FAZ: Peter Zilahy über die junge ungarische APO

Ungarns Jugend geht auf die Straße, um der rechten Regierung zu zeigen, wie viel ihr die Demokratie bedeutet. Auch meine Kinder kämpfen für eine Zukunft in diesem Land.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/proteste-in-ungarn-bitte-kein-geld-mehr-schicken-11546767.html

26 Kommentare zu “FAZ: Peter Zilahy über die junge ungarische APO

  1. Lesenswerter Text, ich hoffe dass Zilahy nach seiner vielversprechenden Fenstergiraffe irgendwann wieder ein gutes Buch veröffentlicht.

    Er hat sich allerdings mehr Gedanken gemacht als im Endtext offenbar wird. Das hätte vielschichtiger werden können, vielleicht lag es an Platzgründen.

    Der Knackpunkt für mich ist die Ausssage „Ungarn sind nicht diktaturtauglich“. Genau so ist es, und deswegen sind alle Bemühungen a la Agnes Heller (die einer Diktatur diente, oder sich ihr andiente, statt sie zu bekämpfen), Ungarn als diktatorial anfällig zu verunglimpfen so weit entfernt von der Realität. Herr Pfeifer versucht es ja gelegentlich auch, im bescheideneren Rahmen dieses Forums.

    Es stimmt auch, dass Fidesz zu rigide/rüde ist, aber der eigentliche und nur indirekt ausgesprochene Vorwurf, dass Fidesz die Mitte der Gesellschaft im Stich gelassen hat, ist mehr Debatte wert. Zilahy scheint ja zu meinen, die Mitte der Gesellschaft ist mittlerweile bei Facebook. Ob und inwiefern das so ist, darüber wünsche ich mir mehr Diskussion.

    Ich empfehle dazu u.a. das jüngst erschienene Interview von Nick Thorpe mit Tibor Navracsics in Hungarian Review zu eben diesem Thema. Navracsics argumentiert, dass insbesondere die wirtschaftlichen Entscheidungen von Fidesz sehr wohl zentristisch sind. (Er weicht anderen Fragen zB über die Csurka-Ernennung aus). Jedenfalls, das ist das eigentliche Thema, und es verdient mehr Debatte.

    Was mir in Zilahys Text auch fehlt ist eine klarere Herausstreichung des patriotischen Gedankens bei der Protestbewegung, obwohl ich weiß, dass er es auch so sieht.

  2. Lieber Kollege Kálnoky,
    es ist nicht fair Frau Heller etwas vorzuwerfen, was man Fideszpolitikern nicht vorwirft. Nur mit dem Unterschied, dass Frau Heller während der 70er Jahre zur Emigration gezwungen war, während die von mir erwähnten Kommunisten keine Repressalien erleiden mußten.

    • Lieber Herr Pfeifer,

      Logischer Umkehrschluss: Es ist nicht fair, Fidesz-Politikern etwas vorzuwerfen, was man Fr Heller oder zB Ihnen nicht auch vorwirft. Oder habe ich Ihren Gedankengang mißverstanden?

  3. HV nehmen wir doch der Hypothese willen an, dass ich unfair bin, meinen Sie also das berechtigt auch den Kollegen Kálnoky unfair zu sein?

    • Herr Pfeifer, ich möchte, ganz im Rahmen meiner Meinungsäußerungsfreiheit, in diesem Punkt über Sie und Ihre Art der Diskussion sprechen. Und sage Ihnen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

  4. HV all das ändert nicht die Tatsache, dass Frau Heller Mitte der 70er Jahre Ungarn verlassen mußte. Ich finde diese Taktik des „Haltet den Dieb“ nicht sehr zielführend.
    Schauen wir uns doch Fidesz und deren enge Freunde an:
    Viktor Orbán – Sekretär von Kisz im Gymnasium und an der Uni
    István Stumpf – Stellvertretender Präsident der Patriotischen Volksfront (KP Frontorganisation) Mitglied der MSZMP
    Sándor Pintér – MSZMP Sekretär
    János Martonyi – MSZMP Mitglied
    Zsigmond Járai – MSZMP Mitglied
    Mihály Varga – MSZMP Sekretär
    György Matolcsy – MSZMP Mitglied
    Imre Boros – MSZMP Sekretär
    István Mikola – Stellvertretender Vorsitzender der Patriotischen Volksfront
    Péter Harrach – MSZMP Mitglied
    Béla Turi-Kovács – MSZMP Mitglied
    Fónagy János – MSZMP Mitglied
    Tamás Deutsch – Sekretär des Kommunistischen Jugendverbandes
    László Kövér – des kommunistiwschen Jugendverbgandes, Mitarbeiter des gesellschaftspolitischen Instituts von MSZMP
    Imre Kerényi – MSZMP Sekretär
    Rózsa Hoffmann – MSZMP Mitglied
    Imre Pozsgay – Mitglied des ZK und des Politibüros der MSZMP
    Mátyás Szűrös – Sekretär des ZK der MSZP
    und das war jetzt natürlich nur ein Auszug.

