ARD-Europamagazin: Ungarn, das Land von Roma-Zwangsarbeit und Antisemitismus…

Das ARD-Europamagazin widmet dem Thema Ungarn einen Beitrag. Der Titel ist aussagekräftig: „Ungarn: Zwangsarbeit in Europa“ und kündigt an, welcher Inhalt auf den Zuseher wartet.

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/342024_europamagazin/8359440_ungarn–zwangsarbeit-in-europa?type=null&buchstabe=E

Die beiden Kernaussagen: (Nur) Roma müssen in sengender Hitze Dornengestrüpp beseitigen und werden von einem „sehr gut durchtrainierten“ Armeeangehörigen „beaufsichtigt“.

Danach kommt Mónika Török ins Spiel: Die Journalistin sei „liberal und kritisch und jüdischer Abstammung“ und müsse trotz ihrer drei Diplome nun einer Kindergartengehilfin zuarbeiten. Die ARD „könne sich nicht vorstellen“, welchen Schikanen sie dort ausgesetzt sei…mehr erfahren wir leider nicht. Auf ihrem Blog schrieb Frau Török im September noch nichts von Schikanen, nur davon, dass sie in einer Praxis Arbeiten verrichten muss, die ihr offenkundig nicht gefallen (Briefe frankieren, zur Post aufgeben, Telefondienst). Dafür erfährt die ARD, dass ihr Sohn wegen seiner Abstammung bereits verprügelt worden sein soll und man sie „als dreckige Jüdin“ beschimpft habe. Ich habe mehrfach versucht, diese letztgenannte Aussage der im Hintergrund laufenden Originalsprache zu entnehmen, gelungen ist es mir nicht.

Der ARD-Kommentar (ab 2:52 min): „Ich will hier gar nicht viel über unsere Familie und diesen Antisemitismus sagen. Man hat mich als dreckige Jüdin beschimpft, meinen Sohn schon mehrmals verprügelt. Aber ich glaube, wenn ich eine Roma wäre, ginge es mir noch dreckiger.“

Übersetzung der Originalaussage: „Ich sage nur ganz leise, dass ich Jüdin bin. Mein Sohn war im zweiten Schuljahr, als man ihn deswegen verprügelt hat, weil er Jude war. Ich habe ihn dann von der Schule genommen. damals war er noch nicht liberal, das ist er später geworden.

(Ich möchte jeden ungarisch Sprechenden bitten, sich die Aussage von Frau Török anzuhören und mich zu berichtigen, wenn sich Übersetzungsfehler eingeschlichen haben sollten.)

Nachrichtendichtung, mit den Gebührengeldern der Zuseher.

Török schreibt als „kritische Liberale“ auch für die Népszava und die US-amerikanische Kampfpostille „Amerikai Népszava“, in der Viktor Orbán regelmäßig in die Nähe faschistischer Diktatoren gerückt wird und in der auch andere nette Sachen über „die Ungarn“ als Kollektiv geschrieben stehen. Man erkennt also abermals, aus welcher politischen Ecke die ARD ihre Horrormeldungen über Ungarn bezieht.

Über die Defintion von Zwangsarbeit wird – im Falle der Androhung, die Sozialhilfe zu kürzen oder zu streichen – übrigens international kontrovers diskutiert. Man kann gewiss die Auffassung vertreten, dass die Androhung der Streichung die „Drohung mit einem empfindlichen Übel“ ist. Auch das Gegenteil ist freilich vertretbar. Im Land der „Amerikanischen Népszava“, dem großen freiheitlichen Vorbild der „kritischen Liberalen“, wird man sie wohl verneinen und Sozialhilfe als „socialism“ bezeichnen.

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31 Kommentare zu “ARD-Europamagazin: Ungarn, das Land von Roma-Zwangsarbeit und Antisemitismus…

  1. Frau Török sagt, soweit ich es verstehen kann „für sich genommen, dass, das „jüdisch“, das flüstere ich nur.“

    In der Reportage wird nur am Rande klar, dass die Roma offenbar mehr Geld für diese „Arbeit“ bekommen als die Sozialhilfe (aber wohl weniger als normale Arbeit). Das wäre, wenn es stimmt, ein wichtiges Detail.

    Dass dem so ist, behauptet der Innenministeriums-Funktionär, der mir etwas Angst einjagt mit seiner gespenstischen Formel „wir werden 100 Prozent Beschäftigung erreichen.“ Das geht in einer Marktwirtschaft nicht. Für diesen beunruhigenden O-Ton bin ich dankbar, ich hatte so etwas noch aus keiner ungarischen Quelle gehört. Leider springt die Reporterin nicht darauf an.

