Starke Nachfrage nach dreijährigen Forint-Anleihen – Zinssatz bei 8,44 %

BUDAPEST (dpa-AFX) – Das hoch verschuldete EU-Mitgliedsland Ungarn hat sich am Donnerstag nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf „Ramsch“-Niveau nur zu hohen Zinsen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können. Allerdings habe das Land bei einer Versteigerung Staatsanleihen mit einem Volumen von 38 Milliarden Forint (etwa 125 Millionen Euro) am Markt verkaufen können, teilte die Regierung in Budapest mit. Das sind drei Milliarden Forint mehr als ursprünglich angepeilt.

Bei der Versteigerung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei Jahren musste Ungarn aber einen einen Zinssatz von 8,44 Prozent in Kauf nehmen. Damit lag die Rendite noch etwas höher als bei einer vergleichbaren Auktion Mitte November, als die Rendite bei 8,38 Prozent lag. Bei der Versteigerung einer Anleihe mit Laufzeit bis 2017 meldete die Regierung eine Rendite von 8,7 Prozent, nach zuvor 8,68 Prozent. Papiere bis 2022 gingen mit einer Rendite von 8,78 Prozent an den Markt. Zuletzt entspannte sich die Lage am Sekundärmarkt etwas. Am Sekundärmarkt werde Anleihen zwischen Privatinvestoren gehandelt.

Ende November hatte die US-Ratingagentur Moody’s die Kreditbewertung Ungarns auf „Ramsch“-Niveau gesenkt. Kurz zuvor hatte das Land den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU um Finanzhilfe gebeten. Ungarn ist Mitglied der EU, gehört aber nicht zur Eurozone.

http://www.financial-informer.de/infos/ungarn_kann_nur_zu_hohen_zinsen_frisches_geld_besorgen_starke_nachfrage_2351625

 

14 Kommentare zu “Starke Nachfrage nach dreijährigen Forint-Anleihen – Zinssatz bei 8,44 %

  1. HV Lettland hat die erste Tranche einer IWF Anleihe zu 3,87% erhalten. und Anfang der Woche werde ich auch die Zinsen der IWF Anleihe Rumänien erfahren. Ich habe nicht die Zeit für Recherche im Internet.
    Wie immer wir es sehen, es war nicht sehr klug große Sprüche zu machen, dass man IWF und EU Anleihen nicht braucht, um dann sie doch zu beanspruchen.
    Es ist also anzunehmen, dass IWF auch Ungarn zu ähnlichen Bedingungen wie Lettland und Rumänien eine Anleihe gewährt hätte.

    • Jetzt lassen Sie doch mal von der Strategie ab, Zahlen in die Runde zu werfen, ohne dass Sie sich ihrer Bedeutung bewusst sind. Nehmen Sie sich die Zeit, Herr Pfeifer, Sie würden darauf kommen, dass Ihr Vergleich hinkt. Sie vergleichen Äpfel (IWF-Tranchen) mit Birnen (Platzierungen von Staatsanleihen am freien Kapitalmarkt). Dass hier Zinsunterschiede rauskommen, verwundert mich nicht.

      1. Wenn, dann sollten Sie die Zinssätze der IWF-Kredite für Rumänien und Lettland einerseits mit denen für Ungarn andererseits vergleichen. Das Problem? Wir wissen die Sätze für Ungarn noch nicht, denn es beginnen ja erst die Verhandlungen.

      2. Wenn Sie die (hohen) Kapitalarktzinsen für ungarische Anleihen nehmen, vergleichen Sie diese bitte nicht mit IWF-Darlehen, sondern mit den Zinsen, die Lettland und Rumänien auf dem freien Kapitalmarkt berappen müssen. Das sieht es für Lettland gut aus, weniger aber für Rumänien. Die letzten Zahlen, die für den Sekundärmarkt – fast 10jährige Restlaufzeit – verfügbar sind, zeigen für Rumänien 7,48% und für Lettland 5,62%. Interessant übrigens die Zahl für Portugal: 11,72%…und über Griechenland sprechen wir besser gar nicht, dahin will ja niemand.

      http://www.ecb.int/stats/money/long/html/index.en.html

      Was lernen wir? Erstens, dass die IWF-Zinsen nur beschränkt mit dem Marktzins zu tun haben, zweitens, dass Churchill Recht hatte: Man kann mit Zahlen scheinbar wirklich alles belegen.

