Standard & Poor´s: Herabstufung Ungarns?

Die Agentur Standard & Poor´s hat Ungarn auf Beobachtungsstatus für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit gesetzt. Reuters berichtet:

http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE7AB05N20111112

Ein Downgrading würde Ungarn bei der Kreditwürdigkeit auf Junkbond-Status setzen, was zu einer Verteuerung der Finanzierungskosten führen würde. Die Rating-Agentur begründet die Bewertung im wesentlichen mit unberechenbaren Maßnahmen in der Wirtschaftspolitik.

Als Zeichen eines rückläufigen Investorenvertrauens ist auch zu sehen, dass die Ende Oktober 2011 durchgeführte Auktion 12-monatiger staatlicher Schuldverschreibungen erfolglos verlief.

Ende Oktober 2011 wies der Staatshaushalt gleichwohl einen Überschuss in Höhe von ca. 242 Milliarden Forint auf. Der Überschuss ist auf Einmalerlöse auf der Verstaatlichung der priaten Rentenversicherung zurück zu führen.

18 Kommentare zu “Standard & Poor´s: Herabstufung Ungarns?

  1. Kein technischer Fehler? 🙂 Paris läßt grüßen. Vielleicht sollte man S&P auch einmal auf Beobachtung für Downgrade setzen.

  2. Am 12. Nov erklärt noch Viktor Orbán die ungarische Regierung bevorzuge anstatt der „Großzügigkeit“ („nagylelküseg“) des IMF die Finanzierung vom Markt.
    Fünf Tage später wird bekannt, dass die ungarische Regierung doch mit dem früher beschimpften IMF verhandeln will.
    Wie glaubhaft iist denn die Wirtschaftspolitik von Orbán & Matolcsy?

    • We naiv von mir, zu glauben, dass auch die Orbánkritiker zugeben, dass es richtig wäre, über den eigenen Schatten zu springen und den IWF wieder ins Boot zu holen. Aber nein: Wenn Orbán das tut, was (wohl) richtig ist, schimpfen Sie. Wenn er es falsch macht, schimpfen Sie. Sie schimpfen immer. Selbst wenn Orbán Dukaten scheißen würde. 🙂

      Sie müssen sich entscheiden, was Sie wollen.

      • Man muss eben schon sehr generös veranlagt sein, wenn man vergisst, unter welchen Umständen das Verhältnis Ungarns (dank Viktor Orban) zum IWF so angespannt wurde, und wie groß die Bereitschaft der derzeitigen Regierung ist, auf die (typischen) Forderungen des IWF einzugehen. Nehmen wir mal an, die Kritiker würden nun sagen: Wunderbar, dass er seine Meinung geändert hat. Aber wissen wir denn, in was alles die Meinung geändert wurde? Würden bestimmte Gesetze wieder zurückgenommen, und würde man die Bedingungen akzeptieren? Es ist eben schwerer, wenn man sich erst vor Kurzem so stark exponiert hat, sich nach China orientiert und auf den „Westen“ pfeift. Der Kritiker ist da vielleicht gar nicht mal so abgeneigt, diese Wendung hinzunehmen, wie man vor allem nicht weiss, was sie bedeutet. (Möchte man von der „unorthodoxen Wirtschaftspolitik“ abkommen, oder ist dieses Manöver Teil derselben? usw.)

      • HV in Ihrem Bemühen manchen Fehler von Orbán zu verharmlosen gehen Sie jetzt schon so weit und beschuldigen mich wegen der berechigten Frage:
        „Wie glaubhaft ist denn die Wirtschaftspolitik von Orbán & Matolcsy?“ Wenn schon eine einfache sachliche Frage als Beschimpfung gewertet wird, wie wird dann der heute in der Wiener Presse erschienene ausgezeichnete Kommentar von Herrn Gaulhofer gewertet? Ist das Majestätsbeleidigung?
        http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/709615/Der-Puszta-geht-die-Puste-aus

        HV wollenh Sie Orbán&Matolcsy uinter einer Käseglocke sehen?

