FAZ: Peter Zilahy über die junge ungarische APO

Ungarns Jugend geht auf die Straße, um der rechten Regierung zu zeigen, wie viel ihr die Demokratie bedeutet. Auch meine Kinder kämpfen für eine Zukunft in diesem Land.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/proteste-in-ungarn-bitte-kein-geld-mehr-schicken-11546767.html

András Stumpf von Heti Válasz hält Spiegel-Reporter den Spiegel vor

Vielen Dank an Christian Boulanger, der mir diesen Link zu einem Bericht der „Budapestpost“ gesendet hat:

http://budapost.eu/2011/12/hungarian-journalist-complains-about-german-press-bias/#.Ttifl4VBmkA.email

András Stumpf, Journalist bei der regierungsnahen Wochenzeitung Heti Válasz, traf sich vor kurzem mit einem Spiegel-Reporter (meine Vermutung: Ralf Leonhard oder Keno Verseck, beide auch TAZ), der ihn zum Thema „Diktatr in Ungarn“, Medienzensur und ähnliches interviewen wollte. Es war bestimmt ein interessantes Treffen.

Stumpfs Bericht über das Treffen möchte ich nachfolgend übersetzt den Lesern des Blogs zur Verfügung stellen:

Nazigefahr hier und dort

Ein deutscher Kollege vom Spiegel ruft mich an. Er sei für ein paar Tage hier, in der Dörner-Sache. Ich wolle mich bestimmt nicht mit ihm zusammensetzen, oder? Klar will ich.

Bis wir uns abends treffen, hat sich das Thema bereits erweitert: Das langsam, aber mit Gewissheit in die Diktatur rutschende Ungarn. Der Kollege ist davon überzeugt, dass Dörner, Kerényi, die Statuen-Angelegenheiten – alles auf Ideen von Viktor Orbán basiert, nun ist der Kulturbetrieb an der Reihe, zuvor war da schon die Verfassung, die Medien wurden zum Schweigen gebracht, es herrscht Zensur…

Wie genau? – frage ich dazwischen. Keine Antwort. Ich frage nochmals, weil es mich wirklich interessiert: Wie genau kann man mit dem Mediengesetz zensieren? Große, deutsche Stille in der ungarischen Nacht. Dabei müsste man nur kontern, dass die öffentlichen Medien nicht unabhängig seien, und wenn Péter Szijjártó ein Sendungsformat haben wollte, dann könnte er das auch durchsetzen – das muss ich, wenn auch mit Bedauern, zugeben.

Das Wissen fehlt, die Meinung ist dafür umso entschiedener. Über Fidesz, die mit Jobbik liebäugelt, auch über die Gefahr von rechtsaußen.  Ich frage meinen Kollegen: In seinem Land wurden grade drei Neonazis dingfest gemacht, die über zehn Jahre hinweg systematisch Einwanderer töten konnten. Vor wenigen Tagen sprach ich mit dem Chef der deutschen Human Rights Watch, und der reihte nur so die Fälle jüngster Neonazigwalt aneinander, vor der die deutsche Polizei die Augen verschlossen hatte. Ich hätte also gut und gerne schreiben können, dass „schon wieder der Faschismus in dem Land tobt, das der Welt bereits Adolf Hitler beschert hat“. Und das unter Bezugnahme auf Tatsachen.

Der Kollege ist verblüfft, er verbittet sich das, denn „das wäre nicht wahr“. Stimmt, wäre es in der Tat nicht. Aber ich würde solch einen Blödsinn auch nicht über ein ganzes Land schreiben. Ob er verstanden hat, worauf ich hinauswill, weiß ich nicht. Ich warte mal den Artikel im Spiegel ab.

Ich warte den Spiegel-Artikel ebenfalls ab. Und werde dann darüber berichten. Ich bin, ebenso wie Stumpf, nicht sehr optimistisch…