Bernhard Odehnal im Tagesanzeiger: Orbán als „legitimer Nachfolger“ eines Nazi-Verbündeten?

Einem Beitrag von Bernhard Odehnal im Tagesanzeiger soll Viktor Orbán sich als „legitimer Nachfolger des Nazi-Verbündeten“ Nikolaus von Horthy“ sehen. Man traut seinen Augen nicht:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Orban-eifert-NaziVerbuendetem-nach-/story/11612365

Endlich wieder ein Beitrag, der der Leib- und Magenspeise der ewigen Mahner vor der Nazigefahr voll und ganz entspricht. Kritik am Inhalt der Verfassung – etwa an der Beschränkung der Kompetenzen des Verfassungsgerichts – genügt hier nicht. Als bewährter Co-Autor des Buches „Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa“ braucht man das „N“-Wort:

Die Präambel der neuen Verfassung ist voller Symbole und historischer Anspielungen. Die Mitglieder der ungarischen Nation erklären darin ihren Stolz auf den heiligen König Stephan und seine Staatsgründung vor rund 1000 Jahren. Auch Stephans angebliche Krone wird in der Verfassung erwähnt (obwohl gar nicht verbürgt ist, dass sie von ihm getragen wurde). Viktor Orban liess vor zehn Jahren – während seiner ersten Amtszeit – die Krone aus dem Nationalmuseum ins Parlament bringen. Dort steht sie heute in der Mitte des neogotischen Gebäudes, direkt unter der grossen Kuppel, bewacht von Soldaten in historischen Uniformen. Orban sieht sich offenbar nicht nur als legitimer Nachfolger des heiligen Stephan, sondern auch des «Reichsverwesers» Miklós Horthy, der Ungarn als mit Nazi-Deutschland verbündetes Land bis 1944 regierte. In der Präambel der neuen Verfassung wird auf Horthys Staat (ohne den Namen zu nennen) mehrmals Bezug genommen.“

Ist das so? Nicht wirklich. Die einzige Bezugnahme auf „Horthys Staat“ beschränkt sich in dem (historisch durchaus hinterfragenswerten) Hinweis, dass Ungarns staatliches Selbstbestimmungsrecht am 19.03.1944, der Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland, geendet habe und erst mit der Wahl des ersten frei gewählten Parlaments nach der Wende wieder hergestellt worden sei. Dass man daraus ablesen könnte, Orbán sehe sich (offenbar) as legitimer Nachfolger von Horthy, muss bezweifelt werden. Aber es hört sich doch so gut an…

15 Kommentare zu “Bernhard Odehnal im Tagesanzeiger: Orbán als „legitimer Nachfolger“ eines Nazi-Verbündeten?

  1. Tja, da empört man sich, weil doch angeblich das heutige Ungarn bitte gar nichts zu tun hat mit dem Königreich Ungarns ohne König, das vom Admiral ohne Flotte, vom Reichsverweser Miklós Horthy angeführt wurde.
    Ist das wirklich so?
    Doch da entdecke ich, dass die von Jobbik gegründete „Gendarmerie“ (csendörség) wieder in Ortschaften marschiert und Staatsbürger einschüchtert. Natürlich könnte ein Verteidiger von Orbanistan (Paul Lendvai benützte diesen Ausdruck auf ZDF) einwenden, aber bitte, diese Gendarmerie ist ja nicht bewaffnet und noch bleibt es nur bei Einschüchterung. Doch sachte, diese Leute provozieren und kurz über lang, kann das auch zum Blutvergiessen führen.
    Und wie steht es mit Hitler in Ungarn? Dessen Geburtstag wurde von einer Jobbiknahen TV-Station gefeiert. Schon hat ein französischer TV Journalist darüber berichtet.
    http://www.jeanmarcmorandini.com/article-52880-hongrie-une-chaine-tele-celebre-l-anniversaire-de-hitler.html
    Der ungarischen Nachrichtenagentur MTI ist sowas natürlich keine Nachricht wert und Eva Balogh berichtet auf ihrem durchaus lesenswerten Blog „Hungarian Spectrum“ über die schlampige, manipulierende und gelegentlich Nachrichten fälschende Arbeit von MTI
    http://esbalogh.typepad.com/hungarianspectrum/2011/04/how-much-can-we-trust-the-new-politicized-hungarian-news-agency-mti.html
    Frohe Ostern wünsche ich Hungarian Voice und allen Lesern.

