Standard.at: „Ungarn tritt gerade aus dem Wertesystem der EU aus“

Der Standard-Kolumnist Hans Rauscher zeichnet ein düsteres Bild von Ungarn. Er sieht das Land aus dem „Wertesystem der EU“ austreten.

http://derstandard.at/1311802569204/Ungarn-tritt-gerade-aus-dem-Wertesystem-der-EU-aus

Rauscher sieht Ungarn als Land, dass die Werte der EU „mit Füßen tritt“ .  Er behauptet gar, Ministerpräsident Orbán habe sie in einer Absichtserklärung für obsolet erklärt – ein gewagte These vor dem Hintergrund, dass die neue ungarische Verfassung ausdrücklich auf die Europäischen Grundwerte Bezug nimmt…

Auch „Puszta-Putin“ darf bei Rauscher nicht fehlen: „Orbáns Ungarn marschiert im Eiltempo auf eine autoritäre Scheindemokratie mit ultranationalistischen Zügen zu. In Kurzform: Orbán will ein Putin-System wie in Russland oder, etwas abgewandelt, wie in China.“

Danach wird Paul Lendvai herangezogen, der genau nachgezeichnet habe, dass Orbán Widerstand aus dem Weg räume und „faschistische und antisemitische Gruppierungen dulde“. Eine pauschale Behauptung, ohne jede Substanz und ohne jeden Beleg. Aber es hört sich furchterregend an, ebenso wie das Attribut „ultranationalistisch“ .

Der Beitrag zeigt – mit zeitgleich erschienenen in der SZ und der TAZ – dass offenbar „Anti-Orbán-Woche“ ist. Ob es eines Tages möglich sein wird, mit den Verfassern solcher Artikel, die von einer Mischung aus Halbwissen, Panik, Ahnungslosigkeit und ideologischer Verblendung getrieben zu sein scheinen, sachlich zu diskutieren und Kritikpunkte an der Politik Orbáns ohne Schaum vor dem Mund zu formulieren, wird die Zukunft zeigen. Die Chancen stehen schlecht. Man könnte nämlich die These aufstellen, dass es den Rauschers nicht unbedingt um die inhaltlichen Vorgänge in Ungarn geht, sondern darum, wer an der Macht ist. Anders kann das Schweigen der vergangenen Jahre kaum erklärt werden. Hier hat Paul Lendvai Rauscher einiges voraus: Er hat wenigstens die Vorgängerregierungen in seinen Publikationen kritisiert.

16 Kommentare zu “Standard.at: „Ungarn tritt gerade aus dem Wertesystem der EU aus“

  1. Wenn das aus dem römischen Recht stammende Prinzip, wonach man keine Gesetze zur Ahndung bereits begangener Taten macht, zum (juristischen) Wertesystem der EU gehört, dann scheint Ungarn doch tatsächlich dieses System verlassen zu wollen. Oder?
    Wenn es zum (moralischen) Wertesystem der EU gehört, dass die religiöse Überzeugung oder Herkunft Privatsache ist, und Zsolt Bayer problemlos die jüdische Abstammung von Personen anprangern, mithin antisemitische Ressentiments verbreiten kann, ohne dass eine strafrechtliche Verfolgung eingeleitet wird, dann scheint doch Ungarn tatsächlich dieses System zu verlassen. Oder?
    Wenn es stimmt, dass die árpádsávos zászlók von den Pfeilkreuzlern benutzt wurden, deren ideologische Nähe zu den Nazis unbestritten ist, dann ist doch die Titulierung „faschistisch“ nicht allzu weit hergeholt. Oder? (Oder benutzen Jobbik etc. die Fahnen nicht mehr?)

    • – Sollte Ungarn tatsächlich die rückwirkende „Ahndung bereits begangener Taten“ einführen, würde ich Ihnen in diesem Punkt Recht geben. Bislang wurde der Verfassungsausschuss befragt, ob es eine Möglichkeit gibt, eine solche Ahndung vorzusehen. Ob sie kommt, ist noch nicht einmal im Ansatz absehbar. Rechtsstaatlich sind rückwirkende Strafgesetze tabu. Aber warten wir einmal ab, was daraus wird. Ich wage zu prognostizieren: Nichts. Ich halte das für Opium fürs Volks, man will – schon wegen sinkender Umfragewerte – zeigen, dass man „wenigstens alles versucht hat“.

