Budapester Zeitung: Direktor des Institutes „Méltányosság“ zum „Paradigmenwechsel in der ungarischen Politik“

Ervin Csizmadia, der Direktor des Politikforschungsinstitutes „Méltányosság“, verfasste einen Beitrag zum Paradigmenwechsel in der ungarischen Politik. Abrufbar über die Webseite der Budapester Zeitung:

http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=11746&Itemid=26

„Es ist ein altes – womöglich unheilbares – Gebrechen der ungarischen Politik: Alles ist der Tagespolitik untergeordnet, was heißt, dass weitsichtige Ideen dünn gesät sind. Zum Verständnis der ungarischen Politik wäre aber gerade ein weitsichtiges Denken notwendig! Es wäre auch wichtig zu verstehen, worauf der umwälzende Wahlsieg des Fidesz im Vorjahr eigentlich zurückzuführen ist.“

 

3 Kommentare zu “Budapester Zeitung: Direktor des Institutes „Méltányosság“ zum „Paradigmenwechsel in der ungarischen Politik“

  1. „Ich stelle hier nun die Hypothese auf, dass der erdrutschartige Wahlsieg des Fidesz im Jahr 2010 weniger in der schlechten Regierungsleistung der acht Jahre zuvor zu suchen ist, sondern vielmehr in der Tatsache, dass die MSZP 2006 das Paradigma der Wende durchbrochen hat und für eine zweite Legisla­tur­periode im Amt bestätigt wurde.“
    Man kann solche Hypothesen aufstellen und versuchen diese zu untermauern, aber wenn man die Menschen auf der Straße fragt, widerlegen diese die Hypothese mit einer ganz einfachen Antwort auf die Frage der Ursachen hin: Einen Ministerpräsidenten, der jahrelang das Volk belügt und betrügt, wählen wir nicht wieder! Wenn nach seinem „Geständnis“, die Partei ihn immer noch beschützt, anstatt ihn aus dem Amt schmeisst, wählen wir die Partei nicht wieder! Und wenn eine andere Partei, die im Rückblick bessere Politik als die verlogene gemacht hatte, sagt, dass man die Korruption bekämpfen wird und die Korrupten zur Rechenschaft ziehen wird, geben wir dieser Partei eine zweite Chance.
    So einfach ist das zu erklären. Weil keine anderen, etablierten und zum Regieren reifen Parteien da waren als Fidesz, liegt es auf der Hand, wieso es zu einer 2/3 Mehrheit kam. Die Verlogenen haben schwere Einbußen bei den Neuwahlen erlitten und zwei neue Parteien haben es auf Anhieb ins Parlament geschafft. Und das ist keine Hypothese, das sind Tatsachen, ein Teil der ungarischen Geschichte. Wieso dieses nicht hervorgehoben wird und versucht wird, durch irgendwelche Hypothesen schönzureden, deutet schon wieder auf die Absicht einer Meinungsmanipulation derjenigen hin, die das ganze nicht miterlebt haben. Schon wieder ein Forschungsbericht einer Sozialistischen Partei Nahesttehenden.

  2. @ Richter: Die Erklärungsversuche von Csizmadia sind in der Tat sehr theoretisch und wirken so, als würde man krampfhaft nach einer (pseudo)wissenschaftlichen Erklärung für den Fidesz-Wahlsieg suchen, die JENSEITS des Totalversagens der ungarischen Linken zu finden ist.

    Vielleicht sollte man in der Tat einmal die Menschen auf der Straße, d.h. den Durchschnittswähler fragen. Und sich die Wahlbeteiligung ansehen: Die MSZP-Stammwähler blieben zu einem großen Teil einfach zu Hause; sie waren mit der Politik der Regierungen Gyurcsány/Bajnai nicht einverstanden (wen wundert es? Ungarn stand nahe des Staatsbankrotts), wollten aber gleichwohl nicht für Fidesz stimmen.

    Wir haben aber auch schon Schlimmeres gehört: Magdalena Marsovszky spricht von einer großen „völkischen Wende“ (obwohl die dafür erforderliche „homogene Gesellschaft“ in Anbetracht der tiefen Spaltung der ungarischen Gesellschaft gar nicht existiert), Michael Frank schrieb unmittelbar nach der Wahl 2010 über eine komplexbehaftete ungarische Seele. Beide gehen in die gleiche Richtung: Man unterstellt den Wählern unredliche Motive oder gar Dummheit, anstatt die wahren Verantwortlichen für die jetzige Lage zu benennen. Was – natürlich rein zufällig – ganz und gar den Interessen der Letztgenannten dient.

  3. Ich glaube nicht, dass man die Analyse so aufziehen kann wie der Autor es hier versucht. Das ständige Abwählen jeder Regierung nach der Wende war keine ungarische Spezialität, verstehen kann man das nur, indem man eine vergleichende Betrachtung der früheren Ostblockländer vornimmt. Letztendlich ist es ein Merkmal unreifer Jungdemokratien – anfangs probierte man eben alle Parteien der Reihe nach aus. Vielleicht spielt auch der aus dem Kommunismus geerbte Reflex eine Rolle, dass „die da oben“ sowieso ganz schlimme Finger sind, die muss man also abwählen.

    Letztendlich belohnten die neu-demokratischen Wähler nie verantwortungsbewußtes Regieren (insofern es das gab), und es wird bei den nächsten Wahlen interessant sein, zu beobachten, ob sich etwas daran ändert.

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