Spiegel über „Ungarns Sonderweg in die Sackgasse“

Keno Verseck im Spiegel:

„Ungarn ist finanziell am Ende. Ausgerechnet beim IWF muss die Regierung in Budapest jetzt Hilfe beantragen – dabei hatte sie den gerade erst aus dem Land geworfen. Die eigenwillige Wirtschaftspolitik von Premier Orbán sorgt für Frust im Land – und der macht die Rechtsextremen stark.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,799768,00.html

 

10 Kommentare zu “Spiegel über „Ungarns Sonderweg in die Sackgasse“

  1. Vielleicht hat jemand Informationen dazu, wie Verseck auf folgende Behauptung kommt:

    Doch unstrittiger Gewinner der desolaten Lage in Ungarn ist jemand anders: die rechtsextreme Partei Jobbik (Die Besseren). Im Parlament mit zwölf Prozent der Sitze vertreten, kommt sie in Meinungsumfragen inzwischen auf knapp 20 Prozent der Stimmen und ist damit nach der Regierungspartei zweitstärkste politische Kraft in Ungarn.“

    20%? Nach Umfragen der drei großen Institute kommt Jobbik auf 9 (Szonda Ipsos), 11 (Tárki) bzw. 12% (Médian) aller Wahlberechtigten. Immer noch zu viel. Aber immerhin die Hälfte dessen, was der Spiegel vorrechnet. Es kommt also auf die Definition dessen an, was „die Stimmen“ sind. Anteil aller Wahlberechtigten? Anteil der Wähler mit festen Parteipräferenzen?

    http://torokgaborelemez.blog.hu/2011/11/23/kozvelemeny_kutatas_19

    • ….a Jobbik – folyamatos növekedése hatására – az elmúlt egy évben megduplázta szavazói arányát, így a teljes népességben novemberre 11%-nyian, a pártválasztók körében pedig 22%-nyian szavaznának a pártra,…. ( TARKI aber korrekt und alles ! zitiert )
      Also 11 % aller Wähler, 22 % Parteiwähler und erlauben Sie mir eine persönliche Meinung : 100% bei JOBBIK Wähler 🙂
      Also, man pickt eine eine Zahl aus, legt in ein Satz …und ist ein Bericht über den faschistoiden Ungarn fertig. So geht das … seit Monaten und will keiner merken, daß jedes Wort von Á.H. & Co. bringt zwei neue JOBBIK Wähler. Und sie spricht fleissig !

    • Eine Zusatzinformation, die dem Spiegel-Leser gesagt werden sollte. Oder glauben Sie, der informiert sich bei Tárki?

      Man sollte sich für einen Maßstab (Parteiwähler / alle Wähler) entscheiden oder aber sagen, wovon man spricht: Wenn man nämlich von 20% Jobbik redet (was nur für die Parteiwähler gilt, bei allen Wahlberechtigten 11%), stimmt die weitere Aussage im Beitrag, Fidesz habe sich halbiert, nicht – das gilt nämlich nicht für die Parteiwähler, sondern nur für „alle Wahlberechtigten“. Bei den Parteiwählern hat Fidesz noch immer einen Rückhalt von 44% und hat sich keineswegs „halbiert“. Merkwürdiger Umgang mit Zahlen, den Verseck an den Tag legt. Einmal hü, einmal hott. Hauptsache, die Botschaft lässt sich untermauern (die da wäre: Fidesz laufen die Wähler davon und Rechtsradikale stehen vor der Regierungsübernahme…). Man muss ja froh sein, dass nicht gleich von 23% Fidesz und 20% Jobbik sprach, mit etwas Phantasie kann man nämlich auch das Pfeifers Grafik entnehmen.

      Ich weiß, ich bin wieder so selbstgerecht…

      Und wo wir dabei sind: Was soll der lächerlich zwanghafte Versuch, „nemzetgazdasági miniszter“ mit „Minister für nationale Wirtschaft“ zu übersetzen? Schwingt da wieder eine Botschaft für den Spiegel-Leser mit? Eigentlich bedeutet nemzetgazdaság nichts anderes als „Nationalökonomie“ (= Volkswirtschaft).

  2. HV wollen wir nicht fair miteinander umgehen? Es gibt keine „Pfeifers Graphik“. Ich habe mir erlaubt auf Tárki aufmerksam zu machen.
    Warum sich über Graphiken und Prozente streiten wenn Verseck schreibt:
    „Seit der IWF wieder in Ungarn ist, tröstet Matolcsy seine Landsleute mit surrealen „Kopf hoch“-Zurufen. „Wir gehören zu den fähigsten Leuten der Welt“, sagte Matolcsy bei einem Vortrag am vergangenen Wochenende in Budapest. Und das, so der Minister, stehe ja schon in alten persischen und byzantinischen Chroniken. In denen nämlich würden die urungarischen Stämme als herausragend in zwei Bereichen beschrieben – in der Gastronomie und der Hirnchirurgie.“
    Was meinen Sie dazu HV, hat das Verseck aus seinen Fingern gesogen?

    • 1. „Pfeifers Grafik“ war nicht böse gemeint. Jeder Besucher konnte sich davon überzeugen, dass es ein externer Link von Tárki ist.
      2. Aus den Fingern gesogen? Jedenfalls zitiert Verseck falsch und stellt eine Rede atolcsys vor Studenten einer Budapester Hochschule in den falschen Kontext. Leider kann man das Augenzwinkern Matolcsys bei seiner Aussage über „Hirnchirurgie“ im Spiegel nicht lesen. Und wenn es möglich wäre, wäre es wohl auch hinausgekürzt worden 🙂

      Ganz generell und ohne respektlos erscheinen zu wollen: Nehmen Sie von dem Gedanken Abschied, dass Sie bestimmen, worüber gesprochen werden soll. Warum reagieren Sie auf Ihnen unangenehme Themen mit Ablenkung? Kritisiert man z.B. MSZP, hören wir von Ihnen „die ist schwach, es lohnt sich nicht, über sie zu sprechen“ oder „ein totes Pferd zu peitschen, lohnt nicht“. Spricht man von der ungarischen Minderheit in der Slowakei, präsentieren Sie uns Zsolt Bayer. Beispiele könnte ich viele nennen.

