Schmidt-Häuer: Kein Platz für Nazi-Opfer?

Christian Schmidt-Häuer berichtet für die Wochenzeitung ZEIT aus Ungarn.

http://www.zeit.de/2011/22/Ungarn-Nazi-Opfer

Der Bericht suggeriert, die „nationalistische“ Regierung um Viktor Orbán versuche, die Erinnerung an Nazi-Opfer durch die Umbenennung von Straßen und Plätzen in Budapest vergessen machen zu wollen. Natürlich fehlt auch der Hinweis auf die „Absetzung“ des Direktors des Holocaust Zentrums für Dokumentation nicht.

Besonders bemerkenswert für den „Ungarn-Experten“ Schmidt-Häuer sind seine Ausführungen zu Endre Bajcsy-Zsilinszky:

Es passt in dieses Bild, dass ein Park der Hauptstadt nun nicht mehr den Namen Endre Bajcsy-Zsilinszky trägt. Der jüdische Politiker hatte zu den führenden Widerständlern gegen das Bündnis des Reichsverwesers Miklós Horthy mit Hitler-Deutschland gehört. Die Pfeilkreuzler hängten ihn dafür 1944.

Zunächst sollte Schmidt-Häuer wissen, dass einer der größten Boulevards in Budapest, die vom Deák-Platz bis zum Westbahnhof führende „Bajcsy-Zsilinszky-Straße“, weiterhin nach dem „jüdischen Politiker“ benannt ist. Dass Bajcsy-Zsilinszky, der um einen Park Betrogene, Jude gewesen sei, ist dem Macher dieses Blogs ebenfalls neu. Bislang war Endre Bajcsy-Zsilinszky als ehemaliges Mitglied der sog. „Rassenschützerpartei“ bekannt. Der angesehene Historiker Krisztián Ungváry schrieb über ihn, dass

die ungarischen Antifaschisten größtenteils nicht als Demokraten, sondern als Rassisten zu Antifaschisten wurden. Endre Bajcsy-Zsilinszky, Tibor Eckhardt, Aladár Huszár und ihre Gefolgsleute waren nach 1919 die führenden Rassenschützer und Antisemiten des Landes. Ihre Denkweise, die sie in der zweiten Hälfte der 1930-er Jahre zu Feinden der Nation gemacht hatte, ging leider in vielen Fällen auf die gleichen Wurzeln zurück, wie ihr früherer Antisemitismus.“

Bajcsy-Zsilinszky hegte eine ebenso große Ablehnung gegen die Deutschen und hat – soweit hat Schmidt-Häuer Recht – die Koalition mit dem Deutschen Reich abgelehnt. Endre Bajcsy-Zsilinszky wurde nach der Machtübernahme durch die Pfeilkreuzler verhaftet und am 24. Dezember 1944 hingerichtet.

Quelle: http://hu.wikipedia.org/wiki/Bajcsy-Zsilinszky_Endre#Munka

24 Kommentare zu “Schmidt-Häuer: Kein Platz für Nazi-Opfer?

  1. Wir haben in unsere land selber genügend menschen worauf wir ruhig stolz sein können! Und ich finde das gut,was da gerade geschieht! Wir hätten das schon viel früher machen können,nicht nur erst jetzt.
    Schöne tag noch..:)

  2. Nun, das ist wirklich keine Glanzleistung aus Bajcsy-Zsilinszky einen Juden zu machen. Das ist Oberflächlichkeit. Und es ist richtig dies zu kritisieren.

    Aber macht das alles andere was der deutsche Journalist schreibt wertlos und unwahr? Ich habe seinen Artikel gelesen und denke, dass außer diesem Sachfehler die anderen Bemerkungen ernst zu nehmen sind. Der Wass Kultus, der jetzt betrieben wird, sagt viel aus über das Klima in Ungarn. Die Namensänderungen auch.

    Aus einer ganz anderen weltanschaulichen Ecke kommt der britische Holocaustleugner und Antisemit David Irving. Ihm gestatte die Kádár-Regierung 1985 die Einreise und sein Begleiter war Ervin Hollós
    http://www.beszelo.c3.hu/00/0708/15mink.htm
    Irving publizierte 1986 sein Buch über die ungarische Revolution und bemerkte bei Ferenc Erdei, dieser wäre Jude gewesen.

    Seinerzeit schenkte ich dieses Buch von Irving András Hegedüs (ehemaliger Ministerpräsident Ungarn, der sich an die demokratische Opposition Ungarn annäherte) Als er diese Eintragung sah, merkte er an, Erdei würde sich im Grab umdrehen, wenn er das sehen könnte, der war sein Leben lang Antisemit.

