„Brutalpopulist 2.0“: TAZ über Ungarns „Weg zum Totalitarismus“

Ralf Leonhard von der TAZ bringt einen weiteren Beitrag des Tages über Ungarns Weg in einen totalitären Staat. Diesmal ein Kommentar:

http://www.taz.de/Kommentar-Ungarische-Regierung/!75541/

Ungarns Premier Viktor Orbán wird getrieben von einem paranoiden Hass auf das kommunistische Regime und die Sozialdemokraten, die für ihn die direkten Nachfolger des Realsozialismus sind. Dabei wird die von der rechtspopulistischen Bürgerunion Fidesz geführte Regierung dem totalitären Regime, das „vor 1989“ herrschte, immer ähnlicher.“

Ein gern gesehenes Stilmittel: Die Rechte wird von „paranoidem Hass“ gegen Kommunisten und Sozialdemokraten getrieben, ist aber selbst so wie die Kommunisten.

Vielleicht findet Herr Leonhard in einem der nächsten Beiträge die Zeit, seinen Lesern zu erklären, wer die „Sozialdemokraten“ in Ungarn denn sein sollen. Bei realistischer Betrachtng gibt es diese Partei – trotz aller Versuche der Augenwäscherei durch die Ungarische Sozialistische Partei – nämlich bis heute nicht. Wer sich ein wenig mit Ungarn befasst, wird stattdessen feststellen, dass die Wirtschaftspolitik Orbáns in mehr  Punkten an „linke“ Ansätze erinnert als die Politik, die sog. „linke“ Regierungen in den letzten Jahren betrieben haben. Solche Ansätze werden dann aber wie selbstverständlich als Populismus bezeichnet: Denn was nicht von uns kommt, ist böse.

SZ: Alex Rühle über den Sieg von „Brutalpopulist“ Orbán

Viktor Orbán dürfte längst zu dem Politiker geworden sein, den die deutsche Presse mit den phantasievollsten Namen  belegt: Wir hatten ja bereits den „Puszta-Putin“ . Nun genügt auch der Begriff des „Rechtspopulisten“ Herrn Alex Rühle von der Süddeutschen Zeitung nicht mehr, Viktor Orbán mutiert zum „Brutalpopulisten“.

Das journalistische Meisterwerk Rühles findet sich hier:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/demontage-der-ungarischen-demokratie-der-brutalpopulist-macht-die-eu-schweigt-1.1126940

Ein Musterbeispiel dafür, wer hierzulande die Deutungshoheit genießt. Und wie hervorragend derartiges bei den SZ-Lesern ankommt, kann man anhand der Leserkommentare nur erahnen. Da liest man vom „Faschismus“ und von der „Wiedererstehung Horthys“. Nun ja, vom Brutalpopulisten zum Faschisten ist es ja nicht weit.

Nachtrag vom 09.08.2011:

Die ungarische Nachrichtenagentur hat auf einige Darstellungen in dem obigen Beitrag der Süddeutschen reagiert und am 08.08.2011 eine entsprechende Mitteilung herausgegeben:

„In dem von Alex Rühle verfassten und am 2. August 2011 veröffentlichten Beitrag „Wie Orbán Ungarns Demokratie zerlegt”  befinden sich einige Irrtümer. Die Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks befinden sich unter der Fachaufsicht des MTI-Nachrichtenzentrums, allerdings ist Dániel Papp nicht Chefredakteur, er ist noch nicht einmal Mitarbeiter unseres Unternehmens. Im übrigen wurde der Posten eines „politischen Chefredakteurs“ in Ungarn zum Ende der 1980-er Jahre abgeschafft.

Leider ist die Süddeutsche Zeitung dem leichen Fehler verfallen wie die Ungarische Sozialistische Partei in ihrer Pressemitteilung vom 4. August 2011 und wie die Népszava in ihrer heutigen Ausgabe: beide titulieren Dániel Papp als Leiter des Nachrichtenzentrums der MTI.

Daneben finden sich in den Archiven unserer Nachrichtenagentur keinerlei Hinweise darauf, dass der Vorsitzende des Medienrates schon vor zehn Jahren folgendes gesagt habe, dass es das oberste Ziel sein müsse, „das hundertprozentige Meinungsmonopol in den Medien zu erringen“ .

Hierfür gäbe es auch keine entsprechenden Mittel.

Die MTI betreibt seit 1988 den Landespressedienst, der sicherstellt, dass jede politische Partei und bedeutende Zivilorganisation ohne redaktionelle Kontrolle ihre Meinung den Bürgern über das Nachrichtennetz kundtun können.

Seit Mai 2011 hat die MTI, mit Ausnahme derjenigen Materialien, die von ausländischen Presseagenturen stammen, die Dienste der Agentur größtenteils kostenfrei gestellt. Kostenlos erreichbar sind unter anderem tägliche Ausschnitte derjenigen Presseartikel, die sich mit Ungarn befassen, auf diese Weise konnten sich unsere Leser auch über den Beitrag von Alex Rühle informieren.

Zsófia Rákosy

Pressesprecherin

Ungarische Nachrichtenagentur