TAZ: Interview mit Staatssekretär Zoltán Balog

Die TAZ bringt heute ein Interview mit dem für Romaangelegenheiten zuständigen Staatssekretär Zoltán Balog:

http://taz.de/Politiker-ueber-Antiziganismus-in-Ungarn/!82415/

 

3 Kommentare zu “TAZ: Interview mit Staatssekretär Zoltán Balog

  1. Zoltán Balog hat eine ziemlich eindeutige Meinung der Interviewerin Barbara Oertel. Er sprach mit Olga Kálmán vom Fernsehsender ATV über die Stimmung beim Interview. Hörenswert für alle, die der ungarischen Sprache kundig sind:

    http://atv.hu/cikk/video-20111202_balog_zoltan

    Balog wird folgender Absatz des Interviews vorgehalten:

    „Es gibt eine starke soziale Frustration, und die stärkt eine Angst: Ich werde auch so, wie du bist. Ich sehe bei dem anderen einen Status, den ich nie haben wollte, aber ich komme diesem Status immer näher. Dass in einer solchen Situation Menschen meinen, andere hassen zu müssen, damit sie sich besser fühlen, finde ich schlimm. Das gilt übrigens auch für einige Dinge, die meine Regierung tut.“

    Balog bezeichnet diesen Absatz as „typischen Journalistentrick“. Die Reporterin habe in einem anderthalb stündigen Gespräch ungefähr fünfmal gefragt, ob er (Balog) mit „allem Maßnahmen seiner Regierng“ einverstanden sei.

    Balog zu Kálmán: „Wenn ein Mensch ein gewisses Maß an intellektueller Redlichkeit besitzt, beantwortet er diese Frage nicht mit JA“.

    Allerdings halte er es nicht für glücklich, diesen Satz in einen Zusammenhang mit Hass zu bringen (aus diesem Satz wurde dann in ungarischen oppositionellen Kreisen die Behauptung, der Staatssekretär mache seiner eigenen Regierung „Ansagen“…).

    Balog weiter: „Wir in Ungarn kennen ja die TAZ. Ich bin es auch gewöhnt, dass Journalisten harte Fragen stellen, aber ich habe seit langem keine Frau getroffen, die so von flammendem Hass geleitet war wie die Reporterin der TAZ. Da war ich plötzlich Faschist, Antisemit, im Interview heißt es sogar, ich sei hinter den Stimmen der Rechtsextremen her (Zitat aus dem TAZ-Beitrag: „Staatssekretär Zoltán Balog will lieber rechtsextreme Wähler für die Demokratie wiedergewinnen.“), das sei sogar wichtiger als die Sache der Roma. Wobei sich aus dem Interview selbst das Gegenteil ergibt.“

    Zur Person Balogs möchte ich eine persönliche Anmerkung machen: Ich habe Balog im Rahmen eines von ihm gehaltenen Referats persönlich kennen gelernt und halte ihn für einen gemäßigten, realistischen und keineswegs dem „rechten Lager“ verhafteten Politiker. Er hat bei dem besagten Vortrag keine ideologische Position vertreten, was bei anderen Politikern durchaus anders war. Dass die TAZ es für nötig hält, ihn so darzustellen, als seien ihm die extreme Rechten wichtiger als die Romastrategie, überschreitet die Grenzen des Erträglichen. Offenbar ist nach der Narrative der TAZ jeder, der dr ungarischen Regierung angehört, grundsätzlich verdächtig. Und dass „Rechte“ keine Minderheitenpolitik machen können, scheint aus der Sicht eines überzeugten Linken ja ohnehin festzustehen. Auch dass man von den Zigeunern Initiative erwartet (v.a. im Bezug auf die Bildung), macht wohl grundsätlich verdächtig, eine „Täter-Opfer-Umkehr“ durchführen zu wollen. Man muss die Opferrolle von Minderheiten zwar nicht relativieren, es reicht, dass man den Ausweg nicht nur im Verantwortungsbereich der Mehrheitsgesellschaft sieht. Man verharrt lieber auf der Ebene von „Schikanen“ und „Ausgrenzung“. Wer mehr zu dieser Logik lesen möchte, dem sei das Buch „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer empfohlen. Eine wahrhaft kurzweilige Lektüre – selbstredend kamen die ersten hasserfüllten Rezensionen von der TAZ 🙂

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