Fidesz-Fraktionschef im WELT-Interview

János Lázár, Vorsitzender der Fidesz-Fraktion im ungarischen Parlament, spricht mit Christoph Schiltz von der WELT:

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13639964/Wir-sind-demokratische-Kerle-wie-alle-anderen.html

10 Kommentare zu “Fidesz-Fraktionschef im WELT-Interview

  1. Endlich mal was neues! Man spürt beinahe frischen Wind, echten Unternehmergeist und Abenteuerlust bei der „WELT“!?

    Zugegeben, es braucht schon etwas Mut einen Vertreter dieser teuflischen FIDESZ, vor der die halbe Welt zittert, zu interviewen.

    Andererseits hängt es einem langsam zum Halse heraus, dass man in der Berichterstattung westlicher Medien über Ungarn nach acht Jahren selbstauerlegter Abstinenz neuerdings wieder bis zur Vergasung nur die Schreckensvisionen von Profiteuren und Gesinnungsgenossen der allgemein bekannt zwielichtigsten Wendehalsparteien Europas, die in Ungarn in den letzten acht Jahren die korruptesten Regierungen Europas stellten, zu konsumieren vorgesetzt bekommt.

    • Do schau her! Welch‘ glückliche, unerwartete Bescherung, die uns durch die Macht einer alltäglichen Redewendung der deutschen Umgangssprache zuteil wurde. Eine unschuldige Redewendung, die uns nun wie ein „Sesam öffne dich“ in Nullkommanichts tiefere Einblicke in eine, für Laien tief verborgene innere Welt gewährt, die womöglich sogar für einen Siegmund Freud erst nach wochenlange Analysen erkennbar wäre.

      Galut, galut! Ich möchte wetten, dass dein Lieblingsevergreen das von der sehr jungen Sarolta Zalatnay gesungene Liedchen ist, das die unvergängliche Zeilen enthält, in denen sie freimütig bekennt, dass sie ausser ihrer Fixidee zu keinen anderen Gedanken fähig ist:

      „Hol jár az eszem? Mindig csak nálad jár!“

      Wo irren meine Gedanken umher, .. frei ins Deutsche von mir!

      Mit freundlichen Grüßen
      Dein Beobachter0923

  2. Ja, da schau her, was für Oldies mir hier unterstellt werden… :-)))
    Nein, ich gestehe, die Zalatnay hab ich jetzt erst kennengelernt, war ja lange vor meiner Zeit. Ich nehme an, da war ich noch nicht einmal in Planung…

    Und dennoch und weiterhin denke ich, dass es Mitte des 20. Jahrhunderts eine Zäsur in der Menschheitsgeschichte gab, die alle denkenden und fühlenden Menschen zum Denken und Nachdenken bringen müsste. Auch und insbesondere, was die Sprachverwendung angeht. Denn was zuerst im Kopf ist, wird später in die Tat umgesetzt. (Es gab da ein hellsichtiges Wort von Heinrich Heine, das ich hier ungerne zitieren möchte. Nur auf Nachfrage).

    Laci, Laci, dir als Revanche für die Sarolta sei das Lied, ein aktuelleres Lied, empfohlen, nachzuhören auf youtube, und zwar „Örökké tart“ von Tankcsapda, mit jenen herrlichen Zeilen, die durchaus als Aufforderung an dich zu verstehen sind:

    „Gyere, mondd el, mi a baj bébi,figyelek rád.
    Előttem ne legyen titkod, én nem vagyok az apád.
    Látom van valami, ami a szívedet nyomja,
    Tudom az élet súlya, tudom a világ gondja.

    Gyere ne félj tőlem én nem verlek át,
    Ha belekezdtél hát folytasd tovább,
    Ha akarod suttoghatsz,
    Nekem az is elég hogy halljam,
    És én majd,ott leszek és segítek ha baj van!“

    Für die des Ungarischen nicht mächtigen, hier die Rohübersetzung:

    „Komm, Baby, sag, was dich bedrückt, ich höre zu.
    Brauchst vor mir kein Geheimnis zu haben, bin nicht dein Vater.
    Ich seh schon, da ist etwas, was dein Herz bedrückt,
    Ich weiß, es ist des Lebens Schwere, die Last der Welt.

