Die Presse: Ungarn legt sich mit Rumänien an

Die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtet über den „Konfrontationskurs“, den Budapest gegenüber den Nachbarn fahre:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/672905/Ungarn-legt-sich-mit-Rumaenien-an?_vl_backlink=/home/politik/index.do

Wer über die „Spannungen“ in der Region berichtet, sollte das ohne einseitige Schuldzuweisungen tun. Leider lese ich in dem Beitrag etwas von dem „Budapester Konfrontationskurs“, aber wieder einmal kein Wort zum (immer noch existierenden) slowakischen Sprachengesetz und auch nichts zu den Hintergründen der geplanten Verwaltungsreform in Rumänien (offenbar mit dem Ziel, diejenigen Bezirke, die über eine große ungarische Minderheit verfügen, „ethnisch glatt zu bügeln“). Die Presse weiß – natürlich – trotzdem, wer schuld ist: Ungarn. Wer sonst.

21 Kommentare zu “Die Presse: Ungarn legt sich mit Rumänien an

  1. Die ganze Welt hat sich – wenn wir H.V. glauben könnten – gegen Ungarn verschworen. Denn „Die Presse“ wird man schwer als „links-liberal“, „kosmopolitisch“ oder gar „wurzellos“ abqualifizieren können.
    Kritik an der Politik einer Regierung ist – meiner bescheidenen Meinung nach – nicht gleichzusetzen mit Feindschaft gegen Ungarn.
    Interessant fand ich einen Artikel in Élet és Irodalom, der von Béla Markó aus Transsylvanien stammt. Ob der jetzt auch zum Feind Ungarns erklärt werden wird?
    http://www.es.hu/marko_bela;partcsinalok;2011-06-22.html

    • Hat „H.V.“ denn gesagt, dass sich „die ganze Welt“ gegen Ungarn verschworen hat? Ihre Standard-Replik ist insoweit genau so phantasielos wie das, was Sie mir in Ihrem ersten Satz vorwerfen. Man könnte langsam wirklich aufhören, Kritik an einseitigen Berichten, wo sie auch immer erscheinen mögen, als Verschwörungstheorie abzuqualifizieren.

      „Denn „Die Presse“ wird man schwer als „links-liberal“, „kosmopolitisch“ oder gar „wurzellos“ abqualifizieren können.“

      Auch das habe ich nicht gesagt.

    • „Die Presse“ macht in diesem Artikel eindeutig Ungarn zum Sündenbock. Eine ausgewogene Berichterstattung erwägt die Ursachen beiderseits, bei diesem Artikel ist Ungarn der Stecher und Rumänien, sowie Slowakei, die armen Gestochenen. Wie Sie es auch wissen, Herr Pfeifer, ist es nicht so einfach zu beurteilen. Da muss man nicht mit Übertreibungen wie „Die ganze Welt hat sich gegen Ungarn verschworen.“ oder mit Verallgemeinerungen wie „„Die Presse“ wird man schwer als „links-liberal“, „kosmopolitisch“ oder gar „wurzellos“ abqualifizieren können.“ kommen. Diese Art von Berichterstattung ist einseitig, wie in diesem Artikel es eindeutig der Fall ist. Haben Sie schlecht geschlafen, Herr Pfeifer, dass Sie schon wieder so einen Quark schreiben?

      • @ Richter: Ich würde mir darüber keine Gedanken machen. Ist weder repräsentativ (im Vergleich zu den Artikelaufrufen stimmt fast keiner ab) noch nachprüfbar. Ein wenig wie die Volksbefragung zur Verfassung 🙂

  2. „Die Presse weiß – natürlich – trotzdem, wer schuld ist: Ungarn. Wer sonst.“

    Daraus folgerte ich.

    Natürlich freut mich, dass Sie H.V. nicht die Meinung teilen, die so weit verbreitet ist in Ungarn, dass sich die ganze Welt gegen Ungarn verschworen hat.

