Klubrádió verliert Budapester Sendefrequenz

Der für die Vergabe von Sendefrequenzen zuständige Medienrat (ein Gremium innerhalb der ungarischen Medienbehörde) hat dem oppositionsnahen Klubrádió die Budapester Sendefrequenz (95,3 MHz) entzogen. Im Rahmen der Neuvergabe wurden die Budapester Wellenlängen der Sender Klubrádió und Radio1 neu vergeben, letztere ging an Juventus. Die bisherigen Frequenzen von Klubradio und Juventus wurden zwei neuen Sendern, Autórádió und Prodo Voice, zugeteilt. Bei der Entscheidung spielte offenbar auch eine Rolle, dass der Sender Autórádió ein höheres Frequenzentgelt geboten hatte.

Kritiker der Neuvergabe sprechen seit mehreren Monaten von einem politischen Anschlag auf einen „unabhängigen“ Radiosender. Der Chefredakteur von Klubrádió, Ferenc Vicsek, bezeichnete die Entscheidung als Beleidigung einer halben Million Zuhörer.

Derzeit bestehen noch realistische Chancen für Klubrádio, wie der Mitbewerber Juventus, auf eine andere Frequenz umzuziehen: Im Januar wird über die Klage von Klubradio gegen eine Entscheidung der Medienbehörde (NMHH) von Dezember 2010 befunden werden. Der Sender will die Behörde zwingen, über den Antrag auf Zuteilung der 92,9 MHz-Wellenlänge an Klubrádió neu zu entscheiden: Der Vorgänger der NMHH – die frühere ORTT – hatte Klubrádió diese Frequenz bereits zugeteilt, die NMHH hatte diese Entscheidung jedoch wieder revidiert. Sollte das Rechtsmittel des Senders im Bezug auf die Wellenlänge 92,9 MHz erfolglos bleiben, will Klubrádió als Internetradio weitermachen.

Das Programm von Klubrádió wird überwiegend von politischen Themen (Diskussionen, Anrufsendungen) bestimmt. Der Sendeplatz auf der bisherigen Frequenz ist bis Februar 2012 gesichert (vgl. Bericht der Népszabadság Online hier).

http://index.hu/kultur/media/2011/12/20/elvesztette_budapesti_frekvenciajat_a_klub_radio/

http://hvg.hu/itthon/20111220_klubradio_frekvencia

Hintergründe:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/10/01/klubradio-die-mar-vom-anschlag-auf-einen-unabhangigen-sender/

9 Kommentare zu “Klubrádió verliert Budapester Sendefrequenz

  1. Der Generaldirektor von Klubrádió, András Arató, äußert sich auf seinem Sender zu der Neuvergabe. Seiner Auffassung nach sei es mit dem „Verbot eines Radiosenders“ gleichzusetzen, wenn man eine Sendefrequenz, die sich sein Radio „verdient“ hätte, einem neuen Sender, ohne Namen und ohne Kapital, zur Verfügung stelle. Er sagte, so etwas hätte es nicht einmal im späten Kádár-System gegeben. Zudem behauptete Arató, es handle sich um „Betrug“, denn eine der Vorgaben sei ein tragfähiger Businessplan gewesen.

    http://www.klubradio.hu/cikk.php?id=16&cid=136677

    Ein weiteres Interview mit Arató bei ATV:
    http://atv.hu/belfold/20111220_arato_kopni_nyelni_nem_tudok_elbukott_a_klubradio

    Zusatzinfo: Klubrádió wird seit mehreren Jahren im Wesentlichen durch Fördergelder aus befreundeten politischen Kreisen sowie Spenden am Leben erhalten, vgl. obigen Link zum Blogbeitrag vom 01.10.2011.

  2. Pingback: Bundesverband Offene Kanäle – BOK newsletter 15/11 « Boknewsletter's Blog

  3. Ehrlich geagt, ich bin pessimistisch. Die Nachricht von der Zerstörung des Klubrádió ist eine sehr schlechte Nachricht, erstens konkret, in dem Sinne, wie es Peter K. zitiert („Man muss schwieriger Psychopat sein, um einen oppositionellen Sender nicht ertragen zu können“), zweitens als Botschaft für die ungarische und auslandische Kritiker unserer Regierung. Anstatt die Spannung zu mässigen, giessen die Herrschaften Öl aufs Feuer. Die Tatsache, dass das alles in Orbáns persönlicher Regie geschieht, verringert mitnichten die Verantwortung der anderen Politiker. Ab jetzt kann man wahrscheinlich jeden Schritt der Regierenden am Stand des Forints am nächsten Tag messen. Medienpolitik und Finanzpolitik zeigen in dieselbe Richtung. Wir verspielen das Vertrauen des Westens, nur weil der Führung des Landes jedes Fingerspitzgefühl abhanden gekommen ist. Es ist kein Trost, dass sie an dem eigenen Sturz arbeiten. Siehe Brecht: „Wenn das Haus eines Grossen zusammenbricht/ werden viele Kleine erschlagen.“

  4. Pingback: Klubrádió: Erste Einzelheiten der Ausschreibung bekannt « Hungarian Voice – Ungarn News Blog

  5. Oesterr. Nachahmer:
    „Salzburger Nachrichten“-Lokalteil S.2 v 6.10.2011: Salzburgs FPOe-Chef Karl Schnell lobt den ungarischen Regierungschef Viktor Orban, weil der sich schuetzend vor die kleinen Haeuslbauer stelle durch die Tilgung von Fremdwaehrungskrediten.

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