FOCUS: Verprügeltes Mitglied der „Bürgerwehr“ wird zum Roma umfunktioniert

Der Focus berichtete in den vergangenen Tagen über eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der sich in Gyöngyöspata aufhaltenden rechtsradikalen Bürgerwehren und der ortsansässigen Roma-Bevölkerung.

http://www.focus.de/politik/ausland/ungarn-roma-fliehen-vor-rechtsradikalen_aid_621976.html

In dem Bericht wird eine Person mit blutender Kopfwunde und blutverschmiertem Gesicht, tituliert als „junger Roma“, abgebildet (das Bild war auch bei Spiegel-Online zu sehen). Die klare Botschaft: Ein Roma ist von Rechtsradikalen verprügelt worden.

Der Schönheitsfehler: Bei der Person auf dem Bild handelt es sich um einen Angehörigen bzw. Sympathisanten der rechtsradikalen „Véderö“. Gehört wohl zur grundrechtlich geschützten Kunstfreiheit. Offenbar waren es vorliegend also die Rechtsradikalen, die erhebliche Verletzungen erlitten haben. Vor dem Umstand, dass an der Schlägerei etwa vier Rechtsradikale und mehr als 30 Roma beteiligt gewesen sein sollen, wäre dies auch durchaus plausibel.

Nicht anders die Berichterstattung des Schweizer Tagesanzeigers. Hier berichtet Bernhard Odehnal über die Gewalttätigkeiten.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Ungarns-Roma-fluechten-vor-der-rechtsextremen-Gewalt-/story/26783353

Nach dem schon oben genannten Bild (ohne erläuternde Beschreibung, um wen es sich beim Abgebildeten Verletzten handelt) beginnt der Artikel wie folgt:

Gyözö Bada hat eine blutende Wunde auf der Stirn. Sie stammt von einem Gummiknüppel, mit dem der 14-jährige Rom am Dienstagabend geschlagen wurde. Seine Verwandte Klaudia Farkas erzählt, wie der Junge mit seinen Freunden am Strassenrand sass, wie sie von den Angehörigen einer rechtsextremen Miliz angegriffen wurden.“

Es scheint abermals, als solle der Leser den Eindruck bekommen, bei dem abgebildeten Verletzten handle es sich um einen Roma, hier namentlich Gyözö Bada. Eine klarstellende Erläuterung fehlt im folgenden Artikel.

Der Beleg, wer tatsächlich abgebildet ist, findet sich hier:

http://videotar.mtv.hu/Videok/2011/04/27/05/A_gyongyospatai_tomegverekedes_serultjei.aspx

Oftmals ist die Situation eben ein wenig komplexer als die Botschaft, die man hierzulande zu lesen bekommt.

14 Kommentare zu “FOCUS: Verprügeltes Mitglied der „Bürgerwehr“ wird zum Roma umfunktioniert

  1. Lieber HV,

    wenn es umgekehrt gewesen wäre, und ein Roma-Opfer umfunktioniert worden wäre zum, sagen wär, Jobbik-Opfer, dann….

    hätten Sie auf die Nachricht wohl wesentlich mehr empörte Reaktionen im Blog.

  2. Herr Pfeifer überlegt sicherlich, wie sich die Geschichte in Zusammenhang mit der Antisemitismus in Ungarn bringen liesse…..

  3. HV! Bitte beachten Sie den Artikel von György Dalos im NZZ von heute. Hier werden die langsam „routinemässigen“ Argumente bzw. unbewiesenen Behauptungen einfach wiederholt. Es lebe die Qualitätsjournalismus !!

  4. Karl Pfeifer am 30. April 2011 um 16:56 in seinem Kommentar zum Bericht „Gewaltausbruch in Gyöngyöspata“:
    „Hungarian Voice, ich glaube nicht, dass ein seriöses Blatt in einem demokratischen Staat einen anonymen Brief publiziert. Ich denke, dass dieser Brief Teil einer Propagandakampagne ist.“
    Wie würden Sie, Herr Pfeifer, dann die Blätter, Focus und Tagesanzeiger, bewerten?
    Apropos Propaganda: Der ungarische stellvertretende Ministerpräsident, Zsolt Semjén, hält es für offensichtlich, dass es in Gyöngyöspata sich um Provokation handelt. Nach seiner Meinung stehen Jobbik, die LMP und ausländische Interessengruppen im Hintergrund der Ereignisse: http://www.hirtv.hu/belfold/?article_id=377445

    • @Der Richter am 2. Mai 2011 um 18:58

      Eben… So funktionieren die Dinge: @“Apropos Propaganda:“

      Der stellvertretende Ministerpräsident, Semjén Zsolt muss eine schwache Stunde gehabt haben an dieser zitierten „Pressekonferenz“! (… hirtv.hu…. etc.)

      Wenn nach „seiner Meinung“ JOBBIK im Hintergrund der Ereignisse steht, so hat er nichts Neues verkündet. Es genügt z.B. Vona Gábor’s [geboren als Zázrivecz Gábor, in Gyöngyös, 1978.08.20.] Auftritte im Parlament und sonstwo unterwegs im Land zu hören (JOBBIK-Abgeordneter, Parteichef, „junger Historiker“(??)).

      Wenn Semjén aber noch „die LMP“ hinzufügt, dann gar – ohne Präzisierung – „ausländische Interessengruppen“ der Provokation beschuldigt, so reiht er sich selbstverständlich und ganz DEVOT-katholisch in der aktuellen Fidesz/KDNP-Schutzphalanx ein und schürt das Hirngespinst des gegenwärtig in Ungarn herrschenden „Viktorianismus“ in Sachen „ausländische Verschwörung gegen uns“!
      Nach dem einfachen Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns… unser „FEIND“ („ellenség“! – Beachte! Nicht „ellenzék“!)

