Holocaust-Gedenktag: Rede von László Kövér

Ungarns Hauptstadt Budapest war am heutigen 17. April Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen zum Gedenken an die ungarischen Opfer des Holocaust.

An dieser Stelle soll aus einer Mitteilung von Fidesz (an einigen Stellen sinngemäß) übersetzt werden, die Auszüge der Rede von Parlamentspräsident László Kövér enthält.

Der heutige Tag gehört der Erinnerung, wir halten furchtsam inne und neigen unser Haupt vor den Opfern“ – so begann der Parlamentspräsident seine Rede. „Vor 67 Jahren wurden die ungarischen Juden in Ghettos verschleppt, hiermit begann der ungarische Holocaust. Denen, die man fortriss, blieben weder Namen, Zukunft oder Hoffnung“ – sagte Kövér. „Seit 67 Jahren wissen wir, dass Birkenau eine Trennlinie war. Sie wirkte sich auf die Träume und die Pläne der Menschen aus. Nach Auschwitz ist nichts mehr, wie es vorher war„- zitierte Kövér die Worte von Eli Wiesenthal.

Der Parlamentspräsident hob hervor: „Obwohl 67 Jahre seit dem Schrecken vergangen sind, können wir den Massenmord bis heute nicht verarbeiten. Denn auch die ungarische Kultur und das Leben leiden bis heute unter den Verlusten. Wir stehen nicht an dem Fuße dieser Denkmäler, an den Gedenktafeln und den Gefängnismauern, damit sich unsere Kinder erschrecken, sondern damit sie wissen, was ihre Vorfahren durchgemacht haben. Und damit es Plätze gibt, an denen die Kinder unserer Kinder ihr Haupt vor den Opfern des Terrors verneigen können.

Kövér betonte: „Wenn wir uns erinnern, müssen wir auch die verlorenen Chancen, die durch verlorene Menschenleben verlorene Kraft betrauern.  Denn die Mordmaschinerie vertilgte nicht nur ganze Familien, mit ihnen ging auch die Möglichkeit verloren, das Leben in geordneten Bahnen fortzusetzen.“

Köver weiter: „Das Leben ist wunderbar. Blumen brechen durch den Asphalt, Flüsse reinigen sich selbst vom Gift, aber wenn man mit schäbiger chirurgischer Arbeit eine ganze Generation aus dem Leben reisst, ist die Heilung schwer.“ Der Parlamentspräsident sagte mit Eli Wiesenthals Worten: „Es stimmt, dass nicht alle Opfer Juden waren, aber alle Juden waren Opfer.“ Und weiter: „Obwohl man im Jahr 1944 nach dem Leben und dem Vermögen der Juden trachtete, verursachte dieser Angriff doch in der gesamten Nation eine schwer heilbare Wunde. Diese Wunde traf in das Herz der Nation. Im Frühjahr 1944 konnten wir sehen, und lernen: Wenn wir das Solidaritätsnetz der Nation zerschneiden, oder zulassen, dass man es zerstört, dann wird es sich bis zur letzten Faser auflösen. Aus diesem Grund müssen wir zu jeder Zeit neben denen stehen, die zur Nation gehören. Wir brauchen Geduld, Rücksichtnahme und Verständnis gegenüber dem anderen.“ (…)

In unserem Land leben seit tausend Jahren unterschiedliche Nationen, auch die Juden, die trotz Beibehaltung ihrer Traditionen treue Söhne der ungarischen Nation sind“, sagte Kövér, und fügte hinzu: „Das Verbrechen wurde gegen diese natürliche Einheit wurde begangen von Menschen, die es sogar fertig brachten, die Donau zu einer Totengrube zu machen. Es ist die Aufgabe von uns heutigen Ungarn, dass wir erneut einen Schwur auf das Ungarn ablegen, das uns allen gerecht wird, wir verdienen nur dann den Frieden, wenn wir im Schaffen zusammenhalten und im Zeichen der Liebe die Schicksalsgemeinschaft pflegen.

Nach der Rede entzündete der Parlamentspräsident mit den zahlreichen Gästen der Veranstaltung Kerzen im Angedenk an die Opfer des Holocaust.

Nach der Verschleppung in Ghettos ab dem 16. April 1944 wurden binnen weniger Monate mehrere hunderttausend Juden aus dem damaligen Ungarn in Vernichtungslagern ermordet. Der 16. April ist seit dem Jahr 2000 Holocaust-Gedenktag. Aufgrund des auf den 16. April fallenden jüdischen Ruhetages wurden die Gedenkveranstaltungen in diesem Jahr am 15. und 17. April abgehalten.

Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen war auch ein „Marsch der Lebenden“, an denen auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens unterschiedlicher Parteien teilnahmen.

6 Kommentare zu “Holocaust-Gedenktag: Rede von László Kövér

  1. Ist Herr Kövér darum herumgeschwommen, dass die ungarischen Judengestze und die Mitwirkung vieler Ungarn diesen blitzschnellen Massenmord ermöglicht haben?

