20 Kommentare zu “ORF Weltjournal: „Totalumbau in Ungarn“

  1. Ab ca. 9:15: „Sie (Anmerkung: die Medienbehörde) kann auch Geldstrafen verhängen, wenn der Regierungsbehörde die Berichterstattung nicht ausgewogen und objektiv erscheint.“

    Da hat sich der ORF ja mal wieder bestens informiert. Wer Gesetze lesen kann (und vor allem: will!), ist klar im Vorteil.

    https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/09/martonyi-stellt-klar-es-gibt-keine-geldbusen-bei-verletzung-des-gebots-der-ausgewogenheit/

    Sehr beeindruckend auch der Werbeslogan des Generaldirektors der Sopron Bank, Radil, der zum Thema „Fremdwährungskredite“ behauptet, „die Banken“ hätten die Kunden auf das Währungsrisiko hingewiesen. Glaubt man ihm, so haben die Banken natürlich alles richtig gemacht und die Kunden waren alle gewiefte Devisen-Spezialisten, bestenfalls unvorsichtige Idioten, aber unter keinem Umstand falsch beraten. Unfehlbarkeitsdogmen, die man sonst nur avon der katholischen Kirche kennt. Von einer massiven Bewerbung, auch unter Hinweis darauf, dass das Einkommen gar keine Rolle spiele, weiß Herr Radil nichts? Agitprop für die österreichische Bankenlobby.

    Sieht bei der Werbung der RaiBa freilich ein wenig anders aus:

    https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/09/12/fremdwahrungskredite-osterreichische-banken-erbost-uber-umschuldungsoption/

    Zur Wirtschaftslage einige Kunjunkturdaten:

    Klicke, um auf Konjunkturdaten_de.pdf zuzugreifen

    Den Vogel schießt der Politologe László Lengyel ab: Der behauptet, dass Orbán den Abgeordneten der Fidesz Fraktion „Gegenleistungen“ versprochen habe dafür, dass sie brav so abstimmen, wie er es wünscht. 🙂

    Gyurcsány wird auch erwähnt. Als „glückloser Premier“. Der ärmste.

    • Ein Lichtblick war Staatssekretär Dr Gergely Pröhle der beeindruckend souverän, kompetent und sachlich auf die einseitig gepolten Fragen geantwortet hat. 🙂

    • @ HV:
      „Da hat sich der ORF ja mal wieder bestens informiert. Wer Gesetze lesen kann (und vor allem: will!), ist klar im Vorteil.“

      Ugh, also der Mythos „Geldstrafen bei unausgewogener Berichterstattung“ hält sich immer noch (ob gewollt und absichtlich oder zufällig und irrtümlich sei dahin gestellt…).

      Vielleicht ein wenig off topic aber doch im Zusammenhang mit diesem Mythos bzw. mit Journalismus und Quellenschutz (worüber sowohl Sie als auch ich schon z.B. mit Herrn Pfeifer diskutiert haben):

      Anfang diese Woche, am Dienstag, erschien in der linken Tageszeitung Népszabadság ein Artikel, in dem es wörtlich wie folgt hieß:
      „In diesem Zusammenhang haben einflussreiche Quellen unseren Mitarbeitern mitgeteilt, dass gemäß ihren Erinnerungen Orbán Viktor hinter geschlossenen Türen schon früher angedeutet habe: „wenn der IMF zurückkommt, bin ich weg…“.“

      („Ennek kapcsán befolyásos források munkatársunknak azt mondták, emlékezetük szerint zárt körben Orbán Viktor már korábban célzott arra: „ha az IMF visszajön, én el…”)

      http://nol.hu/gazdasag/20111115-orban_viktor_dilemmaja__egyre_kozelebb_az_imf

      Man möge sich das auf der Zunge zergehen lassen…
      Gemäß den Erinnerungen einflussreicher Quellen habe Orbán angedeutet…

      Gestern und heute habe ich dennoch in zahlreichen Internetforen gelesen, dass Orbán (öffentlich) versprochen habe, zurückzutreten, wenn der IMF zurückkomme und er natürlich ein riesen Lügner sei, weil er sich nicht an sein Versprechen halte.
      Mehr noch: Ich habe sogar live von Leuten, die sicherlich nicht wahnsinnige MSZP-Sympathisanten sind, gehört, dass Orbán anscheinend versprochen habe, zurückzutreten, wenn der IMF zurückkommt.

