Zehntausende protestieren gegen die Regierung: „Das System gefällt mir nicht“

Am heutigen 23. Oktober 2011, dem 55. Jahrestag des Beginns des Ungarischen Volksaustands von 1956, nahmen laut Presseberichten mehrere zehntausend Menschen auf einer von Zivilorganisationen veranstalteten Großdemonstration in Budapest teil. Unter dem Motto „Das System gefällt mir nicht“ protestierten sie gegen die Regierung Orbán.

Die Angaben über die Teilnehmerzahl differieren deutlich. Während tagesschau.de von „mindestens 10.000 Teilnehmern“ sprach, schätzte der oppositionsnahe Fernsehsender ATV die Zahl der Personen auf „50-60.000“.

Die Abendnachrichten im Staatsrundfunk (MTV 1, Duna TV) erwähnten die Demonstration nicht, lediglich das Online-Angebot von mtv.hu enthält einen Beitrag zum Thema.

http://videotar.mtv.hu/Videok/2011/10/23/19/Civil_tuntetes_Budapesten_a_kormany_politikaja_ellen.aspx

Bemerkenswerter Weise fielen am heutigen Tage erneut die Liveübertragungskameras des Verkehrsüberwachungsproviders utv.hu in der Szabad Sajtó út (Straße der freien Presse) aus und übertrugen keine Bilder von der versammelten Menschenmenge. Index.hu berichtete. Ein solcher Ausfall hatte sich bereits am 15. März 2011 ereignet und damit ebefalls zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Demo gegen die Regierung stattfand. Damals hatte utv.hu auf zahlreiche Reklamationen hin in einer Pressemitteilung ausgeführt, es habe sich um einen technischen Defekt gehandelt.

Eine von der Regierung angekündigte Gedenkveranstaltung in der Nähe des Astoria war im Vorfeld abgesagt worden. Regierungschef Viktor Orbán befindet sich in Brüssel.

Neben der o.g. Zivilorganisation veranstalte auch die rechtsradikale Oppositionspartei Jobbik eine Veranstaltung.

http://index.hu/belfold/2011/10/23/az_utca_az_ellenzeke_volt_oktober_23-an/

28 Kommentare zu “Zehntausende protestieren gegen die Regierung: „Das System gefällt mir nicht“

  1. Ich bin heute wirklich sehr verwundert. Welch merkwürdiger Zufall, dass die Verkehrsüberwachungs-Livekameras des Dienstes utv.hu zum zweiten Mal genau (und nur!) an der Stelle ausfallen, an der eine Demo stattfindet, die gegen die Regierung gerichtet ist..(??)

    Ich wäre interessiert, was die Leser davon halten…

    • 40-50.000 Personen sind doch eine Lüge!? …siehe tagesschau.de!? …die Verkehrsüberwachungs-Livekameras wären nur eine Illusion; wer will das schon sehen?
      Die Macht macht deine Augen zu! …Macht = Augen zu! …und weine wie vor 55 Jahren mit geschlossenen Augen um nicht zu sehen.
      …wach auf mein Land, und mach die Augen auf um Dich zu sehen!

  2. http://www.utv.hu/technikai_sportok/sajtoszabadsag_nezoi_kommentek_oktober_23_a_alkalmabol

    Anbei einige der zu erwartenden Kommentare auf der Internetseite von utv.hu zum erneuten Bildausfall im Rahmen einer regierungskritischen Veranstaltung:
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    Sent: Sunday, October 23, 2011 1:20 PM
    Subject: levél a weblapról – Költõi kérdés

    Tisztelt Utv.hu!

    Ugye csak a véletlenek különös összjátéka, hogy miközben mindenütt mûködik a szolgáltatásuk, egyedül az Erzsébet híd pesti hídfõjénél nem (egyik irányban sem) – vagyis épp ott, ahol ma a rendszerellenes tüntetés lesz?

    Üdvözlettel:
    Sz. R.

    (Verehrtes utv.hu! Es ist bestimmt nur ein außergewöhnliches Zusammenspiel des Zufalls, dass Ihr Dienst überall funktioniert, nur auf der Pester Seite der Elisabethbrücke nicht (in keine der beiden Richtungen) – und damit genau dort, wo heute die Demo gegen das System stattfindet? Grüße Sz.R.)

