsunterricht folgenden Pause beschimpften mich meine Mitschüler regelmäßig als „Gottesmörder“ und warfen mir vor, „den Heiland gekreuzigt“ zu haben. Ich wurde angerempelt und herumgestoßen. Der Katechet aber stand im ersten Stock am Fenster, blickte auf die muntere Kinderschar und lächelte gütig. Christliche Werte. Es schien mir damals, dass ich einer sehr harten Prüfung ausgesetzt war. Und doch war das nur ein Vorspiel.“

      http://derstandard.at/1231153143736/Kommentar-der-anderen-Kein-Bedarf-an-christlichen-Sonntagsreden

      Sind Sie wirklich der Auffassung, dass das Beschimpfen von Juden als Gottesmörder „christliche Werte“ prägt? Das Bild vom „gütig lächelnden Katechat“ soll dem Ganzen wohl noch den Segen von (ganz) oben verleihen… Hin und wieder versteigen Sie sich zu Aussagen, die gegenüber dem Christentum jede Fairness vermissen lassen. Dazu dann die These, der Begriff „christlich“ sei in weiten Teilen der Gesellschaft ein Synonym für „nichtjüdisch“. Nun, woran erkennen Sie denn, ob Sie es mit einem praktizierenden Christen oder einem Antisemiten, der das nur als Code benutzt, zu tun haben?

      Besteht bei dieser Sichtweise nicht die Gefahr, dass Leute, die sich als „Christen“ sehen, in ein falsches Licht gerückt werden nach dem Motto: „Hm, der nennt sich Christ, das bedeutet bestimmt eine latente Ablehnung der Juden“. Passend dann auch die Verknüpfung von Ihren Erfahrungen mit angeblichen „christlichen Werten“, die natürlich gar nichts Christliches haben. Den letzten Satz lese ich (ich kann mich täuschen) denn auch so: „Christliche Beschimfungen von Juden“ als „christliche Werte“, das wiederum als Vorspiel (ideologischer Wegbereiter?) des Holocaust. Voilà: Da wäre sie, eine Verbindung, die in dieser Pauschalität kaum zutreffen dürfte. Keiner zweifelt an, dass es in der Kirche Antisemitismus gab und gibt. Die Kirche ist als große Religionsgemeinschaft ein Abbild der Gesellschaft. Sehen Sie sich die inneren Widersprüche eines Kardinal Faulhaber in der Nazizeit an. Oder Pater Rupert Mayer, der dem Widerstand angehörte – letzteres ist meines Erachtens ein christlicher Wert, nicht das Verspotten eines jüdischen Buben auf dem Schulhof in Baden bei Wien.

      • *Hm, der nennt sich Christ, das bedeutet bestimmt eine latente Ablehnung der Juden*
        Da drängt sich mir doch die Frage auf:
        Wie ist das dann bei den konvertierten Juden?
        (nur 2 Beispiele) z.B Senyi Imre oder Sík Sándor stb.

    • Sehr geehrter Herr Pfeifer,

      aaach, ich bitte Sie, wie oft sind Sie auf meine Argumente nicht eingegangen?
      Man muss nur unsere Diskussion hier

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/03/20/kleine-ubersetzungsschule-mit-agnes-heller-to-shoot-at-und-to-shoot/

      anschauen. Nur als Beispiel, von den den übrigen Diskussionen gar nicht zu sprechen.
      Sie nahmen von meinen Argumenten keine Notiz, wiederholten nur monoton Ihre Ansichten über den „Mob“ und wollten dann wieder nur auf Morvai und den Rassismus ablenken (so wie hier auch!), ohne zu Heller und 2006 Stellung zu nehmen.

      Gleichzeitig schreiben Sie andauern solche Pauschalverurteilungen, wie
      – Die meisten Fideszler würden so denken wie Bayer Zsolt (sind ergo Rassisten)
      – Fidesz-Politiker (sic! quasi alle?!) lügen (selbst wenn sie nur das Mediengesetz wortgetreu wiedergeben)
      – Die allermeisten Ungarn hätten sich einfach so mit dem Kommunismus arrangiert.
      – Und nun: Die allermeisten Ungarn würden das Christentum nur als Code für ihren latenten Antisemitismus oder zumindest für Differenzierung zwischen Juden und anderen verwenden und hätten ansonsten keine Ahnung, was Christentum bedeutet.
      – Aja, das mit dem „sich-arrangieren“ kam nun auch wieder als Pauschalverurteilung vor.