  3. Schlechter Beitrag aber guter Link, danke dafür Herr Pfeifer. Ich finde die Siebenbürgenpolitik Ungarns unter Fidesz bedenklich, weil ich überzeugt bin, dass sie das Gegenteil dessen ist, wofür sie sich ausgibt und wofür sie kritisiert wird – es ist ein Versuch, die Minderheiten abzusaugen, um die demographischen Verluste in Ungarn auszugleichen, ohne auf nicht-ungarische Einwanderer zurückgreifen zu müssen. Das ganze passiert hinter einer Nebenwand patriotischen Gebarens, denn aussprechen darf man die Absicht nicht, das wäre politisch ein Frevel.

    Markós Analyse würde dazu passen, nur dass er die Strategie nicht zu sehen scheint.

  4. Danke Herr Kálnoky für diese Einschätzunhg, wenn das der Hintergedanke der ungarischen Regierung ist, und wenn sie auf Spannungen spekuliert, ja diese herbeiführen will, dann ist diese Regierung nicht nur töricht sondern gemeingefährlich.
    Heute bringt die Presse ein Interview mit dem ungarischen Außenminister János Martonyi.
    http://diepresse.com/home/politik/eu/673192/Ungarn-zieht-Bilanz-ueber-EURatsvorsitz?_vl_backlink=/home/politik/eu/index.do

  5. Zwar nicht in den vergangenen zwei Jahren, davor aber war ich schon recht häufig in Rumänien und dabei vor allem in Siebenbürgen. Was mir auffiel: egal mit wem ich in Kontakt war, Rumäne oder Ungar, gab es keine Probleme, konnte man von einem miteinander leben reden. In der Breite, unter den ganz normalen Menschen. Dass es Ränder gibt, die radikal denken, ist immer und überall so.

    Dass jetzt die Politik Lunten legt, ist mehr als bedauerlich und ich würde mir sehr stark wünschen, dass dies unter eben diesen normalen Menschen gar nicht verfängt.

    Und, wenn Sie Herr Kálnoky mit Ihrer These zur Fidesz-Politik Recht haben sollten, so würde es mich angesichts des Erlebten doch sehr wundern, wenn welchem Lockruf heim ins Reich auch immer, eine wirklich relevante Zahl folgen würde. Es sei denn, man trägt ganz bewusst seinen Teil dazu bei, die Situation der Menschen vor Ort sehr nachhaltig zu verschlechtern. Aber der Weg erscheint mir doch ein sehr langer.

    • @Peter K.
      „die Situation der Menschen vor Ort sehr nachhaltig zu verschlechtern“

      Ja, durch „Spaltung“ dieser Minderheiten, sodass sie wegen „Zersplitterung“ keine Delegierten mehr in die Parlamente (beispielsweise zu Bratislava oder Bukarest) entsenden vermögen. Ihre Interessen können somit nicht mehr vertreten, keine Verbesserungen mehr erzielt werden…

      Ob da dann „das Mutterland“ noch helfen kann, ist fraglich…Da nützt dann der „blaue Pass“ auch nichts mehr… Und „auswandern ins Mutterland“ wird auch nichts nützen, weil die Million Arbeitsplätze demnächst wohl nicht zusammenkommen werden… bzw. zunächst vielleicht mit den „Einheimischen Mutterländern“ aufgefüllt werden müssten…

      Ich hoffe, die Ungarn im Umland dieses „Mutterlandes“ bleiben besonnen und lassen sich nicht spalten… Das wäre für sie verheerend…

  6. Peter K. danke für Ihren Beitrag. Das gleiche kann man ja auch in der Slowakei beobachten, wo Ungarn und Slowaken im Alltag gut miteinander auskommen. Dort hat auch eine zweisprachige Partei „Most-Hid“ einen Wahlerfolg erziehlt.
    Die allermeisten Ungarn in der Slowakei folgen nicht den nationalistischen Zurufen aus Budapest.
    Der ungarischen Außenpolitik haben objektive Beobachter, während der ersten zwanzig Jahre nach der Wende, Nüchternheit und den Willen mit den Nachbarn gut auszukommen, bestätigt. Es ist sehr traurig, dass jetzt Fidesz anscheinend eine Politik der nationalen Aufschaukelung versucht.