    Ich weiß schon, Frau Heller die sich vom Marxismus losgesagt hatte, die an der demokratischen Opposition teilnahm und deswegen ins Ausland gehen mußte, ist in den Augen voreingenommener Leute eine gefährliche Kommunistin, während die hier genannten natürlich mit dem Kádársystem gar nichts zu tun hatten. (Ironie!)
    Und der Hinweis auf meine angebliche Unfairness kann auch diese Tatsachen aus der Welt schaffen.

      • HV, ist die Liste, mal ganz unabhängig davon, dass Herr Pfeifer sie hier gepostet hat, ganz grundsätzlich aufschlussreich und interessant.

        Interessanter jedenfalls, als diese mit einem Kommentar wie dem ihren kurzerhand vom Tisch wischen zu wollen.

        Aber es läuft halt wirklich nicht gut.

    • Bitte mit fundierten wissenschaftlichen Quellen belegen. Dass z. Bsp. Mihály Varga MSZMP-Sekretär (!!) gewesen sei, obwohl er in 1989 erst 24 Jahre alt war, kann ich nämlich nur schwer glauben…

  5. HV interessanter ist die Frage, wo waren diejenigen hier erwähnten Personen, die altersmässig schon in der Lage gewesen wären etwas zu tun, als Agnes Heller und andere ungarische Intellektuelle gegen die sowjetische Besatzung der Tschechoslowakei 1968 protestierten?

    • Mich würde mehr interessieren in welcher Form Fr Heller gegen die stalinistischen Morde und Folterungen an ungarischen Demokraten nach 1956 protestiert hat.

  6. Kollege Kálnoky,
    und haben die von mir angegebenen Fidesz oder fidesznahe Politiker protestiert?
    Ich lernte 1979 den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten András Hegedüs kennen. Nun er hat auch einen weiten Weg gemacht von der Zeit als er 1956 die Sowjets zur Intervention aufforderte. Hätte man deswegen nicht seine Wandlung respektieren sollen?
    Sie verlangen etwas von Frau Heller was die Creme de la Creme der népi Intelligenz nicht nach der Niederschlagung der Revolution vollbrachte. Haben Ilyés und Németh dagegen protestiert? Nein, das haben sie nicht.
    Werfen Sie eigentlich auch Sándor Csóori vor, dass er während der frühen fünfziger Jahren in Gedichten Stalin lobgepriesen hat?
    Und wie steht es mit István Csurka, der nach 1956 Spitzeldienst für die politische Polizei geleistet hat?
    Heller, hat sich losgesagt vom Marxismus und hat 1968 mit anderen ungarischen Intellektuellen gegen die Besetzung der CSSR protestiert, sie hat sich an der demokratischen Opposition beteiligt. Ihr und anderen Philosophen warfen die Kommunisten nicht vor, schlechte Philosophen zu sein, sondern beschuldigten ihren Ehemann krimineller Vergehen, die III/III verfolgte sie auf Schritt und Tritt, sie wurden aus ihren Stellungen geworfen und hatten keine andere Wahl als die Emigration. Man muß nicht mit der Philosophie und/oder der politischen Haltung von Frau Heller einverstanden sein, aber sie verdient Respekt.

    • @ Pfeifer:

      Nach dieser Logik, Herr Pfeifer, muss man zwar mit Viktor Orbán, seiner Amtsführung und politischen Einstellung nicht einverstanden sein (das hat übrigens auch niemand verlangt). Aber er würde nach Ihrer eigenen Logik ebenfalls Respekt verdienen, weil er sich während des Kommunismus exponierte und als junger Student den Abzug der Sowjets forderte. Und (an anderer Stelle) von der Volkspolizei zusammengeschlagen wurde. Wenn man die Art und Weise der Berichterstattung und Kommentare ansieht, fällt Ihnen und anderen dieser Respekt aber sichtlich schwer, oder irre ich mich?

