Új Színház: Oberbürgermeister spricht sich gegen Csurka als Intendanten aus

Wie das Internetportal Index.hu heute berichtet, hat der Budapester Oberbürgermeister István Tarlós (Fidesz) den designierten Direktor des Új Szinház (Neues Theater), György Dörner, aufgefordert, den als Intendant vorgesehenen Miép-Vorsitzenden István Csurka nicht zu beschäftigen.

Tarlós sagte, er habe „mit Bedauern feststellen müssen, dass sich Csurka entgegen der mehrmaligen Aufforderung“ in seiner Parteizeitung „Magyar Fórum“ auf eine Art und Weise geäußert habe, die mit der europäischen Redekultur nicht in Einlang zu bringen sei. Csurka schlägt in seinem Parteiorgan regelmäßig antisemitische Töne an, weshalb seine Ernennung zum Intendanten europaweit zu einem Sturm der Empörung geführt hatte.

Dörner solle davon absehen, Csurka im Theater zu beschäftigen – zugleich betonte Tarlós, er habe keine Einwände, dass die Dramen Csurkas auf den Spielplan gesetzt würden.

http://index.hu/kultur/2011/12/14/tarlos_csurka_nem_dolgozhat_az_uj_szinhazban/

http://www.nepszava.hu/articles/article.php?id=501062

http://hetivalasz.hu/kultura/negy-elojel-a-hatorszag-bukasaig-44038/

http://www.hirado.hu/Hirek/2011/12/14/15/Nem_dolgozhat_az_Uj_Szinhazban_Csurka_Istvan.aspx

12 Kommentare zu “Új Színház: Oberbürgermeister spricht sich gegen Csurka als Intendanten aus

  1. Das Problem für Tarlos, der aus dem Fidesz kommt, ist nicht der krude Antisemitismus eines Csurka, denn diesen betreibt dieser ehemalige III/III Spitzel schon seit zwei Jahrzehnten, sondern die Tatsache, dass er seine Ressentiments nicht verpackt, sondern explizit postuliert.
    Ob Dörner die Bitte von Tarlos erfüllen wird?
    Positiv ist, dass viele Ungarn gegen dieses „pfeilkreuzlerische“ Theater protestiert haben, dass einige Autoren Dörner nicht gestatten ihre Stücke aufzuführen und auch die Erben einiger bedeutender ungarischen Dramatiker (z.B. Sütö) erlauben Dörner nicht deren Stücke aufzuführen.
    Der deutsche Dirigent Christoph von Dohnányi hat seinen geplanten Gastauftritt an der Ungarischen Staatsoper abgesagt. Dohnányi habe der Oper mitgeteilt, dass er nicht in einer Stadt auftreten wolle, »deren Oberbürgermeister die Führung eines Theaters zwei bekannten rechtsradikalen Antisemiten anvertraut hat«, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI.

    Die Berliner Akademie der Künste protestierte gegen die Entscheidung, Csurka und Dörner in die Leitung des Budapester Theaters zu berufen. Bürgermeister Tarlós bezeichnete den schriftlichen Protest der Akademie der Künste als »zudringlich«. »Ich verstehe nicht, auf welcher Grundlage und Kompetenz Sie sich in die Angelegenheiten des Budapester Neuen Theaters einmischen, ohne die gesamten Umstände zu kennen«, antwortete er und lehnte jegliche Diskussion über seine Entscheidung ab. Nicht nur der pampige Stil fällt auf, sondern auch das primitive Argument, dass Ausländer nicht »die gesamten Umstände« erkennen könnten.

  2. um genauer zu sein, Herr Pfeifer, Tarlos kommt aus dem SZDSZ. Das sagt aber wenig über die ungarischen Liberalen. Auch Fidesz unterstützt Tarlos nicht weil er “pfeilkreuzlerische“ Theater gründet. Auch nicht weil er liberalen Kadern Positionen gibt. Es gibt andere, vielleicht sogar wichtigere Aspekten seiner Tätigkeit.
    Ich finde ziemlich irritierend wie weit die kommunistische Sünden in Deutschland verschönert werden. Ich finde überhaupt nicht ok, dass junge Leute roten Stern oder Che T-shirts tragen. Ich habe aber die “Umstände” verstanden, ich weiß das hier um ein Gegenkultur geht. Mehr noch, ich finde den Wunsch mehr gesellschaftliche Solidarität und mehr geregelte Kapitalismus sogar sympathisch. Mir fällt es gar nicht schwer Symbolen in Kontext zu stellen, und verstehen dass selbe Wörter in anderen Land anderes bedeuten können.
    Ich würde peinlich finden wenn die Budapester Akademie der Künste gegen Berufung iwelches Intendanten z.B. in Volksbühne protestieren würde. Noch peinlicher würde ich finden wenn deutsche Künstler aus Ungarn zweitbisdrittranging bewertet wären. Will sich etwa die Berliner Akademie der Künste als eine Art Leitkultur definieren? Künstlern sind doch kreativ: die Performance ungarischen Künstler vor dem Neues Theater fand ich sehr passend. Natürlich es ist aufwändiger als eine politische Proklamation zu unterschreiben.