      Ich finde es unerträglich, dass heutzutage die meisten Medien zu einem Großteil mit dieser Art von Berichterstattung operieren. Man braucht sich nur auf irgendwelche ominöse geheime Quellen berufen und schon hat man einen Mythos erschaffen, der sich dann – wie es sich an den angeblichen Geldstrafen für unausgewogene Berichterstattung zeigt – einfach unausrottbar ist. So wird es sicher auch im vorliegenden Fall sein: ich bin mir sicher, dass ich auch noch in ein paar Jahren hören werde „Der Orbán hat damals versprochen, zurückzutreten, und hat es nicht getan.“

      Das alles unter dem Vorwand des „Quellenschutzes“. Das ist natürlich irrsinnig bequem, wenn man null Verantwortung für die eigene journalistische Arbeit übernehmen will.

      Das ist wie in dem alten Witz, in welchem jemand „valamilyen kabátlopási ügybe keveredett“ .

  2. Frau Széchényi hatte ja schon auf diesen Beitrag hingewiesen.Hatte ich leider übersehen.
    Leider erfüllen solche Beiträge genau den Zweck, wofür sie gedacht wurden.Ich bin immer wieder erschrocken, welche Meinungen unter den hier lebenden deutschsprachige Ausländern hinsichtlich der derzeitigen Politik vertreten werden.

  3. Also bis jetzt habe ich folgende Einwände gegen diesen Bericht gelesen.
    1) Wegen unausgewogener Berichterstattung kann man nicht bestraft werden.
    2) Lengyels Behauptung, dass Abgeordnete von Orbán beeinflusst werden stimmt nicht.
    3) Herr Radil von der Sopron Bank täuscht seine Zuhörer, denn seine Bank und andere Banken haben die Kreditnehmer in Fremdwährung nicht vor den Risiken gewarnt.
    Mir scheint das eine grobe Pauschalbeschuldigung zu sein. Denn wenn diese Bank nicht sorgfältig die ungarischen Gesetze beachtet hätte, dann hätte man schon längst ein Verfahren eröffnet.
    Unsere Banken haben die Pflicht periodisch ein Kundenprofil aufzustellen, und Kunden über Risiken zu warnen. Ich nehme an, dass dies auch in Ungarn ähnlich geregelt ist. Einen „Befreiungskampf“ gegen Banken zu führen, mag bei der nationalbolschewistischen „Jungen Welt“ Begeisterungsstürme auslösen und Wähler täuschen, doch im Endeffekt schadet es Ungarn, wie die Entwicklung zeigt, denn Herr Radil erklärt auch, dass weniger investiert wird in Ungarn. Und das hat HV nicht dementiert.

    Und wenn der Leiter der Malteser Hilfsorganisation – also einer katholischen Caritas – Kritik übt an der Haltung dieser Regierung, die gerade vor Einbruch der Kälte glaubt mit harten Strafen die Obdachlosigkeit beseitigen zu können, was sagt das denjenigen die sich immer wieder auf ihr Christentum berufen? Allen denjenigen, die glauben und sich froh darüber zeigen, dass das Christentum in der Verfassung festgeschrieben ist, rate ich Matthäus 25, 40-45 nachzulesen. Und nachzudenken, wie das mit der Praxis der Bekämpfung von Obdachlosigkeit mit Polizei und Gerichten vereinbar ist.
    Der ORF-Bericht istdoch ein sehr guter und sachlicher Betrag, hat er doch Herrn Pröhle die Möglichkeit gegeben, das abgedroschene Argument, dass man doch früher nicht die Gyurcsány Regierung kritisierte, hervorzubringen. Und alle anderen Fakten des ORF Berichts scheinen zu stimmen, denn würden sie nicht stimmen, so hätte HV dies uns mitgeteilt anstatt mit Népszabadság zu diskutieren, ob nun V.O. das mit der IMF gesagt hat oder auch nicht. Was ja nicht Thema dieses ausgezeichneten Beitrags von Herr Gelegs war.

  4. „Und alle anderen Fakten des ORF Berichts scheinen zu stimmen, denn würden sie nicht stimmen, so hätte HV dies uns mitgeteilt anstatt mit Népszabadság zu diskutieren, ob nun V.O. das mit der IMF gesagt hat oder auch nicht.“

    Ich kann nicht ganz folgen. Wo habe ich „mit Népszabadság diskutiert, ob V.O. das mit dem IMF gesagt hat oder auch nicht…“?