      Wenn Sie nach alldem nun schreiben

      „Sie gehen nicht ein auf meine Argumente, weil Sie keine Gegenargumente haben.“

      „Was Sie hier zeigen ist vollkommene Dialogunfähigkeit die sie – ohne jegliches Substrat – mit Unterstellungen kaschieren.“

      ist das nur noch lustig.

      Sie bringen selber keine Gegenargumente, treffen jedoch pauschale Urteile über die „allermeisten“ Ungarn, Christen, Fideszmitglieder, und sogar über ihre GEDANKEN ohne mit der Wimper zu zucken.

      Wenn Sie als Journalist nun aber Herrn Kálnoky damit bedrohen, Sie würden seine Aussagen publizieren – wohl in einem Artikel, den Sie verfassen – dann ist das nun wirklich nicht die feine Art.
      Sie könnten über ihn schreiben, was Sie wollen, in einer österreichischen oder deutschen Zeitung, wovon er wahrscheinlich nicht mal erfahren würde und könnte sich auch nicht öffentlich verteidigen und seine Meinung wiedergeben.

      Aussagen aus einem Forum, in dem Dialog möglich ist, herauszunehmen und dann in einem Medium zu publizieren, in dem kein Dialog möglich ist, ist mehr als nicht „gentlemanlike“.

      Es ist auch bezeichnend, dass nun hier – bei einem Artikel über Prof. Hellers Aussagen zum Herbst 2006 – dank Ihnen es nun wieder nur noch um den Antisemitismus und Rassismus der Ungarn, der ungarischen Konservativen und der Christen geht und überhaupt nicht mehr um den Artikel selber.

      • Rudolph: was wollen Sie uns da erklären, dass die meisten Ungarn während des Kádárregimes Widerstand geleistet haben?
        Ich fälle kein moralisches Urteil wenn ich feststelle, dass dem nicht so war.
        Der Kreis derjenigen, die wirklich keine Kompromisse mit dem Kadarregime machten beschränkte sich auf ein paar Tausende. Diejenigen, die nach 1989 erklärten, sie hätte Widerstand geleistet, waren in der Mehrheit nicht dabei.
        Nach 1945 meldeten sich sehr viele Österreicher als Widerstandskämpfer, die es nicht waren. Österreichische Historiker haben bewiesen, dass es verhältnismässig nur wenige gab.
        Wie es auch nur wenige Judenretter gab. Die bekannte katholische Wissenschaftlerin Erika Weinzierl hat darüber einen Bestseller publiziert
        Zu wenig Gerechte. Österreicher und Judenverfolgung 1938-1945. Graz, Wien, Köln 1969, 1985 1986 und 1997
        Meine Ansichten über Ungarn können in meinen vielen Artikeln nachgelesen werden und da befinden sich nicht die Pauschalurteile, die Sie mir unterstellen.
        Erst unlängst beschuldigte mich ein Poster gelogen zu haben. Ich hätte von Orbans faschistischen Verbündeten geschrieben. Ich las wieder meinen Text und fand diesen Satz nicht. Dass der Redakteur des Blogs dies zu einem Bild als text schrieb wußte ich nicht.
        In den Vorträgen, die ich über Ungarn halte, passierte es schon, dass ein Zuhörer vom „Horthyfaschismus“ sprach. Solches habe ich immer korriegiert, ohne natürlich das Horthyregime zu beschönigen. Aber es war nicht faschistisch. Es begann mit einem Blutbad und endete mit einem Massenmord. Aber dazwischen war die Sozialdemokratische Partei im Parlament vertreten und es gab auch Gewerkschaften, die nicht vom Staat abhingen.
        Natürlich können Sie jetzt weiter gegen mich polemisieren. Aber ich würde Ihnen raten, sich doch damit in erster Linie auseinanderzusetzen, was ich veröffentliche.

      • „Der Kreis derjenigen, die wirklich keine Kompromisse mit dem Kadarregime machten beschränkte sich auf ein paar Tausende.“

        Quelle? Nachweis?

        In diesem Fall gehörten aber interessentarweise so ziemlich alle meiner Verwandten und alle Freunde meiner Familie diesen paar Tausend an. Was für ein Zufall.