    Der verstorbene israelische Historiker Bela Vago, der an der Universität Haifa Geschichte lehrte gab mit heraus: „Jews and non-Jews in Eastern Europe, 1918-1945“
    In diesem Sammelband ist auch sein Artikel „The Attitude toward the Jews as a Criterion of the Left-Right Concept“
    Er zitiert István Bibó, den er Recht gibt: „in the beginning [of the Horthy era] the apolitical masses of Hungarian Jews rather passively followed the liberal-capitalist leadership of a largely conservative character.“
    Vago schrieb: „In reality, and contrary to these clichés, the moderate Right and the Jews were less apart from each other, while the extreme Left and the Jews were in fact more remote from each other than has commonly been believed and accepted.“

    • @ Pfeifer: Ich denke nicht, dass daraus zwingend folgt, dass Schmidt-Häuer in allen Punkten Unrecht hat. Ich habe das auch nicht gesagt. Auch S.-H. steht – wie jedermann – das Recht zu, Ungarns Regierung zu kritisieren. Wer aber Endre Bajcsy-Zsilinszky , einen der bekanntesten ungarischen Rassenschützler (der trotzdem die Nazis hasste), zum „jüdischen Politiker“ macht, zeigt, dass er von ungarischer Geschichte keinen blassen Schimmer hat. Und ich tendiere dazu anzunehmen, dass man ein Land (inkl. aktueller Fehlentwicklungen) besser verstehen kann, wenn man seine Geschichte ein wenig kennt. Im übrigen bezweifle ich, dass S.-H. der Umbenennung des Parkes eine Träne gewidmet hätte, wenn er gewusst hätte, wer Bajcsy-Zsilinszky war. Ich nenne das (auf ungarisch) „baki“. 🙂

  3. Wenn schon Imrédy irgendwo Jude gewesen sein soll… 🙂

    Der Hinweis auf Vago – ich habe ihn nicht gelesen – gefällt mir sehr gut, daran krankt ja das Bild vieler neuerdings selbsternannter Ungarnexperten, dass sie die Zwischenkriegszeit als einheitlich christlich-faschistoid antisemitisch schildern, denn es gab ja ein konservatives Regime, das auch antisemitische Gesetze verabschiedete, und es gab die Pfeilkreuzler, und das wird dann als Einheit empfunden und extrapoliert auf Fidesz-Jobbik heutzutage.

    In Wirklichkeit waren natürlich die (prowestlichen, proeuropäischen!) Legitimisten und christlichen Wertkonservativen auf der einen Seite, und die Pfeilkreuzler auf der anderen erbitterte Gegner – wie heute Fidesz und Jobbik. Ohne eine genaue Korrelation behaupten zu wollen, aber es ist doch ein Echo vorhanden des damaligen Frontverlaufs in der Innenpolitik.

    • Also Herr Kálnoky, ich denke, dass die ungarischen Historiker insbesondere während der letzten Jahre des Kádárregimes sehr genau das Horthy-Regime beschrieben und analysiert haben. Ich habe da einige Privatseminare des leider allzu früh verstorbenen Miklós Szabó angehört und ich kann differenzieren. Wir haben da sehr verschiedene Akteure. Zum Beispiel Bischof Ottokár Prohászka (gestorben 1927) einen rassistischen Antisemiten auf der anderen Seite solche Helden, wie Bajcsy-Zsilinszky Endre, der seinen Standpunkt während der dreissiger Jahre revidierte.

      Als Kind hörte ich in Budapest das Lied, das der Kabarettist Békeffy sang (der 1944 so glaube ich nach Mauthausen deportiert wurde) „oj oj oj az Imrédy se goj“, Nun war Imrédy laut den Nürnberger Rassengesetzen kein Jude. Er war aber ein von den Nazis bestochener Politiker und wurde auch nach dem Krieg wegen seiner Kollaboration zum Tode verurteilt und gehängt.
      Es wurde entdeckt, dass eine der vier Großmütter von Imrédy eine getaufte Jüdin war und das war dann der Vorwand, den Horthy gebrauchte, um ihn zu entlassen. Doch zuvor war er ein bekannter Bankfachmann und durchaus anglophil.

      • Jetzt musste ich doch etwas lächeln, Herr Pfeifer. Ich komme gar nicht mehr mit wie oft sie den guten Prohászka in Stellung bringen, die entsprechenden Buchstaben auf Ihrem Keyboard müssen ja lschon an Verschleißerscheinungen leiden.

        Hingegen habe ich sie noch nie von Vilmos Apor schreiben sehen. Offenbar sind katholische Bischöfe für Sie nur interessant, wenn Sie auch ordentliche Antisemiten sind – katholische Judenretter sind nicht verwertbar.

  4. Hr.Pfeiffer der Russen haben gerade der schwulen parade verboten und der ganze homosexuelle wo versucht hat doch noch marschieren sofort verhaftet.
    Wollen sie nicht ein wenig diese leute auch in der schutz nehmen und für paar woche mal nach Russland reisen?..

      • Ich habe das nicht gesagt!!
        Ich habe nur gemeint das Hr.Pfeiffer vielleicht eine neue beschäftigung braucht…nur freundlich von mir natürlich..
        Am sonnstens,ich persönlich finde diese paraden auch nicht so gut.Besonderes nach dem was sie letztemal in Budapest gemacht haben ..
        Mich stört nicht wer mit wem in bett springt.Aber der sollen doch untern ihre eingene vier wände bleiben..