    Der „durchtrainierte“ junge Mann scheint kein sehr finsterer Typ zu sein und den Arbeitern keine besondere Angst einzujagen. Ich glaube, zum Thema „Zwangsarbeit unter Militäraufsicht“ ist da noch Raum für überzeugendere Bebilderung.

    Warum aber das Innenministerium die Sache betreuen muss, „um es durchsetzen zu können“, das will mir nicht in den Kopf. Die Reporterin ist zu Recht befremdet.

    Historisch war es glaube ich Roosevelts „New deal“ in den 30er Jahren, wo auf Staatskosten Arbeitslose teilweise total sinnlose Arbeiten verrichteten, nur um sie zu beschäftigen. Solche Dinge können Sinn machen. Wäre zumindest einen Halbsatz wert gewesen, vielleicht von einem Wirtschaftsexperten.

  2. In Deutschland läuft es doch genauso ab, bloß hier heißen die: 1,- Euro Jobs. Wer sich weigert diese Jobs auszuführen, dem wird die Sozialhilfe gekürzt, oder kann sogar bei weiterer Verweigerung ganz gestrichen werden. Wo liegt da der gravierende Unterschied bitte sehr?

  3. ergaenzung der übersetzung: „Ich sage nur ganz leise, dass ich Jüdin bin. Mein Sohn war im zweiten Schuljahr, als man ihn deswegen verprügelt hat, weil er Jude war.“ + „ich habe ihn dann von der schule genommen. damals war er noch nicht ‚liberal‘, das ist er spaeter geworden.“

  4. Tja, der Beitrag ist wirklich keine Perle des Journalismus. Ich bestätige gerne noch mal die korrekte Übersetzung, der tatsächliche O-Ton passt nicht zum drübergelegten Text.
    Ärgerlich ist, dass damit auch alle anderen Übersetzungen diskreditiert werden. Wer weiss, ob der Abteilungsleiter im Innenministerium wirklich von 100% Beschäftigung gesprochen hat? Sein Redebeitrag beginnt mit „Gyermekek…“, der Rest geht leider unter. Also beginnt er mit den Kindern, die den geregelten Alltag ihrer Eltern sehen sollen. Das kommt in der Übersetzung aber erst zum Schluss dran. Was hat er also tatsächlich noch so erzählt?

  5. Fällt nicht schwer die gemeinsame Attacke zu sehen:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1455994/Ungarn-Medien-bangen-um-Freiheit#/beitrag/video/1455994/Ungarn-Medien-bangen-um-Freiheit

    Man hat gewagt Gyurcsány vorzuladen !

    Ich bange um die Medien in Deutschland. Wo findet man solche deutsche Berichterstatter ?Spitzel und Denunzianten aus Ungarn werden hochdekoriert. Wer hält eigentlich die Fäden in Deutschland ? Wer hat die Macht die Nachrichten so zu verdrehen ?

      • Hätte ein Sinn zu erklären, daß F.Gy. nicht angeklagt ist ? Er ist zum Verhör bei der Staatsanwaltschaft vorgeladen worden. Er hat die Aussage, die Erklärung zur Sache verweigert, was sicherlich sehr medienwirksam ist, aber hat die Vorwürfe NICHT entkräftet. Nach meinem Rechtsgefühl hat er dadurch der Staatsanwaltschaft die Abwägung sehr eingeschrenkt. Er spielt jetzt den Martyren, um die ARD und ZDF glücklich zu machen.

        Meiner Meinung nach, hätte die NZZ wissen müssen was Sache ist, oder erwarte ich von denen zuviel ?

    • nun ich denke um die Medien in Deutschland oder anderwo muss man sich keine Sorgen machen. Die Interviews wurden sicherlich nicht von einem Deutschen übersetzt.
      Die sogenannten „Feinde“ Ungarns sind die Ungarn selbst; darüber sollte man nachdenken, warum das so ist.

      • Um die ungarische Presse auch nicht !! Sollte jeder vor dem eigenen Hof kehren ! Es gibt Dreck ( und dreckige ) genug außerhalb Ungarns, auch in Berlin !

  6. terrier: „Spitzel und Denunzianten aus Ungarn werden hochdekoriert.“

    Der Kommentar wäre jetzt doch noch ein wenig erklärungsbedürftig. Ich kann die beiden Begriffe hier im Zusammenhang nicht deuten.