    Komm, hab keine Angst vor mir, ich leg dich nicht rein.
    Wenn du angefangen, dann mach doch weiter.
    Kannst auch flüstern, wenn du magst,
    Auch das reicht mir, ich werd’s schon hören,
    Und ich werde da sein und helfen, wenn du ein Problem hast!“

    Mit freundlichen Grüßen,
    galut

    • Hallo Galut,

      Ich habe zur Zeit leider viel zu tun, deshalb konnte ich auf dein zum Teil recht nettes Schreiben, das für mich ein richtiges Tesaurus darstellt, nicht sofort reagieren.

      Mir fällt ein Stein vom Herzen, zumal du auch einen gewissen Sinn für Humor zu haben scheinst, und demzufolge dein tadelnd erhobenes Zensurfinger nicht mit einer zähneknirschenden Mine begleitet zu sein scheint.

      Zweitens: Dein Hinweis, dass du eher die jüngere Generation vertritts, die die Schrecknisse vor 60-70 Jahren nicht auf der eigenen Haut gespürt haben, finde ich auch wertvoll.

      Gehen wir zuerst das einfachere Problem oder Scheinproblem? an.

      Ich wollte dir keine Oldies unterjubeln und das Liedchen von Zalatnay hob i au erst vor ein Paar Monaten zu hören bekommen.

      Zur Versöhnung, als Empfehlung ein viel zeitgenössischeres, modernes Band, das wahrlich besser zu dir passen dürfte, als die gute alte Sarolta. Was aber wichtiger ist, die „do-schau-her“- Gruppe ist in der Lage, mit ihrer breiten Palette von Angeboten, das Erfahrungshorizont von Jung und Alt zu erweitern.

      Die Musikformation „do-schau-her„ – aus dem Bayerischen Wald ,Bayern – wurde im Jahre 2002 von Günther Zirngibl neu gegründet.
      Die Vollblutmusiker (ab 2-4 Mann),spielen neben fetzigen Volksmusik-Sound auch Schlager, Oldies ,Countries und die aktuellen Stimmungshits.

      Jetzt aber zum „Des Pudel Kern“.

      Weißt du denn überhaupt, was eigentlich die Wendung: „bis zur Vergasung“ tatsächlich heisst? (Damit du bei der Prüfung nicht durchfällst, helfe ich dir mit einem Spickzettel: Es hat mit perversen Wünschen oder mit dem bedauernswerten Schicksal von Menschen rein gar nichts zu tun!!)

      „Des is mià wuáschd“ (Für alle die das Dialekt nicht verstehen: „Das ist mir egal“)

      Also, wenn ein Bayer wuásd sagt hat er keinerlei perverse Hintergedanken, und wenn er Wurst bestellt, dann plant er womöglich einen Angriff auf die Wurst, doch möchte er kaum kodiert Auschwitz-glücklich-entkommene Menschen verspeisen.

      Also nach dem Prinzip:
      „Im Zweifelsfalle für den Angeklagten“,
      möchte ich meinen, dass du gegen mich nicht die primitive Nazikeule hast schwingen wollen, und mich als Judenvergaser stigmatisieren,
      sondern
      nur aus Sympathie oder Zugehörigkeit zum im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte sehr oft zu unrecht drangsalierten jüdischen Volk hast auf die Barrikaden steigen und sie vorbeugend auch – vor einem nicht existierenden – Windhauch beschützen wollen.

      Wenn meine zweite Vermutung zutrifft, könnten wir nach etli-chen künftigen heissen doch fairen Diskussionen einmal sogar bei einem Humpen Bier zusammen bayrischen Weisswurst „vertilgen“.

      Mit freundlichen Grüssen

    • „Und dennoch und weiterhin denke ich, dass es Mitte des 20. Jahrhunderts eine Zäsur in der Menschheitsgeschichte gab, die alle denkenden und fühlenden Menschen zum Denken und Nachdenken bringen müsste.“

      Hallo Galut,

      (Die Zäsuren in der Geschichte bedeuten markante Einschnitte, also die Grenzen zwischen zwei Zeitepochen.)

      Es gab nicht nur eine Zäsur, denn das blutrünstige 20. Jahrhundert hat für die Völker dieser Erde wahrlich wie auf dem Laufband Zäsuren produziert. Für die Ungarn gab es in diesem Jahrhundert deren zwei. Eine nach dem Ersten Weltkrieg dank dem Diktat von Trianon, und nach dem Zweiten, als sie dem linken Terrorsystem Kommunismus beinahe für ein halbes Jahrhundert auf Gnade und Ungnade ausgeliefert wurden.