  5. „Orbán Viktor beszélt arról is, hogy csak „saját magunkra érdemes hallgatunk, és nem szabad várnunk senkinek a jóváhagyására vagy ellenkezésére“. A kormányfő szerint külföldről érkeznek majd még kritikák, dühödt támadások, harcias felszólítások is az új alaptörvény vagy a most készülő sarkalatos törvények, esetleg éppen a gazdaságpolitika miatt, ám „nekünk higgadtan, udvariasan, rezzenéstelen arccal és egyenes tekintettel csak annyit kell mondanunk: ez nem a ti dolgotok, ez a magyarok dolga.“

    Ich denke das versteht alle..
    Das hat er auf das allgemeine stand von der jetzige Ungarn gesagt!Und er hat rech!

  6. sylvi72 es ist ja rührend, dass Sie sich Sorgen machen meinetwegen. Doch ich begnüge mich mit Ungarn.
    Während der Kádárzeit pflegten die Verteidiger des Kádárregimes so zu argumentieren, wie Sie „in Rumänien ist es noch viel schlimmer“.
    Es gab eine Zeit, als man in Budapest sich mit Wien verglich. Tempi passati. Nun vergleicht man sich mit Moskau und wenn schon die Russen mit Gewalt gegen Homosexuelle vorgehen, dann soll man sich doch nicht darüber aufregen, wenn das auch Ungarn tun. Doch da gibt es einen gewaltigen Unterschied. Ungarn ist EU-Mitglied und auch die Geduld der EU könnte platzen, wenn da auf die Dauer Werte und Regeln der EU verletzt werden.
    Und was Orbán dort sagt kommt ja mächtig gut an bei sylvi72, aber bei vielen anderen Ungarn nicht so gut und diese Politik führt ja logisch dazu, dass sich das Land isoliert.
    Wir hatten in Österreich auch einige Politiker, die glaubten mit solch einer Politik dem Land zu nützen. Sie nutzten nur den extrem Rechten und sie haben auf die Politik der splendid isolation verzichtet. Kleinen unbedeutenden Ländern tut eine solche Politik nicht gut.
    Aber sylvie 72 sind wir doch zu Dank verpflichtet, denn
    sie zeigt uns, dass Ungarn zu wählen hat, zwischen Zugehörigkeit zur EU und den europäischen Werten und das Abgleiten in eine Autokratie a la Putin. Ich hoffe, dass die meisten Ungarn es bevorzugen, zur EU zu gehören.

    • Herr Pfeifer,
      würden Sie bitte einmal etwas ausführlicher über die vielzitierten „Werte der EU“ etwas schreiben? Und auch erklären, wie diese mit Berlusconi, Vlaams Belang, Le Pen, die Ereignisse in Dänemark, Holland usw. zu vereinbaren sind?

      • Da wir nicht über Italien, Belgien und Frankreich hier diskutieren bleibe ich beim Thema Ungarn. Dieser Hinweis auf andere, den kenne ich aus der Zeit, als ich noch in Gerichte ging, und hörte, wie ein Taschendieb, der in der Wiener U-Bahn erwischt wurde, damit argumentierte, dass doch die „Großkopfeten mehr stehlen“. Der Richter akzeptierte nicht diese Argumentation. Im Analogieschluss bedeutet das, wir diskutieren hier über Ungarn und wir bleiben dabei.
        Ich rate Ihnen – falls Sie wirklich etwas über die Werte der EU wissen wollen – die Dokumente der EU zu lesen.
        Zum Beispiel:
        http://www.bpb.de/themen/DGMVGV,0,Die_Werte_der_Europ%E4ischen_Union.html

      • Lieber Gast, das ist ein sehr zu begrüßender Einwand. Damit wird auch in Perspektive gerückt, warum Ungarn unter Viktor Orban von manchen kritisiert wird. Die EU ist jedenfalls nach den Dokumenten und Verträgen in der Tat einigen Werten verpflichtet, u.a. nachzulesen in der Charta der Grundrechte, aber aller Wahrscheinlichkeit auch in den verschiedenen EU-Verträgen. Etwas anderes ist, ob nun Mechanismen bestehen, jede einzelne Regung der Bürger, die möglicherweise auf andere Ziele abstellt (was aber in der Interpretation des Betrachters liegen kann), aus Brüssel zu bestrafen. Die EU ist nämlich auch ein politischer Prozess, keine Diktatur. Das muss man auseinanderhalten können, was die Ziele sind und wie es die Umstände ermöglichen, diesen Zielen näher zu kommen oder auch nicht. Und es gibt durchaus eine europäische Tradition, der sich mit Verlaub auch Viktor Orban in Wort und Tat verpflichtet fühlt, die nicht alle diese Ziele teilt, die weit weniger an europäischer Kooperation interessiert ist, die ein bisschen mehr der Vorstellung anhängt, dass wenn man es bloss schaffen könnte, alle Menschen schön nach ihrer Nationalität in ihren Käfig zu stecken, würden sich viele Probleme lösen etc. Das ist in der Tat auch eine europäische Tradition, eine, die nicht jeder begeistert sich ausbreiten lassen möchte, selbst wenn sie einigen Bürgern richtig die Herzen wärmt. So ist es dann sicher verständlicher, warum man Ungarn im Moment beäugt, weil man eben nicht genau weiss, wieviel an europäischer Kooperationsfähigkeit, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde, nicht schnell wieder kaputt gemacht werden kann. Aber wie sie es sehr schön geschrieben haben, das ist keineswegs ein ungarisches Phänomen, weshalb auch die Kritik an Fidesz keineswegs mit einer Obsession gegen Ungarn gleichgesetzt werden muss.

