Spannungen zwischen Roma und der Mehrheit – nur ein ungarisches Problem?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bringt in ihrer heutigen Online-Ausgabe einen lesenswerten Beitrag mit dem Titel

Roma in Tschechien – Zwist im Zipfel“ .

Thema des Beitrags sind Spannungen zwischen Mitgliedern der Roma-Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft im sog. „Schluckenauer Zipfel“ in Böhmen.

Im Vergleich zur höchst einseitigen Berichterstattung über das ungarische Dorf Gyöngyöspata, das im Frühjahr europaweit zu einem Negativbeispiel an mehrheitsfähigem Rassismus und Zigeunerhass in Ungarn gemacht wurde – ohne die Mehrheitsgesellschaft im Ort überhaupt um ihre Sichtweise zu bitten – , berichtet die FAZ im Fall Tschechiens auch über die Vorgeschichte der Spannungen.

Die tschechische Polizei registrierte 2011 im Schluckenauer Zipfel gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg der Kriminalitätsrate insgesamt um 20 Prozent, bei Eigentumsdelikten um 37 Prozent. Geklaut wird, was sich klauen lässt, vorzugsweise öffentliches Eigentum in Form von Bahngeleisen, Telefonkabeln und Kanalgittern, denn die Preise für Altmetall steigen. Die Beschwerden der Bürger wurden lange ignoriert – bis zwei brutale Verbrechen die Aufmerksamkeit auf die Zustände im Norden Böhmens lenkten.

Am 7. August stürmte eine Gruppe junger Roma mit Schlagstöcken und Macheten eine Bar in Haida (Nov Bor). Drei Gäste wurden bei dem Überfall verletzt. Zwei Wochen später fielen an die 20 junge Roma auf einer Straße in Rumburg über sechs Tschechen her. Vergeblich versuchten Sprecher der Roma, die Vorfälle mit dem Hinweis zu relativieren, dass es im Land Tag für Tag Hunderte von ähnlichen Raufereien zwischen Jugendlichen gebe, ohne dass sich die Medien dafür interessieren würden. Die Polizei nimmt an, dass sich die Täter von rassistischen Motiven leiten ließen. Die Stimmung kippte. Am Freitag voriger Woche umstellten rund tausend wütende Bürger in Rumburg nach einer Kundgebung Häuser, in denen Roma wohnen, um sie zu Gegenreaktionen zu provozieren. Die Polizei griff ein, als sie damit begannen, einen Zaun niederzureißen. Nach einem Bericht von Romea.cz – eines Nachrichtenportals der tschechischen Roma – soll eine Roma-Familie aus Rumburg geflohen sein. Sie sei mit dem Tod bedroht worden und habe sich vergeblich an die Polizei gewandt.“

Eine derartige Berichterstattung hätte man sich auch in den Gyöngyöspata-Reportagen in den Mainstream-Medien gewünscht. Wie in der Wochenzeitung „Heti Válasz“ berichtet worden war, kam das Auftreten der uniformierten Neonazis nicht „zufällig“, sondern war die traurige Folge versagender Polizeibehörden und einer desolaten Sicherheitslage:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/05/10/gyongyospata-preisgekronter-ungarischer-winzer-kommt-in-der-heti-valasz-zu-wort/

3 Kommentare zu “Spannungen zwischen Roma und der Mehrheit – nur ein ungarisches Problem?

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