      Wie Sie nachfolgendem Chart entnehmen können

      http://www.tradingeconomics.com/hungary/government-bond-yield

      haben wir übrigens zum Maximalzinssatz für ungarische Staatsanleihen aus dem Jahr 2009 noch ein wenig Luft nach oben. Da will zwar keiner hin. Aber mich würde interessieren, wie Sie die seinerzeitigen Kapitalmarktzinsen einschätzten. Oder die Wechselkurse.

      Wie plump mitunter versucht wird, die Leser durch Schaubilder zu verwirren und durch Halbwahrheiten auf die eigene Linie einzuschwören, zeigt folgende Posse um die EUR/HUF-Wechselkurse:

      1. Der Standard bringt eine „Horror-Grafik“ „Absturz des Forint“, beginnend mit Ende 2010:
      http://derstandard.at/1319183147217/180-Grad-Wende-Ungarn-bittet-Waehrungsfonds-erneut-um-Hilfe

      Sieht man sich den längerfristigen Chart an, sieht es zwar immer noch schlimm aus, der Leser würde aber wenigstens erfahren, dass die gerade vom Standard mit Samthandschuhen angefassten Herren Gyurcsány und Bajnai auch nicht gerade rosige Wechselkurse produziert hatten: http://www.x-convert.com/chart/EUR-HUF?period=10y

      Ebenso beklagenswert war die Berichterstattung um die Konvertierung der CHF-Darlehen. Zahlenspiele und Halbwahrheiten, die beiden tragenden Säulen der deutschsprachigen Ungarn-Berichterstattung. Zum Glück gibt es Menschen wie Charles Ritterband, Nick Thorpe und andere, die ihren Lesern mehr Respekt entgegenbringen und ihnen selbst gestatten, sich eine Meinung zu bilden. So viel Grips trauen ihnen Koenen, Frank und Mayer offenkundig nicht zu. Aber wer will es ihnen übel nehmen 🙂

  2. Danke HV für diese Zusammenstellung. Natürlich kann man nicht eine IWF Anleihe mit Anleihen des Marktes 1:1 vergleichen.
    Kann man aber so tun, wie die ungarische Regierung alles auf die internationale Krise schieben, wenn die Wirkung der neuesten Entwicklung noch (fast) nicht spürbar ist?
    Die deutsche Wirtschaft, von der der ungarische Export am meisten abhängt, hat noch im ersten Halbjahr ein Wachstum von 2,8% gehabt. Da kann die ungarische Stagnation nur mit den ungünstigen Änderung im Inland erklärt werden. Tatsächlich ist im zweiten Halbjahr die deutsche Wirtschaft stark zurückgeangen, doch deren negative Einflüsse werden erst im nächsten Jahr spürbar.
    Aber nehmen wir doch Polen mit über 4% Wachstum, die Slowakei mit mehr als 3% und die tschechische Republik mit mehr als 2% im zweiten Quartal heuer. Ungarn konnte lediglich etwas über 1.5%.zusammenbringen. Es gibt auch durchaus Konservative ung. Wirtschaftsfachleute, welche die Wirtschaftspolitik dieser Regierung als katastrophal betrachten.
    Nun mag es vor Wahlen einen guten Eindruck erwecken einen Krieg gegen
    ausländische Firmen zu führen, aber die Probleme werden nicht dadurch gelöst. Das gleiche gilt natürlich für die Banken.
    Im übrigen hat es doch Signalwirkung, wenn Herr Matolcsy nicht die Verhandlungen mit IWFführen wird.