  5. HV ich bitte um Verzeihung. Rudolf hat das getan. Ich habe wieder einmal schnell gelesen und das übersehen.

    Der stärkste Teil dieses Berichts handelt von den Obdachlosen. Es sind im letzten Winter Obdachlose in Ungarn erfroren und ich sah auch in Budapest Obdachlose, die in den Mistkübeln herumstierten, in der Hoffnung etwas essbares zu finden.

    • Leider ist in diesem „stärksten Teil“ nicht erwähnt, dass es zwar Strafen gibt für das Übernachten auf der Straße, aber diese nur verhängt werden dürfen, wenn es ausreichend Unterkübfte gibt. Ist es nicht legitim, die Obdachlosen anzuhalten, in Unterkünften zu übernachten, gerade wenn der Winter kommt? Oder gehört das (bitte nicht falsch verstehen, es ist nict zynisch geeint!) „freie Erfrieren“ auch zum Persönlichkeitsrecht? Nicht sehr überzeugend…

    • Herr Pfeifer, ja, ich habe das getan, nicht HV, und wenn Sie genau lesen, sehen Sie, dass ich auch gleich am Anfang erwähnt habe, dass meine Ausführungen „off topic“ sind.

      Im Übrigen freut es mich sehr, dass Sie Ihre Annahme, dass die ungarische Gerichtsbarkeit politisch beeinflusst sei, aufgegeben haben und nun auch der Meinung sind, dass sie sich unabhänging an den Gesetzen und ihrer Aufgabe orientiert.

  6. HV, was stimmt denn in dem Bericht des ORF Ihrer Meinung nach nun wirklich? Sind, wie Herr Pfeifer schon zu recht betont, denn nur drei Stellen als negativ weil faktisch falsch oder sachlich oder politisch (weil gegen die Regierung gerichtet) inkorrekt? Da kommt ein halbstündiger Bericht aber in der Summe wirklich gut weg! Chapeau, die sonst vermeintlich nüchterne Distanzanalyse auslebend!

    Sie gebähren sich zusehends als derjenige im deutschsprachigen Raum, der einzig die Wahrheit an den Tag fördert, indem er die Fehler aus Berichten fischt und aufzeigt.

    Wenn man sich aber, wie bei diesem langen Beitrag des ORF, nur darauf beschränkt, wird man, macht man sich automatisch selbst zum politischen Spielball und eben nicht mehr zum ausgelichenden Element, das man doch (vermeintlich) sein möchte. Denn dazu würde auch gehören, dass man hervorhebt, was durchaus richtig und angemessen an manchen Stellen dargestellt wurde (etwa, dass Beamte bei edem Machtwechsel ausgetaauscht werden, etwa, dass Orbán Aufnahme des ORF verbieten lassen wollte, 8:42 etc).

    Freut mich zu hören, dass die Wirtschaftslage Ungarns so gut aussieht, wie Sie suggerieren wollen. Allerdings, wer nicht nackte zahlen aus dem fernen München sondern Vertreter von KMUs im ganz normalen Geschäftsalltag trifft, wird wenig von einer positiven, vorwärtsgerichteten Stimmung hören. Und warum wurde nun sich nun doch an den IWF gewandt? Wegen der insgesamt rosigen Lage, weil die durch sinnvolle Gesetzgebung der letzten eineinhalb Jahre wieder voll durchstartende ungarische Wirtschaft einer extrem positiven Zukunft entgegensieht und die Steuereinnahmen nur so sprudeln werden??

    Zudem: der ganze Duktus der Kritik HVs kommt inzwischen so routiniert wie selbstgefällig daher. Schade, damit entlarven sie sich sich zunehmend selbst und Ihre eigentlich redlich, ehrenwerte „Mission“ wird ad absurdum geführt, weil Sie zu offensichtlich politische Stellung beziehen. Das war zwar schon immer so, hat sich aber inzwischen reflexartig wiederkehren und verselbständigend tendenziell verstärkt. Gewiss, ihre Heerscharen freuts, und Sie können sich geschmeichelt fühlen. Allein, der schale bittere Geschmack bleibt zurück. Ich weiß, ich irre mich und ducke mich gleich artig weg und wurde nicht mehr so schnell gesehen.