  7. Lieber Herr Kálnoky, da es einen Prohászka Kult in Ungarn gibt schreibe ich darüber. Sollte es zu einem Apor Kult kommen, dann würde ich selbstverständlich viel lieber über diesen Bischof schreiben. Es gab natürlich auch katholische Würdenträger, die 1944 Juden versteckt haben. Und in der israelischen Institution Yad Vashem wurde auch für jeden Retter ein Baum gepfanzt. Nur leider gab es wie die bedeutende katholische Historikerin Erika Weinzierl über Österreich schrieb „Zu wenig Gerechte“. Und das trifft auch leider für Ungarn zu.
    Einige bedeutende katholische Würdenträger haben in der Zwischenkriegszeit antisemitische Hetze betrieben und damit ihren Beitrag dazu geliefert, was dann so viele Ungarn davon abhielt ihren jüdischen Landsleuten zu helfen, zu ihnen gehörte auch Prohászka. Es ist ja interessant, dass Sie akzeptieren und keinen Widerspruch anmelden, wenn ich behaupte, dass Prohászka Rassist war. Warum also wird ein Rassist geehrt?
    Ich hege den starken Verdacht, dass Prohászka eben wegen seiner rassistischen Ansichten heute in gewissen Kreisen in Ungarn so populär ist. Leider könnte ich Ihnen seitenweise Zitate aus dieser Zeit liefern, die beweisen welche inhumane Ansichten von Würdenträgern der katholischen Kirche Ungarns geäußert wurden.

    Schade dass heute in Ungarn Margit Slachta, die Gründerin eines Schwesterordens nicht die gleiche Wertschätzung genießt, wie Prohászka. Als in der amerikanischen Provinz ihres Ordens eine schwarze Kandidatin um Aufnahme bat und die weißen Novizinnen darum mit Austritt gedroht hatten gab sie folgende Anweisung: „Nicht wir verleihen die Berufung zum Ordensstand, sondern wachen nur über diese. Wenn Gott einen Menschen schwarzer Hautfarbe in unsere Gesellschaft schickt, haben wir die Pflicht, ihn aufzunehmen. Wenn das für Anwärterinnen weißer Hautfarbe Grund genug ist, zurückzutreten, beweisen sie nur, dass sie sich für die Gesellschaft der Sozialen Schwester nicht eignen.“
    Danke Herr Kollege, dass Sie zu meiner Tastatur Stellung beziehen, doch kann ich Sie beruhigen, auf meiner Tastatur sind immer die Buchstaben A und E die ersten, die langsam verschwinden.

  8. Lieber Herr Pfeifer,

    Wie definieren sie denn „Kult“? Apor wurde selig gesprochen, nach ihm sind in jedem Ort Straßen und Plätze benannt, es laufen Antrengungen, auch die Heiligsprechung zu erreichen. Prohaszka fällt dagegen kaum ins Gewicht. (Von ihm hatte ich bislang nie etwas gehört, trotz angeblichem Kult – vielleicht ist dieser „Kult“ mehr ein Phänomen in einem begrenzteren Kreis von Antisemiten und deren Entlarver)

    Ich muss Ihnen leider ausgeprägte Einseitigkeit vorhalten,was schade ist, denn zuweilen haben Sie ja einen Punkt, den sie aber im Grunde durch Ihren Entlarvungs-Übereifer schwächen.

    Wieviel Recherche haben Sie denn betrieben, um die „Gerechten“ zu finden? So schwer ist es nämlich gar nicht. Es gab viele, und sie werden bis heute zu wenig gewürdigt. Allein in Budapest hielt die katholische Kirche 25.000 (!) Juden versteckt – siehe dieses Buch hier:

    http://www.amazon.com/Righteous-Unsung-Heroes-Holocaust/dp/B0001G0V6G

    Mehr als 100.000 Scheintaufen wurden von katholischen Priestern verabreicht, die Regierung wurde wieder und wieder schriftlich aufgefordert, diese Täuflinge nicht als Juden zu behandeln, in den Kirchen wurden Geld und Lebensmittel für die Ghettos gesammelt und – auf Initiative Apors – wurde in den Kirchen laut und vernehmlich gegen die Judendeportationen gepredigt. Der Papst wurde von den Apors (von Rotkreuzchefin Gizella Apor) zu einer schriftlichen Intervention bewegt – und von den Allierten davon abgehalten, mehr zu tun.

    http://www.catholicherald.co.uk/news/2011/05/20/allied-diplomats-urged-pius-xii-to-stay-silent-about-nazi-deportations/

    Bemühen Sie sich doch einfach um ein wenig Ausgeglichenheit, das macht den Blick der Leser frei für das, was in Ihren Beiträgen an Interessantem steckt.