      • Wer beschuldigt Sie denn? Und mit was? Und vor allem: Wie passt der Vorwurf des Verharmlosens zu diesem Thema? Sind wir wieder beim „fidesznahen Blog“ angelangt, dem Argument für alles? 🙂

  3. Will Orbán eine Einigung mit dem IMF? Ich glaube vorerst nicht daran. Eher Zeit schinden.

    Die Türkei hat das sehr erfolgreich gemacht, als sie den IMF volle 18 Monate zappeln liess, (die Aussicht auf eine Vereinbarung beruhigt die Märkte) um dann auf einen Deal zu verzichten.

    Nicht sicher, dass ein solcher Poker für Ungarn ebenso glücklich ausgehen würde.

  4. HV Ich habe eine höfliche Frage gestellt, auf die Sie damit antworteten:.

    „Wenn Orbán das tut, was (wohl) richtig ist, schimpfen Sie. Wenn er es falsch macht, schimpfen Sie. Sie schimpfen immer. Selbst wenn Orbán Dukaten scheißen würde“.

    Warum diese Töne?

    Im, heutigen Magyar Hirlap las ich eine Erklärung von Gergely Huth, über das arme kleine Ungarn, das doch Opfer der bösen Weltverschwörung gegen Ungarn wurde. Der Gedanke, dass Orbán & Matolcsy damit zu tun haben, kommt den Lobhudlern nicht. Denn in ihren Augen ist V.O. unfehlbar.

    • Wenn man sieht was derzeit in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal los ist ,kann man Ungarn nur gratulieren. Derzeit ist Ungarn das einzige Land mit Finnland zusammen die die Staatsverschuldung nenneswert abgebaut haben und dies weiter tun.
      Ganz Europa kniet vor China, Arabien, Rußland. Doch wenn Ungarn dort Handel betreibt, wo es möglich ist – so wie es alle westlichen Staaten machen – ist die Hölle los!
      Und was sollen die Tiraden gegen MP Viktor Orbán?? Er ist nun mal weder König noch Diktator, sondern der gewählte Vertreter Ungarns ! Oder waren alle mündigen Bürger Ungarns nur blöd? 🙂

      • *Er ist nun mal weder König noch Diktator, sondern der gewählte Vertreter Ungarns ! Oder waren alle mündigen Bürger Ungarns nur blöd?*

        Das wird doch schon lange suggeriert.

        Hier nochmal alles zusammengefasst, was man denn so gegen Ungarn vorbringen kann.

        http://tvthek.orf.at/programs/1328-Weltjournal
        Ich weiß nach dem Anschauen des Beitrages nun auch voran ich zu glauben hab und ich bin nur „eingeungarischt“ (tolles Wort 😉 )

    • Sie lesen Magyar Hírlap? Wollen Sie sich den Appetit verderben? Oder suchen Sie neues Futter für Ihre Interviews:

      http://www.jpost.com/JewishWorld/JewishFeatures/Article.aspx?id=245866

      Ich schweife mal kurz ab: Interessante, wahrlich demokratische Kommentare über Europa, die Ihr Interview über Ungarn und Österreich zu Tage fördert. „Eurotrash“, die „Allianz zwischen den Mullahs und dem anisemitischen Europa“ usw… Verschwörungstheoretiker gibt es wohl überall auf der Welt. Ein geistiger Höhenflieger namens „wethreemacs“ versteigt sich sogar dazu, den Moslems die gleiche „Behandlung“ zu wünschen wie damals den Juden („Let’s hope Europe treats the muslims like it did the Jews…. „). Unerträglich. Ich dachte über diese Zeiten wären wir hinweg.