  7. ja, Sie haben recht! Es gibt Dreck (und dreckige) genug, auch ausserhalb Ungarns, auch in Berlin! Sie sehen, eine Konjunktion am rechten Platz kann jede Aussage verdrehen, aber darum ging es mir nicht; die Frage ist: „die Feinde Ungarns sind die Ungarn selbst“ …warum das so ist?!?

  8. Gyurcsány und seine „Kumpanen“ haben zweifellos erheblich zu der jetzigen Situation Ungarns beigetragen. Ihn anzuklagen mag schon Zeichen setzen; aber was dann? will man ihn enteignen? einsperren? hinrichten?
    …reicht es denn, einfach einen Schuldigen zu haben und damit ist es gut?
    …so geht es doch keinen Schritt weiter!

    • @ Babel:

      Nein, es ist nicht gut, nur einen Schuldigen zu haben. Und „weiter geht“ es allein damit auch nicht.

      Es geht um etwas völlig anderes: Nämlich um die Frage, ob sich Gyurcsány strafbar gemacht hat. Wenn ja, wird man ihn verurteilen. Wenn nein, wird er freigesprochen. Das ist wie bei jedem normalen Menschen auch. Allerdings hätten Normalbürger wie Sie und ich, wenn wir mal angeklagt würden, whl keine Möglichkeit, ein Heer von Pressevertretern in der ganzen EU dazu zu bringen, ein Strafverfahren in die Nähe von „Politjustiz“ zu rücken und damit die ganze Justiz eines Landes zu diffamieren. Und das, bevor man überhaupt im Gerichtssaal ist, geschweige denn Anklage erhoben hat. Das schafft hierzulande nur der FC Bayern München. Offenbar hält sich manch einer wirklich für unantastbar und eine strafrechtliche Prüfung für Blasphemie.

    • Beim Spiegel-Artikel steht, dass Doerner der Co-Direktor ist. Bei HVG wird geschrieben, dass Doerner als Direktor des Theaters Csurka zu seinem Intendanten ernannt hatte. Wie ist es denn jetzt richtig?

  9. Ich bekomme Bauchgrimmen, wenn Parteipolitiker Kultur instrumentalisieren wollen – egal ob links oder rechts.

    Hier war wohl der Beschluss da, einen Konservativen einzusetzen, und vielleicht gab es keinen anderen rechten Kandidaten außer Csurka. Der müsste aber tabu sein, auch wenn sonst keiner will.

    • Dies ist eine Antwort auf Pfeifer, dem ich nicht direkt antworten kann.

      Falls mit extremer Rechter Jobbik gemeint ist, ich bin nicht sicher dass man das so (Friedenszeichen an Jobbik) sehen kann. Csurka hat die Regierungspolitik oft unterstützt und Jobbik heftig angegriffen, obwohl er einst mit ihnen gemeinsame Sache machte. Falls wahltechnisch gedacht wurde, dann wohl – wie schon so oft zuvor – um Teile des radikal rechten Wählerlagers an Fidesz zu binden oder zumindest von Jobbik abzubringen. Fidesz wird irgendwann um seine seine Zwei-Drittel-Mehrheit bangen müssen.

      Ich persönlich finde die Entscheidung aus vier Gründen schlecht, erstens hat Csurka ein Programm angekündigt, dass aus Polit-Kommentar (Stücke schreiben zB über Gyurcsány) und dem Aufführen eigener Stücke besteht (dafür sollte niemand Intendant gemacht werden, um seine eigenen Stücke aufzuführen). Zweitens hat sich Csurka in den neunziger Jahren zum Richter aufgeschwungen darüber, was in der Literatur als ungarisch gelten darf, sprich „nicht jüdisch“ . Ich würde mal sagen, „nicht ungarisch“ in dem Sinne waren all die Nobelpreise, auf die die Ungarn so stolz sind.

      Drittens sollte niemals ein Parteichef von der Politik ein Theater zugesprochen bekommen. Ich hätte kein Problem damit, wenn er aus eigenem Geld selbst eines starten würde, Und viertens vertrat Csurka in den 90er Jahren die Meinung, es gäbe eine historische Chance, zumindest die Wojwodina zurück zu bekommen. Es gab damals eine ähnliche Denkweise bei machen Leuten um Tökes in Bezug aufs Szeklerland, ich will das hier nicht näher ausführen, aber ich als eher siebenbürgisch denn mutterland-ungarisch denkender Mensch bekam damals große Angst vor etwaigen Massakern und einem endgültigen Verlust der ungarischen Kultur in den Nachbarländern.

