FAZ berichtet über Roma, die den Aufstieg in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben

Ein hervorragender Beitrag mit dem Titel „Erfolgreiche Roma: Ohne Soros wäre ich nicht hier“ über die in Ungarn lebende Minderheit ist seit heute auf FAZ Online abrufbar:

http://www.faz.net/artikel/C30770/erfolgreiche-roma-ohne-soros-waere-ich-nicht-hier-30491349.html

Der Beitrag verzichtet auf das übliche, oberflächliche Bild einer Minderheit, die, den alltäglichen Diskriminierungen der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt, keine andere Möglichkeit hat, als in ihrer ausweglosen und zum Teil schlicht menschenunwürdigen Situation zu verharren.

Die Autorin Michaela Seiser versucht vielmehr, an einigen – gewiss nicht alltäglichen – Musterbeispielen aufzuzeigen, dass der Aufstieg in die Mitte der Gesellschaft durch Bildung, gezielte Förderung und ein hohes Maß an Eigeninitiative und Integrationswillen möglich ist. Seit längerer Zeit ist dieser Beitrag der erste, der die Tatsache offen ausspricht, dass die Verbesserung der Lebensbedingungen der Roma in Ungarn (und in Europa) nicht nur eine Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft ist, sondern langfristige Anstrengungen aller Beteiligten erfordert.

Flankierend zum FAZ-Artikel empfehle ich hier verlinkten, aus meiner Sicht hervorragenden Hörbeitrag auf Deutschlandradio:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/19/roma-radiointerview-mit-autor-und-fotograf-rolf-bauerdick/

16 Kommentare zu “FAZ berichtet über Roma, die den Aufstieg in die Mitte der Gesellschaft geschafft haben

  1. „Im Frühjahr hat Rostás einen Kulturerbepreis der Akademie der Wissenschaften erhalten – als erster Roma. Vorurteile seien zum Teil berechtigt, findet Rostás, der wie viele seiner Ethnie nichts gegen den Ausdruck Zigeuner hat. Er führt die Misere auf den Zusammenbruch des Kommunismus zurück. Damals wurden die Roma zur Arbeitet verpflichtet. „Heute sitzen die Leute da und wachsen ohne Arbeitsethos auf und treten mit Aggressionspotential auf. Die Politik hat hier versagt. Sie hat mit Schuld, dass Roma am Rande der Gesellschaft leben.“ FAZ

    Am 9. Januar 1980 publizierte ich in der damals noch in Wien erscheinenden Tageszeitung „AZ“ einen Artikel „Ungarn nach den Preiserhöhungen“
    „Heute, nach den radikalen Preiserhöhungen und den jetzigen schleichenden Preiserhöhungen, gibt es bereits eine Million sehr arme Menschen, welche das Existenzminimum nicht oder kaum erreichen, darunter berproportional viele Zigeuner. Die Medien berichten gerne und oft über die Benachteiligung der Indianer in den USA, aber die Schwarzen in Südafrika, die Palästinenser in Israel, darüber aber, daß noch heute mehr als 100.000 Zigeuner geradezu in Erdlöchern leben und mit schlechtem Wasser versorgt werden, darüber wird vornehm geschwiegen. Die offiziellen Stellen sind nicht einmal bereit anzuerkennen, daß es in Ungarn wirkliche arme Menschen gibt. Allein in der Kunst wird auf diese gesellschaftliche Realität eingegangen.“
    Zitiert aus meinem 1996 erschienenem Buch „Nicht immer ganz bequem“

    Es ist eine Verkennung der Lage zu glauben, dass die Zigeuner im Kommunismus keine Probleme gehabt haben. Der ungarische Soziologe István Kemény hat in einer von der Akademie der Wissenschaft herausgegebenen Broschüre genau die Lage der Zigeuner beschrieben. Aus dieser Broschüre habe ich erfahren, dass es damals mehr als 100000 Zigeuner gab die in Erdlöchern lebten.