    • „Die deutsche Wirtschaft, von der der ungarische Export am meisten abhängt, hat noch im ersten Halbjahr ein Wachstum von 2,8% gehabt. Da kann die ungarische Stagnation nur mit den ungünstigen Änderung im Inland erklärt werden. Tatsächlich ist im zweiten Halbjahr die deutsche Wirtschaft stark zurückgeangen, doch deren negative Einflüsse werden erst im nächsten Jahr spürbar.“

      Abermals sollten wir jedoch zunächst einmal über die Ausgangsdaten einig sein, sonst ist jeder Versuch einer Analyse völlig sinnlos.

      1. Die deutsche Wirtschaft ist im 2. Halbjahr 2011 nicht „stark zurückgegangen“, sondern nach den bisherigen Daten gewachsen. Im dritten Quartal 2011 wuchs das BIP gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 0,5 Prozent, im Jahresvergleich um 2,6 Prozent.

      Das vierte Quartal – Ist-Zahlen fehlen logicher Weise noch – wird schwächer, das DIW rechnet mit einem noch leichten Wachstum vom 0,2 Prozent gegenüber dem 3. Quartal.

      Von einem „Rückgang der deutschen Wirtschaft“ kann also keine Rede sein, dazu wären negative Vorzeichen notwendig.

      2. Die ungarische Wirtschaft steckt derzeit in einer Schulden- und Vertrauenskrise. Sieht man sich die Zahlen und die Prognosen für die Realwirtschaft an, ist es nämlich keineswegs so schlimm, wie manch einer in den Raum stellt:

      Klicke, um auf Konjunkturdaten_de.pdf zuzugreifen

      Sehen wir uns mal das prognostizierte BIP-Wachstum an: Vorsichtige Schätzungen gehen von 1,4% für 2011 aus, das wäre immerhin höher als 2008, 2009 und 2010, Herr Pfeifer. Zudem eine noch immer positive Leistungsbilanz bei wachsenden Exporten (die HUF-Schwäche dürfte hier ein wenig stützend wirken).

      Die Industrieproduktion steigt laut Schätzungen um 6,6%, was ein niedrigeres Wachstum gegenüber 2010 bedeutet (damals 10,5%), aber immer noch „Wachstum“, nicht etwa Schrumpfung.

      Das Sorgenkind ist seit Jahren der Bausektor. Er schrumpft und schrumpft. Aber wen wundert es? Devisenkredite, Verschuldung der privaten Nachfrager und Kommunen, Verunsicherung der Bürger? Wer greift denn jetzt zum Spaten, wenn er nicht unbedingt muss?

      Die Realwirtschaft sieht also gar nicht so übel aus.

      Das Problem liegt eher in der Staatsverschuldung und in der Krise bei der Finanzierung. Ungarn bekommt zur Zeit nicht genug billiges Geld. Und daran ist die Regierung gewiss nicht ganz unschuldig, Vertrauensbildende Maßnahmen an die Investoren fehlten, stattdessen wird etwas hektisch versucht, China und den arabischen Raum anzuzapfen. Finanzmärkte haben auch was mit Erwartungen und Stimmung zu tun. Und da hat sich Orbán auf eine schnelle Erholung der inländischen und der Weltwirtschaft verlassen, die eben nicht eingetreten ist. Er dachte wohl, er könne durch ein schnell steigendes Wachstum den Griff in die Rentenkasse kompensieren und zusätzlich durch die Flat tax den inländischen Konsum, nicht zuletzt den Bausektor, beleben. Da kam ihm allerdings was dazwischen…

      Nur: Wer die Staatsverschuldung, unter der Ungarn ächzt, auf über 80% des BIP hat schießen lassen, dürfte auch kein Geheimnis sein.