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    Sent: Sunday, October 23, 2011 12:09 PM
    Subject: levél a weblapról – fake

    Éjjeli felvételek 2011.10.23-án 12:10kor a március 15 tér felé??????
    Normálisak vagytok ti?

    (Nachtaufnahmen am 23.10.2011 um 12:10 Uhr in RIchtung Platz des 15. März?????? Seid Ihr noch normal?)
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    Sent: Sunday, October 23, 2011 3:15 PM
    Subject: levél a weblapról – disfunktion

    Gyáva banda!Nem meritek üzemeltetni a tüntetést mutató kamerákat!

    (Feige Bande! Traut Ihr Euch nicht, die Kameras in Betrieb zu nehmen, die die Demo zeigen?)
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    Sent: Sunday, October 23, 2011 2:13 PM
    Subject: levél a weblapról – Érdekes

    Le kellett tiltaniuk minden Erzsébet hidi kamerát, hogy ne lehessen odanézni?

    (Mussten Sie alle Kameras bei der Elisabethbrücke ausschalten, damit man nicht hinsehen kann?)

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    Sent: Sunday, October 23, 2011 4:54 PM
    Subject: levél a weblapról – Csoda történt?

    Hogy lehet, hogy a Kossuth Lajos utcán és Szabad sajtó útján már éjszaka van??? Ilyenkor nem szégyenli magát senki sem??? Szándékos a félreinformálás vagy csak hülyének nézik az embereket??? Nem lenne sokkal kevésbé szégyenletes simán csak üzemzavarra hivatkozni??? Tudják mit, én szégyenlem magam Önök helyett, hogy ilyen elõfordulhat egy EU-s országban!!!
    Nem is minõsítem a minõsíthetetlent!!
    Így elõbb-utóbb Önökre sem lesz szükség!!! További „sikeres“ munkát!
    Üdvözlettel:
    Dr. Cxxxxxxx Tibor

    (Wie kann es sein, dass in der Lajos Kossuth Straße und in der Straße der freien Presse schon Nacht ist??? Schämt sich denn keiner? Ist es absichtliche Desinformation oder halten Sie die Menschen nur für dumm??? Wäre es nicht infacher, sich auf einen Systemfehler zu berufen??? Wissen Sie, ich schäme mich an Ihrer Stelle, dass so etwas in einem EU-Mitgliedstaat passieren kann!!! Ich will das, was man nicht bewerten kann, gar nicht bewerten!! Früher oder später werden Sie entbehrlich sein. Viel „Erfolg“ weiterhin!)

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    Sent: Sunday, October 23, 2011 4:32 PM
    Subject: levél a weblapról – Élõkamera

    Na mi van seggnyalók, beindult a cenzura?
    Miért esti képek futnak a tüntetés helyszínén levõ webkamerákon? mûszaki hiba mi?
    Ott rohadjatok meg ahol vagytok ti seggnyalók, addig nyaljátok orbán seggét amig fényes nem lesz.
    Röhejesek vagytok !

    (Was ist los, Ihr Arschkriecher, hat die Zensur begonnen? Warum laufen Nachtbilder auf den Webcams, die die Demonstration zeigen sollten? Bestimmt ein technischer Fehler, was? (…) (Anm.: es folgen wüste Beschimpfungen, die ich nicht übersetzen möchte, HV) Ihr seid lächerlich!)
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    Sent: Sunday, October 23, 2011 4:22 PM
    Subject: levél a weblapról – csalók

    Szeretném megtudni, hogy miért hamisítják a magyar valóságot? Miért tegnao esti képeket mutatnak a kamerák? Önök ennyire gyávák vagy gerinctelen emberek?

    (Ich wüsste gerne, warum Sie die Realität fälschen? Warum laufen Bilder von gestern Abend über die Kameras? Sind Sie wirklich so feige und rückgratlose Menschen?)

    ____________________________

    From: Orbán Viktor
    Sent: Sunday, October 23, 2011 5:09 PM
    Subject: levél a weblapról – Köszönet

    Jól van, fiúk! Szép munka! DE hogy lehettek ilyen balfaszok, hogy éjszakai képet raktok ki a tüntetõk helyett, amikor az Astoriánál még világos van?! SZÁNALMAS!

    (Gut gemacht, Jungs! Gute Arbeit! ABER wie könnt Ihr so dämlich sein, Nachtbilder an Stelle der Demo einzustellen, wo es beim Astoria noch taghell ist? Schändlich ist das!)