    • Lieber Herr Kálnoky

      1) wenn Sie den stellvertretenden Sprecher des ungarischen Parlaments Sándor Lezsák und den jetzigen Staatssekretär Zoltán Balog als unwichtig abtun, dann finde ich das seltsam
      Bei der Enthüllung einer Büste des Bischof Ottokar Prohaszka in Lakitelek, hat der wichtige Fideszpolitiker Lezsák diesen Rassenantisemiten (+ 1927) und Chefideologen des ungarischen Antisemitismus, der führend war bei der Einführung des numerus clausus 1920, so verteidigt, der wollte ja nur “die kosmopolitisch-parasitäre Schicht” zurückdrängen und dabei wurde er vom reformierten Pfarrer Zoltan Balog unterstützt. Wer gemeint ist unter „kosmopolitisch-parasitäre Schicht“ ist klar.
      2) All diejenigen, die Menschen gerettet haben wurden geehrt.
      3) Aber es lohnt doch einen Blick in die katholische Presse der Zeit zu werfen.
      Ein Jahr vor der Deportation der Juden veröffentlichte Dr. József Takács einen Artikel in Magyar Kultúra 1943/ Nr 7, 5. April mit dem Titel „Christus und die Juden:
      „Das traurige Schicksal Christi kann man nicht allein den Machenschaften der Hohenpriester und Vornehmen zuschreiben. Schuld daran ist das ganze Volk alle Juden…
      usw.
      In einem Buch, das mit einem Vorwort von Karl Rahner und einem Nachwort von Otto Habsburg versehen ist fand ich folgendes:
      Am 21. Juni 1944 erschien in der Veszprémer Zeitung ein Artikel mit dem Titel „Weg vom Ghetto“. Unter dem Kopftitel der Zeitung stand in großen Lettern: „Christliches politisches Blatt“, und als Impressum: „Herausgeber: Diözesane Druckanstalt.“
      Der Artikel:
      „Man hat die Juden in ein Internierungslager gebracht. Im Laufe des ganzen Montags führte man sie zum Bahnhof, damit sie vom ganzen Land in einem Ort versammelt seien.
      Nach der Räumung des Ghettos schauten wir nach, wie sie ihre Wohnstätte hinterlassen hatten. Was wir gesehen haben, kann man nicht mit kurzen Worten schildern, es würde lange Seiten füllen. Überall die größte Unordnung, ein großes Durcheinander. Om dem verlassenen Wohnungen lagen Eier in riesigen Mengen, das Mehl verstreut, Gläser mit eingekochtem Obst standen herum. Die Betten ungemacht, die Kleider aus den Schränken auf den Boden geworfen. Reisekoffer und Kleidungsstücke versperrten einem den Weg. Riesige Mengen Damenhandtaschen, gefüllt mit Kosmetika, lagen herum. Solange die Juden im Ghetto wohnten, konnten sie auch an der Verpflegung nichts auszusetzen haben, denn eine eigene Koscher- und Diätküche stand ihnen zur Verfügung. Doch wie wir sahen, war das Mittagessen von Montag noch nicht fertig zubereitet, halb gar blieb es im großen Emailtopf zurück.“
      Ein katholischer Pfarrer schrieb seinem Bischof über diesen Bericht einen empörtenj Brief aus dem ich lediglich den Schluss zitiere: „Wohlmeinende Menschen verspotten nicht einmal so den ärgsten Raubmörder auf seinem Weg zur Hinrichtung. Es steht außer Zweifel, dass mit der Peinigung der Juden und getauften Christen, in den meisten Fällen an unschuldigen Menschen, ein nie wieder gutzumachendes Verbrechen begangen wird. Ich glaube auch sagen zu müssen, dass im Herzen vieler Menschen deswegen Ratlosigkeit und Verwirrung bezüglich der Judenfrage auch nach dem Rundschreiben des Erzprimas herschen, weil sie es nicht verstehen können, warum der Episkopat in den besseren Zeiten vor den Ereignissen in März, also noch vor der deutschen Besetzung, versäumt hat, klar und unmißverständlich die Dinge beim Namen zu nennen und den christlichen Standpunkt im Gegensatz zu der heute gängigen Denkungsart bezüglich der Judenfrage darzulegen.“
      Hier nur ein paar Zeilen aus dem Antwortbrief des Bischofs, der darauf hinweist, „dass ich auch seither das Blatt ermahnt habe, dass es unschicklich sei, jene zu kränken, die von allen mißhandelt wurden….Das Episkopat wird heute zwischen zwei Mühlen zerrieben: Die Juden erwarten von uns ihre Rettung allesamt, die der Kirche untreu gewordenen Pfeilkreuzler hingegen, dass er die Dogmatik im Stich läßt. Die Kirche hat die Juden weder verlassen noch im Stich gelassen, obwohl wir, meiner persönlichen Meinung nach, auch tatkräftiger hätten vorgehen können. Ich habe es auch vorgeschlagen.“
      Der Bischof war niemand anderer als József Mindszenty.
      Der Pfarrer schreibt: „Der Episkopat hätte wirklich zielführend die kirchlichen Strafmaßnahmen anwenden und jeden Katholiken, der bewußt und willentlich schwer sich gegen unschuldige Juden versündigt hatte, mit dem Kirchenbann belegen können. Das geschah aber nicht. […] Es berührte mich schmerzlich, dass er auf den infamen und gegen das oberste Gebot des Christentums schwer verstoßenden Artikel im Diözesansblatt so relativ schwach reagiert hatte.“
      Ich verstehe schon, dass man, jetzt wo man Stolz auf die Größe Ungarns postuliert, nur das heraussucht was diese Größe bestätigt. Das war auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht anders, István Bibó schreibt: „Als eine inoffizielle Versammlung von Kirchevertretern“ (Bibó bezieht sich auf eine Erklärung des reformierten Bischofs László Ravasz nach dem antijüdischen Pogrom im ostungarischen Kunmadaras im Mai 1946) soweit ging, im Namen des ungarischen Volkes und seiner Kirchen die Juden u m V e r g e b u n g z u b i t t e n, wurde dies von einem spürbar gereizten Raunen als übertrieben erachtete Selbsterniedringung zurückgewiesen. Die Aufdeckung und detaillierte Beschreibung der Greuel wurde von den amtlichen Organen und der der Öffentlichkeit mit spürbaren Unmut aufgenommen….“