      – Zsolt Bayer und immer wieder Zsolt Bayer. Der Mann kann sich glücklich schätzen, jetzt schon ganz vorne mitzuspielen und bei manch einem Beobachter als einer der Belege dafür herangezogen zu werden, dass Ungarn aus dem EU-Wertesystem austritt. Ich bin der Meinung, dass Bayers Schmierereien nichts, aber auch gar nichts mit „Ungarns Weg“ zu tun haben. Ich habe meine Meinung über Bayer hier geäußert und rücke davon keinen Schritt ab. Aktive Politiker in der EU – und Bayer ist kein solcher, sondern ein in Ungarn nur im ultrarechten Spektrum bekannter Publizist – reden größeren Unsinn, und keiner nimmt dafür das jeweilige Land in Sippenhaft. Oder ist Deutschland faschistisch, weil Gerhard Frey (DVU) in der Nationalzeitung schrieb?

      – Die Árpádflagge ist bis heute Teil des ungarischen Staatswappens. Klicken Sie mal und schauen Sie auf die linke Seite des „Címer“. Sie wird, gemeinsam mit den anderen historischen Flaggen, bei der Angelobung ungarischer Ministerpräsidenten – ob sie nun Fidesz- oder MSZP-Mitglieder sind – als eine der historischen Flaggen Ungarns in das Plenum des Parlaments getragen. Ist das Zeichen von Faschismus? Die Verwendung der Árpádflagge durch die Rechtsradikalen ist Tatsache und erfolgt gewiss auch im Kontetxt zu den Pfeilkreuzlern; man kann dagegen meines Erachtens leider nichts tun. Anders als die Hakenkreuzfahne, die in Deutschland Zeichen verfassungswidriger Organisationen und damit unter Strafandrohung verboten ist, ist die Árpádflagge dies per se nicht. Der Missbrauch der Fahne durch die extreme Rechte hat keine ungarische Regierung dazu bewogen, die Fahne aus dem historischen Gesamtkontext zu bannen und zu entfernen. Ergo muss auch die Verwendung nicht „faschistisch“ sein und spricht schon gar nicht für eine solche Tendenz Ungarns. Man sollte hier differenzieren, auch wenn es mitunter mühsam erscheint. Auch was Jobbik betrifft: Nur weil diese Partei faschistisch ist, ist es Fidesz noch lange nicht.

      • @HV, nur zu Zsolt Bayer.

        Ich stimme Ihrer Grundaussage voll und ganz zu, dass – etwas flapsig ausgedrückt – der gute Mann mehr Ruhm einheimst, als ihm „zusteht“ und er nicht sinnbildlich für „Ungarns Weg“ steht, hier also eine Überspannung und Überzeichnung stattfindet.

        Ihr Vergleich am Schluss mit Gerhard Frey hinkt aber insofern gewaltig, als dass man sich in Deutschland kaum vorstellen kann, dass ein, sagen wir CSU-Parteimitglied (Bayer ist Fidesz) solche rassistischen-antisemitischen Hetztexte in einer überregionalen, wenn auch kleinen Tageszeitung (hier gibt es kein gutes Vergleichbeispiel aus Deutschland, aber nehmen wir als Statthalter die „Welt“) veröffentlichen darf, und es nicht zu einer nachhaltigen Diskussion mit Konsequenzen kommt.

        Die da wären: in Deutschland würde er wohl aus der CSU ausgeschlossen und die Zeitung würde nicht mehr (wenn sie es davor denn gewsen wäre) in einem Zuge mit den anderen überregionalen Tageszeitungen genannt werden. Einfach weil sie aus gutem Grund in eine andere Kategorie gerutscht wäre, da sie einen ungeschriebenen Wertekodex hinter sich gelassen hat.

