Deutschlandradio: Bericht über die Székler-Minderheit in Rumänien

Deutschlandradio Online bringt einen Bericht über die nach den Katalanen (Spanien) zahlenmäßig größte Minderheit in Europa, die ungarische Minderheit der Székler in Rumänien:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/weltzeit/1503650/

Der Bericht ist in meinen Augen ausgesprochen gelungen, ich empfehle den Lesern, sich dafür 15 Minuten Zeit zu nehmen. Er spricht Themen wie Geschichte, Kultur sowie positive und problematische Aspekte des Zusammenlebens mit der Bevölkerungsmehrheit ebenso an wie den Wunsch nach Autonomie und Eigenständigkeit.

Ich würde mich über Feedback der Leser sehr freuen.

11 Kommentare zu “Deutschlandradio: Bericht über die Székler-Minderheit in Rumänien

  1. ….“Boglarka und Lehel “ und Csaba , und…
    Wer nicht dort lebt/ gelebt hat, weiss nicht welche Bedeutung diese Namensgebung hat ! Meine Tochter heißt Panna.

  2. Mut braucht man, um bessere Lebensbedingungen für die Menschen zu schaffen und ich zweifle ob mit dem Absingen einer Hymne und ähnlichen Aktionen den Ungarn in Rumänien wirklich geholfen wird.
    Aber vielleicht hat das nur den Zweck, die Ungarn zu veranlassen nach Ungarn zu übersiedeln, wie das Kollege Kálnoky in einem seiner Postings vermutete.
    Wir wissen nun extra hungariam non est vita. Und da kann es leicht passieren, wenn man die nationalen Emotionen aufschaukelt, dass noch mehr Ungarn aus Rumänien nach Ungarn übersiedeln.
    Als ich letztes Wochenende in Budapest verbrachte sah ich am Keleti p.u. und auf dem Moskau Platz, pardon Széll Kálmán Platz Ungarn aus Rumänien, die auf Arbeit warteten. Ich habe ein paar dieser Leute gefragt, wie es ihnen geht und sie beklagten sich bitter, dass ungarische Arbeiter, die auch auf solche Gelegenheitsarbeiten warten aber auch gut gekleidete Passanten sie als „oláh“ u.ä.m. beschimpfen.

    • @ Herr Pfeifer: In der Tat, es gibt viele Ungarn, die sind nicht einmal den Angehörigen der ungarischen Minderheit in den Nachbarländern gegenüber loyal, verachten sie. Das „bittere Klagen“ glaube ich Ihnen sofort. Es war übrigens niemand anders als die ungarische MSZP, die versucht hat, einen Keil zwischen In- und Auslandsungarn zu treiben. Das Datum 05.12.2004 wird Ihnen gewiss etwas sagen. Es war der Tag, an dem das Referendum über die erleichterte Verleihung der ungarischen Staatsangehörigkeit an Auslandsungarn scheiterte.

      MSZP und SZDSZ haben vor dem Referendum offen gegen die Auslandsungarn Kampagne gemacht, den eigenen Wählern u.a. mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und leeren Sozialkassen gedroht. Freilich fürchtete man sich in erster Linie vor den (vermeintlich) dem rechten Lager zufallenden Wählerstimmen.

      Vor dem Hintergrund dieser unsäglichen, von Neid und Missgunst getriebenen Debatte der Linken wundert es mich nicht, dass heute noch nette Menschen auf dem Széll Kálmán tér herumspringen und diese Leute beschimpfen. So viel zu der „gelebten“ Solidarität gewisser Kreise. Wenn Sie also für die Betroffenen Mitleid empfinden – und das ist angebracht – müssten Sie auch gegenüber denjenigen Politikern Verachtung empfinden, die solche Ressentiments geschürt haben. Und die sitzen – wenigstens dieses eine Mal unstreitig – weder bei Fidesz noch KDNP. Leider haben Sie über dieses Thema bis heute, soweit für mich erkennbar, nichts publiziert. Schade.