      Nun das war die Vergangenheit, die trotz aller Versuche sie umzuschreiben, gut dokumentiert ist.

      4) Der Experte der UNO-Menschenrechtskommission besuchte Ende Mai Ungarn: In a press statement issued after he wrapped up a five-day visit to Hungary, Mr. Muigai voiced particular concern about the worsening situation faced by the country“s Roma minority.

      „They have been the most affected by Hungary“s difficult transition period from socialism to a market-based economy and they continue to face racism, racial discrimination and intolerance in the areas of employment, education, housing and health,“ he said.

      Mr. Muigai also voiced concern about refugees, asylum-seekers and migrants, and the discrimination and intolerance they suffer on a daily basis, particularly those in detention.

      „Immediate action is required to tackle anti-Semitism in Hungary,“ he added, calling on the Government to be vigilant and to set up the necessary mechanisms to address the issue.

      Mr. Muigai also warned against a rise of extremist political parties, some of which have racist platforms, and he drew the Government“s attention to hate speech.

      „It is important to prevent such behaviour and ensure that those responsible for racist acts are held accountable and the victims provided with appropriate legal remedies,“ he said.

      Ich denke, man sollte all das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

      • Lieber Herr Pfeifer,

        die Beschäftigung mit Apor ist nicht ein Ergebnis der heutigen Politik, sie dauert seit etwa 70 Jahren an. Halten wir doch fest, dass Ihre Aussage, es gebe um Apor keinen „Kult“, und dass sie ihn deswegen nie erwähnen, falsch ist. Er eine ist ungleich verehrtere Figur, weit über Ungarn hinaus, als der nur begrenzt bekannte Prohaszka. Und der Grund, warum sie ihn (und seinesgleichen) nie erwähnen, ist, dass er nicht in Ihre Argumentation passt.

        Um Ihre verzerrende Behauptung verteidigen zu können, genügt es nicht, den relativ unbedeutenden Leszak ins Feld zu führen, Sie müssten, um glaubhaft zu sein, eine vergleichende Betrachtung des Wirkens Apors, und dessen Nachhall bis heute, und des meiner Meinung nach vergleichsweise gewichtlosen Prohaszka anbieten.

        Aber das würde Sie zwingen, sich mit Apor zu beschäftigen, der das Gegenteil ihres ganzen mühsam konstruierten Diskurses darstellt, da er ja nicht nur von Anfang an Antifaschist war und von Anfang an die Diskriminierung gegen Juden bekämpfte, sondern auch noch öffentlich der eigenen ungarischen Regierung die Schuld vor der Geschichte, sowie „vor Gott und der Nation“ gab (statt den Deutschen) und dies auch in Briefen an die Regierung unterstrich. Und natürlich rang er auch gegen die zögernderen oder gar rassistischen Elemente der Kirche, die es ja durchaus gab – aber es wäre falsch, nur diese Seite zu sehen, und es ist falsch von Ihnen, das zu tun.