      • Kálnoky
        Vielen Dank für diese Antwort.
        Ich habe vor der Wende ein langes Interview mit István Csurka gemacht, der kurze Zeit später genau das Gegenteil von dem machte, was er im Gespräch mit mir bekannte. Er hat keine Handschlagqualität.

        Aus einem Bohème wurde seit der Wende ein magyarkodó „Christ“

        Viele Jahre später publizierte ich meine erste ungarisch geschriebene Glosse in „Hetek“ über ihn:
        http://epa.oszk.hu/00800/00804/00028/2252.html

        Ich glaube, dass die Rechnung von Fidesz, mit Csurka Jobbik zurückdrängen zu können nicht aufgehen wird.
        Ohne jetzt Fidesz mit der ungarischen Regierungspartei 1938-1944 vergleichen zu wollen, hat diese Partei damals auch versucht den „Wind aus den Segeln“ der Pfeilkreuzler zu nehmen und hat dadurch nur den Wind in die Segel der Pfeilkreuzler getrieben.
        Auch hier in Österreich versuchte die Österreichische Volkspartei (ÖVP) diese Taktik, die aber keine Resultate gebracht hat. Heute ist die FPÖ stärker denn je und die ÖVP verliert in letzter Zeit bei allen Wahlen.

      • @ Pfeifer: Meine Antwort an Sie – ich war im Urlaub und konnte nur mobil agieren… – wurde leider von wordpress sabotiert und nicht veröffentlicht. Auch ich sehe die von Kálnoky genannten Motive und betrachte es als großen Fehler, Csurka aus der Versenkung hervorzuholen und nach rechtsaußen derartige Zeichen zu senden.

        Zudem dürften Zweifel daran angebracht sein, dass die (womöglich bzw. wahrscheinlich) dahinter stehende Strategie aufgehen wird. Letztlich hilft es nur, das von Csurka seit Jahr(zehnt)en verbreitete Gedankengut salonfähig(er) zu machen. Die Wähler hingegen werden letztlich das Original präferieren, ob es sich nun Jobbik oder aber Miép nennt. Das haben alle Versuche der deutschen CDU, den rechten Rand anzusprechen, bewiesen („Kinder statt Inder“, „doppelte Staatsangehörigkeit“ usw.) – profitiert hat stets der rechte Rand, nicht der „billige Abklatsch“. Fidesz sollte bei Aktionen dieser Art zudem bedenken: Wer sich – wie Orbán es tut – die CSU unter Strauß als Vorbild nimmt, muss wissen, dass Strauß die CSU zwar zu einem Sammelbecken „weit nach rechts hinaus“ gemacht, aber Figuren wie Csurka und ihre Thesen niemals geduldet hat.

        Ich gebe offen zu, dass ich mit so einer Aktion nicht gerechnet habe.

  10. „Man erkennt also abermals, aus welcher politischen Ecke die ARD ihre Horrormeldungen über Ungarn bezieht.“

    Solch lässiger Umgang mit der Wahrheit scheint manchen auch von den westlichen Medien nicht besonders zu stören.

    Was die ARD betrifft aus eigener Erfahrung Folgendes:

    Es ist zur Genüge bekannt, dass Gyurcsány sich nach den gewonnenen Wahlen von 2006, besonders im Bewusstsein die Übermacht der linksliberalen Medien durch Dick und Dünn hinter sich zu haben, unantastbar, unangreifbar, d.h. beinahe sacrosanct gefühlt. Bis endlich nach Jahren…, nach ernüchterndem Aufwachen der hintergangenen Wähler, sowohl Gyurcsány wie die Medien auf den Klippen der Enttäuschungen der Betrogenen kläglich gestrandet sind.

    Gyurcsány, dem Kleverle, muss allerdings über mögliche Konsequenzen für sein unheilvolles Agieren schon relativ früh etwas geschwant haben. Denn kurz vor dem 50.-ten Jahrestag der Ungarischen Aufstandes gegen die sowjetrussische Besatzung und Parteidiktatur, in einem Anfall von exkommunistischer Selbstkritik an einer internen Zusammenkunft der Parteielite, erinnerte er seine Gesinnungsgenossen, dass sie in der Vergangenen Jahren Nichts als Mist gebaut, und ihre Wähler wiederholt schamlos belogen hätten. Diese durch gezielte Indiskretionen bekanntgewordenen Bekenntnisse lösten in der Bevölkerung berechtigte Empörung aus.