      Was uns weiter zu der Frage führt: Wie weit geht Respekt, und vor allem: Wie hat er sich zu äußern? Schweigen zur Amtsführung Orbáns? Nein. Schweigen zu den Aussagen Hellers über 2006 im März 2011? Nein. Abstandnahme von der inflationären Verwendung des Begriffes Faschismus und Diktatur für die Regierung und das heutige Ungarn? Ja. Genauso wie man es unterlassen sollte, Ágnes Heller antisemitisch zu attackieren.

      Im Jahr des Prager Frühlings war Viktor Orbán fünf, István Stumpf 11, Zsigmond Járai 16, Mihály Varga drei, György Matolcsy 12 und Tamás Deutsch knapp zwei Jahre alt (wie auch der nicht gelistete Tibor Navracsics). Ich nehme an, sie haben nicht protestiert, sondern die Schulbank gedrückt, waren im Kindergarten oder haben Sprechen gelernt. Für den Rest der Herrschaften kann ich nicht sprechen. Ich muss wohl damit rechnen, dass sie, wie viele andere auch (z.B. der ehemalige SZDSZ-Abgeordnete und heutige Professor an der Uni Frankfurt, Tamás Bauer), geschwiegen haben, obwohl ich es natürlich nicht aus eigener Wahrnehmung bekunden kann und den Herrschaften nichts unterstellen möchte. Da ich aber die MSZMP-Vergangenheit dieser Personen noch nie lobend erwähnt habe, muss ich auch jetzt keine Partei für sie ergreifen, ganz egal in welcher Partei sie nach der Wende gelandet sind. Pozsgay allerdings hätte sein Schweigen im Jahr 1968 noch vor 1989 mehr als wettgemacht, denke ich: Er war immerhin eine der maßgeblichen Figuren der Wende (lange vor Gyula Horn), erwähnenswert ist z.B. das Paneuropäische Picknick; auch er verdient also nach Ihrer Logik Respekt. Trotz der Tatsache, dass er es gewagt hat, die Seiten zu wechseln und auf Orbáns Seite zu stehen.

      http://www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Start/Detail/id/617204/page/0

      Über was die Liste „Aufschluss“ geben soll (wie Peter K. meint), weiß ich nicht. Der Umstand, dass viele Fideszpolitiker in der Partei waren, ist kein Geheimnis. Die heutigen Minister Martonyi und Pintér sind wohl die bekanntesten Beispiele, allerdings halten sich diese beiden in der MSZMP-Debatte auch sehr zurück, sie wissen wohl, dass sie insoweit nicht die besten Aushängeschilder wären. Krisztián Ungváry erklärt den Eiertanz um die Stasiakten seit Jahren mit den Verwicklungen der heute noch vorherrschenden Kreise.

      Aufschlussreich ist meines Erachtens bestenfalls der Umstand, dass sich plötzlich gerade die von Kadern durchsetzte Linke (enschließlich der Redaktionen von Népszava und des ehemaligen KP-Orgáns Népszabadság, die während der spontanen Privatisierung bestens von ihren Kader-Kontakte profitieren konnten) dazu ermuntert fühlt, Fidesz-Leuten ihre MSZMP- oder KISZ-Mitgliedschaft vorzuhalten. Da lachen wirklich die Hühner, oder um es biblisch auszudrücken: Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Vergleichen wir doch mal die Stammwählerschaft von Fidesz und MSZP, und Ihnen wird die Antwort, wo die größere Zahl an Kadern zu Hause sind, relativ leicht fallen.

      Der Antwort von Boris Kálnoky von 18:06 Uhr schließe ich mich an.

  7. Lieber Herr Pfeifer,

    Der Unterschied zu den von Ihnen angegebenen Fidesz-Politikern ist, dass sie Ungarn nicht als diktatorisch gefährdet schildern.