    • Selbstverständlich hat de Politik der vergangenen zwei Jahrzehnte Mitschuld an der Situation. Sie hat 7-10% der Bevölkerung offenbar abgeschrieben und (was die Linke angeht) nur dann wieder entdeckt, wenn Wahlen anstanden.

      Aber auch die Minderheit hat Ihren Teil dazu beigetragen. Warum ist die Schulschwänzer- und Schulabbrecherquote bei den Roma dauerhaft so hoch? Warum werden zum Teil junge Mädchen zwangsverheiratet und bekommen dann mit 12-15 (!) ihr erstes Kind? Hier versagen die Eltern und die Roma-Gesellschaft, es fehlt offenbar am Willen, sich den „Regeln“ der Mehrheitsgesellschaft anzupassen. Nehmen Sie sich doch 15 Minuten Zeit, Herr Pfeifer, und hören Sie sich das Interview mit Rolf Bauerdick an. Alles, was gesagt werden muss, hat er m.E. gesagt. Die Roma müssen endlich begreifen, dass Bildung langfristig der einzige Weg aus der Misere ist. Ob ein Orbán Kolompár der RIchtige war, diese Erkenntnis zu fördern, daran zweifle ich. Und wenn man notfalls die Rome zu ihrem (Bildungs-)Glück zwingen muss – etwa durch maßvolle, aber spürbare Kürzung der Sozialhilfe, wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken – so sollte man über solche Maßnahmen jedenfalls in Anbetracht der Situation nachdenken dürfen, ohne sich gleich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, man sei ein Feind der Zigeuner.

      Warum Roma solche Integrationsprobleme haben, begründet die Politikerin mit dem Mangel an Perspektiven in den Siedlungen am Land. Frau Osztolykán wünscht sich, dass talentierte Kinder Bildung bekommen. Auf dem Weg dorthin braucht es aber auch den Willen zur Anpassung. „Noch fehlen in den meisten der Zigeunergemeinschaften das Bewusstsein und der Wille, die Sitten der Mehrheitsbevölkerung als maßgebend zu akzeptieren“, sagt István Forgács. In vielen Gebieten komme es zur Gettobildung, wie mit Farbigen in den Vereinigten Staaten oder Türken in Deutschland.“

  2. HV ich muss jetzt leider weg und kann mir das Radio nicht anhören.
    Natürlich haben alle Regierungen seit der Wende diesbezüglich versagt, da mache ich überhaupt keinen Unterschied zwischen links und rechts. Nur so zu tun, als ob das Problem erst nach der Wende entstanden wäre halte ich für falsch.

    Natürlich geht es nicht mit Bildungsfeindlichkeit. Das sollten in Deutschland und Österreich auch diejenigen begreifen, die sich in der Schule keine Mühe geben und sich darauf verlassen, dass schon der Staat für sie sorgen wird.
    Aber wie macht man bildungsfernen Schichten klar, dass es so nicht weiter geht?

    Ich glaube und denke auch die Zustimmung aller anständigen Menschen zu haben, dass dies nicht mit uniformierten Milizen geht, die auf und ab marschieren und angeblich die Bevölkerung vor „Zigeunerkriminalität“ schützen. Dort wo es Kriminalität (die ja nicht auf die Minderheit beschränkt ist) gibt muß der Staat die Bürger schützen und kann und darf nicht das an Milizen delegieren.

    • @ Herrn Pfeifer: Es sieht aus, als sei dies einer der wenigen Momente, in denen wir nicht weit voneinander weg sind.