      • Ich habe während der frühen achziger Jahre das Partium und Kolozsvár mehrmals besucht und mir ein Bild über das Rumänien unter Ceausescu gemacht. Und wenn ich mich richtig erinnere hat auch ein früheres Mitglied der ungarischen Opposition dort mich erwähnt.
        Ich bin seit 1995 pensioniert und war auch schon Jahre lang nicht in der Vojwodina (Vajdaság), über die Verhältnisse dort veröffentlichte ich während des serbisch-kroatischen Bruderkrieg einen kritischen Bericht in dem ich auf die Abschaffung der Autonomie einging.
        Obwohl ich vorher ziemlich oft dort war, erfuhr ich nur sehr spät über die Internierung vieler Tausender Ungarn nach dem Einmarsch der Partisanen und vom Massaker das an vielen von ihnen begangen wurde.
        Machen Sie HV mir jetzt einen Vorwurf, dass ich über so viele Themen nicht geschrieben habe? Ich denke, Vorwürfe sollten – falls sie kommen – nur das betreffen, was ich schreibe. Denn jeder Journalist wird ihnen bestätigen, dass nur über ein Bruchteil dessen berichtet wird, was man wahrnimmt. Und soweit ich mich erinnere, habe ich über die damalige Abstimmung nicht geschrieben. Während des Kádárregimes schrieb ich z.B. über die Lage der arbeitenden Frauen in Ungarn. Nach der Wende tat ich das nicht. Sicher ein Versäumnis, aber die Kräfte sind begrenzt und das Interesse der Medien auch.
        Es ist seltsam, wenn Sie diejenigen, die diese arbeitssuchende Männer (Frauen waren nicht dabei) beschimpfen so aus der Ferne zu einem politischen Lager zurechnen. Ich habe mit diesen Männern keine politischen Gespräche geführt, sie nicht nach ihren politischen Meinungen oder nach der vermuteten politischen Zugehörigkeit derjenigen befragt, die sie gelegentlich beschimpften.
        Fremdenfeindlichkeit ist leider auch in Ungarn sehr verbreitet. Und da gibt es auch immer neue Entwicklungen zu beobachten.
        Und jetzt zum erstenmal las ich auch von einer Gruppe ungarischer Rechtsextremisten, die sich nicht damit begnügen, gegen Roma und Juden zu sein, sondern auch gegen Muslime agieren, obwohl es in Ungarn nur sehr wenige gibt.

    • Mut braucht man, da haben Sie recht und die Hymne mit all diesen Gleichgesinnten, die mitsingen, nährt genau dieses Gefühl, Herr Pfeifer.
      Einige werden nach Ungarn übersiedeln, so wie mein Vater es auch getan hat, jeoch sind die vier Geschwister in Rumänien geblieben. Nur einige werden nach Ungarn übersiedeln. Wieso? Na das sagt schon die Benennung des Volkes der „Székely“ (auf deutsch wie [seckäj] ausgesprochen). Das besteht aus zwei Worten „szék“ und „hely“, also „Stuhl“ und „Platz“, dort wo sie sitzen ist ihr Platz. Ich denke nicht, dass sie ihren Sitz so leicht aufgeben werden.

  3. Ich finde den Bericht sehr gut, auch die FAZ müsste eigentlich bald etwas bringen, zumindest war K.P Schwarz gerade dort um zu recherchieren. Mir ist ein wenig bange bei so viel Aufmerksamkeit, in der Regel kommen wir Journalisten ja dann, wenn sich gerade Ungemach zusammenbraut… Parteipolitisch scheint allerdings die Orbán-Stossrichtung, einen radikaleren Gegenpol zur RMSZ aufbauen zu wollen, im Szeklerland noch nicht viel zu fruchten, trotz Staatsbürgerschaftsanträgen. Das ist eigentlich das Entscheidende, ob die RMDSZ ausgehebelt wird. Wohl der einzige Schwachpunkt des Berichts, dies nicht zielstrebiger zu klären.