      Um zum Thema zurück zu kommen: Ich finde es richtig, die Verhandlungen mit dem IWF wieder aufzunehmen (ob es zu etwas führt, wird sich zeigen…). Dies befürwortet – bis auf Jobbik – meines Wissens auch die Opposition. Derartige Schritte könnte also auch der größte Orbán-Kritiker befürworten, weil es (Überraschung!) das richtige für das Land ist. Stattdessen sprechen diejenigen, die zuvor das Sich-Abwenden vom IWF kritisiert haben, jetzt (auch in Form „höflicher Fragen“) von fehlender Glaubwürdigkeit, anstatt von einem Schritt in die richtige Richtung. Mir schwant, viele sehnen sich – whatever the cost – das Scheitern der Regierung herbei. Im Jahr 2006-2010 galt die destruktive Haltung noch als zutiefst undemokratisch (liest man noch heute in den Rückblicken), jetzt nicht mehr?

      Nochmals: Nennen Sie mir eine bessere Alternative. Eine politische Strömung in Ungarn, die mehr zu bieten hat als den „Faschisten Orbán“ (linke Opposition) oder den „Vaterlandsverräter Orbán“ (Jobbik). Wenn es eine bessere Alternative gibt, sprechen wir darüber. Und vergessen dabei nicht die Kausalität der Jahre vor 2010.

      Und bis zur nächsten Wahl akzeptieren wir eben, dass die Ungarn Orbán gewählt haben. Wie die letzten 20 Jahre gezeigt haben, wählen sie eine Partei auch schnell wieder ab.

      • Ágnes Széchenyi,
        die Verschuldung ist trotz Verstaatlichung der privaten Versicherungen 82%. Auf den Markt der Staatspapiere kann Ungarn nur zu 7-8% Verzinsung Anleihen aufnehmen, beim IMF um 3.5-4%.
        Eine ungarische Auktion war erfolglos. Das sind Fakten. Diese Verstaatlichung und die Nichtrespektierung des privaten Eigentums halte ich für einen Fehler dieser Regierung.

        HV nun machen Sie sogar Werbung für ein Interview, das mit mir per e-mail geführt wurde. Und Sie kennen nur den Teil, der publiziert wurde.
        Ich dachte bis ich Ihre Bemerkung über die Mullahs las, dass Sie sich doch auf Ungarn beschränken wollen. Daher schlage ich vor, nicht eine Diskussion zu beginnen über den Iran und die Mullahs, auf die ich schon aus Gründen der Höflichkeit nicht antworten kann.
        Es macht auch wenig Sinn mir etwas zu unterstellen, was ich nicht gesagt oder geschrieben habe.
        Ich habe nirgendwo behauptet, dass Fidesz/KDNP nicht von der Mehrheit der Wähler gewählt wurde, auch habe ich nicht die Legitimität dieser Regierung angezweifelt.
        Und sehne auch nicht den Ruin von Ungarn herbei.
        All das sind Methoden, um von der von mir aufgeworfenen Frage abzulenken, ob denn die Wirtschaftspolitik von Orbán & Matolcsy Ungarn nützt oder schadet.
        Ich sehe nicht ein weshalb ich nicht Magyar Hirlap lesen soll. Zwar ist dieses Blatt zum Glück nicht sehr verbreitet (20.000 gedruckt, 10.000 verkauft) doch es bringt zum Ausdruck, was ein Teil der noch treu zur Fidesz stehender Wähler denkt. Und mich interessieren natürlich die Erklärungen, weshalb jetzt Orbán das Ruder um 180 Grad herumdreht.

        Und noch etwas, es geht nicht, um politische Alternativen zu V.O. sondern um die Frage, wohin er und seine Wirtschaftsfachleute das Land mit ihrem „Freiheitskampf“ führen. Bislang sind die Resultate eher negativ. Und da ich mich in den letzten Wochen dreimal in Ungarn aufgehalten habe, kann ich bestätigen, dass auch die Stimmung der meisten Ungarn – darunter auch Fideszwähler, mit denen ich sprach, nicht sehr gut ist.