      Aber auch die Zuwendung zu jener Version der christlichen Religion, die der Westen, Rom und der Papst repräsentierten (um das Jahr 1000); der Tatarenzug (1241); der – nach beinahe 150 Jahre währenden Kampf gegen die türkische Weltmacht (die damalige USA oder UDSSR) erfolgte – Zusammenbruch Ungarns in der Schlacht bei Mohács (1226), bildeten solche Zäsuren.

      Den Juden wurde auch nichts erspart.

      Durch den vom Ägypter Moses dem jüdischen Volk schier aufgezwungenes Monotheismus erlebten die Juden etwa die gleichen kulturellen Erschütterungen – nur mehr als 2000 Jahre früher – wie die Ungarn unter ihrem König, Stephan dem Heiligen. (Allerdings gereichte dies letztendlich beiden irgendwie zum Vorteil); das Babylonische Exil nach dem Zusammenbruch des ersten jüdischen Staates (597 v. Chr.); Der Jüdische Krieg der zur Auslöschung des Staates der Juden durch die Römer führte (71 n. Chr.); dann ab etwa 1230 der Unsinn von den Ritualmorden an Christkindern zwecks Blutentnahme; bis zum grössten Pogrom der Geschichte – ausgelöst durch die deutsch-österreichische Weltmacht – die zum Glück nur wenige Jahre wütete. (wie du darauf anspielst, etwa gegen Mitte des 20. Jahrhunderts, die wahrlich alle denkenden und fühlenden Menschen zum Denken und Nachdenken brachte, und zur allergrössten Zäsur in der jüdischen Geschichte führte, die für das Judentum allerdings ein Happyend bedeutet.);

      Also der 29. November 1947, als von der UN-Generalversammlung die Resolution 181 angenommen wurde, in der eigentlich das christliche Abendland sein – mit Recht – schlechtes Gewissen erleichternd das Weltjudentum nach Jahrtausenden der Diaspora mit einem Homeland in Palestina beschenkte, woraus das heutige Israel entstand.

      Ich wünsche dir einen schönen Nachmittag.

      LK

      • Lieber László,

        bevor ich in medias res einsteige, eine kleine Berichtigung: Du schreibst „türkische Weltmacht“, was historisch unkorrekt ist, denn es handelte sich um das Osmanenreich. „Türken“ gab es damals noch nicht, dies ist eine moderne Zuschreibung und Etikett.

        Mit dem Rest deines Beitrages gehe ich konform, wenngleich ich glaube, dass du es zu wenig berücksichtigt hast, dass ich von einer „Zäsur in der Menschheitsgeschichte“ sprach. Selbstverständlich kenne ich die Zäsuren der ungarischen Geschichte, im 20. Jahrhundert und davor. (Im Übrigens wäre es doch mal Wert, zu diskutieren, ob nicht und inwiefern selbst die Zäsur Trianons für Ungarn Positives bedeutet hat: man ist die unzufriedenen Minderheiten losgeworden, man ist wirtschaftlich rückständige Gebiete losgeworden, man ist dem Traum des Nationalstaates näher gekommen. Klar: die Grenzen hätten optimaler gezogen werden können. Doch ändert dies, denke ich, kaum etwas an der Richtigkeit der erwähnten Aspekte.
        Ich denke und hoffe, auf diesem Blog für diese Gedanken nicht sofort gesteinigt zu werden. Mir geht es um Diskussionen.)

        Mir ging es aber in dem von dir Zitierten um Grundsätzliches, um eine radikalere Einstellung und radikalere Kritik am Menschen und Menschlichen. Denn die Größe der Tat, von der hier die Rede ist, bedingt die einmalige Tiefe der Zäsur. Schließlich handelt es sich um eine Tat inmitten des seit 2000 Jahren „christlichen“ Europas, das doch angeblich durch humanistische, aufklärerische und Menschenrechten hochhaltende Phasen hindurch ging. Das einen „Prozess der Zivilisation“ durchgemacht hat. Und es geht auch um ein Land, das auf all das besonders stolz war und welches zu all dem nachweislich besonders viel beigetragen hat. All das, all diese historischen und kulturgeschichtlichen Phasen gab es in Afrika, Asien eben und nun einmal nicht, weshalb auch die dortigen traurigen Ereignisse kaum mit dieser Tat zu vergleichen sind. Diese Tat erst stellt die conditio humana in Frage, die gesamte Entwicklung Europas seit 2000 Jahren und jede Aussicht auf eine künftig zu erfolgende, solide Besserung des Menschen. Erst wenn wir von solchen Einzelzäsuren von Völkern, wie du sie aufgezählt hast, absehen und die Menschheitsgeschichte „sub speciae aeternitatis“ betrachten, wird doch klar, dass es sich um eine singuläre „Zäsur in der Menschheitsgeschichte“ handelt, mit all ihren Folgen für die Transzendenz.