    So kam es, dass infolge dieser Gyurcsány-Beichte die hintergangenen Wähler vor dem Parlament demonstrierten. Die ARD-Nachrichten berichteten auch darüber. Die skandierte Losung der Demonstranten: „Gyurcsány takarodj!!“, die wir als Ungarn klar und deutlich verstanden, wurde zu unserer grössten Verblüffung auf Deutsch hemmungslos als „Juden raus“ der deutschsprachigen Nachrichtenkonsumenten präsentiert.

    Also, die Schar der wohlbekannten professionellen Zitterer um Demokratie und Menschenrechte in Ungarn stieg nicht auf die Barrikaden gegen die bekanntgewordenen linksliberalen Hochstapeleien und Lügen, gegen den Missbrauch der Staatsmacht, sondern desinformierten vielmehr die westlichen Medien über angeblich antisemitischen Massendemonstrationen in Budapest, offensichtlich zweckdienlich ihrer eigenen Interessen, Wünschen und Intentionen.

    Leider habe ich die Nachricht nicht aufgenommen, doch es dürfte gegebenenfalls nicht unmöglich sein, diese Sendung in irgendwelchem Archiv aufzufinden.

  11. Hungarian Voice und Boris Kálnoky, warum gibt eine Partei die eine „Wahlkabinenrevolution“ durchgeführt hat und über eine solide 2/3 Mehrheit im Parlament verfügt solche unangemessene Friedenszeichen wie die Ernennung eines rechtsextremen Schauspielers zum Theaterdirektor, das Aberkennen der Ehrenbürgerschaft von Ákos Kertész auf Grund einer Jobbik Initiative und den Preis der Széchenyi Gesellschaft für Ferenc Szaniszló, der die Verantwortung dafür trägt, dass Echo TV wegen rassistischer Hetze von der ungarischen Zensurbehörde verurteilt wurde?

  12. Danke Hungarian Voice für diese ausführliche Antwort.
    Diese Politik des „Wind aus den Segeln“ nehmen ist zum Scheitern verurteilt. Ihrer Analyse stimme ich 100% zu. Und es macht mich überhaupt nicht froh, dass ich auf diese Signale und Verbrüderung mit Rechtsextremisten schon lange Zeit aufmerksam mache.
    In Ungarn (und der Slowakei wo wieder eine Regierung Fico droht) wird wieder einmal der Beweis dafür geliefert, wie Recht der Humanist Franz Grillparzer hatte als er die Worte prägte:
    Der Weg der neuern Bildung geht
    Von Humanität
    Durch Nationalität
    Zur Bestialität

    • Ich würde die Vergleiche lieber in der Nähe statt in der Ferne suchen. Fidesz verfolgt diese Taktik, weil sie bislang immer sehr erfolgreich war. Miép wurde auf diese Weise reduziert, MDF und Kisgazda Párt zerstört. Das alles gelang in unserer Zeit – Horthy und Österreich heranzuziehen wirkt ein wenig staubig.

      Gleichwohl würde ich Fidesz empfehlen, die Stimmen der Mitte nicht für ohnehin gegeben zu halten. Es macht einen schlechten Eindruck, wenn man sich um den rechten Rand mehr bemüht als um die Mitte, und kann nach hinten losgehen.

      • Kálnoky, der Vergleich mit Österreich ist gar nicht so abwegig. Ich kann mich noch erinnern an die konservativen Medien, die wirklich glaubten, Wolfgang Schüssel (ÖVP Bundeskanzler) könne die FPÖ mit dieser Taktik zurückdrängen. Tatsächlich schien diese Taktik am Anfang viel versprechend zu sein. Doch 11 Jahre nach dieser Koalition zwischen ÖVP und FPÖ ist die FPÖ stärker denn je und die ÖVP schwächelt.
        Natürlich ist die Lage in Ungarn ganz anders. Fidesz braucht weder Jobbik und schon gar nicht die bei einigen Wahlen gescheiterte MIÉP, um zu regieren.
        Eines ist sicher, mit der Erfüllung der Wünsche von Jobbik (Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Á. Kertész) bestärkt sie diese rechtsextremistische Partei.
        Was traurig macht, ist die Haltung, „uns kann keiner, wir sind die intelligentesten“, die dann dazu führt, dass die ungarische Kommandotruppe Theaterrequisiten beschlagnahmt und Ungarn damit in der Welt lächerlich macht.
        http://esbalogh.typepad.com/hungarianspectrum/2011/10/hungarys-anti-terrorist-unit-hard-at-work-seizing-theater-props.html
        In Polen beweist Donal Tusk, dass eine konservative Regierung europäisch und zivilisiert handeln kann. Das Modell Fidesz ist dort nicht mehrheitsfähig.

  13. Pingback: 3Sat und die immer gleichen Zutaten… « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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