    • Och, wo bitte suggeriere ich denn, dass die Zahlen „gut“ sind? Dadurch, dass ich sie (ohne jede Bewertung) verlinke?

      So lange die Kritik nicht ohne Unwahrheiten auskommt (Mediengesetz, angebliche Zuwendungen an Parlamentarier), müssen Sie mich ertragen. Das fällt Ihnen (und Pfeifer) zwar ersichtlich schwer, aber das ändert nichts. Die Mär vom „glücklosen“ Premier Gyurcsány (den man wohl auch noch bemitleiden sollte, ganz wie einen tragischen Helden) und das versteinerte Gesicht des Chefs von Klubrádió (der natürlich nicht als solcher, sondern als „ungarischer Bürger“ spricht, und freilich vergisst zu erwähnen, dass Bußgelder – z.B. wegen Verstoßes gegen Jugendschutz usw. – gerichtlich überprüfbar sind), sind in solchen Berichten nur die Spitze des Eisbergs. Aber entlarvend, um Ihre Worte zu verwenden.

      Wie es ein Kommentator neulich hier schrieb: Man nimmt sowas gerne in Kauf. Denn die anderen sind ja vieeeel schlimmer.

      Die Frage des Staatssekretärs Pröhle, wo die besorgten Demokraten denn 2006 waren, als Menschen zusammengeknüppelt, zu Krüppeln geschlagen und Augen ausgeschossen wurden, steht zur Beantwortung aus.

  7. Wer also ist schuld an der heutigen Misere in Ungarn. Huth hat es in Magyar Hirlap gesagt, die „Parasiten“, die „nicht schaffenden“, die nichts übrig haben für das „Christentum“. Das verstehen natürlich die Leser dieses Blattes. Man muss ja nicht alles explizit sagen.
    Wenn also in Zuglo (XIV Budapester Bezirk) die am Stadtrand illegal gebauten Hütten gerade vor dem Winter platt gemacht werden, so dass man deren Einwohner nicht vorher informiert hat, dann ist das die Verkörperung des „Christentums“ wie es ja wohl auch das Horthyregime war, mit seinen drei Millionen Bettlern.
    Und dann kommt die Mantra mit 2006, ohne zu erwähnen, wie Fidesz konsequent die Politik aus dem Parlament auf die Straße verlegte, wie man eng mit Figuren wie Krisztina Morvai und Gaudi zusammenarbeitete.
    Wer hatte denn erklärt, die „Nation kann nicht in Opposition“ sein? Und jetzt erklärt schon der von László Kövér erst vor ein paar Tagen als „unser Freund“ bezeichnete Zsolt Bayer in seinem unnachahmlichen Stil, dass sich die „Linke provisorisch in unserer Heimat“ befindet.
    Als ich in Budapest war sprach ich mit einem Beamten, der mir erklärte, sein Sohn hätte Arbeit in Deutschland gefunden und er hoffe, dass auch seine Tochter – beide haben die Uni in Budapest absolviert -. einen Posten in Deutschland findet. So dass die Kinder eines Fideszwähler sich auch nur provisorisch in der Heimat aufhielten/aufhalten, und jetzt das sinkende Schiff verlassen, um in Deutschland zu bleiben. Wer kann bringt sein Geld ins Ausland.
    Bayer, Bogár, Huth und andere werden uns weiter erklären, es gäbe eine Weltverschwörung gegen Ungarn. HV wird weiter Läuse suchen in den Berichten über Ungarn und all das wird nicht die katastrophale Lage Ungarns ändern, außer es erfolgt ein radikaler Kurswechsel. Doch dazu fürchte ich, ist die jetzige Führung nicht in der Lage. Orbán & Matolcsy glauben sich sehr schlau. Doch wenn sie mit ihren Tricks weitermachen, dann sinkt der Forint noch mehr, mit allen Konsequenzen, die das haben kann.
    HV wenn ich Sie nicht ertragen könnte, dann würde ich nicht hier posten.
    Doch kehren wir zurück zu meiner Frage, was denken Sie HV über die bisherige Wirtschaftspolitik von Orbán & Matolcsy? Halten Sie die beiden für fähig und willens einen radikalen Kurswechsel vorzunehmen?