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  3. Habs gerade nachgesehen, keine Sorge: Das war nur eine Maßnahme im Rahmen des Nationalen Plans zur Förderung des Politischen Witzes.

  4. Pingback: Zehntausende protestieren gegen die Regierung Orban: „Das System gefällt mir nicht“ | Medien und Politik in Ungarn | Scoop.it

  5. Einfach unglaublich. Wie so vieles hier.

    Es ist immer schwer große Menschenmengen zu schätzen, aber es waren mit Sicherheit mehrere 10.000 (min. 30.000 würde ich schätzen).

  6. Dass der Staatsrundfunk (MTV 1, Duna TV) über die Demonstration nicht berichtete, ist eine klare Verletzung des Mediengesetzes. Das Mediengesetz schreibt nämlich vor, über alle wichtige Ereignisse zu berichten. (Wenn auch dieser Vorschrift Cohn Bendit and Co. nicht gefällt:) Darüber hinaus -trotzt Protest aller Demokraten dieser Welt- gibt es ein Medienrat mit einem starken Mandat, wo man solche Gesetzwidrigkeiten anzeigen kann. Ich hoffe nur, dass sich einer von diesen einen Million soviel Mühe nimmt, dass auch zu tun.
    Was aber das UTV angeht machen Sie sich nicht lächerlich, lieber Hungarianvoice. UTV wird von zwei Privatfirmen aus eigener Initiative betrieben: was hat das mit der Regierung zu tun? Aus dem Link, was Sie angegeben haben, stellt sich heraus, dass die Kameras schon länger ausgefallen sind, und die Firmen suchen Sponsoren um die Kameras auszutauschen. Dass diese Facebook Helden sich sofort online anschauen wollen, und empört sind dass es nicht geht, ist klar. Aber Sie sollten Ihr Realitätsgefühl nicht sofort verlieren. Ich meine, man könnte genauso behaupten, das UTV mit dem Demonstranten mitspielt, damit sie behaupten können, dass 200000 Leute anwesend waren. Das ist doch alles ein Hirngespinst.

    • …verzeihen Sie bitte Balázs, zwei Drittel der Ungarn haben es sich laut der Regierung so ausgewählt. Also ob 10.000 oder 1 Million Menschen vor das Parlament gehen, ist es schon egal, oder??

      • Solch eine Demonstration weist – wie die Meinungsforschung – darauf hin, dass heute nicht mehr etwas mehr als 52% der Ungarn wieder die Fidesz/KDNP wählen würde, die im Parlament über ein 2/3 Mehrheit verfügt..
        Und da spielt es schon eine Rolle ob da 1000, 10.000, 50.000 oder 100.000 gegen diese Regierung demonstriert haben.
        Würde es keine Rolle spielen, dann hätte wohl das „königliche“ Fernsehen darüber berichtet.

  7. Während des Kádársystems hat die Agitprop Abteilung darüber entschieden, worüber berichtet wird und was nicht erwähnt wird.
    Tatsache ist, dass das staatliche („königliche“) Fernsehen über diese große regierungskritischen Demonstration am 23.10.2011 nicht berichtet hat.
    Jetzt zeigt sich der ganze Irrsinn der Mediengesetze die von der Wahlkabinenrevolution durchgepeitscht wurden. Denn die Medienbehörde ist sowohl Arbeitgeber dieser Journalisten, die dafür verantwortlich sind als auch die Behörde, die diese Journalisten strafen könnte.
    Wie Balazs oben richtig bemerkt ist die Nichtberichterstattung eine klare Verletzung des Mediengesetzes.
    Die Kanadische Ungarische Demokratische Charta hat in ihrer Anklageschrift gegen die ungarische Regierung dieses Mediengesetz analysiert. Wer verstehen will, warum das alles geschieht kann das nachlesen auf
    http://hungariancharter.com/documents/indictment/

  8. http://comment.blog.hu/2011/10/24/56_igy_unnepeltek_a_tevek

    laut diesem Blog hat das staatliche Fernsehen über die Demonstration berichtet. Allerdings sehr einseitig. Das Problem ist nur, dass das neue Mediengesetz den Fortschrift von Ausgeglichenheit genau so wenig definiert hat, wie das alte. Die bisherige Praxis zeigt dass nur quantitative und keine qualitative Klage vor dem Medienrat bzw. Gericht eine Chance hat. Daher denke ich, dass die Demokraten dieser Welt eigentlich ein mehr restriktives ungarisches Mediengesetz verlangen sollten:)

