Sándor Képíró gestorben

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Sándor Képíró ist tot. Er verstarb am Samstag im Alter von 97 Jahre in Budapest.

Mit dem Tod Képírós geht der um ihn geführte Kriegsverbrecherprozess zu Ende. Képíró war vor vor wenigen Wochen in erster Instanz vom Tatvorwurf, er habe im Jahre 1942 an Massakern im Ort Novi Sad teilgenommen, in erster Instanz freigesprochen worden (Hungarianvoice berichtete). Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt, die aufgrund des Todes des Angeklagten aber nicht mehr durchgeführt wird.

Der Freispruch hatte international für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Simon Wiesenthal Center bedauerte den Freispruch. Der Ausgang  wurde von einem Teil der Presse zu einem Angriff auf die ungarische Regierung genutzt. Namhafte Historiker zweifelten jedoch – trotz einer moralischen Verantwortung Képírós – an der Tragfähigkeit der vorgelegten Beweise. Eine endgültige – d.h. letztinstanzliche – Aufarbeitung strafrechtlicher Art bleibt nunmehr aus.

http://volksgruppen.orf.at/ungarn/aktuell/stories/153255/

3 Kommentare zu “Sándor Képíró gestorben

  1. Die ungarische Staatsanwaltschaft erhob Einspruch gegen das Urteil, u.a. weil der Richter nicht das ungarische Urteil von Anfang 1944 (also noch vor der deutschen Besatzung) gegen Képiró berücksichtigte.
    Ich wäre dankbar für die Nennung der namhaften Historiker; die Sie da erwähnen.

    Interessant war, dass der Richter keine Zuschauer duldete, die sich einen gelben Fleck auf die Brust hefteten. Die T-shirts mit dem Emblem der „Jugendbewegung“ 64 Komitate störten ihn nicht. Das sagt etwas über die Atmosphäre im Gerichtssaal aus.

    • Gerne: Krisztián Ungváry und László Karsai. Zwei, die „völlig unverdächtig sind“, mit der Rechten zu sympathisieren (ORF).

      http://index.hu/belfold/2011/07/18/kepiro_itelet/
      http://www.mno.hu/portal/397190

      Was den „gelben Flecken“ angeht: Ich zweifle daran, dass es so viele Richter in Europa gibt, die es dulden würden, wenn Zuseher in einem Strafvrfahren mit gelben Judensterne auf der Kleidung – immerhin das Zeichen der Ausgrenzung der Juden in Deutschland und anderswo – den Gerichtssaal betreten. Eine klare politische Demonstration und (ob man es hören will oder nicht) eine Vorverurteilung des zu diesem Zeitpunkt formell unschuldigen Angeklagten. Beides hat in einem Gerichtssaal nichts zu suchen und würde auch hierzulande kaum geduldet. Ich denke, die Reaktion des Richters im Hinblick auf die gelben Judensterne war vertretbar. Es ging ihm wohl kaum um „Davisterne“ im Allgemeinen.

  2. HV Da ich an einigen politischen Prozessen als Journalist und später an Prozessen in denen ich als Angeklagter bzw Kläger war, teilgenommen habe, kann ich bestätigen ein österreichischer Richter hätte keine gelben Sterne aber auch nicht das T Shirt einer rechtsextremistischen (understatetment) Bewegung geduldet.

    In Ungarn hat der Richter das T shirt der 64 Komitate geduldet. Was einiges aussagt über die Atmosphäre.

    Danke für die Info über die beiden Historiker. Tatsache bleibt, der Richter hat laut Einspruch der Staatsanwaltschaft wichtige Beweismittel nicht in Erwägung gezogen.

    Im Gegensatz zu den Phantasien der Rechtsextremisten über „jüdische Rache“, dienen solche Prozesse hauptsächlich dazu, den Historikern Unterlagen zu bieten.

    Dieser Prozess zeigte die Verbrechen auf, die von ungarischen „Ordnungskräften“ im délvidék zwei Jahre vor der deutschen Besatzung begangen worden sind.
    Und darauf kann Ungarn stolz sein, es gab einen Abgeordneten, der im ungarischen Parlament 1942 aufstand und diese Verbrechen anprangerte.

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