    • Ich halte Orbán und Matolcsy für willens, einen radikalen Kurwechsel zu vollziehen. Die Flat tax kommt m.E. ein wenig zu früh und ist (was nie ein Geheimnis war) ein Geschenk an die Fidesz-Wähler. Ihr Sinn wird sich zeigen, aber nicht jetzt, da im Moment diejenigen, die davon profitieren würden, aus Angst vor der Krise sparen, was das Zeug hält (wenn sie es wegen der Devisenkredite überhaupt können). In dieser Phase die Wirtschaftspolitik zu bewerten, fällt mir schwer. Sie ist jedenfalls mutig und will erkennbar das Arschkriechen gegenüber den ausländischen Multis beenden, die Ungarn einiges Positives, aber nicht NUR Positives gebracht haben.

      Die Flat tax, das Heranziehen der Banken zur Schadenswiedergutmachung (halte ich im Grundsatz für richtig; es geht übrigens um TEILUNG des Schadens, auch die Kreditnehmer fahren einen Verlust ein), Sondersteuern – mit all dem kann ich leben in einer Zeit wie der jetzigen. Was die Sozialpolitik angeht, fehlt das Geld, eventuell wäre es beser gewesen, mit der Flat tax noch zu warten, bis die Wirtschaft etwas anspringt.

      Ob die Herren fähig sind, etwas zu verändern, wird die Zukunft zeigen. Im Moment herrscht ein wenig hektisches Hin und Her, ich sehe aber nicht allein die Regierung dafür verantwortlich (die einen Schuldenberg von 80% des BIP geerbet hat, und selbst 2002 einen in Höhe von „nur“ 53% hinterließ), sondern die allgemeine Wirtschaftslage in der Welt und Europa. Wobei ich einen gewissen Aktionismus nicht bestreiten kann…

      Dass ein Kreditrahmen des IWF das Vertrauen erhöhen würde, steht fest. Hoffen wir, dass der IWF einsteigt und Ungarn so die Möglichkeit gibt, seine eigene Finanzierung durch Staatsanleihen wieder zu ermöglichen. Das im Moment keiner die Papiere kauft, ist vor dem Hintergrund der Krisen in Griechenland, Italien und Portugal wohl wenig verwunderlich – das laste ich nicht Orbán und Matolcsy an

    • Wissen Sie, das ist einfach nur noch lustig was Sie da schreiben. Es ist ja nicht so, dass HV Haare in der Suppe suchen würde, sondern er benennt Punkte, die wesentlicher Bestandteil der kritisierten Berichte sind. Klassisches Beispiel ist der berüchtigte Beitrag der FAZ – Sie wissen schon welchen ich meine: den zu dem Sie offensichtlich immernoch unfähig sind Standpunkt zu beziehen. Die vermeintliche Aussage Orbáns Ungarn hätte auch während des 2. Weltkrieges die meisten Opfer für die Freiheit erbracht, war DIE Story jenen Artikels. Hätte es diese Übersetzung nicht gegeben. hätte es auch den ganzen Artikel nicht gegeben. Die Tatsache, dass diese Übersetzung aber genau in das in Deutschland über Orbán forcierte Bild passt und das auch die FAZ meines Wissens nicht in der Lage ist, sich davon zu distanzieren, lässt einen ganz fahlen Beigeschmack zurück.
      Beziehen wir das auf den hier diskutierten Beitrag des ORF, so würden möglicherweise einige Kritikpunkte bleiben, aber sie wären für das deutsche Publikum wahrscheinlich uninteressant. Nichtsdesto trotz würden Leute wie ich oder HV diese Kritik akzeptieren und sie könnte hilfreich sein. So wie die Beiträge aber derzeit ausfallen, sind sie vorallem gelogen und Menschen wie Sie, Herr Pfeifer, scheinen das nicht mal schlimm zu finden. Das wiederum finde ich schlimm.