        So, zumindest, sehe ich das.
        MfG, galut

  3. Lieber László,

    mit deiner 2ten Vermutung gehst du völlig in die richtige Richtung. Es mag eine überflüssige und übersensible Reaktion gewesen sein, geboren … womöglich aus der Erziehung, der schulischen, der von 68ern beeinflussten, dass eben gewisse Ausdrücke -in gewissen Kontexten benutzt-, pietätlos sind.
    Die Gefahr einer solchen Erziehung ist eben die Überreaktion.
    Zu freuen tut es mich aber, wenn sie eine war.

    „do schau her“ werde ich mir ansehen, anhören.
    Heute Abend bei einem Weizenbier, als Vorgeschmack auf jenes dereinst zusammen genossene.
    MfG,
    galut

    • Hallo galut,

      Ich kann meine Hochachtung einem Menschen gegenüber nicht verhehlen, der sich nach einem kleinen Fehlgriff, trotz der heutzutage üblichen, üblen Gepflogenheiten, den Luxus solcher Zeilen leisten kann, wie du es eben getan hast.

      Es kann und darf natürlich keine Schande sein, wenn man sich für (s)eine Volksgemeinschaft einsetzt und dabei etwas voreingenommen übers Ziel hinaus schiesst. Der Zweck sollte aber dabei moralisch verwerfliche Mittel nie heiligen dürfen.

      Wie du, ich bin auch gewillt, mich bei Gelegenheit und gemäss meiner Fähigkeiten für mein Land und meine Nation einzusetzen.
      In den letzten 20 Jahren ist es leider Mode geworden gegen die Ungarn vom Leder zu ziehen, ist schick über sie tendenziöse Berichte zu verbreiten, ihren Ruf nach herrschendem Wind und Interessenlage zu manipulieren, sogar ihre Geschichte zu deformieren, um nicht gerade fälschen sagen zu müssen. Ich fühle mich dabei bis zu einem gewissen Grad auch selbst angegriffen.

      Ich bekenne auch offen, dass die tendenziöse Hysterie, die gewerbsmässige Verunglimpfungen gegen Viktor Orbán und seine liberalkonservative Regierung passt mir mittlerweile hinten und vorne nicht. Du sollt wissen, dass ich diese Hexenjagd, die in den Medien derzeit abläuft, missbillige und sie mir ganz gewaltig gegen den Strich geht.

      Nun, zum Schluss, was meine Frage, was eigentlich die Wendung: „bis zur Vergasung“ tatsächlich bedeute noch Folgendes:

      Ich möchte erstens klären: dieser unschuldiger Spruch ist nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz gebräuchlich und bedeutet: „bis zum Überdruss“, „bis zum übel werden“.

      Und für den Fall, das bajuwarische „do schau her“ heisst „luege mol“ uf Schwyzerdüütsch.

      Mit freundlichen Grüßen
      L.K.

  4. Lieber galut,

    Was die Türken betrifft, da bist du tatsächlich präziser, obschon in Geschichtswerken das durch die Seldschuk-Türken nach der Schlacht von Manzikert schrittweise erobertes Anatolien bereits vor den Osmanli ‚Turchia’, also Türkei bezeichnet wurde.

    Deine Idee, auf diesem Blog über das Gesamtkomplex Trianon für Ungarn eine Diskussion zu führen, kann ich nur befürworten. Gelegentliche Hitzköpfe des Blogs, die mal gerne etwas unbeherrscht reagieren (deshalb können sie in der Sache sehr wohl noch Recht haben), würden sich bestimmt moderater benehmen, wenn die anderen sich auch so verhalten. (Übrigens nach meinen ad hoc Erkundigungen ist das Steinigen, wie so vieles mehr, bei den Ungarn verpönt…, oder wurde ich irregeführt?)

    Gruss
    LK

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