        Fakt ist, dass Bayer nach wie vor Fidesz-Mitglied ist, von der Partei und ihrem Vorsitzenden an der langen Leine gelassen und damit für ihre Zwecke instrumentalisiert wird („rechten Rand abgraben“). Das in sich, ist moralisch verwerflich, ich kann es nicht anders ausdrücken. Hier aus politischem Opportunismus heraus keine Klare Abgrenzung zu vollziehen und andererseits bei der Audienz beim Papst einen auf („geläuterten“) Vorzeige-Katholiken mit (in Trauerkleidung rausgeputzter) Großfamilie zu machen, das darf man Herrn Orbán vorwerfen. Denn er hat als Politiker in seiner Position Vorbildcharakter und kann Zeichen setzen. Nein, das muss man dann ihm sogar vorwerfen und bei jeder sich bietenden Möglichkeit anmerken und eben nicht außen vorlassen.

      • Peter K’s Kommentar kann ich mich voll und ganz anschließen. Ich teile HVs Meinung, dass die westliche Ungarn Kritik z.T. völlig überzogen ist und halte das „Faschismus“/“Diktatur“/usw-Vokabular für falsch und kontraproduktiv. Die für mich treffenste Kritik am Orban-„Regime“, der Pester LLoyd, kommt ganz ohne dieses Vokabular aus und benennt einfach das, was falsch läuft.

        Aber Bayer ist eine andere Kategorie. HVs Vergleiche mit Deutschland sind schief. Keiner, der solche Aussagen macht, würde auch nur einen Tag in einer respektablen politischen Partei verbleiben können (man denke an den Fall Martin Hohmann). Zu Frey hat PK das Notwendige gesagt. Man kann das Verhalten Orbáns in dieser Hinseicht strategisch erklären, das macht es aber nicht anständiger.

      • @ PK und CB:

        Das Schweigen Orbáns zu den Amokläufen des Herrn Bayer ist kritikwürdig. Ich habe meine Auffassung mehr als einmal, u.a. hier

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/21/fidesz-politiker-zsolt-bayer-verdient-den-madach-preis/

        zum Ausdruck gebracht. Nach der unsäglichen Madách-Preisverleihung (ich habe einige Leute mit Fidesz-Sympathien dazu befragt, diejenigen, die Bayer kannten, wunderten sich sehr und lehnen ihn rundweg ab) kann ich verstehen, dass man von Fidesz einen „Gesundheitsabstand“ von Bayer verlangt und die Forderung nach Distanzierung politisch ausschlachtet. Aus irgendwelchen Gründen findet die Partei keine Kraft dazu – die Bewertung von CB, dies sei unanständig, teile ich.

        Diesen Herrn aber immerzu als Beweis für eine bestimmte Tendenz innerhalb von Gesamt-Fidesz oder ganz Ungarn zu nennen, halte ich für falsch. Ich zweifle nicht daran, dass es in der Partei nicht nur Deutschs, sondern mehrheitlich anständige Leute gibt, die sich europäischen Werten verpflichtet fühlen. Natürlich zeigen Sie zu Recht auf, dass man Ungarn (Bayer) und Deutschland (mein Beispiel: Frey) nicht ganz miteinander vergleichen kann: Deutsche Volksparteien sind heute aus den uns allen bekannten Gründen deutlich rigoroser mit solchen Umtrieben, was ich uneingeschränkt befürworte. Ungarn ist hier einfach noch nicht so weit.

        Hm, da fällt mir ein, dass ein Thilo Sarazzin immer noch in der SPD ist, wenn ich mich nicht täusche…