      Allerdings, Sie haben Recht damit, dass es langsam langweilig wird immer diese Berichte durchzukauen. Vorallem, weil die Betonköpfe die sie verfassen, nicht hören wollen – also ändert sich nichts daran. Allerdings hat HV sonst auch nicht viel Spielraum, denn diese Berichte sind ein zentrales Problem. Nichtsdesto trotz könnte ich mir vorstellen und würde ich mir wünschen, dass die Situation der Auslandsungarn mehr Gewicht bekommt. Ich denke sie sind ein wichtiger, gleichzeitig aber auch unterschätzter Teil des gesamten Problems. Gerade die liberalen und linken machen sich ja große Sorgen um die Radikalisierung in Ungarn und wie sich die Sache mit der Jobbik weiterentwickelt. Grund dafür ist aber eben auch jene Situation der Auslandsungarn. Und was diese Zusammenhänge betrifft, da hat sich vorallem der Westen was vorzuwerfen. Ewigkeiten hat er nichts unternommen und tut es weiter nicht. Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich nichts verbessert hat. Je länger sich nichts verbessert, desto schlimmer wird es den Leuten unter den Nägeln brennen. Irgendwann (und dieser Punkt scheint mir nicht mehr fern) hängt alles bloß noch von gewissen äußeren Umständen ab. Tritt dann beispielsweise ein Politiker vom Kaliber Gyurcsánys in der Slowakei oder Serbien oder Rumänien auf, steht der nächste schwarze März vor der Tür… Und auch in Ungarn könnte das Schwierigkeiten bedeuten. Aber von dieser Problematik will man in Deutschland ja gar nichts hören.

      • @ Pfeifer: „Wenn also in Zuglo (XIV Budapester Bezirk) die am Stadtrand illegal gebauten Hütten gerade vor dem Winter platt gemacht werden, so dass man deren Einwohner nicht vorher informiert hat, dann ist das die Verkörperung des „Christentums“ wie es ja wohl auch das Horthyregime war, mit seinen drei Millionen Bettlern.“
        Es klingt so, als wäre jetzt das Christentum an allem Schuld – ich hoffe, ich verstehe es falsch!
        Und Herr Pfeifer, Sie wissen doch, nach dem Ersten WK und dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie kam eine Zeit der politischen Unruhe und jene katastrophale Inflation, die innerhalb weniger Monate die Menschen Mitteleuropas verarmen ließ.

        @ Palóc „Gerade die liberalen und linken machen sich ja große Sorgen um die Radikalisierung in Ungarn und wie sich die Sache mit der Jobbik weiterentwickelt. Grund dafür ist aber eben auch jene Situation der Auslandsungarn. Und was diese Zusammenhänge betrifft, da hat sich vorallem der Westen was vorzuwerfen“.
        Gyurcsány will jetzt mit seiner „Partei der Mitte“ Orbán entthronen, rechnet dabei auf Cohn-Bendit & Co in der EU. Dort, in der EU bei den mächtigen Pseudoliberalen hat er gute Chancen, in Ungarn selbst rechnet er mit den vielen Unzufriedenen die mit Orbáns Tempo des Aufräumens nicht einverstanden sind. Doch wenn das ganze Unternehmen in die Hosen geht, dann wird Jobbik erst recht mächtig.

  8. Die Tatsache, dass sich unsere Regierung nun wieder der IWF zuwendet, ist erfreulich, aber gleichzeitig kann es nicht anders interpretiert werden, als Einsicht in die Fehlerhaftigkeit einer Politik, die noch vier Tage zuvor als absolut richtig vertreten wurde. Gergely Huths Version wird selbst in rational denkenden Fidesz-Kreisen nicht ernst genommen – es handelt sich um eine Art angewandter Journalistik. Wichtiger finde ich die Chance, dass die Regierung nach diesem eindeutigen Fiasko vielleicht auch andere Fehler, wenn nicht zugeben, dann korrigieren könnte – ich denke an ihre Politik gegenüber der linsstehenden Opposition, die sie einfach nicht wahrnemen will. Dabei müssen wir davon ausgehn, dass jeder Misserfolg Jobbik stärkt, die ziemlich geschickt mit der sozialen Unzufriedenheit und mangelnder Transparenz unserer Wirtschaftspolitik operiert. Angesichts der Tatsache, dass Ungarn mehr als etwa Polen auf die Zusammenarbeit mit der EU und den (sicher nicht sympathischen) Banken angewiesen ist, wäre es ratsam, den romantischen Antikapitalismus a la „wirtschaftlicher Freiheitskrieg“ aufzugeben.