        „Meine Ansichten über Ungarn können in meinen vielen Artikeln nachgelesen werden und da befinden sich nicht die Pauschalurteile, die Sie mir unterstellen.“

        Ich unterstelle Ihnen gar nichts.
        Ich gebe Ihre Aussagen, die Sie hier treffen, einfach wieder. In diesen Aussagen treffen Sie Urteile über eine Menge von Menschen und über die Denkweise von einer Menge von Menschen. Tatsächliche historischen, soziologischen Untersuchungen und Beweise haben Sie bislang keine angeführt. Ich bitte Sie um die Bekanntgabe jener Quelle, jener – mit wissenschaftlichen Methoden durchgeführten – Untersuchung, aus welcher Sie ableiten, dass die meisten Ungarn den Begriff „Christ“ als „Nicht-Jude“ benützen und dass die meisten Ungarn nicht wissen, was Christentum heißt.
        Ebenso bitte ich Sie um derartige Nachweise Ihrer sonstiger Behauptungen.

        Ansonsten sind sie nur Behauptungen.

        Wenn Sie in Ihren sonstigen Artikeln nicht derartige Behauptungen aufstellen, ist das schön. Mit Ihren hiesigen Behauptungen hat das aber nichts zu tun.

        Aber nachdem wir erstens über derartige Themen schon diskutiert haben und Sie für Ihre Aussagen selten stichhaltige Beweise anführen konnten („Martonyi lügt“ oder auch zur Untermauerung Ihrer Thesen bezüglich 2006), gleichzeitig aber nicht bereit sind, auf Argumente einzugehen, die Ihnen nicht genehm sind (siehe wieder Martonyi oder 2006) und Sie natürlich auch hier nicht auf das Wesentliche eingegangen sind (Ihre Art, mit Publikation zu drohen, wenn der andere sich dagegen wahrscheinlich nicht verteidigen kann), werde ich mich Herrn Kálnoky anschließen.

        Ansonsten:
        „Rudolf“ mit „f“, wenn ich bitten darf. So schwer kann das nicht sein.

  19. Hungarian Voice Sie wollen also mit einem aus dem Kontext gehobenen Zitat etwas beweisen, was ich nie behauptet habe und was der Leser, der sich die Mühe nimmt den ganzen im Standard gedruckten Artikel zu lesen auch versteht.
    Es ist bedauerlich wenn Menschen, die einen Blog herausgeben keine Ironie verstehen. Natürlich hätte ich gewusst, wie Leute Ihres Schlages das auffassen hätte ich das so geschrieben: Christliche Werte (Ironie).
    Wie können Sie nur da hineininterpretieren, dass Christliche Werte meiner Meinung nach Antisemitismus inkludieren?

    Ich habe weder die Zeit noch Lust Ihnen und den Lesern Nachhilfeunterricht in ungarischer Geschichte zu geben. Doch das muss schon hier gesagt werden, dass Bischof Ottokár Prohászka bereits 1920 in einem deutschen völkischen Verlag eine rassistisch-antisemitische Broschüre (interessanterweise mit Hakenkreuz am Titelblatt) publizierte.
    Und welchen christlichen Werten hat es entsprochen, dass die Würdenträger der ungarischen katholischen Kirche für die Juden diskriminierende Gesetze (1938-43) stimmten?

    Ich wurde nach meiner dritten Ausweisung aus Ungarn
    am 19. März 1987 in das ungarische Aussenamt zitiert, wo mich der damalige stellvertretende Chef der Presseabt. ein Herr Dipl. Ing Szabó empfing und mich u.a. mit der Erklärung der ungarischen katholischen Bischöfe vom 23. Oktober 1986 konfrontierte, die für die Verteidigung der sozialistischen Heimat mit Waffen eintrat.
    Ich habe mich für die Katholiken eingesetzt, die damals in Gefängnissen ihre Strafe verbüßten, weil sie nicht zur Waffe greifen wollten. War das antichristlich?
    Hätte ich wie die Würdenträger der Kirche sagen sollen, die verdienen keine Hilfe, hätten sie doch dem Kaiser gegeben…?

    Es gehört schon eine ziemliche Portion Rabulistik wenn Sie Hungarian Voice mich als einen Feind des Christentums hinstellen. Und all das sagt mehr über Sie als über mich aus. Anscheinend gehen die Argumente aus und dann kommt die ad personam Verunglimpfung.