    Ungarn ist Zilahy zufolge, und ich stimme ihm zu, nicht in Gefahr, diktatorisch zu werden, letztendlich weil die Ungarn außerordentlich unbrauchbares Menschenmaterial für Diktatoren abgeben. Das ist ein Argument, dass ich von Ihnen, Herr Pfeifer, nie gesehen habe, auch nicht von Fr Heller. Es gibt bei Fr Heller, aber auch zB bei Fr Marszovszky, einen Argumentationsstrang, der in seiner extremen Version am Ende zu Kertész Ákos führt: der Ungar als Diktatorenfutter.

    Abgesehen davon war mein eigentlicher Punkt die Frage nach der Mitte der Gesellschaft, und ob Fidesz sie wirklich im Stich gelassen hat, und ob die Facebook-Bewegung sie wirkilich verkörpert. Vielleicht können wir dazu zurückkehren.

  8. Kollege Kálnoky ein wenig bin ich schon erstaunt über Sie. Wenn Frau Heller von Bonapartismus spricht in Ungarn, dann kann man damit einverstanden sein oder auch nicht, aber ihr etwas vorzuwerfen, was man keinem anderen Ungarn vorwirft ist meiner Meinung nach diskriminierend.
    Die Tatsachen, die ich über die Haltung von Frau Heller bekanntgab akzeptieren Sie, da würde ich doch von Ihnen ein Wort des Bedauerns erwarten.
    Es wirft ja auch ein seltsames Licht auf diese Regierung, dass Sie eine Kampagne gegen eine Gruppe liberaler Philosophen (zu der auch Frau Heller gehört) Anfang dieses Jahres gestartet hat, bevor es eine strafrechtliche Untersuchung gab. Ich habe seither nichts gehört, von einer Anklage und wäre interessiert zu erfahren, wie all die Ehrenbeleidigungsprozesse geendet haben, die von diesen Philosophen angestrengt wurden. Die Diffamierung von Menschen weil sie anders denken, ist kein Zeichen von demokratischer Gesinnung.
    Und ihre Pauschalentlastung „letztendlich weil die Ungarn außerordentlich unbrauchbares Menschenmaterial für Diktatoren abgeben“ passt zwar gut zu der jetzt in Mode gekommenen Geschichtsfälschung von gewissen Fideszpolitikern, wonach zwischen dem 19.3.1944 und Mai 1990 Ungarn keine Verantwortung trägt für das was geschehen ist.
    Ich mag jetzt nicht detailliert darauf hinweisen, wie auf den vorauseilenden Gehorsam bei der Abwicklung der Deportation von mehr als einer halben Million ungarischer Staatsbürger. Und auch nicht auf das Verhalten der ungarischen Gesellschaft unter dem Kádárregime. Mir ist noch lebhaft ein ungarischer Intellektueller – damals Mitglied der MSZMP in Erinnerung, der mir über die demokratische Opposition während der zweiten Hälfte der 80er Jahre sagte, „szél ellen nem lehet pisálni“ und nach der Wende als das ärgste Problem Ungarn die „Konzentration jüdischer Intellektueller in Budapest“ beklagte. Und das war nur ein Beispiel, Opposition war während des Kádárregimes nicht kennzeichnend für die Mehrheit der Ungarn.

    HV ich schrieb ausdrücklich davon, dass man eine Stellungnahme gegen die Besatzung der CSSR nur von denen verlangen kann, die altersmäßig dazu in der Lage waren. Anstatt dies einfach zur Kenntnis zu nehmen, beginnen sie aufzuzählen wie alt Orbán und andere waren. Warum wenden Sie eine solche Diskussionsmethode an?
    Verdient Viktor Orbán einen besonderen Respekt wegen seiner Rede am Heldenplatz im Juni 1989? Wie ich schon schrieb waren da einige MDF Politiker nicht glücklich damit, Orbán war ja auch ein scharfer Gegner der MDF, seine damaligen liberalen Freunde waren aber hell begeistert. Seither ist er draufgekommen, dass es sich um „fremdherzige“ handelt.
    Verdienen Viktor Orbán und seine Familie Respekt weil sie laut dem neuesten Buch von Debreczeni sich unverschämt bereichert haben sollen, seit Orbán in die Politik ging?
    Wenn man Eva S. Balogh glauben kann, dann nicht.
    http://esbalogh.typepad.com/hungarianspectrum/2011/12/the-orb%C3%A1n-family-and-corruption.html
    Ich wage da kein eigenes Urteil, denn es besteht die Möglichkeit, dass Herr Orbán und seine Familie den Nachweis führen, dass Herr Debreczeni, der ja in Ungarn lebt, alle seine Behauptungen aus den Fingern gesogen hat. Sollten aber die Behauptungen über diese Bereicherung zutreffen, dann verdient er dafür keinen Respekt.