  7. Peter K. ich glaube das kann man googlen, viele Zehntausend Ungarn der Minderheiten kamen seit der Wende nach Ungarn, aber der Prozess kam in letzter Zeit zum Stillstand, daher – meiner Meinung nach – die seltsame Fidesz-Strategie, laut und patriotisch aufzutreten, aber die sehr erfolgreiche RMDSZ torpedieren zu wollen. Honni soit qui mal y pense! Aber: Die Formel „Spannungen verstärken — politische Vertretung schwächen – Stzaatsbürgerschaft geben“ läuft im Ergebnis darauf hinaus, die Abwanderung ankurbeln zu wollen. Ich hoffe wie Sie, Peter K., dass das nicht klappen wird.

    Übrigens, Update: Die Regionalreform ist verschoben.

  8. Ich hatte, lieber Herr Pfeiffer, das letztlich in beide Richtungen gemeint. Schließlich gießt derzeit die rumänische Regierung auch Öl ins…, ja in was eigentlich?

  9. Eine Woche war ich um den 10. Juni herum in „Erdély“ (Siebenbürgen, Marosvásárhely und Umgebung… ):

    Es ist destruktiv, was die Regierung in Ungarn veranstaltet… (Gilt generell für alle „ungarischen Minderheiten“ ausserhalb des „Mutterlandes“) und schadet gerade den „angeblich dermassen geliebten Landsleuten“ im Umland.

    Die Betonköpfe zu Budapest müssten einsehen, dass verbesserte Resultate im Interesse dieser leidgeprüften Minderheiten nur durch Mitwirkung ihrer eigenen Delegierten in den zutreffenden Parlamenten / Regierungen, beispielsweise in Bratislava oder Bukarest, im Geiste des Konstruktes „Europa“ zu erzielen sind.

    Das habe ich gehört…. von allen meinen zuvorkommenden und liebenswürdigen Gastgebern und Gesprächspartnern….. Somit hierher, in den Westen mitgebracht…

    Eine Strategieänderung der Herrscher im Mutterland wäre doch prüfenswert… Bevor Scherbenhaufen veranstaltet werden…

    • @ Jean Louis
      Es gibt auch eine andere bzw. leicht abgewandelte Narrative: Nämlich die, dass sich Ungarn solche Bauchpinselaktionen, gerichtet an die Auslandsungarn, ersparen würde, wenn alle umliegenden Länder so vorbildlich mit ihren ungarischstämmigen Minderheiten umgehen würden wie Österreich. Fragen wir uns doch, warum wir alle noch nichts vom „Krisenherd Burgenland“ gehört haben.

      Während die aktuelle und zukünftige ungarische Verfassung die Rechte der Volksgruppen und Minderheiten (Kultur, Sprache) ausdrücklich schützt, schenkt uns die Slowakei ein Staatssprachengesetz. Was sagen Sie dazu?

      Die Frage zu beantworten, wer angefangen hat, fällt mir schwer. Man müsste wohl weit hinter Trianon zu forschen anfangen. Ist ein wenig wie die Frage nach der Henne oder dem Ei.

      • AUDIETUR ET ALTERA PARS!

        Danke für diese Ergänzung in Sachen AUSTRIA und „Burgenland“, ein Fleckchen Erde, das ich mitsamt ihrer buntgemischten Bevölkerung (inkl. kroatisch-stämmiger Freundschaften) sehr schätze.

        Anlässlich der Vernissage eines Schweizer Karikaturisten in Oberwart / Felsőőr hatte ich die Ehre, das Grusswort zweisprachig an die anwesenden Kulturinteressierten zu richten und musste mich bei den „Kroaten“ mangels Sprachkenntnisse entschuldigen. Die meisten von ihnen haben jedoch sowohl mein Deutsch als auch meine ungarischen Wortspiele bestens verstanden.