    Dass das staatliche Fernsehen praktisch als Propagandamaschinerie der Regierung funktioniert, ist niederschmetternd. Aber leider das ist nicht neues, das wahr in letzten 20 Jahren schon immer so. Es ist typisch, dass das staatliche Fernsehen von dem selben Person geleitet wird, der schon auch die Sozialisten gut gedient hat: Wendehälse überleben alles. Das Problem ist also nicht, dass die Orban-Regierung weniger demokratisch wäre, als seine Vorgänger, sondern, dass in vielen Hinsicht scheinen die auch nicht mehr demokratisch zu sein. Das ist sehr enttäuschend.

    Wenn aber jemand generell um die Pressefreiheit in Ungarn Sorge macht, kann gewisser weise beruhigt sein: nach diesem Blog nämlich hat die populärste Fernsehen Ungarns, der RTL Klub anständig über die Ereignisse berichtet. Ich möchte hier ihre Aufmerksamkeit darauf ziehen, dass der Einschaltenquota von staatlichem Fernsehen um 8% liegt.

    • *Es ist typisch, dass das staatliche Fernsehen von dem selben Person geleitet wird, der schon auch die Sozialisten gut gedient hat: Wendehälse überleben alles. Das Problem ist also nicht, dass die Orban-Regierung weniger demokratisch wäre, als seine Vorgänger, sondern, dass in vielen Hinsicht scheinen die auch nicht mehr demokratisch zu sein. Das ist sehr enttäuschend. *

      Ist davon auszugehen, dass es anders werden würde, wenn z.B. die an die Macht kämen, die heute nach Demokratie, Medienfreiheit etcpp.schreien?
      Idealisten sind schon lange ausgestorben!!!!!
      Heute will jeder nur -aus welchen Gründen auch immer- als Fettauge ganz oben auf der Suppe schwimmen.
      Irgendwo und irgendwann hat schon mal jemand gebrüllt:
      Wir sind das Volk.Die Idealisten die daran beteiligt waren sind schön weg vom Fenster ..und was ist übriggeblieben????

  9. Balazs, wahrscheinlich ist die niedrige Einschaltquote der „königlichen“ TV Anstalten ein Resultat dieser Art von Berichterstattung.

  10. Balazs, vielen Dank.
    HV wenn das königliche TV auch unter der Regierung Gyurcsány und Bajnai wenig Zuschauer hatte, dann kann man das nicht Orbán in die Schuhe schieben. Aber seit Mai 2010 regiert Fidesz/KDNP mit 2/3 Mehrheit im Parlament. Die Orbán Regierung hat bislang nicht sehr viel Positives vollbracht. Wahrscheinlich mit ein Grund dafür, dass Orbán seine Macht zementieren will. Die Frage ist, ob ihm das gelingt.

    • Dann darf ich das folgende Zitat auch auf frühere Zeiten übertragen:
      „Balazs, wahrscheinlich ist die niedrige Einschaltquote der „königlichen“ TV Anstalten ein Resultat dieser Art von Berichterstattung.“…

      • Ob er falsch ist oder nicht, dazu will ich gar kein Urteil abgeben. Ich meine nur, dass wer A sagt, auch B sagen muss. Soll heißen: wenn Sie diese Logik auf die jetzige Regierung anwenden, müssen Sie ihn ebenfalls auf die Vorgängerregierungen anwenden (zumindest solange nicht widerlegt ist, das die Einschaltquoten sich nicht verändert haben).

    • An sich hätten Sie natürlich recht. Jedoch sehe ich da keinen echten Zusammenhang. Die einzige Verbindung zwischen dem Zahlenspiel und dem Feiertag ist die Demonstration die an eben jenem Tag stattfand. Und selbst von der Demonstration sind wir schon ein ganzes Stück abgekommen. Ich würde mir da also keine Sorgen machen, dass der Gedenktag hier missbraucht wird.

  11. Palóc Sie haben vollkommen Recht.: Ich schrieb: „HV wenn das königliche TV auch unter der Regierung Gyurcsány und Bajnai wenig Zuschauer hatte, dann kann man das nicht Orbán in die Schuhe schieben.“

  12. Pingback: Staatliches ungarisches Fernsehen: Abermals ein Bericht „der eigenen Art“ über die Demonstrationen « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

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