    • Sie haben die Frage gestellt, wo die benannten Personen waren. Nun sollen die Leser dieses Blogs doch wohl erfahren, wen Sie gemeint haben, wenn Sie das schon nicht selbst tun. Da habe ich mir erlaubt, diejenigen, die damals Kinder waren, zu nennen und rauszunehmen. Zu den übrigen Herrschaften habe ich mich geäußert und mein Unwissen ob deren Rolle im Jahr 1968 bekundet. Lesen Sie meine Zeilen am besten noch einmal, ich habe Ihre Frage beantwortet. Was Sie an diesem Diskussionsstil auszusetzen haben, bleibt Ihr Geheimnis. Was mir bleibt, ist der Hinweis, dass man Orbán nicht mögen muss und ihn kritisieren soll, er nach Ihrer eigenen Logik – denkt man sie einmal gleichmäßig für alle Seiten zu Ende – aber ebenso Respekt verdient hätte wie Ágnes Heller und andere ehemalige Dissidenten.

      Debreczeni hat für mich keinen Vertrauensvorschuss. Wer sich hinstellt und behauptet, István Stumpf, der zum Verfassungsrichter berufen wurde, verfüge über keinen juristischen Abschluss, der ist – ob es Ihnen gefällt oder nicht – ein dreister Lügner. Und er ist Vizepräsident der neuen Gyurcsány-Partei „Demokratische Koalition“ . Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    • Lieber Herr Pfeifer,

      endlich mal eine Aussage zum Thema des Artikels – Sie werfen Zilahy also Geschichtsfälschung vor. Erklären Sie das doch näher.

    • *Und auch nicht auf das Verhalten der ungarischen Gesellschaft unter dem Kádárregime.*

      Wie hätte sich denn die Gesellschaft unter Kadar verhalten sollen??

      Sie schreiben hier zwar über sich,noch dazu als österreichischer Staatsbürger, da kann sich jeder lebhaft vorstellen, was ablief, wenn man ung.Staatsbürger war und evtl. gegen den Strom hätte schwimmen wollen.
      http://www.osaarchivum.org/index.php?option=com_content&view=article&id=2110&Itemid=2262&lang=hu

      Die wenigsten hatten wohl die Möglichkeit sich ins Ausland abzusetzen.

  9. HV ich dachte Sie verstehen, was ich an Ihrem Diskussionstil auseinanderzusetzen habe. Es ist nicht meine Gewohnheit mit dem Holzhammer zu hantieren, ich bevorzuge das Florett.

    Ich schrieb: „HV interessanter ist die Frage, wo waren diejenigen hier erwähnten Personen, die altersmässig schon in der Lage gewesen wären etwas zu tun, als Agnes Heller und andere ungarische Intellektuelle gegen die sowjetische Besatzung der Tschechoslowakei 1968 protestierten?“
    Und Sie kommen trotzdem gleich zwei Mal mit dem Alter von Orbán und anderen!
    Entweder lesen Sie nicht was ich schrieb und reagieren aus dem Bauch oder aber lesen Sie es und wenden die alte kómmunistische Diskussionsmethode an, etwas in den Mund eines Diskussionspartners zu legen, was dieser nicht gesagt hat, um das dann zu widerlegen.

    Die politische Stellungnahme von Debreczeni gefällt Ihnen nicht. Wollen Sie uns verstehen geben, dass allen die nicht ihre politische Meinung teilen, kein Glauben geschenkt werden kann?
    Ich versuchte das ungarische Originalzitat zu finden, wo Debreczeni diese Behauptung über Stumpf aufgestellt haben soll, dass dieser kein Jurist sei, fand dies nicht. Vielleicht können Sie uns die Quelle dafür mitteilen.