  9. Lieber Herr Kálnoky woher wissen Sie, ich hätte mich nie mit Apor beschäftigt. Es ist ja nicht alles im Internet was ich geschrieben habe.
    Das Problem für mich ist, dass es in Ungarn einen aggressiven Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus gibt und dass die angeblich bürgerliche Partei, sich davon nicht abgrenzt. Daher auch meine Hinweise auf Prohaszka.
    Der natürlich nicht nur ein antisemitischer Ideologe war, sondern ein bedeutender katholischer Intellektueller.
    Prohászka ist leider gar nicht so gewichtslos, wie Sie das hinstellen.
    http://www.fmh.hu/fokusz/20110401_prohaszka_ottokar
    Interessant ist, wie der Diözesansarchivar argumentiert, man solle doch keine einzelne Sätze aus dem Kontext zitieren. Doch es handelt sich nicht um einzelne Sätze, sondern um eine Broschüre von Prohászka, publiziert 1920 im deutsch-völkischen Hammer Verlag in Hamburg und versehen mit einem Hakenkreuz. In dieser Broschüre zeigt sich der Bischof als Rassist und zwar explizit. Und damit ist er ja auch – wenn ich gut informiert bin – über das Dogma der Kirche hinweggegangen.
    Für mich macht es keinen Sinn, wenn Sie Lezsák, den ich noch aus Lakitelek kenne, denn ich war bei der Gründung von MDF dabei als Journalist, als unbedeutend hinstellen.
    Lezsák ist ein wichtiger und einflußreicher Fides-Politiker, das gleiche trifft für Zoltán Balog zu.

    In Österreich hat die katholische Kirche ihre eigene Geschichte während der Zwischenkriegszeit ziemlich aufgearbeitet. In Ungarn scheint das nicht der Fall zu sein.
    Und jetzt in Zeiten, wo man in der Politik wirkliche Erfolge, mit Symbolen und nationalen Phrasen ersetzt, gibt es nur eine Minderheit, die zu solch einer Arbeit bereit wäre.

  10. Lieber Herr Pfeifer,

    dass Sie sich nicht mit Apor beschäftigt haben, oder aber nichts davon verstanden haben, geht aus Ihrer Aussage hervor, sie schrieben nicht über ihn, weil kein „Kult“ um ihn besteht. Das ist lachhaft, da er wohl neben Mindszenty (an dessen Stelle er wahrscheinlich Primas geworden wäre, hätten die Russen ihn nicht erschossen) die Ikone schlechthin des ungarischen Katholizismus darstellt – eine seliggesprochene Figur mit Vorbildcharakter, in der viele konservative Ungarn ein Beispiel dafür erkennen, wie man als Katholik sein soll.

    Aber da Sie ja offenbar mit großer Entschlossenheit an halben Dingen festhalten wollen, will ich sie nicht weiter zu Ganzheit drängen.

  11. Lieber Herr Kálnoky,
    ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass es für den ungarischen Katholizismus schwerwiegende Folgen hatte, dass Apor von marodierenden Soldaten der Sowjetarmee erschossen wurde.

    Aber zu meiner Rechtfertigung, ich überlassen Kritik und Lob der katholischen Kirche Ungarns lieber katholischen Kollegen.

    Ich glaube hier schon über meine Prozesse geschrieben zu haben. 1995 klagte mich ein in Münster an der Fachhochschule lehrender Österreicher wegen „übler Nachrede“. Ich hatte sein im FPÖ Jahrbuch 1995 erschienenes 52 Seiten umfassendes Elaborat „Internationalismus gegen Nationalismus“ kritisiert
    Im Gericht kam es zu Fragen meines Anwalts an den Kläger und anschliessend fragte mich sein Anwalt: „Herr Pfeifer, mein Mandant widmete der katholischen Kirche 16 Seiten, wieso haben Sie nicht dazu Stellung genommen?“
    Meine Antwort brachte den Richter zum Lachen: „Warum sollte der Redakteur einer jüdischen Zeitschrift dazu Stellung nehmen, das wäre doch ein gutes Thema für meine katholischen Kollegen“.
    Hier zwei Zitate aus seinem Elaborat, die charakteristisch für seine Argumentation waren:
    „Die Mutation zur Feindschaft erlebte der staatsphilosophische Gegensatz erst mit dem Einsickern des orientalischen (jüdischen) Messianismus in Gestalt des missionarisch-offensiven Frühchristentums in die Gedankenwelt des Römischen Reiches“
    Seite 498
    „Namentlich Paulus, der zelotische und machtbewußte Mentor dieser Urchristen, sammelte die gesellschaftlichen Aussteiger seiner Zeit um sich in dem Bestreben, eine Erhebung der Minderwertigen zu schüren und auf deren Grundlage seine messianische Theokratie zu errichten.“
    Seite 499