      Ich möchte einmal erwähnen, dass ich (und mit mir auch andere Teilnemer dieses Blogs, die Ihnen das schon sagten) Wert darauf lege, dass die Leser hier über das diskutieren, über das sie möchten. Mein/Unser Verständnis von Demokratie.

      Von den o.g. Zahlenspielen Versecks (terrier wies auf das Problem ebenfalls hin) sollten wir uns nicht so schnell entfernen, die sind nämlich sehr phantasievoll.

  3. naja, Ungarn wandelt schon auf den Wegen Persiens, der Inkas oder Aborigines.
    Gäste gibt es leider kaum noch, aber Hirnchirurgie könnte viellleicht helfen.

  4. Versecks Prozente beziehen sich offensichtlich auf die Kategorie der so genannten „biztos pártválasztók“ (sichere Parteiwähler), d. h. diejenige von den Befragten, die bereits wissen wollen, dass sie an die Urnen gehen und auch ihre Option nennen können. In diesem Sinne erreichte Jobbik 20 bis 22 Prozent, während die Linke von Orbáns Fiasko nichts oder sehr wenig profitiert hat. Überhaupt entscheiden in Ungarn die Wahlen in hohem Maße die Passiven. So beteiligte sich an den eher symbolischen EU-Wahlen 2009 35 Prozent der Stimmberechtigten und dadurch erhielt Vonas Partei 15 Prozent der Stimmen (Jobbik erhielt drei EU-Mandate, allerdings für Krisztina Morvay, eine der vehementesten Antisemiten der heimischen politischen Szene). Vergessen wir nicht, dass auch die Zweidrittel von Fidesz in der zweiten Runde von 46 Prozent der Wähler ermöglicht wurde. Aber, wenn die Regierung ihre Wirtschaftspolitik – mit oder ohne Matolcsy – nicht korrigiert, kann sie leicht in dieselbe Falle tappen.
    (Das Ganze erinnert an eine traurige Karikatur aus einer deutschen Zeitung nach der Barschel-Engholm-Affäre in Schleswig-Holstein, 1987. Da sitzen die Wahlbeobachter vor dem Bildschirm und konstatieren erschrocken, dass keine der Parteien die 5 Prozent-Hürde in den Bundestag geschafft habe.)

    • Nach der Tárki-Grafik muss Verseck die „pártszavazók“ gemeint haben. Dann aber ist seine Aussage, Fidesz hätte 1/2 der Wähler verloren, unzutreffend. Wie ich schon schrieb: Nach dieser Logik hätte Verseck auch gleich schreiben können, Fidesz komme auf 23% (aller Wähler), Jobbik auf 20% (der Parteiwähler). Natürlich ohne die Klammern :-)…

      Was ist eigentlich von Morvai zu hören? Ich finde, sie hat viel von ihrer anfänglichen Magnetwirkung verloren. Und der dicke Csanád Szegedi wird wohl kaum ein Ersatz sein…

  5. HV natürlich steht es Ihnen frei als Blogbesitzer MSZP zu peitschen. Daran habe ich nie Zweifel geäußert. Sie werfen mir meine Meinung vor, weil ich
    der Meinung bin, dass diese Partei schwach ist.
    Vielleicht sollten Sie uns wissen lassen, was Sie Herrn Mesterházy & Co konkret vorwerfen. Meines Wissens hat Herr Budai noch keine Untersuchung gegen ihn angestrengt; Habe ich da was übersehen? ist da was in Vorbereitung?

    Und was die Slowakei betrifft entschuldige ich mich, Sie haben bez. Bayer Recht, ich hätte ihn nicht erwähnen sollen. Schon aus dem einfachen Grund weil seine Bemerkung über die „provisorisch sich in der Heimat aufhaltenden Mainstream Linken“ auch nicht auf seinem Mist gewachsen ist. Viktor Orbán hat schon vor Jahren einen ähnlichen Spruch gemacht. Und ich habe bereits 1979 über eine ungarische Zeitungsmeldung aus Pécs (Fünfkirchen) geschrieben, wonach dort zig „Ewigkeitswohnungen“ (öröklakás) „den in unserer Heimat provisorisch stationierten Roten Armee“ übergeben wurden, worüber natürlich viele Ungarn gelacht haben als mein Artikel ins Ungarische übersetzt von RFE ausgestrahlt wurde. Hoffentlich wird mir ein wenig Eigenwerbung nicht übel genommen.
    Es gibt ja noch gute ehemalige Kommunisten aus dieser Zeit wie Zoltán Biró und László Bogár, die sich auch einiges bei der Verteidigung der Fidesz-Politik leisten und die man zitieren kann.
    Ich hoffe Sie verzeihen mir, dass ich Z.B. zitiert habe. In Zukunft will ich lieber den Schmid zitieren als den Schmiedl.

    Danke HV für die Aufklärung bez. Matolcsy. Ich war schon besorgt und bin jetzt ertleichtert.
    Matolcsy hat seine Aussage mit Augenzwinkern gemacht. Dann ist ja alles in Ordnung, denn ich dachte, er hätte das ernst gemeint. Hoffentlich macht er nicht auch seine Erklärungen über den Zustand der ungarischen Wirtschaft mit Augenzwinkern.

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