        So wie AUSTRIAs Kärnten noch am Verhältnis zu Slowenien arbeitet, würde es natürlich den weiteren Umländern (SK, RO etc.) gut anstehen, burgenländische Verhältnisse näher zu studieren und daraus eigene Schlüsse für ihren Umgang mit Minderheiten zu ziehen.

        Aus „Szeklerland“ konnte ich aber nur darüber berichten, was ich dort zu hören bekam.

        Mit den von uns nun gemeinsam erarbeiteten und „hier artikulierten“ Beobachtungen sollte sich aber auch die gegenwärtige ungarische 2/3-Mehrheit, in erster Linie ihre prominentesten Exponenten, beschäftigen.

      • @ Jean Louis:

        Ich stimme Ihrem letzten Satz voll zu. Ich schrieb daher auch in einem meiner letzten Kommentare, dass Herr Semjén mit seinen Forderungen nicht immer sehr glaubwürdig klang/klingt. Gleichwohl denke ich, dass es durchaus legitim ist, auf kritikwürdiges hinzuweisen. Ich hebe da vor allem das slowakische Sprachengesetz hervor, dass – von der EU-Sozialdemokratie wegen Solidarität mit Fico – kaum kiritisiert wurde. Es hätte eine hervorragende Möglichkeit geboten, einmal unter Bezugnahme auf astreine „europäische Werte“, für Ungarn einzustehen. Das tat man nicht.

        Am Kern meiner Aussage halte ich daher fest: Würden in SK und RO Verhältnisse wie in Österreich herrschen, so wäre die Wortwahl Budapests, meiner Einschätzung nach, deutlich moderater, und Rattenfänger wie Jobbik könnten hiermit keine Politik machen. Nehmen wir doch mal an, ein Jobbik-Politiker würde einfordern, dass man das Burgenland abspaltet. Man würde ihn aus dem Saal prügeln. Kein vernünftiger Mensch in Ungarn will zudem Trianon revidieren. Aber das Gespräch über mögliche kulturelle oder ähnliche ist kein Teufelswerk, wie uns übrigens Südtirol beweist. Man muss zumindest darüber sprechen dürfen, ohne sich „Irredenta“ vorwerfen lassen zu müssen.

        Die generell etwas dünnhäutigen Reaktionen der Slowakei auf alles scheinbar „irredentistische“ von Seiten Ungarn liegen, wie man weiß, daran, dass dieses Land erst 20 Jahre alt ist und selbst durch eine Abspaltung von der Techoslowakei entstand. Man fürchtet also (meines Erachtens zu Unrecht), dass sich ein Teil des Landes abspalten könnte, so wie man sich vor 20 Jahren von der CSFR abgespalten hat. Wie viele Menschen in der SK so denken, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht stehen den Lesern ja belastbare Untersuchungen zur Verfügung. Ich habe nur den Eindruck, dass Ressentiments gegen Ungarn von seiten manch einer politischen Kraft (Fico, Slota) in diese RIchtung bewusst geschürt werden. Und da reden wir nicht von einer 13% oder 17% Partei, befürchte ich.

  10. „cine seamana vant,culege furtuna“. Politica radicala a ungurilor face rau lor si Europei.S-a dus vremea reglarilor de conturi.Obiceiurile feudale nu mai au ce cauta intr-o Europa moderna.Europa a progresat si a invata ceva de la istorie.Dar daca ungurii nu au invata…atunci vor pati ca si la Mohacs.

    • Jedoch hat man selbst in einem Europa mit feudalen Gewohnheiten seinen Gesprächspartnern die Höflichkeit entgegen gebracht, in einer für alle verständlichen, anerkannten Universalsprache (damals Latein) zu sprechen.

      Dies sollten Sie in einem „modernen Europa“ vielleicht auch tun.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s