        Ich denke wir sollten zurückkehren zu der von mir gestellten Frage und versuchen ohne Häme darüber zu diskutieren.

        Die Bedenken von Herrn Kálnoky teile ich voll und ganz. Der Versuch den IMF mit widersprüchlichen Erklärungen zu verwirren, kann nur schaden.
        1 € = 304 HUF und es gibt irre Gerüchte, dass die Regierung einen Wechselkurs von 1 € = 400 HUF herbeisehnt. Das wäre eine wirkliche Katastrophe, da ja Ungarn einen Teil seiner Exporte auch importiert.

        Hoffentlich irre ich mich und die Chinesen, Russen oder Iraner gewähren Ungarn einen Kredit zu günstigeren Bedingungen als der IMF und Ungarn blüht auf. Aber bis jetzt schaut es leider nicht danach aus.

  5. @ Pfeifer:

    „HV nun machen Sie sogar Werbung für ein Interview, das mit mir per e-mail geführt wurde. Und Sie kennen nur den Teil, der publiziert wurde.“

    Huch, dann geht es mir wohl genau so, wie dem WELT-Leser beim Interview mit György Dalos, das Boris Kálnoky führte 🙂

    Weitere Replik erübrigt sich, es kommt doch nur der Vorwurf, ich würde verharmlosen, ablenken…

    Was die Alternative zu Orbán angeht: Doch, auch darum muss es gehen. Oder was soll kommen, wenn Orbán abtritt? Jobbik?

  6. *Hoffentlich irre ich mich und die Chinesen, Russen oder Iraner gewähren Ungarn einen Kredit zu günstigeren Bedingungen als der IMF und Ungarn blüht auf. Aber bis jetzt schaut es leider nicht danach aus.*

    und was spricht dagegen Ungarn einen Kredit in der Art zu gewähren, wie man ihn Polen zugestanden hat???
    *mal dummfrag*
    in der Hoffnung nicht das Niveau zu ruinieren 😉

  7. HV, Ja, das mit dem Interview sehen Sie vollkommen richtig. Im übrigen, habe ich auch die österreichische Regierung kritisiert. Das betone ich, weil einige ungarische Leser mich beschuldigt haben, mein Geburtsland nicht so scharf zu kritisieren, wie Ungarn.
    Es freut mich, dass wir jetzt ohne Häme diskutieren.

    Da ich kein Prophet bin, kann ich nicht voraussagen, was in Ungarn in einer Woche passiert, geschweige denn bei den nächsten Wahlen.
    Und es kann wirklich nicht Sache eines Nichtungars sein, vorzuschlagen wen die ungarischen Wähler wählen sollen, sollte Orbán abtreten.
    Mein Gefühl ist, dass im Moment Orbán und Fidesz zwar keine richtige Opposition haben, trotzdem aber geschwächt sind.
    Am 31.Okt. hörte ich Herrn Semjén im ungarischen Parlament zu sagen, dass Jobbik unter 20% der Stimmen hat. Er war deswegen nicht besorgt. Er könnte Recht haben.
    Ich war zum ersten Mal im ungarischen Parlament und schwer beeindruckt von den Farbenpracht und den wunderbaren Glasfenstern, die von klugen Ungarn während des 2. WKs gerettet wurden. Und Budapest am Abend von der Zitadelle betrachtet schaut wunderschön aus.
    Ich vertraue den Ungarn, dass sie nicht die schwere Erkältung mit der Pest heilen wollen und dass Jobbik nicht stärker wird.
    Allerdings, wenn der Orbánsche „Befreiungskampf“ gegen IMF und Banken weitergeführt wird, dann könnten die Pessimisten Recht behalten. Ich hoffe sehr, dass Vernunft einkehrt, denn die kleinen Tricks und die überflüssigen Erklärungen (z.B. Ungarn mit Griechenland vergleichen) können nur die Krise verschärfen.

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