Der Freitag über „Orbáns Gleichschaltung“

Ein weiterer Beitrag des heutigen Tages zum Thema Ungarn ist in der Zeitschrift „Der Freitag“ erschienen:

http://www.freitag.de/politik/1151-orbans-gleichschaltung-1

Der Autor, Peter Knobloch, schrieb vor einem halben Jahr bereits den Beitrag „Der Rattenfänger von Budapest“ für das Kulturmagazin Cicero:

https://hungarianvoice.wordpress.com/2011/06/13/cicero-autor-peter-knobloch-uber-orban-den-rattenfanger-von-budapest/

Luxemburger Tageblatt: „Ungarn gehört nicht in die EU“

Francis Wagner vom Luxemburger Tageblatt legt seiner Leserschaft zum Abschluss des Jahres einen Kommentar mit dem Titel „Ungarn gehört nicht in die EU“ vor:

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/meinung/story/21741429

Wagner sieht Ungarn als „Schande für Europa“, den Regierungschef auf dem Weg, das Land mit einer „Salamitaktik“  aus der Demokratie zu führen. Welch witzige Metapher, die der Autor seinen Lesern sogar erläutert…Ungarn und Salami, ein Brüller! 🙂

Selbst nach mehrmaliger Durchsicht erfährt der Leser aber nicht, warum Wagner all das denkt und noch dazu behauptet. Der Kommentar erweist sich als um eine bloße Behauptung kreisendes, inhaltsleeres Pamphlet, eine Aussage ohne jede Begründung. Warum Ungarn nicht in die EU gehört, erfährt der Leser nicht. Wagner lässt sich lieber über Salami (haha, wie lustig!) aus und darüber, die nach seiner Sicht demokratisch völlig unreifen Ungarn wollten zwar nicht mehr kommunistisch, aber jedenfalls noch autoritär regiert werden. Von den Ergebnissen der Wahlumfragen, die keineswegs günstig für Orbán, aber eben noch drastischer für die Opposition aussehen, ist ebensowenig die Rede wie davon, dass nicht selten Demonstration gegen die Regierung Orbán stattfinden.

Warum sollte man seine Leser auch mit Fakten ablenken, ist es doch viel einfacher, ihnen gleich die Meinung vorzugeben. Da können sogar die echten Kritikpunkte an der Regierung – z.B. die Entmachtung des Verfassungsgerichts in Steuerfragen, ein riskanter Kurs in der Wirtschaftspolitik usw. – in der Schublade verbleiben. Viel interessanter ist doch die Tatsache, dass Reichsverweser Admiral Horthy einst regierte und dieser Admiral keine Flotte mehr hatte – Ungarn war ja seit 1920 nur noch ein Binnenstaat. Was das mit dem heutigen Ungarn zu tun hat, erfährt der Leser abermals nicht.

Besonders gelungen dieser Satz hier:

Und Ordnung, und sei sie noch so geistlos und steril, ist ja nun der ultimative Daseinszweck für jeden aufrechten, autoritär strukturierten Brunzkopf.“

Wie gut, dass alle Leser des Luxemburger Tageblattes über Hintergrundinfos zu Ungarn verfügen und somit in der Lage sind, die Tirade des Herrn Wagner richtig einzuordnen. Wäre das nicht der Fall, müsste man diesen Beitrag ja als bloße hasserfüllte Propaganda ansehen, als Beitrag mit dem Ziel, den „Brunzköpfen“ auf der eigenen Seite eine bestimmte Sichtweise vorzugeben. Und Propaganda  hat das Luxemburger Tageblatt als Teil des aufgeklärten, kultivierten Europa bestimmt nicht nötig, oder?