Standard-Interview mit dem Ökonomen Péter Róna

Der Ökonom Péter Róna legt András Szigetvári vom Standard seine Sicht über die ungarische Finanzlage dar:

http://derstandard.at/1324501645964/Ein-Land-legt-sich-quer-Pleite-Ungarns-wuerde-Oesterreich-hart-treffen

Róna gilt als Pragmatiker ohne überbordende ideologische Einbindung. Er war zwar Berater der Gyurcsány-Regierung im Zusammenhang mit den im Jahr 2008 geführten IWF-Kreditverhandlungen, vertritt jedoch auch Positionen der heutigen Regierung, etwa die Stärkung des heimischen Mittelstands an Stelle multinationaler Konzern. Róna hatte zudem frühzeitig die Praxis der Fremdwährungskreditvergabe in Ungarn als falsch bezeichnet und sogar Schadensersatzasprüche wegen dieses „felerhaften Produktes“ in den Raum gestellt.

6 Kommentare zu “Standard-Interview mit dem Ökonomen Péter Róna

  1. Da schau her. Der Standard, der doch hier als ungarnfeindliche Zeitung bezeichnet wurde bringt einen Wirtschaftsfachmann, der auch Meinungen der jetzigen Regierung teilt.

    • …und in den ausgesprochen seltenen Fällen, in denen dies passiert, sicherlich nicht mit Ihrer Zustimmung rechnen kann.

      http://derstandard.at/1319183869713/Budapest-auf-Ramschstatus-Ungarn-Bashing-ist-in?seite=3#forumstart

      Zustimmung gibt es bestenfalls hin und wieder in wirtschaftspolitischen Fragen. Und warum? Weil man als echter Linker, der sonst so gerne gegen internationale Organisationen wettert und Rating-Agenturen für „böse“ halten müsste, eigentlich dem Orbánschen Kurs der (gewollten) Unabhängigkeit vom Tropf des „internationalen Finanzkapitalismus“ und der Hinwendung zur Realwirtschaft Beifall zollen müsste. Ein weiteres Dilemma, in dem sich die Kritiker aus dieser Ecke befinden: Sie können nicht zu laut sagen, dass Orbán – sehen wir mal von der Flat Tax ab – viel „linkere“ Politik in Wirtschaftsfragen macht als die Sozialisten es jemals zustande brachten. Linke Politik von Seiten der Sozialisten gab es in zwei Punkten: Ein kurz vor den Wahlen propagierter Antifaschismus und Wahlversprechen für die Rentner, die einzig verbliebene Basis der Partei – Kádár lässt grüßen.

      In einer sich normal drehenden Welt sind Sozis für die Verstaatlichung der Rentenversicherung, in Ungarn machen das die „Rechtspopulisten“. Und werden dafür von Linken und (natürlich) Liberalen diffamiert, wenn auch aus völlig unteschiedlichen ideologischen Blickwinkeln heraus. In Deutschland fordert die Linke die Verstaatlichung ganzer Branchen, insbesondere der Banken, in Ungarn belegt Orbán die Multis, die jahrelang von Steuersubventionen auf Kosten des Mittelstands profitierten, mit Robin-Hood-Steuern. Und dann weist er auch noch die östereichischen Banken in die Schranken und plädiert für eine Schadensteilung, damit die kleinen Häuslebauer nicht allein die Misere schlechter rodukte tragen müssen…“linker“ geht es ja wohl kaum.

