Klubrádió: Erste Einzelheiten der Ausschreibung bekannt

Die Entscheidung der ungarischen Medienbehörde (NMHH), die Sendefrequenz des der linken Opposition nahestehenden Radiosenders Klubrádió an einen bislang unbekannten Bewerber namens „Autórádió“ zu vergeben (HV berichtete), hat binnen weniger Stunden weitreichende politische Reaktionen aus dem In- und Ausland ausgelöst. Oppositionspolitiker sprachen von „Hinrichtung“, „Zensur“, „Betrug“ und einem Rückfall in totalitäre Zeiten.

Die Medienbehörde gab derweil am 21.12.2011 auf einer Pressekonferenz erste Einzelheiten des Vergabeverfahrens bekannt. Sprecherin Karola Kiricsi betonte, die von den Gewinnern gebotenen Lizenzentgelte hätten um 30-40 Prozent höher gelegen als der Mindestpreis. Dies habe eine entscheidende Bedeutung gehabt, es sei schließlich um kommerzielle Frequenzen gegangen. Da Klubrádió nach Presseberichten in der Vergangenheit – konkret: der sozialliberalen Ära bis 2010 – angeblich deutlich vergünstigte Lizenzentgelte bezahlt hatte, könnte dies ein Grund sein, warum der Sender nicht bereit war, mit den Konkurrenten mitzuziehen: Klubrádió hatte stets betont, die Frequenz stehe ihm und seinen 500.000 Zuhörern zu, man habe sich diese Freqenz „verdient“ .

Glaubt man den Aussagen der Medienbehörde, scheinen inhaltliche Vorgaben nicht der vorrangige Grund für das Scheitern von Klubrádió gewesen zu sein. Die Bedingung, mehr ungarische Musik zu spielen, wäre von allen Bewerbern erfüllt worden, hier habe man durchgängig die maximale Punktzahl vergeben. Auch bei den sog. „subjektiven Kriterien“ habe der Sendeplan von Klubrádió die maximale Punktzahl erreicht. Allerdings sei der Sender selbst nicht bereit gewesen, alle objektiven Vorgaben zu erfüllen – näheres zu dieser etwas kryptischen Formulierung war allerdings den am Abend erschienenen Artikeln (s.u.) nicht zu entnehmen.

Nach der Pressekonferenz forderten zwei MSZP-Abgeordnete, das Vergabeverfahren müsse sofort für ungültig erklärt und dem Sender die Frequenz belassen werden. Entsprechende Forderungen kamen noch am selben Tag aus der Fraktion der Sozialisten im EU-Parlament – die ungarische Delegation hat bereits angekündigt, in Brüssel Unterschriften gegen die Abschaltung von Klubrádió zu sammeln.

Auch Dunja Mijatovic, bei der OSZE zuständig für Pressefreiheit, meldete sich kritisch zu Wort.

Die kommenden Tage sollten Klarheit bringen, welche Gründe von der Medienbehörde für das Scheitern der Bewerbung angeführt werden. Der Sender selbst dürfte, wenn die Argumentation die Theorie des böswilligen Angriffs auf einen missliebigen Sender stützt, größtes Interesse haben, die Details an die Öffentlichkeit zu bringen.

http://www.hir24.hu/belfold/2011/12/21/maximalis-pontszammal-bukott-el-a-klubradio/7

http://hvg.hu/vilag/20111221_klubradio_europai_szocialistak

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13 Kommentare zu “Klubrádió: Erste Einzelheiten der Ausschreibung bekannt

  1. @ Frau Széchényi

    Es gibt kaum noch „freie“ Marktwirtschaft, und in Ungarn schon gar nicht.

    Vetternwirtschaft ist noch geschmeichelt

    • Die letzten Wahlen waren von einem äusserst heimtückischen Kulturkampf der Sozialisten gegen die katholische Kirche begleitet und in der Tat, niemand sprach damals von Verstössen gegen Toleranz, Schutz der Andersdenkenden (zB Christen) oder dergleichen. Der schützenswerte Andersdenkende ist in der Politik letztlich immer nur der Gleichdenkende. (Das ist jetzt nicht anders als es vorher auch schon war, nur andersrum).

  2. Aus meiner Sicht zwei spannende Fragen, leider komme ich zeitlich derzeit selber nicht zum recherchieren.

    1. Aber weiß jemand, wem „Autórádió“ gehört?

    2. Und, abstrakt, inwiefern lohnt es sich heutzutage rein wirtschaftlich, einen Radiosender zu betreiben – im Allgemeinen und im Speziellen, also in Ungarn. Irgendwie kann ich mir nur schwer vorstellen, dass das Medium eine echte Cashcow ist, zumindest im Vergleich zu anderen Werbekanälen.

  3. Die Népszava berichtet, dass der Bewerber „Autórádió“ trotz seines deutlich höheren Gebotes (75 Mio Forint gegenüber 55 Mio. Forint) im Bezug auf das Lizenzentgelt bei der Gesamtbewertung nur einen Punkt vor Klubrádió gelegen habe.

    Die Daten nach Bewertungskriterien:

    Gebot für das Lizenzentgelt (maximale Punktzahl: 15 Punkte):
    Klubrádió: 11 Punkte
    Autórádió: 15 Punkte

    Programmplan (maximale Punktzahl: 52 Punkte)
    Klubrádió: 49 Punkte
    Autórádió: 49 Punkte

    Erfahrung:
    Klubrádió: 3 Punkte (= maximale Punktzahl)
    Autórádió: 0 Punkte

    Ergänzende Mediendienstleistungen:

    Klubrádió: 2 Punkte
    Autórádió: 2 Punkte

    Gesamtpunktzahl:

    Klubrádió: 65 Punkte
    Auórádió: 66 Punkte

    Klubrádió hatte das geringste Entgelt aller verbliebenen fünf Bewerber geboten, von 15 möglichen Punkten waren also nur 11 erreichbar. Die Bewertungskriterien und die Gewichtung waren den Sender bekannt.

    Warten wir ab, ob Klubrádió handfeste Fakten auf den Tisch legt, die „Schiebung“ belegen. Arató sagte ja bereits, das Ergebnis sei gerichtlich angreifbar.

  4. Was übrigens bei der Ausschreibung der jetzt streitigen Klubrádió-Frequenz gerne im Hintergrund bleibt, ist folgender Punkt:

    Die Mehrheit im ORTT-Rat aus MSZP und SZDSZ entschied kurz nach dem Wahlsieg des Fidesz Ende April 2010 noch eilig, die jetzt im Streit stehende 92,9 MHz Frequenz dem Klubrádió zukommen zu lassen (Klubrádió hatte seinerzeit auf 95,3 MHz gesendet). Fidesz hatte gegen diese Entscheidung heftig protestiert, da nach Auffassung der Partei der Rat wegen der Abwesenheit eines Mitglieds nicht hätte abstimmen dürfen. Diese Einwände wurden von der Mehrheit übergangen.

    „Opfer“ dieser schnellen, ganz offensichtlich von dem Willen, dem Klubrádió einen Fortbestand zu sichern, getragenen Entscheidung, quasi als letzte Amtshandlung dem Sender die 92,9 MHz zu erteilen, war das „Katolikus Rádió“. Um jeden Verdacht zu vermeiden: Keine Strohfirma.

    Hat sich seinerzeit eigentlich irgend jemand in den westlichen Medien über dieses Hau-Ruck-Verfahren der Linksliberalen Klubrádió-Freunde beschwert?

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