        Ich wage bezüglich des Ungarn-Deutschland-Vergleiches eine andere provokante These: Sehen wir uns mal die Situation in Deutschland etwa 20-25 Jahre nach dem Krieg an – ich wage zu behaupten, dass seinerzeit noch sehr viel radikal rechtes Gedankengut in den deutschen Volksparteien vertreten war und dort auch viel eher toleriert wurde. Distanzierung davon war nicht gerade en vogue, gerade das haben die 68er ja (auch) kritisiert. Daher die (ernst gemeinte) Frage an PK und CB: Wenn wir die CDU/CSU von heute nehmen, haben Sie Recht – aber wie sieht es mit der CDU/CSU der 60er Jahre aus? Ich vermute, damals, 20-25 Jahre nach Einzug der Demokratie in Deutschland und rund um die 68er Proteste, waren auch wir „noch nicht so weit“ wie heute. Und Deutschland marschierte, auch wenn dies viele behaupteten, nicht in RIchtung „Faschismus“. Vielleicht sollten wir also nicht zu sehr aus heutiger Warte mit dem Finger auf andere zeigen und heutige Maßstäbe anwenden. Das klingt für viele Ungarn bestimmt von oben herab, so ist es aber nicht gemeint. Viele Ungarn sagen das selbst von ihrem Land:Auch wenn es weh tut, müsste man Ungarn wohl ein wenig Zeit lassen, „demokratische Kultur“ zu lernen. Das geht nicht von heute auf morgen und ggf. auch nicht innerhalb von 2 Jahrzehnten. Und dass die „demokratische Reife“, die insbesondere durch eine angemessene Streitkultur zum Ausdruck kommt, die in Ungarn fehlt, durch die auch von CB zum Teil kritisierten Betrachtungen beschleunigt werden kann, bezweifle ich. Die Reaktion ist immer das glatte Gegenteil: Man igelt sich ein, besinnt sich – frei nach Macchiavelli – auf den vermeintlichen Feind von außen, was letztlich immer den politischen Rand stärkt. Diejenigen in- und außerhalb von Ungarn, die meinen, diese Form von vorgehaltenem Finger kultivieren zu müssen, wollen das nicht verstehen und haben sich offenbar auf folgende Arbeitsteilung geeinigt:

        1. Schritt: Liberale Beobachter und Kritiker der Regierung werden von ausländischen Journalisten interviewt.
        2. Die ZEIT, WELT oder SZ bringen Artikel, die exakt diese Sichtweise abbilden und zum Teil berechtigte, zum Teil hanebüchene Kritik äußern.
        3. Innerhalb weniger Tage werden diese ausländischen Presseberichte von ATV, Népszava und Népszabadság übernommen und den Lesern als Beweis dafür vorgehalten wird, dass ganz Europa die ungarische Regierung, mitunter auch die gesamte Fidesz-Wählerschaft, für Neandertaler hält. Und dass man sich doch besser im linken, voll und ganz demokratischen Spektrum, orientieren möge…

        Auch wenn das überspitzt formuliert ist, so werde ich diesen Eindruck bis heute nicht los. Und mal Hand aufs Herz: Ist es nicht toll, gerade als Deutscher und Österreicher mit dem Finger auf andere zeigen zu können? Oplátka hat auf diese lästigen eigenen Erinnerungen verwiesen, als er die inflationäre Verwendung des Begriffes Faschismus kritisierte.

        Ich denke, man kommt weiter, wenn man versucht, Ungarn zu integrieren, anstatt es auszugrenzen. Und ja, dazu gehört, bei aller Kritik, auch der respektvolle Umgang mit der jeweiligen Mehrheit und Regierung. Nazivergleiche zähle ich nicht dazu, unter anderem auch deshalb, weil das die Naziopfer verhöhnt. Und wenn mir hier die Frage gestellt wird, wo denn der Unterschied zwischen Orbán und den Diktatoren des 20. Jahrhunderts liege, so empfehle ich dem Fragesteller den Geschichtsunterricht.

      • Wer sich von der stets funktionierenden Arbeitsteilung überzeugen will, der sehe sich den ATV-Presseclub vom 08.08.2011 an: http://atv.hu/videotar/20110809_ujsagiroklub_2011_08_08_1_resz

        Drei Kernaussagen:
        1. Die Kritik an der Politik Ungarns durch die SPD, die auf Grundlage von dpa-Berichten geäußert worden sind, stelle nicht die Meinung der Oppositionspartei SPD, sondern vielmehr die des gesamten deutschen politischen Establishments dar (Anm.: Die Frage ist nur, weshalb die SPD dann versucht hat, mit diesem Thema Kanzlerin Merkel zu attackieren…)
        2. Ungarn werde wirtschaftliche Nachteile erleiden, wenn man auf diese Kritik nicht reagiere (Handelsbeziehungen mit Deutschland, Devisenkurse, Verluste bei Staatsanleihen).
        3. Zudem betonte János Avar, Ungarn werde für den Fall eines „Zwischenfalls“ in Russland unter Umständen nicht mehr vom NATO-Verteidigungsbündnis profitieren können – dort würden schließlich nur Demokratien einander verteidigen.

        Da haben wir Sie, die Folgen der Mitteilung des ehemaligen SPD-Staatssekretärs Erler. Keine Deutung und keine Projektion ist zu dämlich, um sie nicht für Panikmache im Inland zu verwenden.