      „Natürlich geht es nicht mit Bildungsfeindlichkeit. Das sollten in Deutschland und Österreich auch diejenigen begreifen, die sich in der Schule keine Mühe geben und sich darauf verlassen, dass schon der Staat für sie sorgen wird.“

      Völlig korrekt. Solche Menschen gibt es in der Mehrheitsgesellschaft und in der Minderheit, und das überall. Diese Erkenntnis allein bringt uns aber nicht weiter, Herr Pfeifer. Ich glaube zwar, man muss als Gesellschaft immer einen gewissen Anteil an Leuten finanziell „aushalten“, das dürfte der Preis des Sozialstaates sein. Wirklich problematisch wird es für die Gesellschaft aber dann, wenn dieser – von Stütze lebende – Anteil der Bevölkerung zu groß wird oder bestimmte Teile (in Ungarn bis zu 85% der Roma in bestimmten Regionen!) beinahe flächendeckend in diese Kategorie fallen. Und das ist es, was die Situation in Ungarn so schwierig macht. Die arme Minderheit „integriert“ hier dden Rest der Bevölkerung, nicht umgekehrt.
      Stellen Sie sich mal vor, es ginge so weiter, dann wäre – bei der hohen Geburtenrate der Roma – bald jeder zweite junge Mensch im Alter eines Schulabgängers Roma. Ich glaube kaum, dass es irgendeinen Staat auf der Welt gibt, der die Kraft hat, eine so große Zahl an Hilfsbedürftigen dauerhaft durchzubringen. Und wenn doch, dann bestimmt nicht Ungarn. Diejenigen, die heute von Rassismus und Diskriminierung sprechen und immer nur die Mehrheitsgesellschaft für die Probleme verantwortich machen, sollten sich im Klaren darüber sein, welche Zustände dann auf uns zukommen könnten. Das ist sozialer Sprengstoff wie aus dem Lehrbuch. Diese Situation zu verhindern, ist die Aufgabe ALLER Beteiligten. Und ich bin, wie schon sehr oft gesagt, nicht bereit, die Zigeuner aus Ihrer Verantwortung zu entlassen, nur weil sie die Minderheit sind oder weil es Rechtsradikalismus gibt. Selbst unter paradiesischen Verhältnissen gibt es 15% (latent) Rechtsradikale, und das in der ganzen EU. Unschön, aber wahr. Weder die Rechtsradikalen, noch die „unerträgliche Intellektuellenclique“ (so Rolf Bauerdick), die überall Rassismus wettert, wo man Angehörige von Minderheiten kritisirt, dürfen wir uns abhalten lassen, Probleme (1) zu benennen und (2) zu lösen.

      „Ich glaube und denke auch die Zustimmung aller anständigen Menschen zu haben, dass dies nicht mit uniformierten Milizen geht, die auf und ab marschieren und angeblich die Bevölkerung vor „Zigeunerkriminalität“ schützen.“

      Das ist richtig, ich glaube auch nicht, dass das irgend jemand der anständigen Menschen behaupten würde. Das eine (Milizen) ist eine fragwürdige und kurzfristige Methode, für vermeintliche „Sicherheit“ zu sorgen. Die Lösung hier kann nur mehr Polizei und ein hartes Auftreten gegenüber solchen Gruppierungen sein. All das wäre aber ein Herumdoktern an den Symptomen. Wer glaubt durch Milizen oder durch mehr Polizei die Ursache des Problems (s.o. und den Beitrag) lösen zu können, ist naiv. Was uns zu meiner o.g. AUssage zurückführt: Mehr Bildung und mehr Integration(swillen).
      Wir müssen aber auch im Fall der Milizen verstehen, wie es so weit kommen konnte, und auch hier mag ich nicht allein der Mehrheitsgesellschaft die Schuld zu geben. Wenn der einzige Dorfpolizist am 15. eines Monats kein Benzin mehr für sein Auto hat, dann ist es eben dahin mit der „öffentlichen Sicherheit“ – hier ist der Staat verantwortlich. Wenn die Menschen dann zusätzlich von (einigen!) Mitgliedern der Minderheit bestohlen werden und dsolche Ereignisse alltäglich werden, dann ist das ein hervorragender Nährboden für das Gesocks, das sich als Garanten der Sicherheit aufspielt. Auch hier: Versagen des Staates plus fehlender Integratonswille und Kriminalität Einiger.
      Ich bin übrigens – gewiss anders als Sie – davon überzeugt, dass die Presse mit ihrer einseitigen und auf „Rassismus-Berichterstattung“ ausgelegten Vorgehensweise das Problem nicht gelöst, sondern sogar verschärft hat. Die Reaktion der Bevölkerung in Orten wie Gyöngyöspata, jetzt Jobbik zu wählen, kommt wohl auch von dem Eindruck, den sie im Frühjahr gewonnen haben: Kein Mensch hörte ihnen zu, nur das Leidklagen der Roma und ihrer Interessenvertretungen fand seinen Weg an die Öffentlichkeit. Ich halte Interviews wie das in der Heti Válasz (siehe unten) daher für sehr wichtig, weil sie das Bild vervollständigen.