  3. Balázs beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgend ein Bürgermeister in Deutschland einen bekennenden Rechtsextremisten aufgrund einer lächerlichen Bewerbung als Theaterdirektor anstellen würde.
    In Budapest ist das aber geschehen.
    Tarlos bekennt sich auf seiner homepage als gewesener „FIDESZ fővárosi frakcióvezetője, parlamenti képviselő“ D.h. Tarlós war der Fraktionschef von Fidesz in der Hauptstadt und Mitlied des Parlaments für Fidesz: http://tarlosistvan.hu/
    Wenn also ein rabiater Antisemit wie István Csurka und sein Mitläufer György Dörner ein Theater leiten sollten, dann ist das ein Armutszeugnis für Ungarn. Die meisten Dramatiker, die Dörner spielen will geben nicht ihre Zustimmung dazu und das betrifft auch die Erben von Dramatikern.
    Und es ist kein Zufall, dass in Ungarn binnen kurzer Zeit mehr als 10.000 Leute gegen die Übergabe dieses Theaters an Dörner und Csurka gesammelt wurden.

    Was aber die Verbrechen von DDR Politikern angeht, wurden einige vor Gericht gebracht und bestraft. Das ist in Ungarn leider nicht geschehen.

  4. Er machte sich zu meinem persönlichen Gegner, obwohl wir uns persönlich niemals kannten. Er war ein guter Schriftsteller und bewahrte bei allen seinen für mich unannehmbaren Ideen eine würdevolle Haltung. Sein Tod ist eindeutiger Verlust für die ungarische Literatur.

  5. Er ist tot. Seit Karl Pfeifer uns verlassen hat, gähnt ein tiefes Loch auf Hungarian Voice. Die Führerschaft des Wortführers haben Dálnoky übernommen. Sie rufen ihm nach: „Er war ein guter Schriftsteller und bewahrte bei allen seinen (…) unannehmbaren Ideen eine würdevolle Haltung.“ „Friede seiner Seele.“ „Sein Tod ist eindeutiger Verlust für die ungarische Literatur.“

    Ich wünschte mir heute klare Worte auf Hungarian Voice. Worte, wie sie Karl Pfeifer noch vor wenigen Tagen in der Jüdischen fand. Er war ein „Hassprediger“.
    [ http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=33&Param_RB=45&Param_Red=14605 ]

    Der antisemitische Hassprediger ist tot. Das ist kein Verlust für die Literatur, für Ungarn schon gar nicht.
    In der Hölle gibt es neun Schichten. Wieviele Grade hinab eine sündige Seele gesandt werden sollte, bestimmt Minos. Soll er über ihn zu Gericht sitzen.

    • Einer jeden gemarterten (odr marterenden) Seele sollte man Frieden wünschen.

      Ich bin ihm persönlich begegnet. Ich fand ihn pedantisch und unsouverän.

      In diversen Kriegen habe ich immer wieder erlebt: Wer Feigheit offenbart, wird danach mitunter radikal, sozusagen um zu kompensieren.

      In diesem Sinne. Er war offenbar nicht stark genug, der Stasi zu widerstehen.

  6. Lieber Herr Herche, offensichtlich meinen Sie mit Dálnoky (im Plural) mich, denn sie zitieren danach meine Worte. Wenn Karl Pfeifer wirklich ausgestiegen ist, das finde ich schade. Er war aber kein „Wortführer“ im HV, sondern einer, der (wie immer) die eigene Meinung vertrat und vertritt) und so habe auch ich keine „Führerschaft“ übernommen. Ich habe selbstverständlich eine ganz konkrete Meinung über István Csurka, die ich in der ungarischen Presse und gelegentlich auch in deutschen Zeitungen öffentlich verkündete und sparte nicht mit den scharfen Worten. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass er einmal ein guter Schriftsteller war, einige seiner Werke aus den siebziger Jahren waren auch politisch wichtig. (Miklós Tamás Gáspár, ebenfalls kein Csurka-Anhänger) schrieb über ihn einen klaren und humanen Nachruf.) Vielleicht bin ich naiv, aber ich finde den Tod von jemandem nicht als geeigneten Anlass zu polemisieren. Wenn jedoch Sie, Herr Hercher, den antisemitischen (oder jeden rassistischen) Hasspredigt konsequent verurteilen, damit gewinnen Sie meine ungeteilte Sympathie.

  7. Lieber HV, ich bin beruhigt, dass sich Karl Pfeifer, wie Sie schreiben „im Westen“ aufhält. Ich finde nämlich seine Rolle in diesem Blog sehr wichtig.
    Herzliche Grüsse aus dem „Osten“, das heisst Prenzlauer Berg.

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