FAZ: Reinhard Olt über die „Schuldenkrise in Ungarn“

Reinhard Olt berichtet für die FAZ:

http://www.faz.net/artikel/C31147/schuldenkrise-in-ungarn-orban-land-steht-vor-kampf-um-souveraenitaet-30496069.html

6 Kommentare zu “FAZ: Reinhard Olt über die „Schuldenkrise in Ungarn“

  1. Man muss es Viktor Orbán lassen, er bringt es wirklich auf den Punkt, er leistet einen großartigen Beitrag, damit die Welt anerkennt Ungarn ist ein Unikat: Bereits in diesem Herbst müsse sich das Land auf einen „Kampf um seine Souveränität“ einstellen, um nicht auf den griechischen Weg abzurutschen“. Es sei jetzt entscheidend, wirtschaftliche Bande mit China, Russland und die arabische Welt zu knüpfen… Um Kritik aus dem Ausland an der Politik seiner Regierung solle man sich nicht kümmern, denn das behindere „die Entwicklung der gesunden Volksseele“.
    Also jetzt wissen es die ungarischen Diplomaten, sie sollen sich nicht um die Kritik kümmern ihre wichtigste Aufgabe wird vielleicht von nun an sein ihren Beitrag zur Entwicklung der gesunden Volksseele zu leisten.
    Ich dachte – naiv wie ich bin – die ungarische Volksseele sei gut entwickelt, hat doch Fidesz eine solide 2/3 Mehrheit im Parlament. Doch ohne „Kampf“ geht die Chose nicht. Ohne Kampf gibt es auch keine „gesunde Volksseele“.
    Orbán und Fidesz scheinen dieser „Volksseele“ nicht ganz zu trauen, denn Ende August erließ die Budapester Regierung eine Anweisung, dass ab 1. September 2011 in jedem Amt ein Verfassungstisch eingerichtet werden muss , gekennzeichnet mit der Aufschrift „der Tisch der Verfassung“. Der Tisch ist mit einer Glasplatte abzudecken, mit Blumenschmuck zu dekorieren und mit einem Stift zu versehen, der an einer Schnur in den Farben der Nation zu sichern ist. Auf dem Tisch muss die gedruckte Verfassung platziert, auf Seite 28 aufgeschlagen und mit rot-weiß-grüner Schnur fixiert werden. Obwohl sie erst im Januar 2012 in Kraft treten wird, soll jeder Ungar sich schon jetzt damit vertraut machen. Ein eigens dafür abgestellter Mitarbeiter der Verwaltung muss am ‚Tisch der Verfassung‘ bereitstehen, um beim Ausfüllen des Bestellformulars zu helfen, falls jemand das Werk zu Hause weiter lesen möchte. Parlamentspräsident László Kövér hat gar versprochen, jedem ein handsigniertes Exemplar zuzusenden, wenn man es denn wolle.
    Jetzt kann nichts mehr schief gehen in Ungarn und ich bin sicher alle Leser werden mir zustimmen, denn nichts geht über eine „gesunde Volksseele“.

  2. Lieber Kollege,
    alle Diktatoren und Fremdherrscher fanden „die Ungarn“ nicht immer als anstrengend. Wenn ich zum Beispiel an die k.u.k. denke, da fand man nach 1867 „die Ungarn“ keineswegs als anstrengend. Sie wurden sogar zu Helden der Wiener Operette.
    Und das Kádárregime (das in meinen Augen eine Diktatur war, wenn auch hinter der Maske des „Gulaschkommunismus) fand ab 1962 1963 „die Ungarn“ nicht anstrengend.
    Weil A.K. Pauschalurteil nicht annehmbar ist, wird auch das Gegenteil von dem was A.K. postuliert nicht wahr.
    Richtig ist, dass es in Ungarn mit Ausnahme der Periode der deutschen Besatzung seit Ende des 19. Jh immer Kabarett gegeben. Und es ist auch wahr, dass es einen spezifischen ungarischen schwarzen Humor gibt und die jeweiligen Regierungen haben diesem auch immer wieder Steilvorlagen geliefert. Trotzdem haben die meisten Ungarn jetzt leider nichts zum Lachen.

  3. @Pfeifer: Ja, weil Sie keine Diktatur ist!

    Aber hey: ich denke doch, dass die Österreicher uns recht anstrengend fanden. Ist ja nicht so, dass sie uns den Ausgleich freiwillig angeboten hätten. Den haben sie uns angeboten, weil sie keine andere Möglichkeit sahen mit uns klar zu kommen. Was Kádár angeht, der hatte immer Angst vor einer zweiten Revolution, deswegen förderte er – entgegen des Trends im Ostblock – zunächst die Konsumwirtschaft und erst dann den Rest, wobei er zum Rest nicht mehr kam. Um uns zufriedenzustellen, nahm er sogar Kredite auf. Diese Politik ermöglichte erst die fröhliche Baracke des Ostens. Man kann also nicht so ohne weiteres sagen, Kádár und die Österreicher fanden uns nicht anstrengend, es ist vielmehr eine Frage der Sichtweise.

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