      https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/05/10/gyongyospata-preisgekronter-ungarischer-winzer-kommt-in-der-heti-valasz-zu-wort/

      Von Kriminalität aus den Reihen der Roma-Bevölkerung las man hierzulande sehr wenig – weil das wohl in den Augen der Mainstream-Schreiberlinge schon Rassismus gewesen wäre. Na ja, wer meint, damit Probleme zu lösen: Bitte sehr. Ich maße mir jedenfalls nicht an, Menschen wie den jungen Winzer Bálint Losonci als Rassisten abzustempeln, ohne selbst vor Ort gelebt und die Situation erlebt zu haben…

  3. Nur so zu tun, als ob das Problem erst nach der Wende entstanden wäre halte ich für falsch.
    Herr Pfeifer, welche ungewohnten Worte aus ihrem Munde!!!
    (Das meine ich jetzt ganz ehrlich und ohne Ironie)

    Damit kommt ja auch zumAusdruck, dass keineswegs die momentan am „Pranger“ stehende Regierung der Sündenbock ist.
    Ich habe Roma erlebt, die „assimiliert“ werden sollten, man hat ihnen (Ende der 70-er) Sozial-Wohnungen zugeteilt:Nachdem alles abmontiert und verkauft war, was nur ging sind sie wieder in „ihren“ Stadtteil zurückgegangen.
    Ich habe auch mit eigenen Augen Zigeuner in Erdlöchern hausen sehen.
    (War jetzt ein kleiner Ausrutscher vom Thema weg )
    @ HV
    *Ich bin übrigens – gewiss anders als Sie – davon überzeugt, dass die Presse mit ihrer einseitigen und auf „Rassismus-Berichterstattung“ ausgelegten Vorgehensweise das Problem nicht gelöst, sondern sogar verschärft hat.’*

    Genau, das mag jetzt wohl „primitiv“ erscheinen, aber der Vorgang wiederspiegelt ganz sicher eine gewisse „Trotzhaltung“ .Der Mensch reagiert eben vielmals nicht vom Kopf her, sondern spontan aus dem Bauch heraus.

    Wieso wird z.B nie über den Bürgermeister von Csedi berichtet? (Ich meine jetzt nicht hier im blog , sondern allgemein.)
    Weil er angeblich eine nicht ganz saubere Weste hat oder
    weil es nicht ins momentane Weltbild über Ungarn passt???
    Herzliche Grüsse aus Fidesztan 😉

    • Keinesfalls möchte ich unterstellen Sie hätten gegenteiliges gesagt, aber um es mal klar zu stellen: Assimilation ist falsch, auch im Falle der Zigeuner. Geht es um Die Ungarn in der Slowakei oder Rumänien, wollen wir ja auch nicht, dass diese sich assimilieren lassen. Und ich selbst habe auch nicht vor mich assimilieren zu lassen. Assimilation ist der Falsche Weg der Integration. Einer der die Integration der Roma noch erschweren würde, da er Widerstand provozieren würde. Sollen die Roma ihre Kultur (Sprache, Bräuche etc) ruhig ausleben, solange dies konform mit den Gesetzen Ungarns ist.

      Im Übrigen unterstütze ich das Meinungsbild das hier wiedergegeben wurde.

