Reuters: Orbán warnt vor „Griechenland-Szenario“

Reuters berichtet über Aussagen von Ministerpräsident Viktor Orbán, der sein Land mit deutlichen Worten vor „griechischen Verhältnissen“ gewarnt:

Budapest (Reuters) – Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat in dramatischen Worten vor Verhältnissen wie im pleitebedrohten Griechenland gewarnt.

Das Land habe die Möglichkeit, auf den „griechischen Weg“ abzurutschen oder mit den vor einem Jahr gestarteten wirtschaftlichen Reformen voranzukommen, sagte Orban am Montag in Budapest. Die europäische Schuldenkrise werde zunehmend zur Bedrohung. „Ungarn ist in den letzten drei Monaten in eine wirklich gefährliche Situation geraten“, sagte der Regierungschef: „Die ungarische Souveränität steht auf dem Spiel.“

Um wirtschaftlich nicht noch tiefer abzurutschen, will die Regierung stärker als geplant den Haushalt kürzen. Ein Loch von 80 bis 100 Milliarden Forint (umgerechnet rund 300 – 370 Millionen Euro) müsse im Haushalt 2011 gefüllt werden, weil das Wachstum geringer als erwartet ausgefallen sei, sagte ein Staatssekretär Orbans am späten Sonntagabend im ungarischen Fernsehen. Er kritisierte die ungarische Zentralbank für ihre Politik der hohen Zinsen. Der Leitzins liegt seit Januar bei sechs Prozent. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal und lag nur noch bei 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis.

Ungarn verstieß vor einem Jahr gegen Vereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds. Die Regierung setzte auf einen globalen Aufschwung. Sie verhängte eine pauschale Einkommensteuer von 16 Prozent, führte eine Spekulationssteuer ein und entnahm rund 15 Milliarden Dollar aus Pensionsfonds. Eine Einkommensteuersenkung von rund 400 Milliarden Forint kurbelte aber nicht wie erhofft den Konsum an.“

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE77S0D820110829