    Ob Sie glaubenswürdig finden, was Debreczeni über Orbán und seine Familie behauptet, ist für die Leser Ihres blogs sicher interessant. Aber in Ungarn dürfte doch entscheidend sein, ob die von ihm angegebenen Fakten stimmen oder nicht. Wenn sie nicht stimmen, dann müßte eigentlich der Regierungschef und seine Familie Debreczeni wegen übler Nachrede klagen.
    Debreczeni dürfte sich auch mit Juristen beraten haben bevor er sein Buch in Ungarn publizierte. Ich bin schon gespannt, ob Debreczeni geklagt wird. Wenn das Buch nicht auf Fakten gründet, haben ja die Verleumdeten das gute Recht, die nicht korrekten Stellen deletiert , bzw das Buch beschlagnahmt zu sehen. Ich nehme an, dass dies auch in Ungarn im Gesetz festgeschrieben ist.
    Ich erwarte auch den baldigen Prozeß gegen Heller und den anderen bescdhudligten Philosophen. Wenn kein solcher Prozeß stattfindet, dann war das eine aus niedrigen Gründen gestartete Kampagne.
    Und bis diese Prozesse stattfinden und mit gültigen Urteilen abgeschlossen sind, gilt entgegen der Kampagne gegen Heller und andere, aber auch im Fall Orbán und Familie, die Unschuldsvermutung.

    • 1. Was zum Thema 1968 von meiner Seite zu sagen ist, wurde gesagt.

      2 „Wollen Sie uns verstehen geben, dass allen die nicht ihre politische Meinung teilen, kein Glauben geschenkt werden kann?“
      Das habe ich, wie Sie zweifellos wissen, nicht gesagt. Ich sagte, dass jemand, der durch die Lande zieht und Lügen verbreitet, meines Erachtens keinen Vertrauensvorschuss verdient hat. Mehr habe ich nicht gesagt. Die Quelle gebe ich Ihnen, Debreczeni im Gespräch mit Kristina Koenen: http://derstandard.at/1303291291407/Jozsef-Debreczeni-Es-geht-zu-wie-bei-der-Mafia

      Standard: Das heißt doch, das Verfassungsgericht tut seine Arbeit.

      Debreczeni: Leider nein. Denn seine Befugnisse sind eingeschränkt worden, nachdem es Einspruch gegen dieses letztgenannte Gesetz erhoben hatte. Und inzwischen darf sogar eine Person wie István Stumpf Verfassungsrichter werden, der nicht einmal eine juristische Ausbildung hat, aber zu den engsten Vertrauten des Ministerpräsidenten zählt.

      Bin schon gespannt, wie Sie das in Frage stellen werden. „Übersetzungsfehler“ werden Sie uns hoffentlich als Erklärung ersparen.

  10. HV ich nehme zur Kenntnis, dass Sie jetzt einsehen, weshalb ich ihre Diskussionsmethode kritisiert habe. Also die Diskussion wer 1968 protestiert hat geht so zu Ende, dass Frau Heller protestiert hat, während es die Mehrheit der ungarischen Intelligenz nicht tat. Umsomehr Ehre gebührt denen, die protestierten.

    Zunächst einmal danke HV dass Sie die Quelle zur falschen Behauptung von Debreczeni angegeben haben. Ich habe einfach nicht die Zeit lange zu googlen und sie erinnerten sich.
    Ich habe lediglich gefragt und keine Behauptung aufgestellt. Und es ist korrekt was Sie geschrieben haben.

    Doch bleibt ein Problem. Stumpf hat – wenn ich richtig informiert bin – nie bei einem Gericht gearbeitet. Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich etwas übersehen habe. In Österreich wäre es unmöglich einen Richter in ein hohes Gericht zu nominieren, der nie zuvor bei einem Gericht gearbeitet hat. Dieser Irrtum von Debreczeni macht seine Kritik an den Gesetzen die die Justiz betreffen nicht unglaubwürdig. Zum Beispiel wenn ein Anwalt 48 Stunden nicht seinen Klienten betreuen darf (ich schreibe jetzt ohne nachzuschauen, aber ich glaube mich zu erinnern, dass Sie dieses Gesetz kritisiert haben), dann ist Kritik berechtigt.