      • @Palóc,
        *Keinesfalls möchte ich unterstellen Sie hätten gegenteiliges gesagt, aber um es mal klar zu stellen: Assimilation ist falsch, auch im Falle der Zigeuner.*
        Na, deswegen steht ja „Assimilation“ in „..“
        Aber ich werde demnächst einen Kurs „Die hohe Schule des Schreibens belegen 😉

  4. Also zuerst HV. Ich mußte am Nachmittag weg um meinen Kopf ein wenig auszulüften. Nun denke ich tatsächlich, dass wir nicht weit von einander entfernt sind. Aber wie will man einem Analphabeten klar machen, dass die Zukunft seiner Kinder von Bildung abhängt? Es gibt leider keine einfachen Antworten.
    Ich bin ein Anhänger der österreichischen Sozialpartnerschaft (in D. soziale Marktwirtschaft) und sehe wie Sie die Gefahr, dass diese Ordnung nicht mehr aufrechterhalten kann, wenn eine große Anzahl von Menschen darauf vertraut von Transferleistungen leben zu können.
    Natürlich finde ich, dass in Österreich es noch nie zuvor sovielen Menschen so gut gegangen ist und dass wir hier ein sehr gutes soziales System haben.
    Als ich während des Kádárregimes mit gewissen österreichischen Linken diskutiert habe, hätte ich die Wand hochsteigen können vor Wut als die mir erklärten in Ungarn sei doch das Gesundheitssystem besser als in Österreich.
    Sie wollten mir nicht glauben, dass in Ungarn die Ärzte und Krankenschwestern für jeden Handschlag ein Trinkgeld erwarteten.

    Kullancs ich habe an einem anderen Ort aus einem meiner 1980 veröffentlichten Artikel zitiert, in dem ich über das Elend der Zigeuner in Ungarn im Kadar-Regime schrieb. Sie laufen also diesbezüglich bei mir offene Türen ein.
    Ich habe bei keinem meiner Vorträge behauptet, dass die Probleme der Zigeuner in Ungarn mit der Orbán Regierung oder der Wende begonnen hätten. Der erste der das Wort „Zigeunerkriminalität“ publizierte war der linke Schriftsteller G. Moldova und das war – wenn ich mich richtig erinnere – knapp vor der Wende. Da gab es in ES eine interessante Dokumentation über das Buch von Moldova, in dem dieses Wort stand.

    • Eben weil es kaum sinnvoll ist, einen Analphabeten (der womöglich einen Mercedes fährt 🙂 ) davon überzeugen zu wollen, dass „Bildung“ der einzige Weg ist, sollte man sich diese Arbeit sparen und nach anderen Lösungen suchen. Ich bin ein Anhänger des Prinzips „Fördern und fordern“, man muss manch einen – übrigens unabhängig von der ethnischen Herkunft – wohl zu seinem Glück zwingen. Zu viel Sozialromantik gefährdet nämlich die von Ihnen zu Recht als hohes Gut erwähnte „Sozialpartnerschaft“.

      Nehmen wir Deutschland und ein Beispiel aus dem letzten Jahrzehnt: Was ist z.B. schlecht daran, von Einwanderern vor deren Einbürgerung Deutschkenntnisse zu verlangen? Der Mann auf der Straße würde wohl sagen: Nichts. Aber selbst das wurde von Teilen der Linken als rassistisch und unannehmbar qualifiziert. Ich verstehe so viel Dummheit und Lebensferne nicht. Wer in einem Land leben will, muss die Sprache sprechen, und das im ureigenen Interesse. Und wer in Ungarn (mit ehrlicher Arbeit) aus einer prekären sozialen Situation herauskommen möchte, muss lesen und schreiben können und einen Schulabschluss besitzen. Das Leben ist manchmal so einfach, dass man gar keine G´Studierten braucht 🙂 …

      Was halten Sie von dem Vorschlag, die Sozialhilfe (maßvoll, aber spürbar) zu kürzen, wenn Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken? Oder die Sozialhilfe in Form von Gutscheinen auszuzahlen, dass die Eltern das Geld am 5. des Monats nicht schon versoffen haben? Ich bin so naiv und glaube, dass solche Maßnahmen quasi Wunder bewirken könnten. In Kombination mit gezielten Förderungsmaßnahmen glaube ich, könnte viel getan werden. Wir haben es nämlich nicht mit lauter Deppen zu tun, die man abschreiben darf. Wie der FAZ-Artikel beweist.