        Dass die SPD einen Auftrag hat, für das „gesamte deutsche politische Establishment“ zu sprechen, war mir übrigens nicht bewusst. Eventuell erklären uns die Herren Dési, Bolgár, Avar und Mészáros das bei einem der folgenden Presseclubs.

      • @HV

        Fair enough, wie man auf Englisch sagt („Rendben!“ sagt mir google translator). Ich denke im Übrigen auch nicht, dass Fidesz nur aus geifernden Hetzern besteht. Sowie auch die MSzP nicht nur aus geldgierigen Machtpolitikern besteht und die SzDSz nicht nur aus zynischen Intellektuellen. Halten wir uns (wie Sie es ja generell auch machen – deswegen lese ich diesen Blog ja auch gerne) an die konkreten Maßnahmen. Aber es ist zum Verzweifeln. Wie soll bei diesem Irrsinn eine neue, vernünftige politische Elite entstehen, die zur Abwechslung mal über Sachpolitik streitet? Wo sind die wirklichen Konservativen, die wirklichen Sozialdemokraten, Grünen etc?

        Sie sagen, Ungarn braucht Zeit – es gibt aber auch andere postkommunistische Länder, in denen es nicht so schlimm ist, zumindest scheint es mir so. Notwendig wäre eine gute komparativ-soziologische Analyse, die erklären könnte, was schief lief. Weitere verlorene Jahre für Ungarn.

      • @ Herrn Boulanger: Die Frage, wie in diesem total gespaltenen und von Hass auf die jeweils andere Seite geprägten Land (mitunter sprechen sogar Familienmitglieder nicht mehr miteinander!) eine dialogbereite Elite heranwachsen soll, versuche ich mir seit 10 Jahren zu beantworten und habe bislang kein Ergebnis. Hier kann man keiner Seite die alleinige Schuld zuschieben. Man versucht, Politik für das jeweils eigene Lager zu machen und versucht dafür zu sorgen, dass dieses so groß wie möglich wird. „Wechselwähler“ dürfte es nur wenige geben, ein Abdriften erfolgt nur in das Lager der Nichtwähler oder in das der Rechtsextremen.

        Die „wirklichen Konservativen“ dürften sich mehrheitlich (noch) bei Fidesz wohlfühlen; es ist übrigens eine nette Gewohnheit ungarischer linker/liberaler Stimmen, den Konservativen sagen zu wollen, was sie dürfen und was nicht, was „echte“ Konservative sind und was nicht. Eine Sozialdemokratie gibt es nicht, Wähler gäbe es genug – übrigens auch bei Fidesz-Anhängern. Und Grüne haben wir seit 2009, auch wenn man von Seiten der Antifa natürlich schon jetzt weiß, dass man „denen“ nicht trauen kann…

        Ob andere Länder so viel weiter sind, weiß ich nicht: Russland kaum, Polen auch nicht (wir hatten die Zwillinge), Slowakei (Sprachengesetz und Parteien wie die von Slota!)…

      • Spinnen wir den Faden mit dem Vergleich „Deutschland nach dem Zusammenbruch des Faschismus“ und „Ungarn nach dem Zusammenbruch des Kommunismus“ weiter, das scheint mir sehr interessant zu sein.

        Wäre nicht die „Deutsche Partei“ (https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Deutsche_Partei) das Pendant von FIDESZ? Programmatisch finden sich viele Ähnlichkeiten bis in die Wortwahl. Das passt weitaus besser als CDU (Adenauer kann mit Orbán nicht verglichen werden) oder CSU (Regionalpartei). Gleichzeitig blieb die DP in Deutschland von Anfang an marginal und wurde schließlich von der CDU bzw den Rechtsparteien aufgesogen.

      • @ CB: Interessanter Ansatz. Ich denke aber, CSU und Fidesz liegen schon sehr nah beieinander. Und von der CSU haben wir auch schon „wilde“ Sachen gehört. Der Charakter einer Regionalpartei – sagen SIe das mal in Bayern nicht zu laut 🙂 – spricht m.E: nicht gegen den Fidesz-Vergleich. Bayern und Ungarn liegen, was die Bevölkerungszahl angeht, näher beieinander als Deutschland und Ungarn. Zudem hat Viktor Orbán FJS zu seinem Vorbild erkoren. Der hat auch lange allein regiert – und im Bundesvergleich steht Bayern, wenn ich mich nicht irre, recht gut im Rennen. Na ja, auch dieser Vergleich hinkt bestimmt ein wenig, aber klingt doch gut, oder?