  4. Ich weiß nicht. Bei mir hat diese Radiosendung eher gemischte Gefühle ausgelöst. Warum dürfen keine Rumänen in die Eishockeymannschaft?? Welche neuen Rechte erhoffen sich die Szekler von einer territorialen Autonomie?

    War aber interessant über die Geschichte dieser Volksgruppe zu hören (wie sie überhaupt „mitten in Rumänien“ gelandet sind) und woher ihr Selbtbewusstsein rührt.

    Fand auch schön, dass die Leute, die zu Wort kamen, entweder relativ gut Deutsch konnten (einfach nur so, ohne deutschstämmig zu sein) oder Rumänisch gesprochen haben. Eine rumänische Freundin von mir behauptet, dass eines der Probleme mit der ungarischen Minderheit in Rumänien sei, dass sie nicht bereit seien, die Landessprache zu lernen – anscheinend ist es also doch nicht unbedingt der Fall.

    Boglárka und Lehel – geben alle Szekler ihren Kindern solche „urungarischen“ Namen?

  5. Vielen Dank für den Link, HV. Ich denke, dass durch diesen Beitrag klar wird, welchem Land bzw. welcher Nation gegenüber die Székler sich loyal fühlen, dass sie sich immernoch nicht mit den Gegebenheiten abfinden und sich über die Hilfe aus dem Mutterland freuen. Dabei ist zu beachten, dass der Beitrag gerade mal einige wenige Stimmen zu Wort kommen lässt – ich bin mir sicher, dass es auch andere Ansichten gibt nach denen sich die Leute dort okkupiert fühlen.
    Hinzuzufügen ist, dass das Singen der Széklerhymne nicht nur in Siebenbürgen verbreitet ist. Auch in meinem Dörfchen konnte ich einmal erleben, dass zum Jézus Szíve Búcsú das ganze Dorf gemeinsam die Hymne sang. Leider konnte ich schon seit einigen Jahren nicht mehr an dem Fest teilnehmen, ich bin mir aber sicher, dass dies immernoch so Brauch ist. Und das ganze ist sicherlich nicht nur auf mein Dörfchen begrenzt. Deswegen gibt es ganz ohne Frage eine Nationale Einheit, egal, ob es Leute gibt die das nicht verstehen wollen oder können. In jedem Falle liegt dann eine eigene Energie in der Luft, der ich in Deutschland nie – nicht mal annähernd – begegnet bin. Nur die Stadtbevölkerung lebt meist fernab der Traditionen und so sind ihnen diese Bräuche und was dazu gehört, fremd.

    Was das nicht-rumänsich-sprechen anbelangt, so denke ich, dass die meisten Rumänisch können, der eine oder andere es aber vielleicht aus Protest ablehnt.

  6. Antwort auf Pfeifers Satz — „Und jetzt zum erstenmal las ich auch von einer Gruppe ungarischer Rechtsextremisten, die sich nicht damit begnügen, gegen Roma und Juden zu sein, sondern auch gegen Muslime agieren, obwohl es in Ungarn nur sehr wenige gibt.“ —

    Welche Gruppe wäre das, Herr Pfeifer? Mir fiel in diesem Zusammenhang bizarrer Weise wiederholt – seit gut 10 Jahren – die locker-flockige buddhistische Sekte „gyémant ut“ auf, unter einem dänischen „Lama“ namens Ole Nydahl. Blanker Hass auf alles Muslimische, und dem Deckmantel eines vorgeblichen Buddhismus…. Auf einer Party dieser Leute hörte ich auch viel Gerede gegen Schwarze und Einwanderer, gegen die man sich wehren müsse.

    Das sind aber vorwiegend linksliberal eingestellte Spass-Menschen.

  7. Kollege Kálnoky,
    Es gibt in Ungarn ein Institut, das sorgfältig die Haßgruppen beobachtet:

    http://www.athenaintezet.eu/index/

    Auf deren Homepage las ich darüber und zwar wenn ich mich richtig erinnere, in Zusammenhang mit der gestrigen Zusammenrottung von Neonazi in Györ bei einem Treffen rechtsextremer Musikgruppen.

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