      Und zurück zu Deutschland, damit sie sehen, dass es mir nicht nur um Roma geht: Die Bundesregierung hatte vor einiger Zeit eine Maßnahme namens „Bildungsgutscheine“ eingeführt, die dazu beitragen sollte, sozial benachteiligten Bürgern beim Erwerb von Schulutensilien für ihre Kinder zu helfen. Nur ein verschwindend geringer Teil der Zielgruppe nahm das Angebot an…was wieder beweist, dass man Menschen zu ihrem Glück zwingen muss. Weil sie sonst nicht begreifen, dass sie ihre Kinder in das gleiche Schicksal entlassen, in dem sie sich befinden. Oder wollen wir einen Liberalismus in dem Sinne, dass ein Teil (der ganz oben und der ganz unten) tut, was er will, und der Rest die Zeche zahlt?

  5. HV, da gehen wir vollkommen einig. Da meine Frau Deutsche ist und ich mich oft genug bei meiner deutschen Familie aufhalte, sehe ich diese Probleme genauso.
    Zu verlangen, dass Einwanderer oder Asylanten die Staatssprache erlernen ist gerechtfertigt. Abgesehen von Nützlichkeitserwägungen ist ja dieses Erlernen auch eine Bereicherung. Ich kann mich an sehr viele ungarische Flüchtlinge 1956 erinnern. Da dachte keiner daran, hier leben zu können, ohne Deutsch zu lernen. Andererseits ist es doch traurig, dass so viele dieser Ungarn ihren hier geborenen Kindern nicht Ungarisch beigebracht haben.

  6. @kullancs: Ich habe Sie durchaus sofort verstanden – wie ich schon schrieb, wollte ich Ihnen das auch nicht in den Mund legen. Jedoch habe ich zu einem früheren Zeitpunkt von jemanden (ich weiss nicht mehr wer das war) hier den Standpunkt vernommen, Assimilation wäre richtig. Ich fand es daher Wert das mal anzusprechen.

  7. @Paloc
    *Sollen die Roma ihre Kultur (Sprache, Bräuche etc) ruhig ausleben, solange dies konform mit den Gesetzen Ungarns ist.
    Ich hätte evtl noch hinzufügen müssen:
    Da stimme ich 100 pro mit Ihnen überein
    (Nun ist alles geklärt?? 😉 )

  8. Eigentlich hatte ich „Belege“ zur Untermauerung eines momentan aktuellen Themas gesucht, fand dabei aber dies hier.Ich finde es besonders erwähnswert, weil es doch!! möglich ist, wenn eine/r wil.
    Obwohl er Roma und stark sehbehindert ist
    und hoppla:
    Jó volt az elmúlt öt év, befogadtak, segítettek az évfolyamtársak, barátok lettünk.
    befogadtak? segítettek ? diese Ungarn aber auch !

    http://uni.sze.hu/alombol-valosag-zsoltbol-jogasz-lett

  9. Noch ein „Fundstück“ aus dem Internet.
    Wa sagt man denn dazu:Da fördert die ungarische Botschaft in D das Projekt „Brücke-Podo-Híd” (unter der Schirmherrschaft von Balogh) und ermöglicht in ungarisch-deutscher Kooperatio die fachliche Entwicklung von jungen Roma.
    Na, hoffentlich ruft das mal nicht wieder unsere „Aktivisten“ auf den Plan!!Ich meine irgend ein Haar in der Suppe werden sie ganz sicher finden!!
    http://www1.wdr.de/fernsehen/information/cosmo_tv/sendungen/praktikum_krisztina100.html

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