  9. Was György Dalos sagt, gründet auf der Annahme, dass Orbán Einsicht zeigen könnte und seine Haltung wirklich ändert. Und das Hinwenden zur IMF und EU nicht nur ein taktischer Zug ist. Das glaubt auch HV.
    Natürlich wäre das wünschenswert.
    Orbáns und Kövérs guter Freund Zsolt Bayer schrieb am 17.11. 2011 „“az ideiglenesen hazánkban tartózkodó mainstream baloldal“
    http://www.magyarhirlap.hu/velemeny/szabadsagharc_20111117.html
    D.h. „die sich provisorisch in unserer Heimat sich aufhaltende mainstream Linke“ und machte diese und natürlich die „Spekulanten“ verantwortlich für die Wirtschaftspolitik von Orbán & Matolcsy.
    Nun kann man im Interesse Ungarns nur hoffen, dass Dalos und HV Recht behalten und meine Zweifel sich als unbegründet herausstellen.

  10. Lieber Károly Pfeifer Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass die Hinwendung der Regierung zur IMF und EU nur ein taktischer Zug ist. Ich denke eher an einen Verzeweiflungsakt angesichts der Konsequenzen ihrer bisherigen Weigerung westliche Kritik zu akzeptieren. Die Wirtschaft ist nämlich das Gebiet, auf dem Demagogie am wenigstens hilfreich sein kann. Bayer, Dörner, Csurka, das schändliche Verfahren mit dem Károlyi- und Attila-József-Denkmal – das ist alles Produkt einer Ideologie, die man offensichtlich niemand im Umfeld von Viktor Orbán bis zu Ende gedacht hat. Aber jede Ideologie stösst irgendwann an ihre Grenzen. Und der Verlust von Millionen Wählern muss man auch als Warnung begreifen. Ob die jetzige Garnitur dazu fähige sei, das ist die Frage.

  11. Auf Grund der Erfahrung seit Mai 2010 fürchte ich, dass Orbán & Co. nicht in der Lage sind rational zu überlegen.
    Ich habe seinerzeit das ausgezeichnete Buch von József Debreczeni „Arcmás“
    gelesen und geglaubt, dass er doch ein wenig übertreibt und dass Orbán den Weg zu rationalen Wirtschaftspolitik finden wird.
    Doch Debreczeni hat in allem Recht behalten.
    Ich fürchte Orbán & Co sind nicht mehr in der Lage eine halbwegs rationale Wirtschaftspolitik zu führen. Wenn ein Staatssekretär von Matolcsy der FAZ am 14.11. ein Interview gibt und dezidiert verneint, dass Ungarn sich an das IMF wendet und bereits drei Tage später die Absicht bekannt wird, dass Ungarn sich an das IMF wenden wird, dann macht sich diese Garnitur lächerlich.
    Hoffentlich irre ich mich und Orbán & Matolcsy meinen es ernst. Aber wenn sie erklären, sie möchten der IMF die Bedingungen der Anleihe diktieren, dann sind diese Leute entweder Demagogen oder haben jeden Sinn für Realität verloren oder beides.
    Niemand wird heute ungarische Staatsanleihen kaufen, auch wenn sie 7 oder 8 % Zinsen versprechen und tatsächlich sind zwei ungarische Auktionen gescheitert.
    Freilich bietet sich die Erklärung an, dass es doch eine Weltverschwörung gegen Ungarn gibt. Und István Csurka, der seit 2009 für Fidesz Propaganda macht, will noch jetzt erklären, das was Orbán schon heuer im April als Unsinn bezeichnet hat, nämlich dass Israel Ungarn aufkaufen will u.ä.m. Doch wie immer es Csurka, Bayer, Bogár und alle anderen pro-Fidesz-Propagandisten es drehen und wenden: Für die katastrophale Wirtschaftspolitik ist nicht Tel Aviv, Washington DC oder New York verantwortlich sondern Orbán & Matolcsy. Und in aller Ewigkeit wird man auch nicht Ferenc Gyurcsány oder Gordon Bajnai beschuldigen können. Sicher haben sich die Wirtschaftsbedingungen in den letzten Monaten rapid verschlechtert. Aber Polen, die tschechische und die slowakische Republik stehen viel besser da.
    Und wenn dann hier immer wieder die Mantra erklingt, dass es doch die bösen österreichischen Linken sind, die Orbán unmöglich machen wollen, dann muss man nur die Kommentare der „Presse“ lesen, die wirklich nicht in den Händen der österreichischen Grünen oder Sozialisten ist.
    In keinem anderen Land gab es soviel Sympathie und so viel Verständnis für Ungarn wie in Österreich. Heute gibt es – mit Ausnahme rechtsextremeer Medien – kein Medium in Österreich, das nicht kritisch über die Entwicklung in Ungarn schreibt. Das sollte doch zu denken geben.

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