      Aber weil man Orbán diese „linken“ Elemente nicht, oder jedenfalls nicht kampflos, überlassen darf, spricht man einfach von „linkspopulistisch“ und schon scheint das Rad wieder rund zu laufen. Manch ein linker Vordenker muss sich offenkundig sehr auf die Zunge beißen, oder etwa nicht? Vielleicht sind die emotionalen Ausraster z.B. von Dany „le Rouge“ Cohn-Bendit auch deshalb so gut zu verstehen: Wer – wie Orbán – die Seiten so komplett wechselt, von seiner Vergangenheit im linksliberalen Spektrum nichts mehr wissen will (ich halte diesen Charakterzug übrigens nicht für sehr lobenswert) und dann sogar noch traditionell linke Ideen nach rechts mitnimmt, klaut, hat eben besonders schwer mit ehemaligen Weggefährten …. 🙂

  2. Ein Gedanke nebenbei – Ich fand die Anfangsphase der Fidesz-Politik sehr gut und ideenreich, aber es scheint sich nach dem ausgebliebenen Erfolg eine grosse Konzeptlosigkeit breitzumachen – besonders in der Steuerpolitik. Erst wurde vereinfacht, seither werden tausend neue Steuern und Ausnahmen und Zusaetze dazuerfunden, und es scheint fast schlimmer als vorher (besonders für kleine und mittlere Unternehmen)

    • Steuerpolitisch die richtige Politik zur falschen Zeit. Die Flat Tax könnte mittelfristig eine gute Idee sein (bzw. hätte sein können), zwei Gründe:

      1. Steuerwettbewerb in der Region.
      2. Niedrige Steuern gegen die Schattenwirtschaft.

      In der Situation, in der das Land ist (war), war ihre Einführung aber ein sehr gewagtes Projekt. Und es sieht ganz danach aus, als ginge die Rechnung nicht auf. Leider, denn ich halte die Flat Tax für keine so schlechte Idee. Auch wenn die Besserverdiener überproportionel profitieren – wer trägt denn eine Demokratie? Der Mittelstand, und der wird allenorts geschröpft, was das Zeug hält…

      Die derzeitige Konzeptionslosigkeit ist auffällig, und die Sturheit, mit der Ansätze von IWF und EU abgeblockt werden, ist ausgesprochen schädlich. Man sollte sich nicht einigeln, Macchiavelli nämlich hat in der Wirtschaftspoliik eines Landes nichts verloren.

  3. HV also ob ich zustimme oder nicht ist doch uninteressant. Der Standard und andere Zeitungen pflegen nicht meine Zustimmung zu einem Artikel einzuholen.
    Aber ich finde es gut, dass der Standard Rona publiziert. Ich glaube die haben auch ein Interview mit Mellár gemacht. Natürlich würde ich auch gerne eines mit Matolcsy lesen.
    Was seine (und Orbáns) Wirtschaftspolitik betrifft, habe ich das Gefühl, dass die beiden auf eine totale Staatspleite hinarbeiten. Wieder einmal kann ich nur hoffen mich zu irren, denn eine solche hätte katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung, was niemand wünschen kann.
    In Népszava wird heute ein Interview mit Richter Baka András publiziert und HV dazu hätte ich gerne Ihre Meinung gelesen. Wobei ich keine Ahnung habe wie Sie seine Aussagen beurteilen. Das macht mich also neugierig und ich nehme an, dass es auch andere Leser gibt, die neugierig sind.

  4. Sondersteuern für Banken und Multis. Kontrolle der Energie durch den Staat. Verstaatlichung der Renten- und Krankenversicherung. Einführung einer Flat Tax für untere Einkommen Möglichkeiten Fremdwährungskredite so zu tilgen. Das sind mutige und richtige Schritte um ein Land unabhängiger, sozialer und demokratischer zu machen, wenn

    Ja wenn, das Rentensystem beispielsweise wie in der Schweiz ausgelegt wird oder die Flat Tax so gewählt wir, dass untere Einkommen entlastet werden und obere Einkommen eine Progressionssteuer bekommen oder spürbare soziale Absicherung erfolgt.

    Wenn nur Löcher gestopft werden, Konzeptlosigkeit herrscht, Freiheiten beschränkt und soziale Probleme verstärkt werden. Dazu nationale Phrasen gedroschen und die eigene Macht zementiert wird

    Dann hat man die Bevölkerung nicht mitgenommen auch nicht ernst genommen, ohne die es nicht geht.

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