    • *Aber nehmen wir doch Polen mit über 4% Wachstum,*
      Erstaunlich, dass Polen jetzt immer als positives Beispiel genommen wird.
      Könnte es nicht sein, dass der zu seinen Lebzeiten (auch) ach so verschmähte Kaczynski die Saat gelegt hat, deren Ernte jetzt der Nachfolger einfährt??

  3. HV danke für Ihre Ausführungen, aus denen man lernen kann. Sie beschäftigen sich – so nehme ich an – auch beruflich mit diesem Themenkreis.
    Sie schreiben mit Recht von einer Vertrauenskrise. Hat dazu nicht die Wirtschaftspolitik der seit mehr als 1 1/2 Jahren amtierenden Regierung wesentlich beigetragen?
    Anders steht es – so vermute ich – mit den Schulden. Haben Sie da zufällig ein paar Zahlen über die Entwicklung der ungarischen Staatsschulden?

    • Der Chart zur Entwicklung der ungarischen Staatsverschuldung:

      http://www.google.de/publicdata/explore?ds=ds22a34krhq5p_&met_y=gd_pc_gdp&idim=country:hu&dl=de&hl=de&q=chart+staatsverschuldung+ungarn

      Wir sehen die Phase Horn/Boros ab 1995 bis 1998, in der die Staatsverschuldung dank extensiver Privatisierungen und einer rigorosen Sparpolitik deutlich sank. Von dieser strengen Sparpolitik profitierte (ob es Fidesz-Anhänger hören wollen oder nicht) auch noch die erste Regierung Orbán. Diese setzte den Schuldenabbau fort und betrieb in vielen Punkten sinnvolle Wirtschaftspolitik (Mittelstandsförderung, Wohnungsprogramme für junge Familien). Im Jahr 2002 kamen als Belastungsfaktoren gewisse Wahlgeschenke dazu.

      Und dann kam die „Generation Powerpoint“, die „az állam rossz tulajdonos“ Schwätzer. Und es ging mit der Schuldenquote nur noch bergauf. Da wird selbst der größte Fan von Gyurcsány und Bajnai ins Grübeln kommen. Kommen auch Sie ins Grübeln? Sind diese Zahlen in ihrer Eindeutigkeit nicht traurig?

      • Um 1989 war Ungarn das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung Europas und die damalige Regierung hatte sich zur Rückzahlung der Altschulden an die UdSSR bzw. deren Nachfolgestaat verpflichtet – stimmt das und gibt es darüber verläßliches Zahlenmaterial?

  4. Was den schwachen Forint betrifft, so hat das nicht unbedingt mit der Regierungspolitik zu tun. Westliche Banken und Hedgefunds zogen in den letzten Wochen rasant Geld aus allen „Emerging Markets“ ab, dazu gehört auch das Boom-Land Türkei, deren Kurs zeitgleich mit den HUF um ca. 20 Prozent absackte – und deren Wirtschaftspolitik eigentlich allgemein gelobt wird. (Obwohl: Auch die Türkei bürdet offenbar den Banken einen Teil der Verluste aus sauren Devisenkrediten auf).

  5. HV danke für ihre Antwort auf meine Frage bez. Staatsverschuldung.
    Sie ist sehr aufschlussreich und informativ.

    Ich richtete vor ein paar Tagen ein paar höfliche Fragen an die Presseabt. des IWF. Gestern erhielt ich eine interessante Antwort. Sie seien zu belastet, um all die vielen Fragen zu beantworten. Ich solle doch ihre Website anschauen.

    Ich bin schon gespannt, ob es wirklich zu seriösen Verhandlungen kommt zwischen Ungarn und den IWF. Zu wünschen wäre es schon im Interesse des Forints, denn wenn das nicht geschieht, dann fällt er in den Keller.
    Was halten Sie vom letzten 177 Seiten Plan des Matolcsy Ministeriums?

    Klicke, um auf MAGYAR%20NOVEKED%C3%89SI%20TERV%20konzult%C3%A1ci%C3%B3.pdf zuzugreifen

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