      Diese Haltung kritischen Stimmen gegenüber – ob aus dem Inland, ob aus dem Ausland – zu „zelebrieren“, ist weder eines Ministerpräsidenten vor dem Europäischen Parlament, noch einem stellvertretenden Ministerpräsidenten an einer Budapester Pressekonferenz würdig!

      ABTRETEN!
      Mögen sie doch fleissig für Gyurcsány Ferenc weiterbeten, wie Semjén dies einst für sich in Anspruch nahm: >> http://index.hu/belfold/semjen6912/
      Das wäre doch – immerhin – ein Zeichen der „Nächstenliebe“ im Rahmen der „Nationalen Zusammenarbeit“!

      Ansonsten ist Gyöngyöspata eine beschauliche, historische Siedlung in der Nähe von Gyöngyös… am Fusse des Mátra-Gebirgszuges… (Die höchste „Erhebung“ Ungarns, Kékestető, reicht gerade mal bis 1015 m ü.M.! Sturz aus dieser Höhe eines Fidesz/KDNP-Höhenfluges wäre noch „erträglich“… Bis zum EVEREST reicht es vermutlich NICHT!)

      @kullancs hat irgendwo auf diesem Hungarian Voice-Blog, zu recht, den Link zur HomePage von Pata erwähnt…

      Da gibt es eine Hauptstrasse [Fő utca] und jede Menge Strassenbenennungen – wie in Ungarn üblich – nach nationalen Grössen wie KOSSUTH, PETŐFI, ARANY, JÓKAI, ADY, JÓZSEF ATTILA, ZRINYI, RÁKÓCZI, BEM JÓZSEF etc. etc.

      Ob es je eine „ORBÁN VIKTOR-utca“, oder eine „SEMJÉN ZSOLT“-utca in ungarischen Ortschaften geben wird, wird die Zukunft uns verraten:

      Gucken Sie mal nach auf GOOGLE Maps, z.B. im Jahre 2050… Vielleicht gibt es dann noch Weinverkostung in der „Kellörgasse“ (wie im Burgenland!) und Theateraufführungen der „lokalen Theatergesellschaft“… Für zahlungskräftige Touristen, die sich im Ausland „verschworen haben“, und „provokativ“ Pata besuchen…

      Dannzumal spielen vielleicht auch die Zigeuner wieder Zigeunermusik… (cigányzene)…

      In diesem Geiste
      Guten Morgen, Gute Nacht EUROPA

      Jean Louis

    • Herr Pfeifer,
      Ich habe das in vollem Ernst gemeint. Mich erstaunt es immer wieder, wie Sie (aber natürlich auch Andere…) immer wieder, ob zum Thema passt oder nicht, wenn ihnen die Argumente ausgehen oder wenn sie die Diskussion einfach beenden wollen, die Nazi -oder Antisemitismuskeule hervorholen um dann als vermeintlicher moralischer „Sieger“ dazustehen. Anders gesagt, ich verfolge seit geräumer Zeit die Diskussionen in HV (immer als Gast !), weil ich gehofft habe, dass eine sinnvolle Diskussion möglich sei. Mir scheint jedoch dass leider auch hier die gleichen Fronten bestehen, bzw. das „liberale “ Lager hier genausowenig bereit ist zu argumentieren, wie in Ungarn zuhause und meint, die „Wahrheit, Europäertum usw.“ gepachtet zu haben. Leider.
      MfG: C. Körtvelyessy

  5. @Gast
    @Es lebe die Qualitätsjournalismus !!

    Mein noch junger Grossvater (Jahrgang 1880) war einst Gast bei seinem „älteren Bruder“ (Jahrgang 1867) zu Budapest und sie flanierten der Donaupromenade entlang (… Das war 1899)!.

    Da kam ihnen eine ansehnlich-aufgedonnerte-bestens-herausgeputzte Dame mit leichtem, flaumigen Haaransatz unter der hochgehaltenen Nase entgegen.

    Der Bruder meines Grossvaters nahm eine kleine Dose hervor, verbeugte sich, EHRERBIETIG, und offerierte ihr:

    – DIE SCHACHTEL…
    – DER SCHACHTEL…

    Es handelte sich um ein „ehrliches“ Angebot zur und zwecks ERNEUERUNG („felújulás“!).

    Die k.u.k.-Schnäuze hielten – DAMALS – ihre Form nur dank der SCHMIERE! (Von „Korruption“ keine Spur!)

    Honni soit qui mal y pense!
    (Soviel zur „RückwärtsGeWandtHeit“!!)

    Mein Grossvater war überzeugt davon, dass er damals das „WESEN der deutschen DEKLINATION“ begriffen hätte:

    – DIE SCHACHTEL
    – DER SCHACHTEL
    – DER SCHACHTEL
    – DIE SCHACHTEL

    Er erlernte insgesamt 9 Sprachen… fliessend…
    Mein VATER schaffte nur noch 7.
    Ich selbst lediglich 4.

    Zähneknirschend muss ich erkennen, ein SPROSS der DEKADENZ EUROPAS zu sein… Ein DEKADENTER FAMILIENSPROSS vor einem Computer sitzend, das jeden MIST… per TastaturEingabe FRISST… und global-medial WEITERVERBREITET… !

    Trotzdem möchte ich die Sache schlicht so formulieren:

    „Es lebe DER Qualitätsjournalismus !!“

    Als GAST auf dieser digital-vernetzten Weltkugel sei mir dies – in aller Bescheidenheit – erlaubt…

    „Es lebe DIE Qualität!… DER JOURNALISTEN“…
    – DIE..
    – DER…

    In diesem Geiste
    Guten Morgen, Gute Nacht EUROPA!

    Jean Louis

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