    Der vom Gericht bestellte Gutachter Prof. Rudolf Ardelt (Universität Linz) bemerkte dazu:
    „Es seien hier nur zwei Beispiele angeführt, die in der Publikation des PA [Privatankläger K.P.] eine zentrale Rolle spielen.
    a. Der PA führt den Terminus des „orientalischen (jüdischen) Messianismus“ ein – „in Gestalt des missionarisch-offensiven Frühchristentums“. In der unmittelbaren Folge ist vom „jüdisch-christlichen Messianismus“ und von „jüdisch-christlichen Immigranten“ die Rede. Der Terminus „Messianismus“ und seine sprachlich vorgenommene Verknüpfung mit dem Judentum werden nun nicht näher bestimmt. So bleibt denn dem Leser verborgen, daß der „Messianismus“ der jüdischen Christengemeinden in scharfem Gegensatz zur jüdischen Religion stand: diese kennt nicht den offenbar vom PA mit „Messianismus“ assoziierten Missionsanspruch gegenüber Andersgläubigen, sondern ist engstens ethnisch zentriert. Die wesentliche Differenz zwischen den frühchristlichen Gemeinden und dem Judentum wird nicht auch nur andeutungsweise klargelegt.
    Ebenso wenig läßt sich die „ausgeprägt sozialistische Weltanschauung“ des frühen Christentums „als orientalische Denkungsart (also wiederum implizit „jüdische“ Denkungsart) spezifieren. Ebenso könnte man die Autokratie und „Despotie“ als Erbe „orientalischer Denkungsart“ bezeichnen.
    Der PA verzichtet in diesem Zusammenhang mit Ausnahme eines Zitats aus einem Lexikon auf jegliche Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur – ja im fehlen offenbar die einfachsten Grundkenntnisse der Geschichte.
    Was bleibt – aber auch eine wesentliche Grundlage der weiteren Argumentation darstellt – ist eine stereotype Formel, die die Konstruktion eines Kontinuums der Assoziation von „Juden“ und „Messianismus“ herstellt.
    b. Zur Kennzeichnung des frühen Christentums, vor allem des „paulinischen“ Christentums stützt sich der PA nicht etwa auf wissenschaftlich-historische Literatur, sondern auf einen langen Auszug aus einer Polemik des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (S.499f.) und stellt dazu lapidar auf S.500,Anm.1 fest:
    „Aus christlicher Sicht würde die Bewertung der Ereignisse zweifellos anders ausfallen, als Nietzsche sie mit seiner Darstellung verbindet. Die Tatsachenbeschreibung selbst erscheint jedoch korrekt.“
    Wie sich ein ernstzunehmender Wissenschafter auf eine Polemik des krassen Hassers des Christentums Nietzsche in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts als „Tatsachenbeschreibung“ ohne Konfrontation auch nur mit einem Ansatz von anderer historischer, vor allem neuerer Untersuchungen stützen kann, bleibt dem Sachverständigen unverständlich. “

    Ähnliche Gedankengänge kann man auch bei einigen ungarischen Rechtsextremisten finden. Und im XIV Bpester Bezirk pflegt man neuerdings auch die Runenschrift.

  12. Ich wußte ja gar nicht was alles vor Gericht verhandelt werden kann. Verzeihen Sie mir wenn ich sie noch mal anstoßen muss, Herr Pfeifer, aber es stimmt lediglich, dass sie die Verteidigung des Katholizismus guten Katholiken überlassen – die Kritik übernehmen Sie (zumindest auf diesem Forum). Daher mein wiederholter Vorwurf der Einseitigkeit. Nun wollen wirs aber gut sein lassen, Sie haben mich verstanden, und ich Sie.

    Ach und ich habe nicht gesagt, dass Apors Ermordung für den ungarischen Katholizismus schwere Folgen hatte. Die kommunistische-atheistische Gewaltherrschaft hatte schwere Folgen, dagegen leistete Mindszenty spektakulär und berechtigt Widerstand – ich denke nicht, dass Apor es sehr viel anders gemacht hätte.

    • Lieber Herr Kálnoky,
      Nun über Mindszenty gehen in Ungarn – auch unter Katholiken – die Meinungen auseinander. Unbestreitbar ist, dass es dem staatlichen Kirchenamt – eine Filiale der III/III gelungen ist, alle ungarischen Religionsgemeinschaften zu unterwandern und mancher Würdenträger eher den Behörden als Gott gedient hat.
      Ich kann mich noch erinnern, während des Kádár-Regimes mit einem jungen Kaplan gesprochen zu haben, der illegal damals mit einer Gruppe Jugendlicher einen Ausflug machte. Er wurde zu seinem Bischof vorgeladen, der ihm Fotos zeigte, wie er am Ostbahnhof in Budapest mit Jugendlichen in den Zug steigt und der Bischof machte ihm Vorwürfe, wieso er diese Jugendarbeit betreibe.
      Viel Material über die Unterwanderung der Religionsgemeinschaften wurde seit der Wende publiziert.
      Interessant war auch ein Vortrag von Kardinal Lékai vor katholischen Journalisten in Wien, die ihn befragten, weshalb in Ungarn katholischen Pazifisten nicht der Dienst ohne Waffe gestattet wird, wo doch Ungarn von lauter sozialistischen Staaten umgeben ist mit Ausnahme Österreichs und unser Land neutral sei und ob denn Ungarn mit Waffen gegen Österreich verteidigt werden muss. Der Kardinal meinte ja und die katholischen Kollegen, die mir das erzählten, waren entrüstet.
      Eine ganz andere – meiner Meinung nach positive – Rolle spielte die katholische Kirche in Polen.

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