    • Klar, mit schlampigen, manipulierenden Berichten und mit Nachrichten fälschender Arbeit kennt sich Eva Balogh ja recht gut aus. 😉

      • Rudolf, Eva Balogh hat alle ihre Beschuldigungen mit Fakten belegt. Sie war lange Jahre Professorin an der Uni in Yale, auch Dekan eines der Colleges dort und ich denke, auch wenn sie Fidesz kritisiert, verdient sie Respekt.

  2. Herr Pfeifer, bleiben wir beim Thema der o.g. Passage im Odehnal-Artikel: Haben Sie denn in der Präambel „mehrere Bezugnahmen“ auf den Horthy-Staat entdeckt? Oder Hinweise, dass sich Orbán sich als Nachfolger Horthys sieht?

  3. Es ist ein bewährte Methode einen Sachfehler aufzudecken, und dann daran herumreiten um auf alle anderen Wahrheiten nicht antworten zu müssen.
    Worauf ich da oben hingewiesen habe, das hat schon mit dem Thema zu tun.

  4. terrier: Fidesz+Jobbik = Ungarn
    wer über diese Parteien kritisch schreibt ist ein Feind Ungarns und ich gebe Odehnal dazu Gelegenheit Hasstiraden zu schreiben.
    Meinen Sie ich besitze Medien und lasse Odehnal schreiben?

    Sonst haben Sie mir gar nichts vorzuwerfen?

    • Die Antwort von Terrier richtete sich an mich, Herr Pfeifer. ICH gäbe Ihnen die Möglichkeit, Hasstiraden zu schreiben. Sie halten sich offenbar wirklich für den Mittelpunkt des Universums 🙂

  5. ich halte mich sicher nicht so wichtig, aber ich gebe zu terrier mißverstanden zu haben. Er meinte also, weil Sie nicht in Ungarn leben, dürften Sie keine Kritik üben und meine „Haßtiraden“ nicht veröffentlichen.

    Aber ich habe auch eine gute Nachricht. In Sachsen wo ich mich jetzt befinde, berichtet sogar die „Sächsische Zeitung“ über die Ereignisse in G., d.h. man beachtet, was in Ungarn geschieht. Und das ist gut so. Und die Weltmedien berichten auch darüber wie die Roma aus G. vom Roten Kreuz abgeholt wurden, um „einen Osterurlaub“ zu verbringen.

    • Herr Pfeifer. Sinnerfassendes Lesen. Terrier hat nicht behauptet, HV dürfte sich nicht äußern, weil er nicht in Ungarn lebt.
      Er hat eine Frage gestellt. Wer sich von jenen Personen, die so besorgt sind, JETZT gerade in Ungarn aufhält. Von in Ungarn leben steht da nichts. Von HV auch nicht.
      Und: er hat diese Frage nicht hier gestellt. Sondern bei einem anderen Artikel. Hat nichts mit dem Artikel und den Kommentaren hier zu tun.

      „Worauf ich da oben hingewiesen habe, das hat schon mit dem Thema zu tun.“
      Verstehe. Also wenn ein jobbiknaher Fernsehsender irgendwas über Hitlers Geburtstag bringt, hat das was damit zu tun, dass Orbán sich gemäß Odenhal als legitimer Nachfolger von Horthy sehen soll?
      Interessant. 😉

  6. Rudolf, ich wurde in der Zwischenzeit schon von H.V. aufgeklärt. Und habe darauf geantwortet.
    Odehnal hat seine Einschätzung von V.O. gegeben und die ist im großen und ganzen stimmig. Natürlich hat er nicht gemeint, dass V.O. erklärt hat, er sehe sich in der Nachfolge des M.H. Aber wer seine Politik beurteilt k a n n auch zu diesem Schluß kommen.
    K a n n bedeutet natürlich muss. Es ist mir schon einige Male passiert, dass nach meinem Vortrag über Ungarn ein Zuhörer über „Horthyfaschismus“ sprach, dem bin ich immer entgegengetreten. Bereits während der Kádár-Zeit wurde dieser Begriff von seriösen ungarischen Historikern nicht mehr verwendet. Natürlich kann man auch nicht sagen, dass das Horthyregime demokratisch war.

    Ich habe mit Interesse „arcmás“ von J. Debreczeni gelesen, der zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Odehnal kommt, und Debreczeni war ein Ratgeber von V.O. und kennt ihn gut.

  7. Pingback: Tagesanzeiger: Bernhard Odehnal thematisiert die Radnóti-Statue | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

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