    • @ Pfeifer: Reagieren Sie mal nicht so epfindlich. Zunächst einmal habe ich Sie als gar nichts „hingestellt“, schon gar nicht als „Feind des Cristentums“. Wenn Sie Ihre Erfahrungen auf dem Schulhof als „christliche Werte“ (Ironie ist das ewige Schlagwort…) bezeichnen, so darf man aber wohl die Frage stellen, ob Sie das wirklich ernst meinen. „Ad personam“ war hier gar nichts. Und mit Verlaub: Wenn ein Karl Pfeifer mich der Rabulistik beschuldigt, dann ist das nur noch amüsant. Ebenso wie die Verwendung der Bezeichnung „Leute Ihres Schlages“…

      • Hungarian Voice, sie nehmen ein Zitat aus dem Kontext heraus. In Österreich gibt es auch Leute, die sich ständig auf „Christliche Werte“ berufen. Und die Leser des Standard haben diesen Kommentar auch verstanden. Interessanterweise hat kein österreichischer Katholik mir unterstellt, ich hätte damit behaupten wollen, dass Antisemitismus Teil der christlichen Werte wäre. Denn diejenigen, die mich kennen, die meine Stellungnahmen lesen, wissen sehr wohl, dass ich nicht dieser Meinung bin.
        Diese Art ihrer Texterklärung kann man sowohl als Haarspalterei als auch als Wortverdrehung qualifizieren. Das habe ich mit dem Wort Rabulistik beschrieben.
        Sollte ich nicht reagieren, wenn Sie mir etwas unterstellen was nicht aus dem Kontext meines ganzen Artikels hervorgeht?
        Um was ging es denn in meinem Beitrag, der 2009 im Standard erschien? Es ging darum, dass ein Leugner der nationalsozialistischen Verbrechen, „Bischof“ Williamson wieder in die katholische Kirche aufgenommen wurde. Ich habe meine Meinung dazu geäußert. Und ich war natürlich nicht der einzige, der diese Meinung kundtat.
        Die jüdisch-christlichen Werte achte ich, die Instrumentalisierung im politischen Kampf wie sie jetzt in Ungarn offensichtlich ist zeige ich auf.
        Den Ausdruck „Menschen Ihres Schlages“ nehme ich mit Bedauern zurück. Das ist mir in der Hitze der Polemik passiert.
        Ich kenne Sie persönlich nicht, rechne Ihnen aber hoch an, dass Sie Zeit und Energie in dieses Blog investieren.
        Die Art wie jetzt Fidesz gegen eine Partei, die schwer geschlagen und eine andere Partei, die gar nicht mehr existiert, ankämpft, habe ich kritisiert. Das hat nichts mit christlichen Werten zu tun.

  20. Ein Beispiel über Karl Pfeifers Objektivität, Unabhängigkeit und vor allem Glaubwürdigkeit:

    die unten zitierten Sätze erschienen in der Online-Zeitung die Jüdische.at unter dem Titel Regression in Ungarn.

    http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=33&Param_RB=45&Param_Red=13792

    “(…) Bild oben: Premier “Orban Victor”- sagte 1998: “Kommen Sie in unser Land, leben und atmen Sie mit uns, sie werden sehen dass dieses ganzen Anschuldigungen zu Rassismus und Antisemitismus nicht stimmen”…Jetzt ist Orban mit Faschisten in Koalition.”

    Schönen Tag Herr Pfeifer!

    • Zum Teufel
      Als Sie dies vorher behaupteten, las ich wieder meinen Text durch und konnte dies nicht finden. Die Bildertexte habe ich nicht verantwortet und ich habe erst jetzt auch diese durchgelesen und das was Sie zurecht beanstanden gefunden.
      Diesen Text hat der Redakteur dieses Blogs willkürlich hingesetzt und stammt nicht von mir. Der Beweis mein Text wurde auch von Hagalil gebracht.
      http://www.hagalil.com/archiv/2011/03/27/regression/
      Und das ist der gleiche Text wie bei der juedischen.at
      Ich habe mich beim Redakteur darüber beschwert und er versprach mir das sofort zu deletieren und sich zu entschuldigen.

  21. kullancs, danke für diesen blog. Ich bin gespannt, was da kommt. Auf alle Fälle hat C. Ungváry auf Tendenzen die ungarische Geschichte umzuschreiben hingewiesen und ich bin Hungarian Voice dankbar, dass dies übersetzt hat.

    • terrier, wenn dieses Dokument echt ist, dann muss dass das eigentliche Thema sein, wenn man über Fr Heller spricht – sie wäre eine feige Denunziantin von aufrechten 56ern. Diese ganze „Selbstkritik“ riecht nach rückgratlosem Opportunismus. Wieso ist soviel die Rede von ihr in Bezug auf 2006 und nicht 1956?

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