  2. Ob und wieweit in Ungarn die Merkmale eines faschistischen Systems vorhanden sind, darüber kann man schon diskutieren. Erst diese Tage ist dazu ein Artikel auf Hungarian Spectrum erschienen, der eine angeregte Diskussion folgte.
    In einem Interview mit Prof. Maria Ludassy in Élet és Irodalom, verglich die Wissenschaftlerin das heutige Ungarn mit dem Frankreich zur Zeit der Dreyfus Affäre und begründete dies auch. Nachzulesen auf
    http://www.es.hu/;8222;onelegulten_eroszakoljak_meg_az_emberi_lelkeket8221;;2011-07-16.html

    HV Sie rieten mir im Sinne der Rechtsgleichheit mich an den Medien Kommissar Bodonovich zu wenden. Ich tat dies am 3. Juli 2011.

    Nachdem auf dem Blog von Radio Free Europe ein Kommentar erschienen ist und nachdem am 25. Juli auch der österreichische Journalistenklub Concordia eine Eingabe bei Herrn Bodonovich deponierte, erhielt ich am 26. Juli eine e-mail von Herrn Bodonovich in dem er mir den Rat gab doch Magyar Hirlap bei einem ungarischen Gericht zu klagen. Ansonsten behauptete er vollkommen machtlos zu sein und nichts in dieser Angelegenheit tun zu können, obwohl er doch Ende Juni einen ganz anderen Brief an den Chefredakteur von Népszava sandte. Ich antwortete am 27. Juli und meinte, er habe den Beweis geliefert, es gibt keine Gleichheit vor dem Recht in Ungarn.

    Gestern berichtete Jerusalem Post, der hoffentlich nicht unterstellt wird „linksliberal“ zu sein:

    http://www.jpost.com/JewishWorld/JewishNews/Article.aspx?id=232389

  3. HV nun Herr Bodonovich schrieb an den Chefredakteur von Nepszava einen energischen Brief, forderte binnen 15 Tagen eine Antwort.
    Jedoch im Fall von Magyar Hirlap, behauptete Bodonovich keine Möglichkeit zu haben.
    Das bedeutet doch, dass es keine Gleichheit gibt. Wenn jemand einen Witz über den Staatspräsidenten reißt, kommt ein pompöser Brief, wenn jedoch eine doch Fidesz nahe Tageszeitung massive krude antisemitische Hetze betreibt in dem sie solche Texte auf ihrer moderierten Website läßt, dann gibt es keine Aktion.
    Die Botschaft ist so eindeutig, wie die Bilder Orbáns mit Zsolt Bayer, wir behaupten zwar im Ausland, gegen solche Hetze zu sein, im Inland aber brauchen wir diese Hetzer, weil doch viele unserer Wähler ähnlich denken.

    • Sie meinen also, nach der ergebnislos verlaufenen Rüge gegenüber Népszava – zwei Tage danach wurde berichtet, dass das Mediengesetz nicht für Kommentare gilt – hätte die Behörde einen weiteren ergebnislosen Anlauf starten sollen? Das wäre ein bisschen sehr masochistisch, oder nicht?

  4. Jungle World übertrifft sich selbst und erfindet einen neuen Titel für Viktor Orbán:

    „Donau-Taliban“

    http://jungle-world.com/artikel/2011/31/43725.html

    „Die ungarische Staatsverschuldung beträgt derzeit 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland sind es etwas mehr als 83 Prozent, in Großbritannien und Frankreich liegt die Quote kaum niedriger. Nach Orbáns Regeln gehören die dafür verantwortliche Politiker ins Gefängnis, die ehemaligen japanischen Premierminister, die eine Schuldenquote von 225 Prozent hinterlassen haben, würde der Donau-Taliban vermutlich vierteilen lassen.“

    Sehr geistreich, der Vergleich Ungarns mit den größten Volkswirtschaften der EU. Hat bislang nur Hungarian Spectrum hinbekommen.

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