  2. In der Präambel, die einen Tag nach dieser Rede vom Parlament beschlossen wurde wird sinngemäß festgestellt, dass Ungarn zwischen dem 19.3.1944 und 1990 besetzt war. Das stimmt zwar, jedoch hat die von Horthy ernannte Regierung ohne Zwang und mit Begeisterung dafür gesorgt, dass die nach dem ungarischen Rassengesetz als Juden qualifizierten Personen außerhalb Budapests beraubt, konzentriert und dann deportiert wurden.
    Diese Fidesz Geschichtsauffassung, dass wegen der deutschen und später sowjetishcen Besatzung die ungarische Gesellschaft keine Verantwortung getragen hat für all das was sich in den 46 Jahren ereignent hat ist absurd.
    Die gleichen „Historiker“ rühmen sich ja, dass Horthy Anfang Juli die Juden der Hauptstadt gerettet hat.
    Den Vogel aber schoss Staatssekretär András Levente Gál ab, der in einem Selbstinterview (publiziert auf der Regierungs-Website) die Behauptung aufstellte, dass doch die Annexion von Gebieten (Karpatoukraine, Südslowakei, Nördliches Transsylvanien und von Bácska und Bánat nicht ursächlich mit der Judenverfolgung zusammenhängen. (Dies ist sinngemäß), was natürlich völlig absurd ist, denn die ungarischen Juden diskriminierende Gesetze wurden sofort in diesen Gebieten eingeführt.
    István Bibó erwähnt es, die ungarischen Behörden baten die Juden der Karpatoukraine, die in der Mehrzahl kein Ungarisch konnten, bei der Volkszählung Ungarisch als Muttersprache anzugeben. Sie taten das. Der Dank Ungarns blieb nicht aus. 1944 wurde dieses Gebiet als das erste bestimmt, dass „judenfrei“ gemacht wurde.

    So viel zur Geschichtsauffassung in der Präambel.
    C. Ungváry hat dazu richtig bemerkt, dass er von nun an verfassungsfeindlich forschen wird so lange man ihn läßt.
    Der Fidesz nahe stehende Historiker Szabolcs Szita wies erst diese Tage in Budapest darauf hin, dass die deutschen Behörden erstaunt waren über den Eifer, der ungarischen Behörden bei der Deportation und sprach von der Verantwortung der damaligen ungarischen Elite.

    • „Die gleichen „Historiker“ rühmen sich ja, dass Horthy Anfang Juli die Juden der Hauptstadt gerettet hat.“

      Immerhin. Wenigstens das.

      Ich find das so interessant, wie Sie hier in diesem Blog die Horthy Zeit vollkommen undifferenziert negativ betrachten und dann Fidesz auch öfters mit der Horthy-Ära vergleichen, obwohl Sie, nachdem Sie 1938 aus Österreich fliehen mussten, Sie ja gerade in das Horthy-Regime geflohen sind und von 1938-1944 in Ungarn gelebt haben und erst 1944 aus Ungarn fliehen mussten.

      Ihr ständiges Bemühen, die Ungarn als die eifrigsten Nazis auf der Welt darzustellen, ist daher ziemlich merkwürdig.

      • Gast auch wenn Sie die in ungarischen rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Organen gegen mich erhobene Beschuldigungen gegen meine Person wiederholen, stimmen die nicht.
        1) Bringen Sie ein einziges Beispiel wo ich Fidesz undifferenziert mit der Horthy Zeit verglichen hätte!
        2) Ich habe Horthy Ungarn am 5. Januar 1943 mit einem Reisepass des Königreichs Ungarns verlassen, in dem mir die Rückkehr in dieses Königreich lebenslang verboten wurde.
        3) Über 30 meiner nächsten Verwandten aus Ungarn wurden von Ungarn aus deportiert und ermordet
        4) C. Ungváry und Sz. Szita berichten über den Diensteifer der Horthyadministration Juden zu konzentrieren, zu berauben und zu deportieren.
        5) nirgendwo habe ich behauptet, „die Ungarn“ wären „die eifrigsten Nazis“. Ich wiederhole nur, was zuverlässige ungarische Historiker sagen, im Frühjahr 1944 war schon absehbar, dass die Nazis verlieren, doch die Horthyadministration machte sozusagen Überstunden um mehr als eine halbe Million ihrer Bürger dem fast sicheren Tod auszuliefern.
        Seit November 1942 wußten Sie von Auschwitz-Birkenau.

        Und nun zu ihrem ersten Punkt, wenn Ungarn wirklich nicht verantwortlich war für das was nach dem 19. März 1944 geschah, wie das z.B. Staatssekretär András Levente Gál in einem am 19. März 2011 auf der Regierungswebsite publizierten Selbstinterview behauptet, dann ist es ja auch nach seiner Logik nicht verantwortlich für die Rettung der Budapester Juden durch Horthy Anfang Juli. All das ist natürlich eine absurde Logik, die nicht nachvollziehbar ist.

  3. Danke Herr Pfeifer für die sachliche darstellung.

    Manchmal wäre es gut Fragen die wir 1968 an unsere Elterngeneration gestellt haben, an einige deren Kinder neu zu stellen.

  4. Pingback: Ákos Kértész: „Die Ungarn sind genetisch zum Untertan geboren“ « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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