    Und nun zu Herrn Kálnoky, Sie haben das richtig erraten, ich hege meine Zweifel an der Aufmüpfigkeit der Ungarn. Es hat tatsächlich ungarische Revolutionen (Rákoczi, Kossuth, Imre Nagy, um die Personen zu nennen), gegeben.
    Und es gibt viele Legenden darüber. Ich absolvierte vier Gymnasialklassen in Ungarn von 1938 bis 1942 und ich kann mich noch an manche Legende erinnern. So auch von der schrecklichen Unterdrückung durch die Habsburger. Schon unter Kádár haben einige Historiker diesen Legenden widersprochen. Schon unter Kádár haben ungarische Historiker nicht mehr vom „Horthy-Faschismus“ gesprochen. Die neuesten Legendenbildungen, zum Beispiel des Herrn Staatssekretär András Levente Gál, der wahrheitswidring in einem Selbstiterview behauptet hat, die deutsche Besatzungsmacht hätte nach dem 19. März 1944 die Regierung eingesetzt , ist solch eine Legende. Tatsächlich wurde Horthy vorgeschlagen, Imrédy als Regierungschef einzusetzen. Doch Horthy weigerte sich und ernannte den Botschafter in Berlin Döme Sztojay am 23. März 1944 zum Regierungschef. Da kann ich mich auf die Artikel und Vorträge von Christian Ungvary berufen.

    Die Begeisterung des Herr Zilahy für die Demonstrationen kann ich verstehen, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die Opposition ist K.O. geschlagen und ich sehe keine baldige Rückkehr in den politischen Ring.
    Dazu kommt natürlich, dass die meisten Ungarn sich aus einer Fidesznahen Gratiszeitung bzw aus den königlichen Medien informieren. Ich neige eher zu einer nüchternen Sicht und Teile nicht den Enthusiasmus von Herrn Zilahy.

  11. Pfeiferle hegt Zweifel an der „Aufmüpfigkeit der Ungarn“, weil er von 1938 bis 1942 auf ein ungarisches Gymnasium ging und sich noch an die Unterdrückung erinnern kann!

    És akkor mi van?

    Dass er sich für Ungarn Aufmüpfige, vielleicht sogar paramilitärisch organisierte Gangs (פלוגות מחץ) wünscht, weil er als Neunzehnjähriger Mitglied in einer Untergrundorganisation (פלמ״ח) war, lässt sich ja nachvollziehen.

    Aber mal ehrlich, hieß es in Österreich vorzeiten nicht, dass die Klapperstörche die Babys bringen und sich auch um die Alten und Verwirrten kümmern. Ich meine, Pfeiferle sollte dringenst nach ’nem Weißstorch Ausschau halten, sich in Sachen Ungarn zurückhalten und keine schwarzen Listen mehr publizieren.

    (Bár!) Andererseits!

    Soll er sich doch den Schwiegersohn des im Donaugate untergegangenen Innenministers holen, aber – bitttte schehn – dann soll er auch die anderen, die sich, voller Einsicht in die Notwendigkeit, von Marxismus und Maoismus losgesagt haben, also auch Frau Heller und Herrn Dalos und den Rest von der „demokratischen Opposition“ auf den Index setzen. Balde nur, noch ehe „öfelsége fizetett ellenzéke“ an der Bravheit der Ungarn für immer scheitert.

  12. Peter Herche, nur die allerdümmsten und gemeinsten Menschen erlauben sich den Namen eines Menschen zu verhunzen. Derjenige, der keine Argumente hat, der kann nur eines tun, verleumden, verdrehen und versuchen jemand lächerlich zu machen, der nicht seiner Meinung ist. Das versuchen Sie hier und damit qualifizieren Sie sich selbst, denn anständige Menschen tun so etwas nicht.

    Nirgendwo habe ich die Hoffnung ausgedrückt, dass in Ungarn irgendwelche bewaffnete Untergrundorganisationen entstehen, wie mir Peter Herche unterstellt.
    Ich nahm Bezug auf die Geschichtslegenden, die man uns im ungarischen Gymnasium lehrte und setzte die in Beziehung zu den heute von Regierungskreisen verbreiteten Geschichtslegenden und gab auch ein Beispiel dafür.

    Und noch etwas Peter Herche, können Sie den Lesern mitteilen, was Sie tun wollen, wenn ich weiterhin über Ungarn Texte publiziere, die Ihnen nicht gefallen? Werden Sie dann weiter versuchen mich herabzusetzen? Wollen Sie dann weiter pöbeln?

  13. Im Hinblick darauf, dass die Diskussion in eine wenig wünschenswerte Richtung abgleitet, schließe ich diesen Thread. Persönliche Angriffe führen uns nicht weiter. In diesem Punkt muss ich Herrn Pfeifer und Herrn Boulanger zustimmen, ganz egal wie viele erhobene Daumen sich Herr Herche selbst zugestehen möge.

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